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Überlingen hatte am 31.12.2025 22.799 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 63 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Überlingen
Überlingen liegt am Überlinger See, dem nordwestlichen Teil des Bodensees, auf 403 m Höhe. Das Stadtgebiet umfasst 58,66 Quadratkilometer, das Hinterland ist eine von der letzten Eiszeit geformte Moränenlandschaft. Am 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 22.799 Einwohner.
Die frühere Reichsstadt ist ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden und seit dem 1. Januar 1993 Große Kreisstadt. Was hier zusammenkommt, ist selten: eine erhaltene Stadtbefestigung mit Türmen, ein spätgotisches Münster, eine Fastnacht mit eigenem Häs und eine Prozession, die an die Abwehr der Schweden erinnert.
Die erste Nennung stammt aus dem Jahr 770 oder 773: Eine Schenkungsurkunde des Grafen Robert an das Kloster St. Gallen erwähnt Iburinga als Staatsgut. Die Siedlung am See entstand bis zum Jahr 1000, der ältere Ortskern im Altdorf verlor danach an Bedeutung. Um 1180 verlieh Kaiser Barbarossa das Marktrecht, 1211 folgte das Stadtrecht. Nach dem Tod Konradins, des letzten Staufers, fiel Überlingen 1268 an das Reich.
Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Stadt Reichsstadt, und ab 1500 lag sie im Schwäbischen Reichskreis. Das Heiliggeistspital baute große Besitzungen im Linzgau und im Hegau auf. Im Bauernkrieg gehörte die Stadt unter den freien Reichsstädten zu den harten Gegnern der Aufständischen. Dem Seehaufen gelang es nicht, die gut gerüstete Stadt einzunehmen, und nach dem Weingartener Vertrag ließ sie mehrere Bauernführer hinrichten, die sich am 27. Mai 1525 weigerten, gegen ihre Hegauer Standesgenossen zu kämpfen. Das Ereignis heißt Sernatinger Meuterei.
Im Dreißigjährigen Krieg hielt die Stadt zwei schwedischen Belagerungen stand. Im Juli 1632 scheiterte ein Angriff unter Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar, und vom 23. April bis 16. Mai 1634 belagerten Truppen unter Gustaf Horn sie vergeblich. Der Vorteil war der Seezugang: Eine kaiserliche Flotte brachte Nachschub auf dem Wasserweg. Am 29. Januar 1643 nahm Konrad Widerholt, der Kommandant der Festung Hohentwiel, die Stadt dagegen durch eine List ein und übergab sie nach wenigen Wochen an französische Truppen, die am 10. Mai 1644 kapitulierten.
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss verlor Überlingen 1803 die Reichsunmittelbarkeit und wurde badisch. 1895 kam der Anschluss an das Eisenbahnnetz von Radolfzell her, 1901 folgte die Strecke nach Friedrichshafen, was die Entwicklung zur Kurstadt beschleunigte. Am 16. November 1911 erschütterte ein schweres Erdbeben Süddeutschland; der Überlinger Landungsplatz wurde aufgerissen.
Im Zweiten Weltkrieg richtete das KZ Dachau in Aufkirch ein Außenlager ein. Von Oktober 1944 bis April 1945 arbeiteten Häftlinge dort an ausgedehnten unterirdischen Anlagen, auch am Goldbacher Stollen, in den Rüstungsbetriebe aus Friedrichshafen verlagert werden sollten.

Bei dem Luftangriff auf die Stadt am 22. Februar 1945 starben 20 Menschen. Von den mindestens 170 Häftlingen, die beim Bau des Stollens ums Leben kamen, liegen 97 auf dem KZ-Friedhof Birnau. Eine Gedenkstätte am Stollen in der Oberen Bahnhofstraße kann einmal im Monat im Rahmen einer Führung besichtigt werden.
Ein Unglück der jüngeren Zeit hat einen eigenen Gedenkort. Am 1. Juli 2002 stießen über dem Bodenseekreis eine russische Passagiermaschine und ein Frachtflugzeug zusammen, 71 Menschen starben; bei Brachenreute erinnert ein Denkmal in Form einer zerrissenen Perlenkette an sie.
Das Wahrzeichen der Stadt ist das spätgotische Münster St. Nikolaus mit einem monumentalen Holzaltar des Bildhauers Jörg Zürn aus der Spätrenaissance. An einem Pfeiler hängt eine Kanonenkugel von 1634 mit einer Inschrift, die an den schwedischen Feldmarschall erinnert, der drei Stürme verlor und weichen musste.

Das Rathaus stammt aus der Renaissance und hat einen Saal, den Holzschnitzfiguren von Jakob Russ zieren; sie zeigen die Stände des Reiches vom Kurfürsten bis zum Bauern und entstanden zwischen 1490 und 1494. Die alte Stadtkanzlei wurde um das Jahr 1600 vollendet und ist seit 1913 Sitz des Stadtarchivs. Das Handels- und Kornhaus Greth am Seeufer ist bereits für 1421 urkundlich nachweisbar, sein heutiges Erscheinungsbild geht auf einen Umbau von 1788 durch Franz Anton Bagnato zurück, und seit der Sanierung 1998 gilt es als markantes Kulturdenkmal.
Die Franziskanerkirche von 1348 kennzeichnet eine barocke Ausstattung. Im Stadtteil Goldbach steht die Sylvesterkapelle, ein früher Kirchenbau im Bodenseeraum mit Fresken der Reichenauer Schule aus dem 9. Jahrhundert. Das Suso-Haus gilt als Geburtshaus des Mystikers Heinrich Seuse.

Ein Rundgang um die Altstadt führt an Türmen der Befestigung vorbei: dem Gallerturm von etwa 1500, dem Rosenobel, der 1657 als Rondell entstand, und dem um 1520 errichteten Johannturm. Im 19. Jahrhundert mussten sechs von sieben Toren des äußeren Rings weichen, weil der Unterhalt zu teuer wurde und der Wagenverkehr zunahm. Erhalten sind das Aufkircher Tor und vom inneren Ring das 1494 fertiggestellte Franziskanertor. Die erhaltenen Stadtgräben verbessern das Innenstadtklima, weil frische Luft vom See durch sie in die Straßen strömt.
Überlingen gilt als Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Die Narrenzunft Überlingen bildet mit den Zünften aus Rottweil, Elzach und Oberndorf den Viererbund. Das Häs, der Überlinger Hänsele, wird schon in einem Ratsprotokoll von 1430 erwähnt, und ein Brunnen von 1934 in der Aufkircher Straße ist ihm gewidmet.
Zum Gedenken an die Abwehr der Schweden gibt es nach einem Gelöbnis der Bürgerschaft von 1634 zweimal im Jahr Gottesdienst und Prozession: am zweiten Sonntag im Mai und im Juli. Pfadfinder tragen die Schwedenmadonna auf den Schultern durch die Stadt, auch die Schwerttanzkompanie geht mit, und im Anschluss an die zweite Prozession führt sie den Schwertletanz auf der Hofstatt auf.
Zum Kalender der Stadt gehört außerdem ein Preis. Schon seit 1954 wird in der Regel alle zwei Jahre der Bodensee-Literaturpreis vergeben.
Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung, der auch auf den Weinbau zurückgeführt wird, denn Wein diente vor allem als Tauschmittel für andere Güter.
Heute bewirtschaftet nur noch ein Weingut im Überlinger Felsengarten eine Fläche von 25 Hektar. Zu den Rebsorten zählen Müller-Thurgau, Grauburgunder, Riesling, Weißburgunder, Chardonnay, Traminer und Spätburgunder.
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt Kreisstadt, bis der Landkreis Überlingen zum 1. Januar 1973 im Bodenseekreis aufging. Schon 1972 hatte Überlingen eine Zweitwohnungssteuer eingeführt, das sogenannte Überlinger Modell, das das Bundesverfassungsgericht 1983 als zulässige örtliche Aufwandsteuer einstufte. 1990 überschritt die Einwohnerzahl die Marke von 20.000, worauf die Stadt zum 1. Januar 1993 Große Kreisstadt wurde.
Die Stadt weist eine lange Uferpromenade am Bodensee aus, und ihr Bild prägt heute auch der Ausbau als Erholungsort. Im November 2003 wurde direkt am See die Bodensee-Therme eröffnet, ein Thermalbad mit Saunabereich, das 17,6 Millionen Euro kostete; der nahe Westbahnhof wurde in Bahnhof Überlingen Therme umbenannt.

Bei einem Bürgerentscheid sprachen sich 59,6 Prozent der Wähler für die Ausrichtung einer Landesgartenschau aus, die Wahlbeteiligung lag bei 51,9 Prozent. Wegen der Corona-Pandemie wurde sie von 2020 auf 2021 verschoben und lief vom 30. April bis 17. Oktober.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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