Kommst du über den Empfehlungslink einer Partnerin oder eines Partners zu uns, möchten wir dessen Kurzkennung 60 Tage lang im Cookie „ll_ref" speichern, damit eine spätere Registrierung richtig zugeordnet werden kann. Für die Nutzung von LageLuchs ist das nicht erforderlich — du kannst ohne Nachteil ablehnen und deine Entscheidung jederzeit über „Cookie-Einstellungen" im Seitenfuß ändern.
Villingen-Schwenningen hatte am 31.12.2025 89.766 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 60 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Villingen-Schwenningen
Eine Stadt mit zwei Telefonvorwahlen, zwei Rathäusern, zwei Landeskirchen und zwei Bistümern: Das ist keine Verwaltungspanne, sondern das Ergebnis einer Grenze, die es seit über fünfzig Jahren nicht mehr gibt. Villingen war badisch und davor beinahe fünf Jahrhunderte vorderösterreichisch; Schwenningen war württembergisch. Zwischen beiden lagen nur wenige Kilometer — und eine Landesgrenze.

Villingen liegt an der Brigach, einem der beiden Quellflüsse der Donau; östlich davon, schon auf der Baar, liegt Schwenningen, und die Fläche des Schwenninger Mooses ist zugleich das Quellgebiet des Neckars. Das Stadtgebiet erstreckt sich über Höhenlagen von 658 bis 969 Metern, misst 165,5 Quadratkilometer, und der Ortspunkt liegt 704 Meter hoch. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 89.766 Einwohner.

Auch wirtschaftlich zogen die Hälften lange in verschiedene Richtungen. Villingen ist eine bürgerlich geprägte Stadt mit Zunftverfassung, Klöstern und Belagerungsgeschichten. Schwenningen dagegen blieb lange ein Dorf, bevor es binnen weniger Jahrzehnte zu einem Zentrum der Uhrenindustrie wurde. Zusammengeschlossen haben sich beide, um ein Oberzentrum zu bilden. Zusammengewachsen sind sie bis heute nicht ganz.
Die Geschichte dieser Gemarkung beginnt lange vor jeder Stadt. Südwestlich von Villingen liegt der Magdalenenberg, ein hallstattzeitlicher Fürstengrabhügel, der 1890 unter dem Oberförster Ganter und von 1970 bis 1973 unter dem Prähistoriker Konrad Spindler ausgegraben wurde. Seine Datierung auf 616 vor unserer Zeitrechnung ist jahrgenau: Sie beruht darauf, dass sich das Fälljahr der Eichen, aus denen man die zentrale Grabkammer zimmerte, dendrochronologisch bestimmen ließ.
Die erste schriftliche Nennung teilen sich beide Hälften. 817 erscheinen Villingen und Schwenningen gemeinsam in einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen. Am 29. März 999 verlieh Kaiser Otto III. das Markt-, Münz- und Zollrecht von Villingen an den Grafen Birchtilo. 1119 legten die Zähringer den Ort auf der gegenüberliegenden, rechten Seite der Brigach neu an — dabei entstand das für Zähringerstädte typische Straßenkreuz.
Die Reichsfreiheit blieb eine Episode. Nach dem Aussterben der Zähringer wurde Villingen 1218 Reichsstadt; 1271 zerstörte ein Flächenbrand die Stadt vollständig, und 1283 gaben die Habsburger sie den Fürstenbergern als Reichslehen, womit die Reichsfreiheit wieder verloren war. 1324 regelte ein Zunftbrief die Wahl von Bürgermeister, Zunftmeistern und Richtern neu; Hauptgewerbe war damals die Wollweberei. 1326 wurde die Stadt an Österreich verkauft und blieb bis 1805 vorderösterreichisch.
Belagert wurde sie oft und eingenommen selten. Im Dreißigjährigen Krieg scheiterten ab 1633 drei schwedische Belagerungen, auch die Wasserbelagerung von 1634. Am 15. Juli 1704 rückte im Spanischen Erbfolgekrieg eine Übermacht unter Marschall Tallard nach den Methoden des Vaubanschen Festungskriegs an; geschlagene Breschen wurden sofort geschlossen, nächtliche Angriffe mit Brandbomben diszipliniert abgewehrt, und am 21. Juli zog Tallard mit großen Verlusten wieder ab.
Vom mittelalterlichen Kern steht bis heute viel. Erhalten sind das frühgotische Münster Unserer Lieben Frau, das spätgotische Rathaus von 1534, die Stadtmauer mit drei von ursprünglich vier Tortürmen und die Alte Prälatur. Dazu kommen die Benediktinerkirche, die Johanniterkirche und das Kloster St. Clara, das Bickenkloster. Das Franziskanermuseum, 1999 zur Tausendjahrfeier neu eröffnet, zeigt die Funde vom Magdalenenberg; auf den Plätzen stehen Narrobrunnen, Romäusbrunnen und Radmacherbrunnen, dazu das Berthold-Denkmal.

Die zweite Stadthälfte nahm einen ganz anderen Weg. Schwenningen kam 1444 zu Württemberg und wurde dem Amt Tuttlingen zugeordnet; 1525 fielen im Bauernkrieg Villinger am 20. Juni über das Dorf her und brannten es fast vollständig nieder. 1824 entstand im Bereich der heutigen Salinenstraße die Saline Wilhelmshall mit sechs Siedhäusern, 1830 erhielt der Ort die Marktgerechtigkeit, 1842 wechselte er vom Oberamt Tuttlingen zum Oberamt Rottweil.
Die Wende kam mit der Uhr. 1848 gründete sich der Uhren-Gewerbe-Verein; 1858 baute Johannes Bürk in Schwenningen die erste Fabrik für tragbare Nachtwächterkontrolluhren. Es folgten 1860 die Uhrenfabrik Mauthe, 1883 Schlenker & Kienzle, 1888 Schlenker-Grusen, 1890 die Metallwaren Johann Jäckle, 1902 Johannes Schlenker und 1925 Steinel. 1900 wurde die Königlich Württembergische Fachschule für Feinmechanik, Elektromechanik und Uhrmacherei eingeweiht, aus der die heutige Staatliche Feintechnikschule hervorging.
Die Infrastruktur zog nach. 1869 eröffneten die Württembergischen Staatseisenbahnen die Strecke Rottweil–Schwenningen–Villingen, 1873 folgte der Bau der Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz. 1885 entstand in Schwenningen die erste sozialistische Gewerkschaft am Ort. 1907 schließlich wurde der Ort zur Stadt erhoben; bis dahin war er mit rund 13.000 Einwohnern ein Dorf im Königreich Württemberg geblieben.
Die Industrie, die den Ort trug, ist weitgehend verschwunden. SABA produzierte von 1923 bis 1980 in Villingen; der Niedergang der Uhren- und Unterhaltungselektronikindustrie hat die Entwicklung des Oberzentrums nachhaltig geprägt. Geblieben sind die Museen: das Uhrenindustriemuseum in der ehemaligen Uhrenfabrik Bürk, das Internationale Luftfahrtmuseum und die Städtische Galerie. Von der Fabrikantenzeit zeugen die Villa Bürk und die Bürk-Turnhalle.
Die NS-Zeit hat in beiden Stadtteilen Spuren hinterlassen. Im Schwenninger Krematorium wurden die Toten der KZ-Außenlager Schömberg, Schörzingen, Dautmergen und Erzingen verbrannt; ihre Urnen liegen in einem Sammelgrab und in 117 Einzelgräbern auf dem Friedhof, Gedenksteine erinnern daran. Unter den Toten waren auch Opfer der Tötungsaktion T4 und ausländische Zwangsarbeiter. In Villingen zerstörten SA-Männer 1938 den Betsaal der Jüdischen Gemeinde in der Gerberstraße; ein Brunnen und eine Gedenktafel erinnern heute daran. Von 1940 bis 1945 war Villingen Sitz des Kriegsgefangenen-Stammlagers V-B.
Die Fusion war ein politisches Projekt, kein Zufall. Die Oberbürgermeister Gerhard Gebauer aus Schwenningen und Severin Kern aus Villingen hatten sich bereits 1968 darauf verständigt, die beiden Großen Kreisstädte zusammenzuführen, um ein Oberzentrum zu schaffen. Im März 1971 entschieden die Bürger an der Wahlurne: In Villingen sprachen sich 64,2 Prozent für den Zusammenschluss aus, in Schwenningen 77,4 Prozent. Im November 1971 wählten sie Gebauer mit 97 Prozent zum ersten Oberbürgermeister; am 1. Januar 1972 war die Stadt da.
Was blieb, ist eine Doppelstruktur. Villingen und Schwenningen haben verschiedene Vorwahlen, ihre Vereine gehören verschiedenen Landesverbänden an, sodass badische und württembergische Klubs im Wettkampf meist nicht gegeneinander antreten können, und die Kirchengemeinden gehören unterschiedlichen Landeskirchen beziehungsweise Bistümern an. In jedem Stadtbezirk steht ein Rathaus; der Oberbürgermeister sitzt in Villingen. Die Stadtverwaltung vermarktet das inzwischen offensiv und nennt die Kommune Baden-Württemberg-Stadt.
Der gemeinsame Nenner ist die schwäbisch-alemannische Fastnacht — und selbst die ist doppelt. Im Mittelpunkt steht traditionell der Villinger Narro, gern Aristokrat der alemannischen Fasnet genannt. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erreichte die rheinische Karnevalswelle den Südwesten; mit der Gründung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte 1924 in Villingen wurde der Karneval andernorts zurückgedrängt, hier aber nicht. Die Katzenmusik nahm Ende der 1920er Jahre eine Wendung zum Karnevalistischen, 1933 kam die Glonki-Gilde dazu — seither prägt eine Dualität das Bild.
Im Kalender steht das nebeneinander. Am Fasnetmontag zieht morgens der historische Umzug der Villinger Narro durch die Stadt, nachmittags folgt vom Oberen Tor aus der Maschgerelauf, und am Fasnetdienstag läuft ein fast großstädtischer Karnevalsumzug, angeführt von der historischen Narrozunft, die 1882 gegründet wurde.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: IKE, DZT
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.






