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Wismar hatte am 31.12.2025 43.103 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 47 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Wismar
Zwei bemalte Holzköpfe mit rotem Mantel und blondem Schnurrbart stehen am Alten Hafen vor dem Baumhaus und blicken über das Wasser. Die Originale dieser Schwedenköpfe kamen 1902 aus der Hafeneinfahrt ins Museum, 1903 standen Kopien an ihrer Stelle. Die zweite Jahreszahl ist keine beliebige: 1803 hatte Schweden die Stadt für neunundneunzig Jahre verpfändet, und 1903 verzichtete es darauf, das Pfand einzulösen. Wer heute durch die Hansestadt mit ihren 43.103 Einwohnern geht, bewegt sich in einem Grundriss, den zwei Mächte geformt haben: der Handelsbund an der Ostsee und die Krone in Stockholm.
Wismar ging als mecklenburgische Hafenstadt in den Dreißigjährigen Krieg und kam als schwedischer Besitz wieder heraus. Kaiserliche Truppen besetzten den Ort 1627, Schweden nahm ihn 1632 ein, und im Westfälischen Frieden von 1648 sprach das Reich der schwedischen Krone die Stadt als Lehen zu. Der Vertrag brachte Schweden zugleich das Privilegium de non appellando, also die Sperre des Weges an die obersten Reichsgerichte — und damit die Pflicht, für die eigenen deutschen Lehen ein oberstes Gericht selbst einzurichten. Das geschah 1653, und der Gerichtsort war Wismar.
Vor der schwedischen Zeit lag die Blüte. Die Hansezeit begann für Wismar, als sich am 6. September 1259 Gesandte aus Lübeck und Rostock in der Stadt trafen und einen Schutzvertrag gegen die Seeräuberei schlossen; 1280 gehörte Wismar zu den Gründern des Wendischen Städtebundes. Wohlstand und Gewalt lagen dabei dicht beieinander: 1267 brannte die Stadt zum ersten Mal groß ab und wurde mit vielen Backsteinhäusern wieder aufgebaut, 1276 schloss eine Stadtmauer alle Viertel ein, und 1350 starben etwa 2000 Einwohner am Schwarzen Tod. Als 1427 die hansische Flotte geschlagen worden war, ließen die aufgebrachten Handwerksämter den Bürgermeister Johann Bantzkow auf dem Richtblock des Marktplatzes hinrichten.
Das Königliche Hohe Tribunal war kein Provinzgericht. Es sprach Recht für die schwedischen Reichslehen im Heiligen Römischen Reich und blieb von 1653 bis 1802 in der Stadt, ehe es über Stralsund nach Greifswald weiterzog und dort als Oberappellationsgericht endete. Anderthalb Jahrhunderte lang lebten damit Juristen, Schreiber und Kanzleipersonal in einer Stadt, die bis dahin von Kaufleuten geprägt gewesen war.
Militärisch blieb Wismar in dieser Zeit ein Streitobjekt. Die Dänen eroberten die Stadt 1675 und hielten sie bis November 1680, danach baute Schweden sie zur Seefestung aus. Im Nordischen Krieg fiel das belagerte Wismar 1716 an preußisch-dänische Truppen; die Befestigungen, die zuvor nicht hatten erobert werden können, wurden anschließend geschleift.
Das Ende der schwedischen Zeit kam nicht durch einen Krieg, sondern durch einen Vertrag über Geld. Im Malmöer Pfandvertrag von 1803 verpfändete Schweden die Stadt für neunundneunzig Jahre an das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin, und formal fiel Wismar erst 1903 an Deutschland zurück, als Stockholm auf die Einlösung des Pfandes verzichtete. Dazwischen lag eine Stadt im Schwebezustand: 1827 beantragte sie vergeblich, wieder in die mecklenburgische Landschaft aufgenommen zu werden, und erst mit Wirkung vom 1. Juli 1897 gelang das. Wismar feiert deshalb jährlich das Schwedenfest.
Der Hafen wurde 1211 urkundlich erwähnt. Das ist früher als die Ersterwähnung der Stadt selbst, die auf das Jahr 1229 datiert und die der Geschichtsforscher Friedrich Crull um 1850 zum Gründungsjahr erklärte. Was Wismar von anderen Ostseehäfen unterschied, war weniger die Einfuhr als die Ausfuhr: die UNESCO beschreibt die Stadt als eine auf den Export ausgerichtete Hansestadt und Stralsund im selben Satz als eine vom Fernhandel geprägte Hafenstadt. Der Güterumschlag ist heute in den Seehafen abgewandert, der 15 Liegeplätze und 2300 m Kailänge bietet; der Alte Hafen gehört den Fahrgastschiffen und den Festspielen.
Vor dem Baumhaus am Alten Hafen stehen die beiden Schwedenköpfe, und der Name des Gebäudes erklärt eine alte Sicherheitsroutine: die Hafeneinfahrt wurde nachts mit einem quergelegten Baumstamm abgesperrt. Von fünf Stadttoren steht heute nur noch das Wassertor am Hafen. Am Kai liegt die Wissemara, ein Schiffsnachbau, dessen Vorbild seinen Rang inzwischen verloren hat: das 1999 bei Timmendorf auf Poel geborgene Wrack galt zunächst als baltische Kogge, doch spätere dendrochronologische Untersuchungen setzten sein Baujahr auf die Zeit um 1773 und seine Herkunft nach Finnland.
Neben dem Ostseehafen suchte die Stadt früh eine Verbindung ins Binnenland. Der herzogliche Hofbaumeister Tilemann Stella begann 1577 mit dem Ausbau einer Verbindung zum Schweriner See, und 1594 ging die Wasserstraße als Viechelnsche Fahrt in Betrieb, verfiel jedoch kurz darauf wieder. Der Graben, für den sich ab dem 19. Jahrhundert der Name Wallensteingraben einbürgerte, überwindet auf seinem Lauf 37,8 Höhenmeter — für eine durchgehende Schifffahrt zu viel. Losgelassen hat der Gedanke die Stadt trotzdem nie: 1892 gründete sich auf Betreiben des Unternehmers Heinrich Podeus ein Kanalbauverein, und noch 2008 wollte die Kreisverwaltung eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.
Der Marktplatz misst 100 mal 100 Meter, und in seiner Mitte steht die Wismarer Wasserkunst von 1602 im Renaissancestil. Am Markt steht außerdem ein backsteingotisches Bürgerhaus von 1360, in dem heute das Restaurant Alter Schwede untergebracht ist. Das Rathaus daneben ist jünger, als der Platz vermuten lässt: der Vorgängerbau von 1350 stürzte 1807 ein, und der klassizistische Neubau entstand 1817 bis 1819.

Das Bauwerk, an dem sich beide Herrschaften der Stadt ablesen lassen, steht neben der Georgenkirche. Der Fürstenhof entstand in zwei Abschnitten: den Alten Hof ließ 1512/13 Herzog Heinrich V. zu seiner zweiten Hochzeit mit Helene von der Pfalz errichten, den Neuen Hof 1553/54 Herzog Johann Albrecht I. zu seiner Hochzeit mit Anna Sophie von Preußen. Gabriel von Aken und Valentin von Lyra planten diesen Neubau nach oberitalienischen Vorbildern, die Terrakotten stammen aus der Werkstatt des Lübecker Künstlers Statius von Düren. Als die Herzöge die Stadt an Schweden verloren, verlor das Haus seinen Zweck und bekam 1653 einen neuen: das Wismarer Tribunal zog ein. Seit 1876 sitzt in dem Herzogshaus das Amtsgericht.

Die Altstadt steht seit 2002 gemeinsam mit der von Stralsund auf der Welterbeliste. Begründet wird die Eintragung mit zwei Schichten: den Bauformen der Hansezeit und den Verteidigungsanlagen aus der schwedischen Herrschaft des 17. und 18. Jahrhunderts. Wie ein Wismarer Kaufmannshaus von innen aussieht, zeigt das Welt-Erbe-Haus, ein Dielenhaus aus dem 14. Jahrhundert, seit Juni 2014 in einer eigenen Ausstellung.
Die drei großen Stadtkirchen führen die Backsteingotik in drei verschiedenen Zuständen vor. Die Nikolaikirche entstand von 1381 bis 1487 als Kirche der Seefahrer und Fischer; mit der Vollendung des Chores beauftragte der Rat 1381 den Baumeister Heinrich von Bremen, die beiden Turmobergeschosse kamen zwischen 1485 und 1487 hinzu, der Turmhelm 1508. Am 8. Dezember 1703 riss ein Sturm diesen Helm herunter, seine Teile schlugen durch Dach und Gewölbe des Mittelschiffs und zerstörten einen Teil der mittelalterlichen Ausstattung. Der Turm trägt seither ein querliegendes Satteldach.
Von der Marienkirche ist nur der Turm geblieben. Die Ruine des im Krieg zerstörten Kirchenschiffs wurde 1960 gesprengt; der Turm, der zugleich als Seezeichen diente, beherbergt heute die Ausstellung Wege zur Backsteingotik. Damit nach dem Krieg überhaupt evangelische Gottesdienste stattfinden konnten, entstand 1951 neben der Ruine die Neue Kirche als Notkirche. Die Georgenkirche dagegen wurde seit der Wiedervereinigung wieder aufgebaut, und im Mai 2010 schlossen die Rekonstruktionsarbeiten mit einem Festakt vorläufig ab.
Die Reformation kam in Wismar nicht von außen, sondern aus einem Kloster: Der Franziskanermönch Heinrich Never aus dem Grauen Kloster nahm die lutherische Lehre früh an. Mit der neuen Lehre änderte sich auch, wozu die geistlichen Bauten dienten: Das Graue Kloster wurde um 1540 zur Schule und danach zur Lateinschule. Gut erhalten blieb außerdem die Heiligen-Geist-Kirche aus dem 14. Jahrhundert, das Hauptgebäude des gleichnamigen Hospitals in der Lübschen Straße.

Die Wismarer Industriegeschichte hängt an zwei Namen. Heinrich Podeus eröffnete 1870 eine Kohlenhandelsgesellschaft, kaufte 1879 die Eisengießerei und Maschinenfabrik Crull und Co. und gründete 1893 eine Eisenbahnversuchsanstalt, die ab 1894 als Waggonfabrik firmierte. In seinen Unternehmen arbeiteten bis zu 1600 Mitarbeiter, bis die Weltwirtschaftskrise sie zur Liquidation zwang. Der zweite Name ist Rudolph Karstadt: Er eröffnete 1881 in Wismar sein erstes Tuchgeschäft und errichtete 1908 ebenfalls hier sein erstes Kaufhaus, den Grundstock der späteren Warenhauskette.
Claude Dornier erwarb Mitte 1933 die unter Zwangsverwaltung stehende Maschinenfabrik Podeus und gründete am 1. Dezember 1933 die Dornier Werke Wismar. Die Belegschaft wuchs von 1908 Menschen im Jahr 1936 über 3000 im Jahr 1937 auf 4437 Beschäftigte im Jahr 1944.
Diese Zahlen sind keine Erfolgsmeldung: Im Zweiten Weltkrieg mussten Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus den besetzten Ländern hier Zwangsarbeit leisten, und auf dem Friedhof an der Schweriner Straße liegen 36 Opfer dieser Arbeit begraben.
Nach dem Krieg wurden die übrig gebliebenen Werke in volkseigene Betriebe überführt, und die Werftindustrie ging auf einen Schiffsreparaturbetrieb der Roten Armee zurück. Der Schiffbau blieb der Stadt bis in die Gegenwart erhalten, wenn auch unter wechselnden Eigentümern. Nach der Insolvenz der MV Werften im Jahr 2022 übernahm Thyssenkrupp Marine Systems die Anlagen. Ihre Schiffbauhalle misst knapp 400 Meter in der Länge und 72 Meter in der Höhe; überdacht wird damit ein Trockendock von 340 Metern, und vom Hafen aus ist der Bau nicht zu übersehen. Der zweite Schwerpunkt liegt im Stadtteil Haffeld: Dort haben sich mit Ilim Nordic Timber, Egger Holzwerkstoffe, German Pellets und Hüttemann mehrere Holzverarbeiter angesiedelt, und auf dem Areal sind rund tausend Arbeitsplätze entstanden.
Im Juli 1921 begannen in Wismar die Außenaufnahmen zu Nosferatu, dem Vampirfilm von Friedrich Wilhelm Murnau, der 1922 in die Kinos kam. Die Stadt spielte darin nicht sich selbst, sondern den erfundenen Ort Wisborg — gebaut aus lauter echten Wismarer Adressen.
Die Eröffnungsszene ist eine Aufnahme vom Turm der Marienkirche über den Marktplatz mit der Wasserkunst. Gedreht wurde außerdem am Wassertor, an der Westseite der Georgenkirche, im Hof der Heiligen-Geist-Kirche und unten am Hafen. Die Kulisse von damals gibt es nur noch zum Teil: Das Kirchenschiff unter jenem Turm wurde 1960 gesprengt, und die Georgenkirche stand bis in die Gegenwart als Ruine. Wer den Film heute sieht, erkennt die Stadt trotzdem wieder; seit 2004 dreht auch die Fernsehserie SOKO Wismar zu großen Teilen in der Stadt und ihrer Umgebung.







Stand des Portraittextes: 2026-09-17.
Belege der kuratierten Auswahl: WH, DZT_UNESCO, DZT_HANSE, BRICK
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