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Seiffen/Erzgeb. hatte am 31.12.2025 1.800 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 42 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Seiffen/Erzgeb.
Seiffen liegt im Erzgebirge, 60 Kilometer südöstlich von Chemnitz und nahe der tschechischen Grenze, in 650 bis 800 Metern Höhe, fast auf dem Erzgebirgskamm. Die Gemeinde umfasst 12,43 Quadratkilometer. Das Dorf zieht sich an einer Hauptstraße entlang, an der sich Werkstätten und Läden reihen.

Der Ort ist ein Kurort und ein staatlich anerkannter Erholungsort, aber vor allem als Spielzeugdorf bekannt. Anders als Annaberg-Buchholz oder Schneeberg wurde Seiffen nie eine Stadt und nie ein Ort des Silbers: Sein Metall war das Zinn, und was nach dem Zinn kam, war Holz. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Gemeinde 1.800 Einwohner.
Der Name verrät die Herkunft. Er geht auf das Auswaschen von Zinn aus einer Seifenlagerstätte zurück: Man wusch die Gerölle des Baches aus, dabei spülte das Wasser leichte Bestandteile weg, und die schweren Zinnsteinkörner blieben zurück. Vermutlich stießen Zisterzienser aus dem böhmischen Kloster Osek im 13. Jahrhundert auf diese Lagerstätte. In einer Urkunde von 1324 für die Burgen Sayda und Purschenstein werden erstmals Zinnseifner genannt, und 1451 ist der Ort als Czenseyffen zweifelsfrei belegt.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ging man dazu über, Zinn auch aus dem festen Gestein zu gewinnen. Im Mittelpunkt stand ein Zinnstock, der etwa 9 Hektar maß und bis in rund 30 Meter Tiefe reichte, hundert Meter östlich der heutigen Kirche. Tagebau und Tiefbau wechselten sich ab, und Spuren des Feuersetzens sind an den beiden Bingen Neuglück und Geyerin noch zu sehen. 1480 erhielt der Grundherr Kaspar von Schönberg auf Schloss Purschenstein das Recht, die Zinnbergwerke selbst zu verleihen.
Reich wurde damit kaum jemand. Der Bergbau war wenig profitabel und wurde überwiegend von selbstständigen Bergleuten betrieben, sodass der Ort nur langsam wuchs. 1486 zählte er 65 Einwohner in 13 Häusern, 1551 waren es 146. Ab 1550 trieben die Knappen den etwa 600 Meter langen Johannisstolln voran, der den Zinnstock entwässerte, und 1560 gab es im Tal des Seiffenbaches 8 Pochwerke. Die Einwohnerzahl stieg bis 1618 auf 240, nach der Ankunft böhmischer Exulanten ab 1635 bis 1660 auf 380.
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erreichte der Zinnabbau seinen Höhepunkt. Zwischen 1705 und 1755 hatten etwa 90 Prozent der Berufsangaben einen Bergbaubezug, und nur drei Drechsler wurden genannt. Die Zinnausbeute lag 1730 bei 508 Zentnern. Nach 1750 ebbte sie wegen der Erschöpfung der Lagerstätte stark ab; 1772 wurden nur noch 16 bis 18 Zentner registriert. Der schwach betriebene Bergbau endete 1855.
Nicht nur das Zinn prägte die Gegend. Die Glasmacherei hat im Seiffener Winkel Traditionen, die bis in die Zeit um 1200 zurückreichen. Die Glashütte Heidelbach, deren Gründung ein Kirchenbuch auf das Jahr 1488 datiert, belieferte den Dresdner Hof, und ihr Besitzer Michael Nehmitz überwachte die Versuche Johann Friedrich Böttgers zur Porzellanherstellung. 1827 stellte sie die Produktion ein.
Als das Zinn ausblieb, lag das Holz vor der Tür. Schon im 16. Jahrhundert stellte man in Seiffen nebenbei Schüsseln und Schaufeln her, und 1650 und 1655 werden erstmals ansässige Holzdrechsler urkundlich genannt, die Teller, Knöpfe und Spindeln fertigten. Mit dem Niedergang des Bergbaus wurde daraus mehr: Die wirtschaftliche Not zwang die Bergleute, sich dem Drechseln zuzuwenden. Von den über 30 wassergetriebenen Pochwerken wurden manche stillgelegt und zu Drehwerken umgerüstet.
Früh entstand neben Gebrauchsgegenständen auch Spielzeug. Ab 1760 wurde die Seiffener Ware über Nürnberg und Leipzig europaweit gehandelt, ab 1784 auch nach Übersee ausgeführt. Sie setzte sich durch, weil sie wegen der niedrigen Löhne im Erzgebirge günstig und in großer Vielfalt massenhaft hergestellt werden konnte. 1810 kam das Reifendrehen hinzu. Die Zahl der Beschäftigten wuchs von 27 im Jahr 1771 auf 110 im Jahr 1800, und 1868 verdienten 937 von 1.438 Einwohnern ihren Lebensunterhalt mit Spiel- und Holzwaren.
Die Ausbildung folgte dem Gewerbe: 1852 entstand eine staatliche Spielwarenfachschule, 1919 gründete sich der Wirtschaftsverband der Erzgebirgischen Spielwarenverfertiger. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts stellten die Spielzeugmacher immer kleinere Figuren, Häuser und Fahrzeuge her, bis hin zu Kleinstspielzeug in Zündholzschachteln. Ursache waren steigende Holzpreise und veränderte Zollbestimmungen wichtiger Importländer, die Gewichtszölle einführten und sperriges Großspielzeug beim Export erschwerten. Die von Max Schanz entworfenen Striezelkinder erhielten auf der Pariser Weltausstellung 1937 eine Goldmedaille. Zu den Söhnen und Töchtern der Gemeinde zählen die Volkskünstlerin Auguste Müller und Friedrich Wilhelm Füchtner, der als Erfinder des Nussknackers als Drechselfigur gilt.
Heute ist Seiffen eine zentrale Produktions- und Verkaufsstätte für Holzspielwaren im Erzgebirge und wird deshalb Spielzeugwinkel genannt. Über 140 Handwerksbetriebe und Volkskunsthersteller sind in der Genossenschaft Dregeno zusammengeschlossen, überwiegend kleine Werkstätten und Familienbetriebe. In der Adventszeit besuchen an Wochenenden bis zu 30.000 Menschen den Ort, und das Spielzeugmuseum zählt jährlich etwa 50.000 Besucher. Seit 1990 gibt es einen Weihnachtsmarkt mit Festumzug und Bergparade.
Der Tourismus ist neben dem Holzkunsthandwerk die Hauptsäule der Wirtschaft. Der touristische Erfolg hat allerdings eine Kehrseite. Wegen der abseitigen Lage gilt die Wirtschaft im regionalen Vergleich als strukturschwach, und die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in der Gemeinde hat sich zwischen 2000 und 2011 fast halbiert. Der Bahnhof außerhalb des Ortes wird seit 2001 im Personennahverkehr nicht mehr bedient, und die Strecke ist seit 2023 stillgelegt.
Die Kirche prägt das Ortsbild. Christian Gotthelf Reuther plante sie in Anlehnung an die Dresdner Frauenkirche, und von 1776 bis 1779 wurde sie gebaut, mit einem für eine Dorfkirche ungewöhnlichen achteckigen Grundriss. Auf der Wetterfahne steht eine Bergmannsfigur aus Bronze, die auf den Zinnbergbau verweist, und die Kirche gilt als Zeugnis der Frömmigkeit der Bergleute. Sie ersetzte die Bergkapelle von etwa 1570, die wegen Baufälligkeit abgerissen wurde.
Was vom Bergbau und vom Handwerk erhalten ist, zeigt das Erzgebirgische Freilichtmuseum, das seit 1973 dem 1953 eröffneten Spielzeugmuseum angegliedert ist. Dort kann man ein 1760 fertiggestelltes Wasserkraftdrehwerk besichtigen. Zu den Denkmalen des Ortes zählen außerdem ein Wasserkraftsägewerk, das Spankorbmacherhaus, das Spielzeugmacherhaus und die Bergbaumonumente rund um die Binge Geyerin.

Der Heidengraben, um 1600 als Kunstgraben angelegt, leitete Wasser aus dem Einzugsgebiet der Schweinitz zu den Pochwerken. Auf dem Schwartenberg, der 789 Meter erreicht, steht eine Baude, die 1926 vom Erzgebirgsverein errichtet wurde.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: IKE
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Eigenständig ist Seiffen dabei geblieben: Die Gemeinde ist Kurort seit 1956 und bildet mit Deutschneudorf und Heidersdorf eine Verwaltungsgemeinschaft. Bei einem Bürgerentscheid am 13. November 2011 lehnten 55 Prozent der Seiffener Bürger eine Fusion mit Neuhausen ab.






