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Waren (Müritz) hatte am 31.12.2025 20.211 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 47 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Waren (Müritz)
Waren liegt an der Müritz, einem See von 117 Quadratkilometern Fläche, und wer sich der Altstadt nähert, stößt zuerst auf Wasser: den Tiefwarensee auf der einen, die Müritz auf der anderen Seite. Zwischen beiden ist der historische Kern eingeklemmt, und mitten in der Stadt liegt außerdem der kleine Herrensee. Dazu kommen im Stadtgebiet der Feisnecksee, der Melzer See und der Waupacksee.

Das Bild einer beschaulichen Urlaubsstadt greift zu kurz. Waren war Residenz eines kleinen Fürstenhauses, wurde dann über Jahrhunderte immer wieder niedergebrannt, wuchs mit dem Bahnbau zum Verkehrsknoten und erfand sich in den letzten Jahrzehnten als Kurort neu. Ende 2025 zählte Waren (Müritz) 20.211 Einwohner.
Die Stadt geht auf eine slawische Siedlung zurück, zu der westfälische Siedler beitrugen; privilegiert wurde sie vielleicht um 1225. Seit 1292 wird Waren in Urkunden als civitas bezeichnet, was als Hinweis auf Stadtrechte gilt. Mit dem Erbteilungsvertrag von 1347 wurde Waren zur Residenzstadt des Hauses Werle-Waren, und Bernhard II. residierte hier bis zu seinem Tod im Jahr 1382. Als die Linie erlosch, fiel das Land 1436 an die Herzöge von Mecklenburg, und Waren verlor nach fast einem Jahrhundert den Rang einer Residenz.
Danach folgte eine lange Serie von Rückschlägen. Der Brand von 1568 zerstörte die Stadt fast vollständig, sodass von den beiden Kirchen nur die Umfassungsmauern standen. Im Juli 1637 brannten kroatische Söldner 72 der rund 200 Häuser nieder. Sechs Stadtbrände allein bis 1699 richteten Waren zugrunde, und nach dem Feuer von 1699 stand praktisch ein Neubau der Stadt an. Man errichtete eine städtische Ziegelei, um die strohgedeckten Fachwerkhäuser durch Ziegelbauten zu ersetzen, und verbot Scheunen im Stadtgebiet.
Der Wiederaufbau zog sich fast ein Jahrhundert hin. Die Marienkirche erhielt 1739 ein neues Dach und konnte erst 1792 wieder geweiht werden. Das heutige Rathaus am Neuen Markt wurde von 1791 bis 1797 gebaut. Den wirtschaftlichen Aufschwung brachten die Kanalisierung der Elde und der Bau des Bolter Kanals: Zwischen 1810 und 1850 wuchs die Einwohnerzahl von 3.022 auf 5.258. Mit der Bahnlinie nach Malchin ab 1879 entwickelte sich Waren zum Verkehrsknoten, und 1885 wurde die Mecklenburgische Südbahn, 1886 die Lloydbahn eröffnet.
Weniger bekannt ist die dunkle Seite des 20. Jahrhunderts. Ab 1936 errichteten die Dürener Metallwerke, ein Zulieferer der Flugzeugindustrie, in Waren ein Werk, in dem mehrere Tausend Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus besetzten Ländern Zwangsarbeit leisten mussten; eine Gedenktafel von 1994 erinnert daran. Die jüdische Gemeinde, die 1845 noch 162 Mitglieder gezählt hatte, war bis April 1938 auf neun Mitglieder geschrumpft. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die beiden letzten jüdischen Geschäfte zerstört, und 1942 lebten keine Juden mehr in Waren. Auch der jüdische Friedhof am Papenberg an der Straße nach Neubrandenburg wurde 1938 geschändet; seit 1967 erinnert dort eine Gedenkstätte mit Tafel an ihn, und er steht heute unter Denkmalschutz.
Dass die Stadt am 1. Mai 1945 kampflos an die Rote Armee übergeben wurde, war dem Einsatz des kommissarischen Bürgermeisters Hermann Handorf zu verdanken. Der Krieg hatte 1450 Warener das Leben gekostet; in den Wochen um das Kriegsende nahmen sich im April und Mai weitere 300 Einwohner das Leben.
Die ursprüngliche Stadt lag rund um die Georgenkirche am Alten Markt; um 1300 begann dort der Bau im Stil der Backsteingotik. 1699 zerstörte ein Brand die Kirche, und Altar, Kanzel und Empore erhielten später eine neugotische Gestalt. Der Chor der Marienkirche in der Neustadt besteht zum Teil aus Feldsteinen, und die barocke Turmhaube kam 1790/92 hinzu. Der Turm ist für Besucher zugänglich, und aus dem Aussichtsgeschoss blickt man über Stadt und See.

Das Neue Rathaus am Neuen Markt ist ein Bau der Tudorgotik. An seiner Rückseite ist ein Einschussloch erhalten, eine Erinnerung an den Kapp-Putsch: Am 18. März 1920 ließ ein Rittmeister mit einem Geschütz und drei Maschinengewehren die Stadt vom Galgenberg aus beschießen, fünf Menschen starben. Weitere Zeugnisse stehen unter Denkmalschutz, darunter die Burgwallinsel im Feisnecksee, das Richard-Wossidlo-Gymnasium, der Wasserturm auf dem Nesselberg und der Bahnhof.

Dass die Altstadt heute noch steht, ist keine Selbstverständlichkeit. In den 1970er Jahren wurden größere Teile davon einer großflächigen Verkehrsplanung geopfert. Der Verlust weckte die Einwohner, und noch vor der Öffnung der Grenzen entstand die Bürgerbewegung „Rettet die Altstadt“, der der heutige Stadtkern viel verdankt. Ab 1991 wurde er im Rahmen der Städtebauförderung saniert, und seither zeigt die Stadt wieder ihre drei Kirchen, das Rathaus, den Alten und Neuen Markt und die Speicher.
Die erste Badeanstalt an der Müritz eröffnete 1845. Um 1900 nahm die Bedeutung des Tourismus stark zu, und die Eisenbahn nach Berlin machte das Reisen einfacher; Schriftsteller wie Theodor Fontane trugen dazu bei. Seit 1920 erhebt die Stadt eine Kurtaxe. Dann kam der Bruch: Schon 1937 war der Tourismus an der Müritz unterbunden, weil der Raum der Kriegswirtschaft vorbehalten war, und in der DDR blieben Landwirtschaft und Industrie vorrangig, obwohl Waren 1954 zum Luftkurort erhoben wurde.
Erst nach der Wende wurde der Fremdenverkehr wieder zur Grundlage der örtlichen Wirtschaft. Der Nationalpark in der Nachbarschaft geht auf eine Initiative des stellvertretenden Umweltministers Michael Succow zurück, der auf der letzten Ministerratssitzung der DDR am 12. September 1990 durchsetzte, dass mit dem Nationalparkprogramm fast 5000 Quadratkilometer unter Schutz gestellt wurden. Seit dem 1. Mai 1999 ist Waren staatlich anerkannter Luftkurort, seit Juni 2012 trägt die Stadt zusätzlich das Prädikat Heilbad. Sole wird gefördert und als Solesalz verkauft.
Heute stützt sich der Gästebetrieb auf mehrere Angebote. Das Müritzeum ist ein Natur-Erlebnis-Zentrum, das sich als Schaufenster in den Nationalpark versteht, und der Schaugarten am Tiefwarensee gliedert sich in mehrere Themengärten. Auf der Freilichtbühne am Mühlenberg wird seit 2006 die Müritz-Saga aufgeführt, ein Zyklus von Theaterstücken mit erfundenen Handlungen aus der Region. Seit 2002 findet im Mai die Müritz Sail statt, und seit 1969 schwimmen jedes Jahr mehrere hundert Menschen beim Müritzschwimmen über 1950 Meter im nördlichen Teil des Sees.
Die Mecklenburger Metallguss GmbH produziert in der Stadt Schiffspropeller, und auch ein Teigwarenwerk und eine Molkerei sitzen hier. Am Papenberg steht seit 1984 ein Geothermiekraftwerk zur Wärmeversorgung.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: NNL
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