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Tübingen hatte am 31.12.2025 92.607 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 67 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Tübingen
Tübingen ist eine Universitätsstadt in der Mitte Baden-Württembergs, gelegen am Neckar und etwa 30 Kilometer südlich von Stuttgart; hier sitzen der Landkreis Tübingen und der gleichnamige Regierungsbezirk, und zwischen 1947 und 1952 war die Stadt Hauptstadt des Landes Württemberg-Hohenzollern. Die amtliche Ortshöhe beträgt 338 m, die Stadtfläche 108,12 Quadratkilometer. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 92.607 Einwohner.

Seit spätestens dem Magdalénien haben eiszeitliche Jäger und Sammler die Gegend um Tübingen aufgesucht, und aus der Zeit um 85 nach Christus gibt es Spuren der Römer, die etwas weiter nordöstlich den Neckar-Limes anlegten. Im Zusammenhang mit der Belagerung der Zwingburg castrum twingia durch König Heinrich den Vierten wird Schloss Hohentübingen 1078 zum ersten Mal urkundlich erwähnt; der Bau der Burg selbst wird dagegen auf die Zeit um 1037 geschätzt, liegt also vor dieser Nennung. Erstmals erwähnt sind die Grafen von Tübingen 1081; 1149 erhob sie der römisch-deutsche König Konrad der Dritte zu Pfalzgrafen. Kaufleute werden 1191 zum ersten Mal genannt, was als Beweis für einen Marktplatz gilt, und Stadtrechte erscheinen 1231. Im Jahre 1262 gründete Papst Alexander der Vierte ein Augustiner-Eremitenkloster, und zehn Jahre später folgte mit einem Franziskanerkloster das zweite Kloster der Stadt, gegründet mit Unterstützung des Pfalzgrafen Heinrich von Tübingen. Im Jahr 1342 gelangten Burg und Stadt an die Grafen von Württemberg, und die Stadt wurde kurz darauf Sitz eines Amtes. Am 8. Juli 1514 wurde der Tübinger Vertrag geschlossen, der als Verfassungsdokument des Herzogtums Württemberg gilt; weil der Vertrag hier geschlossen wurde, führt Tübingen seither die württembergischen Geweihstangen im Wappen.

Der Dreißigjährige Krieg traf die Stadt hart. Während des Kirschenkriegs vom 28. Juni bis zum 11. Juli 1631 wurde Tübingen geplündert, und an der Pest starben 1635 und 1636 in der Stadt 1485 Menschen. Kurz vor Kriegsende wurde Schloss Hohentübingen 1647 von den Franzosen belagert; eine Mine sprengte am 14. März den Südostturm, worauf die bayerische Besatzung aufgab und ehrenvollen Abzug erhielt, und die Franzosen blieben bis 1649 in Tübingen. Zwei Stadtbrände zeichneten das folgende Jahrhundert: 1771 wurden Teile der westlichen Altstadt um die Ammergasse zerstört, 1789 traf es Teile der östlichen Altstadt im Bereich der heutigen Neuen Straße, die danach auf begradigten Grundrissen im klassizistischen Stil wieder aufgebaut wurde.
Beim Gôgenaufstand von 1831 zogen rund 60 Weingärtner und Handwerksburschen durch die Stadt, sangen das Schillersche Räuberlied und protestierten damit gegen Polizeiwillkür; die Obrigkeit rief die offiziell nicht bestehenden, verbotenen Studentenverbindungen zu Hilfe, deren bewaffnete Sicherheitswachen man dann gegen die Aufständischen einsetzte. Den Tübinger Brotkrawall von 1847 beendete ein akademisches Sicherheits-Corps aus etwa 150 Studenten, das entschlossen gegen die sozialen Interessen der ärmeren Schichten vorging. Mit der Eröffnung des heutigen Hauptbahnhofs an der Bahnstrecke Plochingen–Immendingen bekam Tübingen 1861 Anschluss an das Netz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen.
Als das Sindelfinger Martinsstift 1476 nach Tübingen verlegt wurde, entstand ein Kollegiatstift, das wirtschaftlich wie personell die Grundlage für eine Universität schuf; die Pfarrkirche St. Georg stieg zur Stiftskirche auf, und ein Jahr darauf wurde die Eberhard Karls Universität gegründet.

Einen Ruf an die Universität nahm Leonhart Fuchs 1535 an; ein Jahr darauf stiftete Herzog Ulrich von Württemberg das Evangelische Stift Tübingen als Stipendium für evangelische Theologiestudenten, das 1547 in das ehemalige Kloster der Augustinereremiten zog. Dort studierte seither die nicht wohlhabende Intelligenz aus Württemberg, darunter Johannes Kepler und Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Es ist diese Einrichtung, nicht die Universität als Ganzes, die Tübingens Rolle in der deutschen Geistesgeschichte erklärt: ein Haus, das Begabung ohne Vermögen finanzierte.
Die zweite Tübinger Besonderheit liegt oben im Schloss. In den Jahren von 1818 bis 1846 befand sich direkt neben der Schlosskirche ein biochemisches Laboratorium, und von 1846 bis 1886 wurde dieses Labor der Zoochemie zugeschlagen — dem chemisch-physiologischen Labor von Hoppe-Seyler und Miescher. Dort entdeckte Friedrich Miescher im Jahr 1869 das Nuklein, die DNA-Substanz. Der Raum liegt in der ehemaligen Schlossküche, und als 1887 das Physiologisch-chemische Institut einen Neubau erhielt, wurde das bisherige Schlosslaboratorium frei; die übrigen Räume wurden für die Bibliothek hergerichtet. Seit November 2015 ist der Raum mit den Renaissancegewölben ein kleines, frei zugängliches Museum zum Thema Biochemie. Über der Stadt liegen ausserdem das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und ein nach Miescher benanntes Laboratorium in der Max-Planck-Gesellschaft — die Fortsetzung dessen, was in der Schlossküche begann. Heute wird das städtische Leben von 26.300 Studierenden geprägt, gezählt zum Sommersemester 2026.
Im Jahr 1798 gründete Johann Friedrich Cotta, der Verleger von Goethe, Schiller, Herder und Wieland, in Tübingen die Allgemeine Zeitung. Wenige Jahre später kam der Mann in die Stadt, mit dem Tübingen bis heute verbunden wird: Friedrich Hölderlin lag vom 15. September 1806 bis zum 3. Mai 1807 in der Klinik, die Johann Heinrich Ferdinand Autenrieth leitete, und wohnte danach bis 1843 in Pflege im Hölderlinturm am Neckar.
Der Schreinermeister Ernst Friedrich Zimmer erwarb das Gebäude 1807 und nahm den als unheilbar krank entlassenen Hölderlin noch im selben Jahr auf, weil er dessen Hyperion bewunderte. Im ersten Stock des Turmes bewohnte der Dichter 36 Jahre lang ein bescheiden eingerichtetes Zimmer. In dieser Turmzeit schrieb er weiter, meist unter dem Pseudonym Scardanelli, und empfing Besucher wie Wilhelm Waiblinger und Eduard Mörike, damals Studenten am Tübinger Stift. Zimmer starb 1838, danach kümmerte sich seine Tochter Charlotte um Hölderlin.
Der Turm, den heute jede Ansicht der Neckarfront zeigt, ist allerdings nicht der Turm, in dem Hölderlin lebte. Der Schuhmachermeister Carl Friedrich Eberhardt kaufte das Haus 1874, baute es an und brachte darin eine Badeanstalt unter; am 14. Dezember des folgenden Jahres brannte der Turm bis hinunter zum Erdgeschoss aus, und auf den Grundmauern entstanden bald ein runder Turm mit spitzerem Dach sowie ein größeres Haus daneben. Die Stadt Tübingen erwarb das Haus im Jahr 1921, 1984 wurde das Innere der Raumaufteilung zu Hölderlins Zeit angenähert, und zwischen August 2017 und Februar 2020 sanierte man das Gebäude noch einmal von Grund auf. Verwaltet wird es von der Stadt gemeinsam mit der 1943 gegründeten Hölderlin-Gesellschaft, die dort ihren Sitz hat.
Die Tübinger Altstadt wurde erst 2019 unter Gesamtanlagenschutz gestellt. Das Rathaus datiert in seinen frühesten Teilen aus dem 15. Jahrhundert; der viergeschossige Bau im Stil der Renaissance trägt bunte Sgraffito-Malereien an der Außenfassade und darüber eine astronomische Uhr. Daneben stehen zahlreiche Fachwerkhäuser und viele enge Gassen, und vom Rathaus ertönt ein Stundenschlag und mehrfach täglich ein Glockenspiel.
Die Stiftskirche von 1470 ist die evangelische Hauptkirche der Stadt. In dem mit dem Lettner abgetrennten Chorraum sind die württembergischen Herzöge Eberhard im Bart, gestorben 1496, sowie Ulrich und Christoph begraben. Der Turm stammt noch von der Vorgängerkirche. Als zweite alte Kirche gilt die Jakobuskirche, 1337 zum ersten Mal erwähnt, im Kern romanisch und im 16. Jahrhundert gotisch überformt.
Über der Altstadt liegt Schloss Hohentübingen, dessen mittelalterliche Burg im 16. Jahrhundert unter Verwendung der alten Zwingermauern durch eine Mischung aus Festung und neuzeitlichem Schloss ersetzt wurde. Im Keller unter dem Rittersaal des Nordflügels steht das Tübinger Riesenfass aus dem Jahre 1549 mit einem Fassungsvermögen von 84.000 Litern. Im Museum im Schloss Hohentübingen, Teil des Museums der Universität Tübingen, werden Exponate aus denkmalorientierten Wissenschaftsbereichen ausgestellt, darunter Mammutelfenbeinfiguren und Fragmente von Knochenflöten aus der Vogelherdhöhle auf der Schwäbischen Alb, die seit 2017 zum UNESCO-Welterbe Höhlen und Eiszeitkunst im Schwäbischen Jura zählt. Unten in der Altstadt steht am Markt seit 1948 ein neu geschaffener Neptunbrunnen, dessen Figuren aus Waffenschrott gegossen wurden.
Etwas abseits der Kernstadt hat ein Ortsteil seine ganz eigene Geschichte. Nördlich der Kernstadt liegt mit Bebenhausen ein Ortsteil, der 1185 als Bebenhusin erstmals erwähnt wurde, obwohl die Siedlung bereits älter ist. Die Pfalzgrafen von Tübingen stifteten dort ein Kloster, in das zuerst Prämonstratenser einzogen; 1190 kamen Zisterzienser aus Schönau bei Heidelberg nach, und reichsunmittelbar war das Haus spätestens ab 1204. Unter württembergische Herrschaft geriet es erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts, und 1534 löste man es nach Einführung der Reformation auf.






Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT_FW, DZT_MED
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge in der Gartenstraße zunächst geplündert, wobei sich unter den Plünderern der NSDAP-Kreisleiter und der Bürgermeister befanden; frühmorgens wurde sie von SA-Männern niedergebrannt, und die Kosten für den Abbruch der Brandruine wurden der jüdischen Gemeinde in Rechnung gestellt. Ein Gedenkstein auf dem Jüdischen Friedhof nennt heute 14 jüdische Opfer der Shoa.
Für Tübingen war der Zweite Weltkrieg am 19. April 1945 zu Ende: drei Luftangriffe hatten 82 Häuser vollständig vernichtet, 104 schwer und 607 leicht getroffen, insgesamt 5 Prozent Zerstörung, und der Standortarzt Theodor Dobler erreichte, dass die Stadt den französischen Truppen kampflos übergeben wurde. Zur Hauptstadt des neu einzurichtenden Landes Württemberg-Hohenzollern bestimmte die französische Besatzungsmacht Tübingen 1946. Diese Rolle behielt die Stadt bis 1952. In diese Jahre fällt ein letztes Kapitel alter Justiz: am 18. Februar 1949 fiel im Innenhof des Gefängnisses in der Doblerstraße das Fallbeil über dem Raubmörder Richard Schuh — die letzte zivile Hinrichtung auf westdeutschem Gebiet.






