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Völklingen hatte am 31.12.2025 40.565 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 49 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu VölklingenSechs Hochöfen stehen still und werden trotzdem jeden Abend angestrahlt. Das Werk hat 1986 zum letzten Mal Roheisen erzeugt; seit 1999 liegt eine Lichtinstallation über der Hüttenlandschaft, und seit 2021 wechseln die Programme. Völklingen liegt am Ufer der Saar, wenige Kilometer westlich von Saarbrücken, und die Stadtteile links des Flusses gehören zur Warndt-Region und grenzen an Frankreich. Was hier über ein Jahrhundert lang produziert wurde, hat den Ort gebaut — und was nach dem Ende der Produktion kam, beschäftigt ihn bis heute. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 40.565 Einwohner.
Völklingen wurde am 27. Oktober 822 als Fulcolingas erstmals in einer Urkunde erwähnt, ausgestellt vom Vizekanzler Ludwigs des Frommen. Der Name geht auf den germanischen Rufnamen Fulko zurück. Ein zweiter Beleg stammt vom 14. April 999: darin vergibt Kaiser Otto III. das Gut Fulquelinga mitsamt der Burg Saarbrücken und dem Warndt als Lehen an den Metzer Bischof Adalbero II., der es seinerseits an die Grafen des unteren Saargaus weiterreicht. Hier lag eines der Königsgüter an der Saar, an einer Kreuzung zweier Straßen: der Route vom Köllertal zur Saar und der alten Römerstraße von Saarbrücken nach Trier.
Was danach kam, war Landwirtschaft. Völklingen blieb Jahrhunderte eine bäuerliche Siedlung unter der Hochgerichtsbarkeit der Grafen von Saarbrücken, denen Abgaben und Frondienste zustanden; aus dem Jahr 1422 stammt das Völklinger Weistum, die erste schriftliche Festsetzung der örtlichen Rechtsverhältnisse. Im Jahr 1566 verweigerten die Völklinger die Frondienste beim Bau des Homburger Schlosses und stellten sich unter den Schutz der Metzer Bischöfe als ihrer obersten Lehensherren. Beigelegt wurde die Auseinandersetzung, in deren Verlauf Völklinger Bauern eingekerkert wurden, erst im Jahr 1572.
Die Industrie begann lange vor der Hütte, und sie begann nicht in Völklingen, sondern in seinen heutigen Stadtteilen. Im Jahr 1572 entstand in Geislautern mit Förderung der Grafen von Saarbrücken eine größere Eisenschmelze, 1621 begann dort mit gräflicher Erlaubnis die Steinkohlegewinnung im Tagebau, und 1730 nahm ein neues Eisenwerk mit zwei Hochöfen den Betrieb auf. Napoleon ließ hier 1807 eine der beiden Berg- und Hüttenschulen des französischen Kaiserreichs einrichten, die École Pratique des Mines. Im Jahr 1840 wurde im Geislauterner Eisenwerk der erste Kokshochofen der Region angeblasen, womit die Massenproduktion von Eisen und Stahl möglich wurde.
Der Anfang war ein Fehlschlag. Ein Puddel- und Walzwerk an der Saar, im Jahr 1873 von dem Hütteningenieur Julius Buch gegründet, hielt nur sechs Jahre: Gegen billig eingeführtes britisches Roheisen und ohne Schutzzoll trug es sich nicht. Die stillgelegten Anlagen gingen im Jahr 1881 an die Gebrüder Röchling, geführt von Carl Röchling, und 1883 wurde der erste Hochofen angeblasen. Bis zum Jahr 1903 entstanden sechs Hochöfen.
Die technische Entwicklung lässt sich an Jahreszahlen ablesen. 1891 ging das Thomas-Stahlwerk in Betrieb, mit dem sich auch die lothringische Minette aus der benachbarten Grenzregion verhütten ließ; bis 1963 wurde sie eingesetzt. 1897 entstand die erste Koksbatterie direkt neben den Hochöfen. In das Jahr 1911 fällt der Einsatz der weltweit ersten Trockengasreinigung, die das im Hochofenprozess anfallende Gichtgas von Festbestandteilen reinigte, sodass es die Gasgebläsemaschinen antreiben und die Winderhitzer und Koksbatterien heizen konnte. 1913 folgte die Möllerhalle in der damals neuen Stahlbetontechnik, 1911 bis 1914 die Hängebahnanlage mit ihren Schrägaufzügen.
Der Preis dieser Produktion steht in denselben Akten. In den Röchlingschen Eisen- und Stahlwerken schufteten im Ersten Weltkrieg bis zu 1446 Kriegsgefangene aus Russland, dazu Zwangsarbeiter, die man aus Polen, Belgien, Frankreich und Italien herangeschafft hatte; mindestens 143 von ihnen kamen dabei zu Tode. Im Zweiten Weltkrieg waren von 1942 bis November 1944 in der Völklinger Hütte 12.393 Männer und Frauen aus zwanzig Ländern unter schwersten Bedingungen beschäftigt, 261 von ihnen starben. Der Künstler Christian Boltanski hat dafür 2018 auf dem Gelände einen Erinnerungsort eingerichtet.
Nach dem Krieg ging es noch einmal aufwärts und dann steil bergab. 1952 erreichte die Hütte ihren Produktionshöchststand, 1965 zählten Produktions- und Verwaltungsbereiche zusammen 17.000 Mitarbeiter. Die weltweite Stahlkrise erfasste das Werk 1975. Von 1966 bis 1995 schrumpfte die Zahl der bei der Völklinger Hütte Beschäftigten von 17.500 auf 3.500. Mit der Verlagerung der Roheisenphase nach Dillingen schloss die alte Hütte im Jahr 1986 — wenige Tage vor der Stilllegung am 4. Juli 1986 wurde die gesamte Hochofenanlage unter Denkmalschutz gestellt.
Dass aus dem stillgelegten Werk ein Denkmal wurde, entschied sich nicht in Völklingen. 1994 erhob die UNESCO die Roheisenerzeugung der Völklinger Hütte in den Rang eines Weltkulturerbes, als Industriedenkmal aus dem Zeitalter der Industrialisierung. Die Anlage ist ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention und ein Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur.
Das Welterbe ist kleiner, als es aussieht: Mit 7,46 Hektar Grundfläche umfasst es einen Bruchteil des rund 260 Hektar großen Völklinger Saarstahl-Areals, auf dem nebenan weiter produziert wird. Anfang der 1990er Jahre wurde das Industriedenkmal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht; seit Juli 1999 trägt es die Trägergesellschaft Weltkulturerbe Völklinger Hütte – Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur.
Der Rundgang folgt dem Weg des Erzes. In der Sinteranlage, die der Nutzung von Feinerzen diente, sitzt heute das Besucherzentrum. Die Möllerhalle diente der Lagerung von Eisenerz, Sinter, Schrott und Kalk; aus diesen Zutaten wurde der Möller gemischt, der über Hängebahnwagen auf die Gichtbühne fuhr. Diese liegt 27 Meter hoch, und von dort wurde abwechselnd eine Lage Koks und eine Mischung aus Erz, Sinter und Zusatzstoffen in den Ofen gekippt, fünfzehn Hängebahnwagen je Charge. In der Gebläsehalle stehen die Gasmaschinen, die mit Gichtgas angetrieben wurden und den Wind für die Hochöfen erzeugten.
Die Zahlen der Anlage sind dabei unanschaulich genug, um sie zu nennen. Die Winderhitzer sind 30 bis 40 Meter hoch und erwärmten die von unten eingeblasene Luft auf bis zu 1200 °C; zu jeder Winderhitzergruppe gehört ein Kamin von bis zu 80 Meter Höhe. Die Wände eines Hochofens bestehen aus 5 cm dicken Stahlplatten mit feuerfestem Mauerwerk dahinter. Die Maurer der Handwerkergasse mussten die Öfen innen neu ausmauern, wenn die feuerfesten Steine nach zehn bis fünfzehn Jahren abgenutzt waren.
Heute ist das Gelände ein Veranstaltungsort. Zu den dauerhaften Angeboten zählen eine Multimediashow in der Sinteranlage und das Ferrodrom mit rund 100 Experimentier-Stationen; daneben laufen Kunstausstellungen, Konzerte und seit 2011 die UrbanArt Biennale. In der Handwerkergasse stehen seit 1989 Ateliers für Kunststudierende der Hochschule der Bildenden Künste Saar.
Völklingen hat im 20. Jahrhundert zweimal über seine Staatszugehörigkeit abgestimmt. Nach der Niederlage von 1918 rückten französische Truppen ein; der Versailler Vertrag schlug die Stadt dem Saargebiet zu, das fortan der Völkerbund verwaltete. Am 13. Januar 1935 sprachen sich bei der Saarabstimmung 89,8 Prozent der Völklinger für die Rückkehr zum Deutschen Reich aus.
Die zweite Abstimmung fiel umgekehrt aus. Über das europäische Statut des Saarlandes, das Konrad Adenauer und Pierre Mendès France am 23. Oktober 1954 ausgehandelt hatten, wurde am 23. Oktober 1955 abgestimmt: In Völklingen stimmten 27,65 Prozent mit Ja und 72,34 Prozent mit Nein. Der Luxemburger Vertrag vom 27. Oktober 1956 machte den Weg frei; zum 1. Januar 1957 kam Völklingen politisch und am 6. Juli 1959 wirtschaftlich zur Bundesrepublik.
Der dritte Vorgang ist eine Namensfrage und hat länger gedauert als beide Abstimmungen. Hermann Röchling, ab 1898 Geschäftsführer und technischer Leiter des Familienunternehmens, wurde im Zweiten Weltkrieg von Adolf Hitler mit Führungsaufgaben in der Organisation des Hüttenwesens betraut und 1949 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu zehn Jahren Haft verurteilt; entlassen wurde er nach zwei Jahren mit der Auflage, das Saarland nie wieder zu betreten. Im Jahr 1956 benannte die Stadt den Stadtteil Bouser Höhe zu seinem ersten Todestag nach ihm. Erst am 31. Januar 2013 entschied der Stadtrat, den Stadtteil in Röchlinghöhe umzubenennen, damit der Name nicht mehr mit Hermann Röchling selbst verbunden wird, sondern nur noch mit der Unternehmerfamilie.
Im Jahr 1604 legte der Saarbrücker Graf Ludwig II. von Nassau-Weilburg auf dem Land des Völklinger Hofes den Ort Ludwigsweiler an, aus dem der heutige Stadtteil Ludweiler wurde. Die Urkunde gestattet zwölf Hugenotten, die ihr calvinistischer Glaube aus dem Frankreich des Königs vertrieben hatte, an der Rixfurth im Warneth ein Dorf zu gründen. Bemerkenswert ist das, weil die Grafen von Nassau-Saarbrücken 1575 die Reformation nach lutherischem Bekenntnis eingeführt hatten und Calvinisten nach den Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555 nicht geduldet waren. Die Hugenotten bekamen in Ludweiler trotzdem das Recht auf eine eigene Pfarrei.
Mitgebracht haben sie ein Handwerk. Die Einwanderer waren Glasbläser; 1616 begann mit ihnen an der Saar die Glasherstellung, und der Warndt bot dafür Quarzsand, Holzkohle und Farne zur Pottaschegewinnung. Die Hugenottenkirche in Ludweiler steht bis heute in der Denkmalliste der Stadt.
Die zweite Kirchengeschichte ist jünger und unangenehmer. Als Ersatz für die 1922 bei einem Brand zerstörte Martinskirche wurde 1928 die neobarocke evangelische Stadtkirche vollendet, heute Versöhnungskirche. Ihr Deckengemälde von 1935 bis 1937 setzt Christus in die Mitte eines Jüngsten Gerichts und stellt ringsum die Industrielandschaft, die rauchenden Fabrikschlote, den verstorbenen Mitgliedern der Stifterfamilie Röchling und einem seine Fesseln abstreifenden Adler als Verweis auf die Rückgliederung des Saargebietes 1935. An der Fassade steht ein handgranatenschleudernder Soldat.
Am 7. Februar 1962 kam es in der Grube Luisenthal durch eine Schlagwetterexplosion zu einem Grubenunglück, das 299 Menschenleben forderte. Drei Jahre später, 1965, stieg der Ort in den Rang einer Mittelstadt auf; zahlreiche Neubaugebiete entstanden, und gleichzeitig verschwanden ganze Ensembles von Bauwerken aus der Gründerzeit und früheren Epochen durch Abriss. Am 1. Januar 1974 kamen Ludweiler und Lauterbach als Gemeinden hinzu.
Mit der Stahlkrise Mitte der 1970er Jahre endete die Aufwärtsbewegung abrupt. Im Jahr 1978 zog sich die Familie Röchling aus der Stadt zurück, und die Hütte ging an den luxemburgischen ARBED-Konzern; 1980 nahm ein neues Blasstahlwerk für hochspezialisierte Qualitätsstähle den Betrieb auf. Im Jahr 1993 ging die Saarstahl AG in Konkurs, in der die Röchlingschen Betriebe aufgegangen waren; das Verfahren wurde 2001 aufgehoben, und das Unternehmen produziert weiter mit Hauptsitz in Völklingen.
Aus demselben Jahr 1993 stammt ein Ruf, den die Kernstadt seither loszuwerden versucht: der einer besonders hässlichen Stadt. Investiert wurde inzwischen in den Bereich um den Saarhafen und die alte Hütte, die Stadtmitte wird im Rahmen des Forschungsvorhabens Stadtumbau West umgebaut, und Ersatzarbeitsplätze entstanden in der Umwelttechnologie, der Baustoffindustrie und in moderner Fertigung. Aus der Monokultur der Montanwirtschaft soll eine diversifizierte Wirtschaftsstruktur werden.
Wohin die Stadt gehört, steht in ihrer Partnerliste. Zwei der drei Partnerorte liegen in Lothringen, Ars-sur-Moselle und Forbach, der dritte, Les Lilas, am Rand von Paris. Das ist keine Städtefreundschaft aus der Ferne: Der Warndt reicht bis an die Grenze, die Minette kam aus Lothringen, und die Arbeiter kamen aus beiden Ländern.
Stand des Portraittextes: 2026-09-17.
Belege der kuratierten Auswahl: WH, DZT_IND
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