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Wertheim hatte am 31.12.2025 22.808 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 56 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Wertheim
Wertheim liegt dort, wo die Tauber in den Main mündet, am nordwestlichen Rand des Main-Tauber-Kreises und an der Landesgrenze zu Bayern. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 22.808 Einwohner auf 138,63 Quadratkilometern. Über der Stadt steht die Ruine der Grafenburg, unter ihr eine Altstadt aus engen Gassen und Fachwerkhäusern. Der Ortsname hat mit Wein nichts zu tun: Er leitet sich von Werder ab, also von einer Insel oder Erhebung im Fluss.
Zwei Flüsse sind ein Standortvorteil und ein Risiko zugleich. Sie brachten Schifffahrt, Handel und Zollrechte; sie haben die Stadt aber auch wiederholt überflutet und den Grundriss verändert. Und ein drittes Thema ist jünger als alles andere: Die Glasindustrie, von der Wertheim heute lebt, ist erst nach 1945 hierhergekommen — mit Menschen, die aus Thüringen wegwollten.
Die Gründung liegt im Dunkeln; wahrscheinlich entstand der Ort im 8. oder 9. Jahrhundert. Fassbar wird er erst, als ein Zweig der Reginbodonen sich ab dem frühen 12. Jahrhundert nach Wertheim benannte und am rechten Ufer der Taubermündung eine Burg errichten ließ. Unterhalb der Wehranlage wuchs eine Siedlung, die 1192 als Suburbium castri Wertheim erscheint, um 1200 als oppidum und 1244 als civitas.
Der Aufstieg der Grafen lässt sich an einem Recht ablesen. 1363 erhielt Graf Eberhard von Wertheim das Münzregal, also die Erlaubnis, eigene Münzen zu schlagen und daran zu verdienen. Ausgeübt wurde das Recht mit langen Unterbrechungen: Zwischen 1442 und 1556 sind überhaupt keine Prägungen bekannt, und auch danach ruhte die Münzstätte immer wieder über Jahrzehnte. Erhalten sind aus dieser Geschichte 196 Stempel.

Mit dem Tod Michaels III. starb das Grafenhaus aus, weil aus seiner Ehe kein Sohn hervorging. Über die Schwiegersöhne kam die Grafschaft zunächst an Ludwig zu Stolberg und nach dessen Tod 1574 an Graf Ludwig von Löwenstein. Aus dem gemeinsamen Erbe wurde rasch ein Streit: Nach dem Tod des kinderlosen Ehepaares von Krichingen zog der Würzburger Bischof Julius Echter 1612 den gesamten linksmainischen Wertheimer Besitz für sein Hochstift ein.

Von 1500 bis 1806 gehörte die Stadt zum Fränkischen Reichskreis und war Mittelpunkt der Grafschaft, die von den Grafen und späteren Fürsten von Löwenstein-Wertheim regiert wurde. Um 1630 spaltete sich das Haus in eine protestantische und eine rekatholisierte Linie. 1806 endete das Fürstentum mit der Rheinbundakte; die Stadt kam an das Großherzogtum Baden, die Gebiete rechts des Mains gingen andere Wege und fielen 1815 an Bayern.
Die Kernstadt ist als Gesamtanlage geschützt: eine Burgsiedlung des späten 12. und frühen 13. Jahrhunderts, erweitert in den Jahrhunderten danach, mit erhaltenem Stadtgrundriss und dichtem Bestand an Fachwerkhäusern. Vom Marktplatz steigt die Bebauung zur Stiftskirche und zur Burg hinauf. Sehenswert sind der Engelsbrunnen und die spätgotische Kilianskapelle von 1472, an der ein Affe als Sinnbild der Eitelkeit sitzt. Von der Stadtbefestigung stehen noch Mauerzüge, das Maintor, der Spitze Turm und der Weiße Turm.

Der Fluss hat an diesem Bestand mitgebaut und mitabgerissen. Im Februar 1784 erreichte der Pegel einen Stand von 8,50 Metern; die Tauberbrücke stürzte am Nachmittag des 27. Februar ein, und in die Stadt kam man nur noch mit dem Boot durch das Eicheltor. Am 7. Februar 1909 standen einzelne Straßen zwei bis drei Meter unter Wasser, der Verkehr in der Stadt lief mit Kähnen, und Schaulustige reisten mit dem Zug an.
Vom alten Bestand bewahrt heute ein Museum einiges. Das Grafschaftsmuseum sitzt in einem Gebäudekomplex aus dem 16. Jahrhundert, zu dem das Alte Rathaus, das Haus zu den Vier Gekrönten und das mit Smalteblau gestrichene Blaue Haus gehören.

Vom Wasser hat die Stadt aber auch gelebt, von Fischfang, Schifffahrt und Handel. Die Fischer- und Schiffergenossenschaft führt die alte Zunft fort: Deren Zunfthaus stand bereits 1478 und ging beim Hochwasser 1732 samt Inventar und Akten unter; erhalten blieb allein der datierte Grundstein, der heute im Museum zu sehen ist.
Vor dem Zweiten Weltkrieg war Wertheim kein Industrieort von Gewicht: 1939 gab es acht Industriebetriebe, überwiegend Holzverarbeitung und Maschinenbau. Zwischen 1945 und 1950 kamen neun größere Betriebe dazu, die zusammen etwa 750 Arbeiter beschäftigten. Entscheidend wurde aber eine andere Zuwanderung.
Auf dem früheren Fliegerhorst am Reinhardshof ließen sich fünf Thüringer Glasbetriebe nieder, die meisten von ihnen aus Ilmenau und Stützerbach; unter den Verhältnissen der sowjetischen Besatzungszone wollten sie nicht weiterarbeiten. Sie brauchten chemisch-technisches Hohlglas, und das ließ sich auf Dauer nicht über die Zonengrenze schmuggeln — also wurde vor Ort eine Glashütte gebaut. Von April bis Oktober 1950 entstand die Glashüttensiedlung mit 26 Bauten.
Danach ging es schnell. 1952 kamen die Glasfaserverarbeitung und eine Forschungsgemeinschaft für technisches Glas hinzu; im selben Jahr zählte die Stadt 35 glasverarbeitende Betriebe. Bis 1971 sank ihre Zahl auf 30 Betriebe, in denen 2.700 Menschen arbeiteten, und für 1990 wurden 8.900 Arbeitnehmer in Glasindustrie, Maschinen- und Werkzeugbau erfasst. Das Glasmuseum in einem Fachwerkhaus von 1577 erzählt diese Geschichte seit dem 29. Mai 1976 auf zunächst 400 m² Ausstellungsfläche.
Ein zweites heutiges Standbein ist der Handel, seit 2003 mit einem Geschäftsmodell ganz anderer Art: das Factory-Outlet-Center Wertheim Village direkt an der Autobahn, das jährlich etwa 2,5 Mio. Besucher anzieht. Wer wissen will, was diesen Ort trägt, muss deshalb zweimal hinsehen: hinauf zur Burg und hinaus auf den Reinhardshof.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
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Auch die Eisenbahn griff in das Stadtbild ein. Der Wertheimer Bahnhof wurde 1868 eröffnet; für die Strecke wurde im Tauberviertel gebaut und abgerissen, das Hospital zurückgebaut und 1873 die hölzerne überdachte Tauberbrücke beseitigt, über deren niedriges Dach sich der Frachtverkehr seit Jahrzehnten beschwert hatte. Was heute als geschlossenes Altstadtbild gilt, ist also auch ein Ergebnis von Abbrüchen, die man damals für Fortschritt hielt.






