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Seligenstadt hatte am 31.12.2025 21.225 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 62 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Seligenstadt
Seligenstadt liegt im Osten des Landkreises Offenbach am linken Ufer einer Mainschleife; jenseits des Flusses beginnt Bayern. Der Ort sitzt auf 111 m, das Stadtgebiet umfasst 30,85 Quadratkilometer, und ein guter Teil davon ist Wald. Ende Dezember 2025 hatte die Stadt 21.225 Einwohner.

Der Name klingt fromm und ist es auch, wenn auch nicht so, wie man denkt. Er geht auf zwei Heilige zurück, deren Gebeine in Rom gestohlen und hierher gebracht wurden. An dieser Stelle lag zuerst ein römisches Kastell, dann eine Benediktinerabtei, ein staufischer Königshof und schließlich eine Stadt am Fluss und an der Straße.
Was Seligenstadt heute erzählt, ist deshalb doppelt: eine karolingische Basilika mit barockem Klosterhof auf der einen Seite, ein dichtes Fachwerkviertel und ein mittelalterlicher Geleitsbrauch auf der anderen.
Unter dem heutigen Marktplatz liegen römische Fundamente. Um das Jahr 100, unter Kaiser Trajan, entstand hier ein Kohortenkastell mit dem Namen Castrum Selgum; die dort liegende Einheit sicherte den Abschnitt des Limes, der am Main entlanglief. Um 260, als die Alamannen den Limes überrannten, wurde das Kastell aufgegeben und die Römer zogen sich hinter den Rhein zurück. Auf den Trümmern entstand später die frühmittelalterliche Siedlung Mulinheim superior, also Obermühlheim.
Der Ortsname änderte sich mit einer Schenkung und einem Diebstahl. Nach einer Abschrift im Codex Laureshamensis übergab Ludwig der Fromme das fränkische Gut Obermulinheim am 11. Januar 815 an Einhard, den Biographen Karls des Großen; Einhard gründete hier ein Benediktinerkloster. Die in Rom entwendeten Gebeine der Märtyrer Petrus und Marcellinus kamen 828 aus der Basilika im Odenwälder Steinbach hierher, und der Ort wurde zum Wallfahrtsziel.
Bald darauf hieß er nicht mehr Obermühlheim, sondern Seligenstadt. Ein frühes Zinsregister weist für die Zeit kurz vor 1000 Einkünfte aus vierzig Orten beiderseits des Mains aus, und diese Grundlage machte das Kloster wohlhabend. 1028 tagte in der Stadt eine Synode, deren wichtigstes Ergebnis die Einführung des Quatember mit strengen Fastenregeln war, und 1063 bestätigte Kaiser Heinrich IV. dem Mainzer Erzbischof den rechtmäßigen Besitz der Abtei. Die Staufer machten daraus einen Ort der Reichspolitik. Bei einem Hoftag am 23. April 1188 schloss Kaiser Friedrich Barbarossa mit König Alfons dem Achten von Kastilien den Ehevertrag zwischen ihren Kindern Konrad und Berenguela; in seiner Regierungszeit erhielt der Ort Stadtrechte und am Mainufer entstand ein Palatium. 1346 gehörte Seligenstadt als eine von neun Städten zu den Gründern des Neunstädtebunds im Mainzer Oberstift, und die Stadt durfte eigenständig Steuern erheben und bewilligen. Dieses Selbstverwaltungsrecht endete mit erzbischöflichen Verfügungen von 1527 und 1528; 1527 erließ Erzbischof Albrecht von Brandenburg zudem eine Stadtordnung, die die Rechte der Bürger stark einschränkte.
Mit der Säkularisation von Kurmainz kamen Stadt und Amt 1803 an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die Abtei wurde aufgehoben. Ab 1832 gehörte Seligenstadt zum Kreis Offenbach. Am 1. Mai 1882 ging die Eisenbahnstrecke Hanau–Seligenstadt–Eberbach in Betrieb; der Bahnhof liegt bis heute an dieser Strecke.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die jüdische Gemeinde der Stadt vernichtet. In den ersten Jahren der NS-Herrschaft wanderte ein Teil der damals 146 Seligenstädter Juden aus, die meisten nach Nord- und Südamerika. Im Novemberpogrom 1938 ging die Synagoge in Flammen auf; zehn Männer schlug man ins Gefängnis im Klosterhof und verschleppte sie anschließend nach Buchenwald. Im Mai 1939 lebten noch 77 jüdische Einwohner in der Stadt, ab 1941 mussten die Verbliebenen in vier sogenannten Judenhäusern wohnen, und im Herbst 1942 wurden sie über Sammelstellen nach Theresienstadt gebracht. Insgesamt 103 aus Seligenstadt stammende Juden wurden ermordet. Unter den Opfern war auch der 1854 in Seligenstadt geborene Mathematiker Isaak Bacharach, nach dem ein mathematischer Satz benannt ist. Er wurde 1942 mit 87 Jahren von Nürnberg aus ins Ghetto Theresienstadt deportiert und zwölf Tage später für tot erklärt.
Die Einhard-Basilika St. Marcellinus und Petrus ist der Bau, um den herum alles andere entstand. Sie wurde über die Jahrhunderte stark verändert, enthält aber weiterhin karolingische Substanz, und seit 1925 trägt sie den von Papst Pius dem Elften verliehenen Ehrentitel einer Basilica minor. Südlich schließt die 1803 aufgehobene Benediktiner-Klosteranlage an, mit barocken Flügelbauten sowie großflächigen Hof- und Gartenanlagen; sie ist vollständig restauriert. Am südlichen Rand des mittelalterlichen Kerns steht die 1847 im byzantinischen Stil mit romanisierenden Formen erbaute evangelische Kirche.

Aus staufischer Zeit stehen zwei Reste. Vom Palatium am Mainufer, dem Roten Schloss, ist nur die Mainfront erhalten, mit Doppel- und Dreifacharkaden und Überfangbögen aus rotem Sandstein; der Rechteckbau maß 47 mal 14 Meter und war damit im Vergleich zu anderen Kaiserpfalzen klein. Erste Restaurierungsarbeiten liefen 1938, seit 1996 wird an Süd- und Westwand rekonstruiert. Aus derselben Zeit stammt das Romanische Haus, ein massiver Steinbau mit großen Arkaden im Sockelgeschoss und einer Blendarkade unter dem Staffelgiebel. Es war 1187 Vogtei und 1188 Schauplatz des Hoftags; restauriert wurde es 1984, und 1986 erhielt es den Denkmalschutzpreis des Landes Hessen.
Die Stadtbefestigung wurde im 12. Jahrhundert angelegt und im 15. Jahrhundert verstärkt. Sie hatte vier Tortürme und sechs Bollwerktürme; erhalten sind das Steinheimer Tor, das zwischen 1603 und 1605 entstand, sowie drei der Bollwerktürme. Der übrige Teil fiel im 19. Jahrhundert. Das Rathaus am Marktplatz wurde 1823 erneuert und fällt als klassizistischer Bau mit großen Arkaden zwischen den Fachwerkhäusern auf; in ihm stecken zwei Wappensteine mit Drachenköpfen vom Vorgängerbau von 1539, und sein quadratischer Turm stammt von der abgerissenen Pfarrkirche, deren Aufgaben 1812 die Basilika übernahm.
Das Fachwerk der Stadt stammt überwiegend aus dem 17. und 18. Jahrhundert und steht am Marktplatz und in den Gassen ringsum — Steinheimer Straße, Große und Kleine Fischergasse, Große und Kleine Maingasse, Freihofstraße. Dazu gehören die Alte Schmiede am Markt, die historische Apotheke mit dem Emblem des Apothekers mit Mörser und das Einhard-Haus von 1596 mit reich dekoriertem Erker. An diesem Erker steht der Spruch einer Legende, die den Namen anders erklärt als die Geschichte. Nach ihr erkannte Karl der Große in einem Gasthaus seine vom Hof verwiesene Tochter Emma am Geschmack ihrer Pfannkuchen wieder und sprach: Selig sei die Stadt genannt, da ich meine Tochter Emma wiederfand. Die Geschichte führt den Namen dagegen auf die Reliquien der Heiligen Petrus und Marcellinus zurück.
Der Seligenstädter Brauch mit den tiefsten Wurzeln heißt Geleit und stammt aus dem Handel. Wer aus Augsburg oder Nürnberg mit Fuhrwagen zur Frankfurter Messe wollte, hatte die Wahl zwischen dem Weg über den Spessart und dem Weg am Fluss — beide endeten am Rastplatz Seligenstadt. Der Weg war gefährlich, denn reiche Kaufleute waren für Wegelagerer ein lohnendes Ziel. Deshalb stellte Kaiser Friedrich der Zweite die Kaufleute im Jahr 1240 durch einen Geleitsbrief unter kaiserlichen Schutz, und jeder betroffene Landesherr musste den Durchreisenden fortan gegen Entgelt bewaffneten Schutz gewähren. In der Nähe der Stadt wechselte die Geleitstruppe: Kurmainzer Soldaten übergaben den Zug an Frankfurter Schutztruppen.

Aus dieser Übergabe wurde ein Aufnahmeritual. Neulinge unter den Kaufleuten mussten den Geleitslöffel, der einen Liter Wein fasst, in einem Zug leeren, um in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden; wer diese Nagelprobe nicht bestand, musste die Gilde freihalten, also die Verpflegung bezahlen. In gemäßigter Form ist der Löffeltrunk bis heute der Höhepunkt des Geleitsfestes, das der Heimatbund alle vier Jahre ausrichtet. Seit 2003 stellt ein Arbeitskreis zusätzlich alle vier Jahre einen historischen Kaufmannszug nach, und seit 1989 pflegt die Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel das Ritual mit Ordensmeister, Fauth, Löffelmeister, Examinator und Protokollanten.
Der zweite Brauch ist lauter. Der Seligenstädter Fastnachtszug am Rosenmontag ist seit 1859 nachweisbar, zieht mit 99 Zugnummern durch die historische Innenstadt und lockt im Schnitt 40.000 Besucher an. In der Fastnachtszeit nennen sich die Seligenstädter Schlumber und ihre Stadt Schlumberland, regiert von einem Prinzen- und einem Kinderprinzenpaar. Am Sonntag davor läuft ein eigener Kinderfastnachtsumzug — zwei Umzüge in einer Stadt sind selten. Die inoffizielle Fastnachtsfahne ist eine um Grün ergänzte Abwandlung der Mainzer Fahne, in der Reihenfolge grün, weiß, blau, gelb, rot.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Eine eigene Geschichte hat das Viertel Klaa-Frankreich in der Rosengasse. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die hiesige Bevölkerung durch Kämpfe, Hunger und Pest dezimiert, und Abt Leonhard Colchon siedelte Menschen aus seiner wallonischen Heimat an. Familiennamen wie Beike, Massoth, Bonifer, Dutine, Oger und Assion weisen noch auf diese frankophone Zuwanderung hin. Auffällig ist auch, was 1938 am Stadtrand entstand: ein 51,70 Meter hoher Wasserturm, dessen pickelhaubenförmiges Dach an einen barocken Schlossturm erinnert und der als Kulturdenkmal geführt wird.







