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Weinheim hatte am 31.12.2025 45.919 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 61 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Weinheim
Weinheim liegt an der Badischen Bergstraße, etwa 18 km nördlich von Heidelberg, in einer Einbuchtung am Westrand des Odenwalds. Zum 31. Dezember 2025 zählte Weinheim 45.919 Einwohner auf 58,11 Quadratkilometern. Über der Stadt stehen zwei Burgen — die Ruine Windeck und die Wachenburg —, weshalb sie sich Zwei-Burgen-Stadt nennt. Der Name hat mit Wein allerdings nichts zu tun: Er geht auf Winos Heim zurück.
Die zweite Doppelung ist im Stadtgrundriss zu sehen. Jahrhundertelang bestand Weinheim aus einer Altstadt unter Mainzer und einer Neustadt unter pfälzischer Herrschaft; erst 1454 wurden beide zu einer Stadt vereinigt. Und eine dritte Eigenheit betrifft die Vegetation: Das milde Klima der Bergstraße lässt hier Bäume gedeihen, die sonst in Deutschland kaum wachsen.
Die erste urkundliche Erwähnung steht 755 n. Chr. im Lorscher Codex, dem Urkundenbuch des Klosters Lorsch. Kaiser Otto III. verlieh dem Ort im Jahr 1000 das Marktrecht, 1065 folgte das Münzrecht. Oberhalb der Siedlung errichtete das Kloster Lorsch die Burg Windeck, um seine Besitzungen zu sichern.
Aus einem Streit um diese Burg wurde eine Spaltung. Der Pfalzgraf erhob als Lorscher Vogt Ansprüche auf Ort und Burg; nachdem das Kloster 1232 dem Mainzer Bischof unterstellt worden war, zogen sich die Auseinandersetzungen zwischen Mainz und der Pfalz in die Länge. Um 1250 bauten die Pfalzgrafen aus dem Haus Wittelsbach kurzerhand eine Neustadt auf einer bis dahin unbesiedelten Terrasse über der Weschnitz — als Konkurrenz zur Mainzer Altstadt.
Der Hemsbacher Schiedsspruch von 1264 schrieb die Teilung fest: Neustadt und Burg Windeck fielen an den Pfalzgrafen, die Altstadt blieb bei Mainz. 1308 kam auch die Altstadt in einem Gebietstausch an die Pfalz, ab 1368 gehörte Weinheim zum Kerngebiet der Kurpfalz. Verwaltet wurden beide Teile aber weiter getrennt; erst 1454 wurden sie zu einer Stadt vereinigt — die pfälzische Neustadt bildet den Kern der heutigen Altstadt.
Im 17. Jahrhundert wurde die Stadt in drei Kriegen hintereinander erobert und die Burg Windeck zerstört. 1698 verlegte Kurfürst Johann Wilhelm seinen Hof für zwei Jahre hierher, dazu die Heidelberger Universität, die kurfürstliche Münzstätte und die Druckerei; die Ausbaupläne für das Weinheimer Schloss blieben unausgeführt. 1803 wurde die Kurpfalz aufgelöst und Weinheim kam an Baden, wo es Sitz eines Bezirksamtes wurde. Während der Badischen Revolution unterbrachen Weinheimer Revolutionäre 1848 die Bahnstrecke nach Heidelberg, um Truppentransporte zu verhindern; ein Zug entgleiste, 33 Weinheimer wurden angeklagt.
Aus dem alten Gerberhandwerk der Stadt wurde Industrie. Weinheim ist heute Hauptsitz von Freudenberg, einem Zulieferer für Automobil-, Maschinenbau-, Textil-, Bau- und Telekommunikationsindustrie; bekannte Produkte sind die Vileda-Reinigungsartikel und der Simmerring. Auch nora systems, der Fachverlag Wiley-VCH, die Naturin Viscofan GmbH und die Logistikgruppe Trans-o-flex haben hier ihren Hauptsitz.
Das erste Todesopfer der NS-Herrschaft in Weinheim gab es schon im Mai 1933. Als SS und NS-Betriebszellen das Büro des Lederarbeiterverbands im Volkshaus besetzten, nahm sich dessen Geschäftsführer Michael Jeck das Leben.
Die jüdische Gemeinde war im 19. Jahrhundert durch Zuzug aus den umliegenden Landgemeinden gewachsen und zählte 1905 auf ihrem Höhepunkt 192 Mitglieder. Von den 168 Juden, die 1933 in der Stadt lebten, wanderten die meisten unter dem Druck der Verfolgung aus, viele in die USA, andere zogen in Großstädte.
Eine Stelle in der Innenstadt erinnert nicht an ein Bauwerk, sondern an sein Fehlen. Auf halbem Weg zwischen dem Kriegerdenkmal aus der NS-Zeit und dem 1999 fertiggestellten Gegendenkmal für die Opfer von Gewalt, Krieg und Verfolgung stand die 1906 eingeweihte Synagoge, die 1938 gesprengt wurde.
Die 47, die geblieben waren, wurden 1940 in das Lager Gurs deportiert; viele von ihnen starben dort oder wurden später in Auschwitz ermordet. Eine Gedenktafel in der Ehret-Straße erinnert an die zerstörte Synagoge, und seit November 2008 ist die Online-Datenbank „Jüdische Spuren in Weinheim“ öffentlich zugänglich, die der Förderkreis des Museums aufgebaut hat.
Der Marktplatz fällt steil ab; an ihm stehen das Alte Rathaus von 1557, daneben ein Marktbrunnen und die Löwenapotheke aus dem frühen 17. Jahrhundert. Das kurpfälzische Schloss von 1537 dient heute als Rathaus, das Amtshaus des Deutschen Ordens von 1710 als Stadtmuseum. Von der Stadtbefestigung blieben größere Mauerteile, das Obertor sowie drei Türme: der Blaue Hut, der Hexenturm und der Rote Turm.

Das Gerberbachviertel im Tal des Grundelbaches ist ein geschlossen erhaltenes, sorgfältig restauriertes spätmittelalterliches Handwerkerviertel mit fränkischen Fachwerkhäusern an gewundenen Gassen. Seine Häuser erzählen, womit die Stadt lange ihr Geld verdiente: mit Leder.
Auch die Kirchen erzählen Epochen: die evangelische Stadtkirche von 1731 und die katholische St.-Laurentius-Kirche, 1913 erbaut; an der Weschnitz folgt die Peterskirche von 1912 in neoromanischem Jugendstil, die einen Vorgängerbau an derselben Stelle ersetzte. In der Weststadt steht die 1957 im Stil des Brutalismus errichtete Markuskirche mit großflächigen Bildglaswänden — seit 1998 selbst ein Kulturdenkmal. Das Museum der Stadt im ehemaligen Amtshaus des Deutschen Ordens zeigt dazu Funde von der Vorgeschichte bis in die Merowingerzeit, darunter den Nächstenbacher Bronzefund aus 76 Alltagsgegenständen der Urnenfelderzeit.
Nicht alles in diesem Stadtbild ist alt. Die Ruine Windeck und die Wachenburg sind die beiden Wahrzeichen, aber die Wachenburg wurde erst vom Weinheimer Senioren-Convent errichtet: Grundsteinlegung 1907, fertig 1928.
An der Bergstraße ist es mild. Mandelbäume und anderes Obst blühen hier deutlich früher als in anderen Gegenden Deutschlands — ein Klimavorteil, den die Stadt seit langem planvoll nutzt.

Der Exotenwald ist das Ergebnis. Freiherr Christian von Berckheim legte das Arboretum ab 1860 östlich an den Schlosspark an; heute umfasst es rund 60 Hektar mit 170 Baumarten. Götterbäume, japanische Sicheltannen und Atlas-Zedern gedeihen hier, und die Mammutbäume erreichen bis zu 60 Meter Höhe. Im Schlosspark nebenan steht eine Libanon-Zeder, die um 1835 gepflanzt wurde und inzwischen 23 Meter hoch ist, bei einem Kronendurchmesser von 27 Metern.
Der Untergrund ist ebenso ein Thema wie der Bewuchs. Am Ausgang des Birkenauer Tals liegt der Steinbruch des Wachenbergs, in dem Quarzporphyr abgebaut wird; in Oberflockenbach und Rippenweier führt ein Geopark-Pfad unter dem Titel Steine, Schluchten, Sagen durch die Landschaft. In der Kohlbach lässt sich ein mittelalterliches Silber- und Bleibergwerk befahren, die Grube Marie, deren Tagstollen als Besucherbergwerk ausgebaut ist; im Stadtgebiet und im Umland finden sich weitere Spuren mittelalterlichen Bergbaus.

Auch das Wasser hat seine Spur hinterlassen: Entlang der Weschnitz im Nordosten der Stadt reihen sich im historischen Sechs-Mühlen-Tal sechs Mühlen aneinander. Wer wissen will, was diese Stadt ausmacht, geht am besten vom Gerberbach hinauf zu den Burgen und von dort in den Exotenwald — drei Epochen auf einem Spaziergang.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: GEO
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