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Stralsund hatte am 31.12.2025 55.481 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 45 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Stralsund
Wo im 13. Jahrhundert Dominikaner sangen, schwimmen heute Fische. Die Halle der ehemaligen Katharinenkirche beherbergt seit Jahrzehnten die Aquarien des Meeresmuseums, und wer vom Eingang aus nach oben sieht, blickt durch ein eingezogenes Stahlgerüst auf ein gotisches Gewölbe. Dieser Doppelblick passt zu der Stadt: Stralsund liegt mit seinen 55.481 Einwohnern am Strelasund, einer Meerenge zwischen dem Festland und der Insel Rügen, und fast alles an ihr hängt an diesem Wasserstreifen — das Stadtrecht von 1234, die Belagerung, die Wallenstein abbrechen musste, die lange schwedische Zeit und die beiden Brücken, die heute auf die Insel führen.

Am 31. Oktober 1234 verlieh der rügensche Fürst Wizlaw I. der Siedlung am Sund das Stadtrecht nach Rostocker und Lübecker Vorbild. Der Ortsname trägt seine slawische Vorgeschichte mit sich: stral bedeutet Pfeil- oder Speerspitze, das Grundwort -sund steht in den germanischen Sprachen für eine trennende Enge. Nach dem Erlöschen des rügenschen Fürstenhauses 1325 gehörte die Stadt zu Pommern-Wolgast, und ihr politisches Gewicht zeigte sich 1370: Für die Friedensverhandlungen mit Dänemark wurde Stralsund als Ort ausgewählt, und der Vertrag trägt seither ihren Namen.
Die Reformation kam früh. Bereits 1525 traten die Bürger mehrheitlich zum evangelischen Glauben über. Ein Jahrhundert später wurde daraus eine militärische Frage: Im Dreißigjährigen Krieg hielt Stralsund mit dänischer und schwedischer Hilfe der Belagerung durch Wallensteins Truppen stand, und Schweden griff 1628 mit einem Hilfskontingent bei der Verteidigung der Stadt zum ersten Mal in diesen Krieg ein. Daran erinnert bis heute ein Volksfest, die Wallensteintage.
Aus der Waffenhilfe wurde eine Landesherrschaft. Von 1648 bis 1806 gehörte Vorpommern als Schwedisch-Pommern zur schwedischen Krone, regiert von einem Generalgouverneur, den der König ernannte und der dem schwedischen Hochadel angehören musste. Die Landesverfassung selbst war eine Aushandlungssache: Erst die Regimentsform von 1663 einigte König und Landstände. Militärisch blieb die Zeit unruhig, denn im Pommernfeldzug fiel die Festung Stralsund am 23. Dezember 1715 an verbündete Dänen, Preußen und Sachsen, und erst der Frieden von Frederiksborg brachte sie 1720 an Schweden zurück.
Das Ende der schwedischen Zeit begann mit einem Verfassungsbruch. Weil die Landstände einer geforderten Landwehr nicht zustimmen wollten, hob König Gustav IV. von Schweden am 26. Juni 1806 die landständische Verfassung und die Zugehörigkeit Schwedisch-Pommerns zum Reich auf; angekündigt waren zugleich die schwedische Verfassung und Reformen im Rechtssystem, darunter die Aufhebung der Leibeigenschaft. Umgesetzt wurden sie kaum, denn im Juli 1807 besetzten französische Truppen das Land. Im Mai 1809 vertrieb ein Freikorps unter Ferdinand von Schill die Besatzer für kurze Zeit aus der Stadt. Mit dem Jahr 1815 fiel die Stadt an Preußen; sie wurde Sitz eines Regierungsbezirks mit fünf Kreisen, einer Oberpostdirektion und der preußischen Marinebasis.
Das 20. Jahrhundert hat in dieser Stadt zwei Daten hinterlassen, die nicht in einen Festkalender gehören. 1939 wurden aus der Landesheilanstalt Stralsund 1.287 Patienten deportiert und an verschiedenen Orten ermordet. Dem Bombenangriff vom 6. Oktober 1944 fielen etwa 800 Menschen zum Opfer, und weite Teile der Stadt wurden zerstört oder beschädigt.
Die Altstadt liegt fast rundum im Wasser: Der Strelasund und die drei Stadtteiche Knieperteich, Frankenteich und Moorteich geben ihr eine Insellage, die im Mittelalter zugleich Schutz war. Wer von hier auf die Insel Rügen will, nimmt eine von zwei festen Querungen. Der Rügendamm wurde 1936/1937 fertiggestellt und trägt bis heute die Bahnstrecke nach Sassnitz, eine Straße und einen Fuß- und Radweg; zu ihm gehört eine Klappbrücke über den Ziegelgraben, die 133 Meter misst und täglich zu festen Zeiten für die Schifffahrt geöffnet wird.
Die zweite Querung ist jünger und höher. Die 2007 fertiggestellte Rügenbrücke ist eine Hochbrücke ausschließlich für den Kraftfahrzeugverkehr; ihre Gesamtlänge beträgt 4100 m, der Brückenzug über den Sund misst 2831 m. Einmal im Jahr wird dieselbe Strecke schwimmend zurückgelegt: Beim Sundschwimmen von Altefähr nach Stralsund durchqueren bis zu 1000 Teilnehmer 2,3 Kilometer offenes Wasser.

Der Seefahrt verdankt die Stadt auch eine ihrer beständigsten Einrichtungen. Die Schifferbrüder richteten im 15. Jahrhundert die Schiffer-Compagnie ein, die bis heute besteht und Vorläufer von Sozialversicherung und Gewerkschaft in einem war. In der DDR lebte Stralsund vor allem vom Schiffbau auf der Volkswerft, deren Schiffe für die Sowjetunion zeitweise im Zehn-Tage-Rhythmus fertig wurden. Der Betrieb hat den Umbruch nach 1990 überlebt und gehörte seit 2016 zur Gruppe MV Werften.
Der Baubeginn des Stralsunder Rathauses reicht in die Jahre 1300 bis 1310 zurück, und wer heute am Alten Markt steht, sieht vor allem eines: die Schaufassade von 1444, eine Wand, die kein Gebäude dahinter hat. Geschmückt war sie unter anderem mit den Wappen der 1316 besiegten Fürsten. Darunter liegt der Ratskeller, den die Bauleute als einheitlichen Lagerraum mit 1400 Quadratmetern anlegten und in den die Kaufleute ihre Waren über Rutschen vom Markt hinabschickten.
Um diesen Platz herum steht die Baugeschichte der Stadt nebeneinander: die Nikolaikirche, der Artushof, das Wulflamhaus, das Commandantenhus und ein Plattenbau aus der DDR-Zeit. Die drei großen mittelalterlichen Kirchen fasst der Volksmund in einem Satz zusammen — Stralsund habe die mächtige, die prächtige und die schmächtige. Die Nikolaikirche am Alten Markt wurde 1276 erstmals urkundlich erwähnt und ist Nikolaus von Myra geweiht, dem Schutzheiligen der Seefahrer und Händler; ihr Südturm misst bis zum Wetterhahn 102,60 Meter. Am Neuen Markt steht die Marienkirche, ab 1298 begonnen und ab 1382 fast vollständig neu gebaut, mit einem 104 Meter hohen Turm. Die Jakobikirche von 1303 wird heute als Kulturkirche genutzt. Auf dem Alten und dem Neuen Markt findet seit 1512 der Stralsunder Weihnachtsmarkt statt.

Von der Festung, die Stralsund bis 1871 war, sind von zehn Stadttoren nur das Kniepertor und das Kütertor übrig; das im Krieg beschädigte Semlower Tor wurde 1960 gesprengt. Was die Stadt an Bausubstanz hat, ist gezählt: Von mehr als 800 denkmalgeschützten Häusern stehen mehr als 500 als Einzeldenkmal in der Altstadt, und zwischen der Wende 1990 und dem November 2010 wurden 588 von über 1000 Gebäuden der Altstadt durchsaniert, 363 davon Einzeldenkmale. Diese Arbeit ist der Grund, warum die Altstadt 2002 gemeinsam mit der Wismarer in die Welterbeliste kam.
Als die Dänen 1168 die slawischen Fürsten auf Rügen besiegt hatten, begann die Christianisierung des Gebiets; die Siedler kamen überwiegend aus Westfalen. Die evangelische Prägung der Stadt, die 1525 begonnen hatte, ist im 20. Jahrhundert stark zurückgegangen: Zwischen 1949 und 1989 sank der Anteil der Protestanten von etwa 90 % auf etwa 20 %.
Juden kamen im 13. Jahrhundert nach Stralsund, wurden aber im 15. Jahrhundert mit den übrigen Juden aus Pommern ausgewiesen. Erst 1757 erlaubte der schwedische König die Ansiedlung wieder; 1786 begann der Bau einer Synagoge, die am 30. März 1787 geweiht wurde.
Aus dieser Gemeinde kamen zwei Handelsideen, die weit über die Stadt hinauswirkten. Am 15. April 1852 eröffneten die Gebrüder Wertheim in Stralsund ihr Manufactur-Modewaren-Geschäft und bauten hier 1875 ihr erstes Kaufhaus. Am 14. August 1879 machte Leonhard Tietz einen kleinen Laden auf, aus dem der Konzern wurde, der später als Kaufhof bekannt wurde. Beide Warenhauskonzerne haben in Stralsund ihren Ursprung, nicht in einer Großstadt.
Wie diese Geschichte endete, lässt sich an zwei Zahlen ablesen: Während sich 1933 noch 134 Personen in Stralsund zum Judentum bekannten, waren es 1939 nur noch 62. Von den Überlebenden kehrten zwei zurück.
Das Katharinenkloster der Dominikaner wurde 1251 erstmals erwähnt, die zugehörige Katharinenkirche 1287 geweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Anlage eine Aufgabe, die mit ihrer Herkunft nichts zu tun hat: Am 24. Juni 1951 eröffnete Otto Dibbelt hier ein Natur-Museum mit Terrarien und Aquarien. Aus ihm wurde 1974 das Meeresmuseum, und die Klosterkirche selbst wurde zwischen 1972 und 1974 zur Ausstellungshalle umgebaut, wofür ein stählernes Strebewerk eingezogen wurde, das in der Halle Etagen schuf. Nach einer Komplettmodernisierung ab Ende 2020 wurde das Haus am 17. Juli 2024 wieder eröffnet.

Der zweite Standort steht am Hafen und ist ein Neubau. Das Ozeaneum wurde im Juli 2008 eröffnet und zeigt auf 8.700 m² Ausstellungsfläche Lebenswelten aus Ostsee, Nordsee und Nordatlantik; ein Aquarium darin fasst 2,6 Millionen Liter Wasser. Im Jahr 2010 wurde das Haus als Europäisches Museum des Jahres ausgezeichnet, und bis September 2022 zählte es acht Millionen Besucher.
Dass die Stadt fast zwei Jahrhunderte zur schwedischen Krone gehörte, lässt sich an einzelnen Lebensläufen ablesen. Nicodemus Tessin der Ältere wurde am 7. Dezember 1615 hier geboren, kam als junger Mann nach Schweden und arbeitete dort zunächst als Festungsingenieur; ab 1646 war er königlicher Architekt, ab 1661 Stadtarchitekt von Stockholm und ab 1676 Hofarchitekt. Philipp Johann Tabbert, in Stralsund getauft am 6. Oktober 1677, trat 1694 in die schwedische Armee ein und wurde 1707 als von Strahlenberg geadelt. In der Schlacht bei Poltawa geriet er 1709 in russische Gefangenschaft, und die Verbannung nach Tobolsk nutzte er von 1711 bis 1721 für geographische und anthropologische Forschungen über Sibirien.
Der Apotheker und Chemiker Carl Wilhelm Scheele kam am 19. Dezember 1742 in Stralsund zur Welt, als siebtes von elf Kindern eines Brauers und Kornhändlers. Eine ganze Reihe chemischer Verbindungen hat er als Erster rein dargestellt und beschrieben, und an der Entdeckung mehrerer Elemente war er beteiligt — allen voran am Sauerstoff; gestorben ist er 1786 im schwedischen Köping. An ihn erinnert in der Altstadt das Scheelehaus, in dem lange Zeit ein ehrenamtlich betriebenes Kino spielte.
Nicht alle gingen weg. Die Malerin Elisabeth Büchsel wurde am 29. Januar 1867 in Stralsund geboren, ließ sich unter anderem in Berlin und Paris ausbilden und arbeitete ab 1904 auf der Insel Hiddensee und in ihrer Heimatstadt, wo sie 1957 auch starb. Ihre Motive sind genau das, was die Stadt umgibt: das Licht über dem Bodden, Fischerhäuser, Menschen an der Küste.





Stand des Portraittextes: 2026-09-17.
Belege der kuratierten Auswahl: WH, DZT_UNESCO, DZT_HANSE, BRICK
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