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Werder (Havel) hatte am 31.12.2025 27.064 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 57 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Werder (Havel)
Werder liegt auf einer Insel, und wer in die Altstadt will, überquert eine Brücke. Die Inselstadt mit ihren kleinen Gassen, alten Fischerhäusern und der Bockwindmühle ist nur so zu erreichen. Rundherum liegt das Wasser der Havel, im Frühjahr aber ist es das Weiß und Rosa der Obstbäume, das der Stadt ihren Ruf gibt. Werder ist Zentrum des Obstanbaus im Havelland, und im April und Mai fahren die Berliner zur Baumblüte.

Das war schon vor über hundert Jahren so, und es hat aus einem Fischerort einen Ausflugsort gemacht. Heute ist die Stadt zugleich Wohnort im Berliner Umland und Standort von Weinbergen, Brauerei und Museen.
Die Stadt misst 117,05 Quadratkilometer und liegt etwa 31 Meter über dem Meeresspiegel. Zum 31. Dezember 2025 zählte sie 27.064 Einwohner.
Wann Werder Stadt wurde, weiß niemand genau. Weder eine förmliche Stadtgründung noch eine Verleihung des Stadtrechts ist belegt, und auch eine Ummauerung nicht. Wahrscheinlich wuchs ein handwerklicher Nahmarkt mit dem anschließenden Kirchort zusammen. Erwähnt wird das Städtchen 1317 in einer Urkunde des Markgrafen, im selben Jahr wurde es samt Lehnsbesitz an das Zisterzienserkloster Lehnin verkauft. Deshalb konnte die Stadt im Jahr 2017 ihr 700-jähriges Bestehen feiern.
Das Kloster prägte die folgenden Jahrhunderte. Im Jahr 1459 erlaubte der Kurfürst dem Kloster Lehnin einen Jahrmarkt in Werder, ein Zeichen, dass das Städtchen an Gewicht gewann. Ihre Zölle wurden dennoch mehrmals aus Geldnot an die Neustadt Brandenburg verpfändet. Spätestens 1541 darf von einem Übergang Werders zur lutherischen Lehre ausgegangen werden. Schwedische Truppen plünderten die Stadt im Dreißigjährigen Krieg 1637 und 1641.
Die Heilig-Geist-Kirche auf der Insel wurde 1734 an der Stelle einer älteren Kirche erbaut. Ihre heutige neugotische Gestalt erhielt sie von 1856 bis 1858; der Turm ist 45 Meter hoch. Die katholische Kirche Maria Meeresstern, deren Name Stern des Meeres bedeutet, kam später hinzu. Das Alte Rathaus auf dem Mühlenberg entstand 1879 durch den Umbau einer alten Fachwerkschule; im ehemaligen Stadtgefängnis nebenan zeigt seit 1994 das Obstbaumuseum die Geschichte des Obstanbaus in Werder.

Der Wein hat in Werder eine wechselvolle Geschichte. Einst wurde hier auf mehr als 100 Hektar Wein angebaut, mit den Sorten Weißer Elbling, Schönedel und Rotfranke, und es soll immer mehr Rotwein als Weißwein gegeben haben. Als im Winter 1955 die letzten Weinstöcke erfroren, endete der Weinbau vorläufig. Erst 1985 legte die Gärtnerische Produktionsgenossenschaft auf dem Wachtelberg wieder einen Weinberg an. Heute wachsen dort auf fast sieben Hektar etwa 30.000 Rebstöcke.

Der Obstwein ist das Getränk der Baumblüte. Jährlich zeichnet eine Jury die besten Produzenten mit der Goldenen Kruke aus. Im Jahr 1784 gab es in Werder 21 Bierbrauer und zwei Brauknechte, und bis zum Jahr 1854 entstanden vier große Brauereien. Das Werdersche Bier wurde als Gesundheitsbier beworben und bis nach Berlin geliefert. Im Jahr 1896 schlossen sich die vier Brauereien zu einer Aktiengesellschaft zusammen, und die spätere Brauereigenossenschaft musste 1909 Konkurs anmelden. Im Ortsteil Kemnitz gibt es seit Ende 2014 wieder eine Werdersche Brauerei.
Schon die Mönche des Klosters Lehnin betrieben hier Obstanbau; heute wachsen vor allem Kirschen, Äpfel und Erdbeeren. Der Anlass des Festes ist ein historischer: Die Ausflugsgaststätten Bismarckhöhe, Friedrichshöhe, Wachtelburg und Gerlachshöhe entstanden, als die Berliner zur Baumblüte nach Werder fuhren. Aus diesen Ausflügen wurde das Volksfest.
Das Baumblütenfest ist das wichtigste Fest der Stadt und beginnt immer am letzten Aprilwochenende. Am Freitag zuvor wird auf dem Baumblütenball die Baumblütenkönigin gekürt, die nach dem traditionellen Umzug das Fest eröffnet. Im Zentrum dominiert der Rummel, an den Rändern und in den Plantagen überwiegt eine gemütlichere Atmosphäre. Am letzten Sonntag verabschiedet ein Höhenfeuerwerk die Gäste.
Daneben gibt es das Kirsch- und Ziegelfest in Glindow, ein Mühlenfest an der Bockwindmühle auf der Insel und das Wasserfest mit Drachenbootrennen. Jeden Freitag findet außerdem der Wochenmarkt statt, dessen Stände sich vor allem über die Straße Unter den Linden im Zentrum verteilen.
Im Jahr 2014, zum hundertsten Todesjahr Christian Morgensterns, wurde im sanierten Aussichts- und Museumsturm der Bismarckhöhe ein Literatur-Museum für den Dichter eröffnet. Zum Bestand gehören viele Erstausgaben und über 250 Buchtitel aus Morgensterns Privatbibliothek.
Theodor Fontane sah die Bewohner Werders in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg mit kritischem Blick. Er lobte ihre Arbeitsamkeit und ihr sparsames Leben, fand aber, dass sie nicht viel auf Künste und Wissenschaften hielten. Die Lage und die Kirche, schrieb er, hätten ihnen Gott und die Lehniner Mönche gegeben.
Im März 1943 wurde in Werder ein kleines Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen errichtet. Die Häftlinge und Kriegsgefangenen, untergebracht im Lichau-Keller und auf einem Havelkahn, mussten Zwangsarbeit verrichten. Im Norden der Stadt lag außerdem ein Flugplatz, auf dem eine Fliegerschule ausbildete, bis sie im Mai 1944 nach Sachsen verlegt wurde. Nach dem Krieg ließ sich dort die Rote Armee nieder und blieb bis zum Abzug 1992.
Auch in der DDR-Zeit gab es Widerstand. Anfang der fünfziger Jahre bildeten Jugendliche Oppositionsgruppen gegen das DDR-Regime und die sowjetische Besatzungsmacht, einige wurden von einem sowjetischen Militärtribunal zum Tode verurteilt. Sieben Jugendliche aus Werder wurden 1952 in Moskau hingerichtet; an sie erinnert seit 2004 eine Gedenktafel in der Carl-von-Ossietzky-Schule.

Nach der Wende wurde der Stadtkern samt Inselstadt zum Sanierungsgebiet. Das Wohn- und Gewerbegebiet Havelauen wurde 1995 eingeweiht und erlebt erst seit etwa 2011 einen Aufschwung, weil Bauträger es für sich entdeckten. Ein Vorhaben lief schlechter: Der Grundstein für das Familienbad Blütentherme wurde 2011 gelegt, doch nach dem Scheitern des Projekts und einem mehrjährigen Baustillstand wurde 2018 bekannt, dass die Fertigstellung weitere 30 Millionen Euro kosten würde.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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