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Steinau an der Straße hatte am 31.12.2025 10.110 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 48 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Steinau an der Straße
Der Zusatz im Namen ist kein Schmuck, sondern eine Ortsangabe. Steinau liegt im Kinzigtal zwischen Spessart und Vogelsberg auf einer Höhe von 175 m, und die Straße, die den Namen trägt, ist die Via Regia: die alte Handelsverbindung zwischen den Messeplätzen Frankfurt am Main und Leipzig. Wer im Mittelalter mit Ware nach Osten wollte, kam hier vorbei, und die Stadt hat von diesem Vorbeikommen gelebt.
Das Stadtgebiet umfasst 104,86 Quadratkilometer und reicht von den Wiesen an der Kinzig bis in die Wälder des Spessarts. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 10.110 Einwohner. In seiner Mitte steht ein Amtshaus, in dem ein Verwaltungsbeamter mit sechs Kindern wohnte. Zwei dieser Kinder hießen Jacob und Wilhelm Grimm.
Steinau erzählt sich deshalb heute über Märchen. Die ältere Geschichte der Stadt ist aber eine des Transports: Geleit, Postkurse, Fuhrleute, Gasthäuser.

Ursprünglich gehörte der Ort zur Grafschaft Rieneck. Wer im westlichen Spessart herrschte, war lange strittig; der Streit endete 1271 zugunsten des Mainzer Erzbischofs Werner von Eppstein, und zum Frieden gehörte eine Heirat, durch die Steinau als Aussteuer an Hanau fiel. Das Stadtrecht folgte bald: Am 4. Juli 1290 erhielt der Ort von Ulrich I. jenes von Gelnhausen.
Eine hanauische Burg sicherte fortan das Geleit auf der Handelsstraße; ihr quadratischer Bergfriedstumpf aus dem 13. Jahrhundert steht noch. Aus ihr wurde das Schloss Steinau, das später oft als Witwensitz Hanauer Gräfinnen diente. Der Marstall daneben stammt von 1557. Als Hauptort eines Amtes blieb die Stadt hanauisch, bis im Jahr 1736 mit Johann Reinhard dem Dritten der letzte Graf starb und die Grafschaft Hanau-Münzenberg an die Landgrafschaft Hessen-Kassel überging.
Von der Wehrhaftigkeit dieser Durchgangsstadt steht noch einiges. Die Stadtmauer mit ihren Wehrtürmen umschließt den Altstadtkern, und von der Landwehr sind vier Warten geblieben — nördlich die Marborner Warte und die Ohlwarte, südlich die Bellinger Warte und die Seidenröther Warte. Dazu kommen ein Burgmannenhaus, Gasthäuser wie das Weisse Ross und eine lange Reihe von Fachwerkhäusern an der Stadtmauer.
Wie sehr die Straße den Ort geprägt hat, zeigt die Post. Nachdem das Haus Thurn und Taxis in Frankfurt ein Oberpostamt eingerichtet hatte, legte der Postmeister Johann von den Birghden im Jahr 1616 einen festen Postkurs auf der Strecke Frankfurt–Leipzig fest, und Steinau bekam eine Posthalterei. Die Briefsammelstelle in der örtlichen Apotheke wurde 1839 zur Postexpedition erhoben. Dann kam die Eisenbahn: Mit der Aufnahme des Bahnbetriebs auf der Linie Hanau–Fulda im Jahr 1868 endete der Reisepostverkehr rasch. Die letzte Postkutsche fuhr 1925, und damit war der Weg vom Geleit zur Eisenbahn abgeschlossen.
Die politischen Zugehörigkeiten wechselten im üblichen hessischen Takt: 1866 fiel Kurhessen und damit Steinau an Preußen, nach dem Zweiten Weltkrieg lag der Ort in der amerikanischen Besatzungszone, und mit der Gebietsreform kam er 1974 zum Main-Kinzig-Kreis. Den amtlichen Namenszusatz trägt die Gemeinde seit dem 1. Januar 1978; er unterscheidet sie von anderen Orten gleichen Namens.

Philipp Wilhelm Grimm war in Steinau Amtmann, also Verwaltungsleiter des Amtes, und wohnte mit seiner Familie im Amtshaus. Das Gebäude war 1562 als Dienstsitz der hanauischen Amtmänner errichtet worden. Jacob und Wilhelm Grimm lebten hier in ihrer Kindheit von 1791 bis 1796; ihre Schwester Charlotte Grimm kam in Steinau zur Welt. Die Katharinenkirche, deren Bau ins 13. Jahrhundert zurückreicht, diente auch als Grablege für einige Mitglieder der Familie.
Die Zeit endete abrupt: Der Vater starb, die Familie verlor Wohnung und Einkommen, und die Söhne gingen zu Verwandten nach Kassel. Was blieb, war eine Kindheit in einer Kleinstadt voller Handwerker, Fuhrleute und Geschichten — Steinau hat diesen Zusammenhang später zu seinem Markenzeichen gemacht. Seit dem 20. März 2006 trägt die Stadt die amtliche Zusatzbezeichnung Brüder-Grimm-Stadt.
Das Amtshaus ist heute das Brüder Grimm-Haus, daneben steht das Museum Steinau. Der Ort liegt an der Deutschen Märchenstraße und an der Deutschen Fachwerkstraße, und der Hessenweg 11 führt als Brüder-Grimm-Weg von Hanau über Gelnhausen und Wächtersbach hierher.

Auffällig ist, wie stark sich das Erzählen in Steinau auf das Figurenspiel verlagert hat. Das Marionettentheater Die Holzköppe, 1924 als Wanderbühne gegründet, fand 1955 im Marstall ein Domizil und spielte dort bis 2017. Heute ist im Marstall das Theatrium untergebracht, ein Kulturzentrum mit Figurenspiel, Musik und Lesungen, das 2023 mit dem Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises ausgezeichnet wurde. Seit 1993 finden jährlich die Steinauer Puppenspieltage statt, seit 2002 am ersten Sonntag im August der Märchen-Sonntag, bei dem jedes Mal ein anderes Märchen im Mittelpunkt steht.
Dass am Kinzigtalhang Wein wuchs, ist keine Anekdote, sondern aktenkundig. Ein Abt des Salmünsterer Säkularstifts verlangte 1316 von der Stadt seinen Weinzehnten, und der betrug drei Ohm, also etwa 450 Liter. Wahrscheinlich reicht die Tradition noch weiter zurück. Sie endete Mitte des 19. Jahrhunderts.
Dann kam der Fund. Bekannt wurde 2012, dass in der Gemarkung An der Kehl einzelne Rebstämmchen aus der Zeit von 1821 bis 1846 überdauert hatten, also aus der letzten Periode des Steinauer Weinbaus. Sie hatten die Reblaus und alle zwischenzeitlichen Wetteränderungen überstanden. Im April 2019 erklärte der Landrat des Main-Kinzig-Kreises diese historischen Reben zum Naturdenkmal.
Die örtliche Weinbruderschaft hat daraus eine Fortsetzung gemacht. Im neu angelegten Katharinengarten stehen neben den gefundenen Riesling-Reben je 260 Reben der weißen Neuzüchtung Phönix und der roten Sorte Regent; auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern darf dort nach Genehmigung des Weinbauamtes Eltville Wein angebaut werden. In den nördlichen Gemarkungen am Hundsrückberg und am Weinberg finden sich Reste alter Terrassengärten, und dort liegt auch das Naturschutzgebiet Weinberg bei Steinau.
Neben dem Wein gehört zum Jahreslauf der Stadt ein Markt, und der hängt an einer Heiligen. Die Stadtpatronin ist Katharina von Alexandria, die im Stadtwappen mit Rad und Schwert erscheint; sie ist unter anderem Patronin der Töpfer, und Steinau war seit dem Mittelalter ein Töpferort. Seit der Verleihung des Marktrechts durch König Rudolf I. im Jahr 1290 wurde an ihrem Fest Markt gehalten. Den Katharinenmarkt gibt es bis heute, inzwischen am Wochenende um den dritten Sonntag im Oktober.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
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