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Stade hatte am 31.12.2025 48.699 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 56 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Stade
Der Name ist ein Wort für Ufer. Im Altsächsischen hieß es stath, im Mittelniederdeutschen stade, und gemeint war meist die Mündung eines kleineren Nebenflusses. Hier ist es die Schwinge, die ein Stück vor der Elbe einen Geestsporn umfließt.
Auf diesem Sporn liegt die Stadt, und ihr Grundriss erzählt drei Dinge auf einmal. Er hat einen Hafen, der älter ist als das Stadtrecht. Er hat Straßenzüge, die nach einem Brand von 1659 unverändert neu bebaut wurden. Und er hat Wälle, die nicht aus deutscher Hand stammen, sondern aus schwedischer — denn siebzig Jahre lang regierte von hier aus Schweden zwei Herzogtümer. Ende 2025 zählte die Stadt 48.699 Einwohner.
Um 650 nach Christus entstand westlich der heutigen Altstadt eine befestigte Siedlung mit Schiffslände, die um 800 aus unbekannten Gründen aufgegeben wurde; die Bewohner zogen auf den Geestsporn, auf dem die Stadt bis heute liegt. Um 900 wurde darauf zur Verteidigung eine Burg errichtet. 994 plünderten Wikinger den Ort — und mit diesem Ereignis wird er als Stethu erstmals schriftlich erwähnt. Um 1000 baute man die natürliche Schiffslände zu dem aus, was heute der Alte Hansehafen ist.

Die mittelalterliche Stadt bestand aus fünf Vierteln, und jedes hatte seine eigene Kirche. Um das Kloster St. Georg lag das Klosterviertel, daneben das Kaufmannsviertel mit der Kirche Cosmae und Damiani, um die Bischofskirche St. Wilhadi das Viertel des Bremer Bischofs, im Norden das Fischerviertel mit St. Nicolai und schließlich das Burgviertel der Grafen mit St. Pankratii. 1038 erhielt das Erzbistum Bremen von Kaiser Konrad das Recht, auf kirchlichem Grund einen Markt mit Münze und Zoll einzurichten — neben der gräflichen Siedlung entstand so ein zweiter, kirchlicher Bereich.

Nach dem Aussterben der Grafen fiel Stade an Heinrich den Löwen, der die Stadt vereinte und mit Wall und Graben befestigte. Nach dessen Entmachtung 1180 stritten Erzstift und Welfen um sie, was die Stadt für sich zu nutzen wusste: 1209 verlieh Kaiser Otto ihr das Stadtrecht, 1236 bestätigte das Erzstift es und gab dazu Stapelrecht und Befreiung von der Heerfahrt. Eine Handschrift des Stader Stadtrechts von 1279 liegt im Stadtarchiv. Im selben Jahr gab sich der Bürgerrat eine eigene Verfassung, die Stader Statuten. Der Hanse gehörte die Stadt früh an und schickte ab 1373 Vertreter zu den Hansetagen.
Der Alte Hansehafen ist das wirtschaftliche Herz der Stadt gewesen. Um 1300 bekam er ein erweitertes Becken mit seitlichen Kaimauern, schon fast in der Form, die er heute hat; die Schwinge wurde ab dem 15. Jahrhundert mehrfach vertieft. Durch Aufschüttung von Marschboden wuchs das Stadtgebiet um mehr als ein Drittel.
An diesem Hafen steht der Schwedenspeicher von 1705, der seit 1977 als Museum dient. Daneben liegt das Bürgermeister-Hintze-Haus, dessen Renaissancefassade von 1621 stammt; 1930 riss man den baufällig gewordenen Bau ab und setzte die Fassade 1932 aus gesichertem Material wieder zusammen.

Zwei Gebäude wären beinahe verschwunden. Die Stadtwaage von 1753, bis ins 19. Jahrhundert Zollhaus, sollte Mitte der 1970er Jahre abgerissen werden, und der Rat erwog damals zugleich, den tausend Jahre alten Hansehafen zuzuschütten und dort einen Parkplatz anzulegen. Beides unterblieb; das Fachwerkhaus ist heute saniert. 1977 wurde am früheren Standort des Salzkrans von 1661 ein Tretkran nach dem Vorbild des Lüneburger Alten Krans errichtet, allerdings ohne innere Mechanik — das baufällige Original war 1898 abgebrochen worden.

Der Elbhandel hatte seine eigene Kontrollstelle. Bei Brunshausen an der Schwingemündung lag eine Elbzollstation aus erzbischöflicher Zeit; 1663 stationierten die Schweden dort erstmals eine Zollfregatte als dauerhaftes Wachschiff. Die Einrichtung bestand unter wechselnden Herren bis 1850, die Zollstation auf der Schwinger Schanze bis 1865.
In Stade bestehen bis heute vier historische Brüderschaften, drei davon aus dem Spätmittelalter. Die St.-Pankratii-Brüderschaft geht auf 1414 zurück, die St.-Antonii-Brüderschaft auf 1439, die Rosenkranz-Gotteshülfe-Brüderschaft auf 1482; alle drei entstanden als Vereinigungen zum gemeinsamen Gebet. 1556 kam als nachreformatorische Gründung die Kaufleute- und Schifferbrüderschaft hinzu, ein Zusammenschluss von Fährschiffern und Getreidekaufleuten.
Ihr Zweck war und ist soziale Fürsorge: Hilfe für Mitglieder und Angehörige und Unterstützung der sogenannten verschämten Armen, also derjenigen, die unverschuldet in Not geraten sind und sonst keine Hilfe bekämen. Im 17. Jahrhundert sammelten die Mitglieder der Schifferbrüderschaft Spenden, um Seeleute aus türkischer Gefangenschaft freizukaufen. Im 18. Jahrhundert stagnierten die Vereinigungen, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebten sie ihre Blütezeit — und sie sind bis heute in Fürsorge und Kulturförderung tätig.
Verfolgt und ermordet wurden auch Menschen aus Stade. Mindestens 18 Stader wurden in Konzentrations- oder Vernichtungslagern ermordet. Der ab 1824 belegte jüdische Friedhof wurde nach 1940 nicht mehr fortgeführt und noch im selben Jahr von Behörden geräumt; von zuletzt 30 Grabsteinen blieben drei stehen. Ab 1943 wurden Kleinkinder von Zwangsarbeiterinnen in eigenen Heimen untergebracht, wo 65 von ihnen an Unterernährung und bewusster Vernachlässigung starben. An die Opfer erinnern heute Gedenksteine Am Sande und Stolpersteine im Stadtgebiet.
Wie schwer sich die Stadtgesellschaft mit den Tätern tat, zeigte sich noch 2002, und wieder spielte eine Brüderschaft eine Rolle. Die Stadt vermittelte damals dem Feinkosthändler Gustav Cäsar Wolters zur Geschäftsaufgabe einen Ehrungsbrief des Bundeskanzlers — obwohl stadtbekannt war, dass Wolters als Mitglied des Einsatzkommandos 9 an den Massakern von Witebsk mit etwa 15.000 Opfern beteiligt und von einem britischen Militärgericht zu 13 Jahren Haft verurteilt worden war, von denen er drei absaß. 1950 war er nach Stade zurückgekehrt, sechs Jahre später nahm ihn die Brüderschaft St. Pankratii auf, der die Honoratioren der Stadt angehören.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT_HANSE
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Der Bruch mit dem Bund kam aus Handelsgründen. 1601 wurde Stade zum zweiten Mal und nun dauerhaft verhanst, also ausgeschlossen, weil es 1587 englische Tuchkaufleute der Merchant Adventurers aufgenommen hatte. Die Engländer zogen 1611 ohnehin nach Hamburg weiter.
Mit dem Dreißigjährigen Krieg wechselten die Herren. 1625 rückten dänische Truppen ein, 1628 nahm Tilly die Stadt für die Katholische Liga, kurz darauf hielten sie die Schweden bis 1636. Im Februar 1645 eroberten sie sie endgültig und bekamen sie 1648 im Westfälischen Frieden zugesprochen; Stade wurde schwedischer Regierungssitz der Herzogtümer Bremen und Verden. Am 26. Mai 1659 vernichtete ein Stadtbrand zwei Drittel der Stadt, die mit unverändertem Grundriss wieder aufgebaut wurde. 1667 entstand das Rathaus neu auf den Gewölben seines Vorgängers. Die schwedische Herrschaft endete 1712 mit einer dänischen Belagerung, bei der ein Bombardement vom 29. August bis 7. September 152 Wohnhäuser zerstörte. 1715 kam die Stadt an das Kurfürstentum Hannover. Den 1601 verlorenen Titel Hansestadt bekam Stade erst mehr als vierhundert Jahre später zurück: Ab April 2009 durfte es ihn wegen seines Charakters als Seehafenstadt wieder führen; die Urkunde wurde am 29. April 2009 zum 800. Jubiläum des Stadtrechts übergeben.






