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Worpswede hatte am 31.12.2025 9.237 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 55 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Worpswede
Mitten im Teufelsmoor nordöstlich von Bremen ragt eine Sanddüne aus der Fläche: der Weyerberg, 54,4 Meter hoch. Um ihn herum liegt ein Ort, dessen Geschichte zweimal von außen bestimmt wurde — einmal von einem Moorkommissar, einmal von zwei Kunststudenten. Ende 2025 zählte die Gemeinde 9237 Einwohner.
Der Moorkommissar Jürgen Christian Findorff ließ das Moor entwässern; daraus entstand ein Landstrich aus Torfstichen, Kanälen und Kolonistendörfern. Die beiden Studenten kamen 1889 und blieben, weil ihnen das Licht über der Ebene gefiel; aus ihrem Entschluss wurde eine Künstlerkolonie, die Häuser, Denkmäler, Museen und einen Friedhof hinterlassen hat. Beides steht heute nebeneinander im selben Dorf.
Die Spuren reichen bis in die Bronzezeit zurück. Im 11. Jahrhundert entstand auf dem Besitz des Klosters Osterholz eine Fischersiedlung, urkundlich erwähnt wurde der Ort 1218. Im Dreißigjährigen Krieg wechselte die Herrschaft mehrfach: Ab 1627 regierten kaiserliche Truppen des Erzstifts Bremen, 1630 übernahmen die Schweden die militärische Macht, und 1648 wurde Worpswede an Friedrich von Hessen-Eschwege abgetreten.
Die entscheidende Veränderung war die Entwässerung unter Findorff. Dabei entstanden neue Dörfer: Heudorf 1756, Hüttendorf 1776, Schlußdorf 1800. Das 1764 gegründete Nordwede mit seinen dreizehn Anbaustellen hieß im Volksmund Sniederdorp, weil der erste Siedler ein Schneider war. Wie viele Einzelsiedlungen so entstanden, zeigt die Verwaltungsgeschichte: Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde lagen ursprünglich 24 Dörfer mit jeweils eigener Gemeinde, 1929 und 1936 auf acht zusammengelegt und am 1. März 1974 zu einer Gemeinde vereinigt.
Was das Moor hergab, war Torf. Er wurde bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in großem Umfang gestochen; von dieser Wirtschaft blieb unter anderem eine Wartungswerkstatt der Torfbahn als Denkmal erhalten, dazu zwei Windmühlen — die Worpsweder Mühle, seit 1701 als Bockwindmühle und ab 1838 als Erdholländer, und die Windmühle Ostersode von 1852, ein zweistöckiger Galerieholländer auf achteckigem Sockel.

Findorff selbst steht auf dem Weyerberg. Der Obelisk wurde 1799 als Dank für seine Leistungen errichtet; zu ihnen zählten neben der Gründung vieler Dörfer der Bau des Osterholzer Hafens und des Hamme-Oste-Kanals. Auch beim Bau der Worpsweder Kirche führte er die Bauleitung. Das Kaufhaus Stolte an der Findorffstraße, entstanden 1824, verbindet beide Kapitel dieses Ortes: Die Tochter des Hauses lud 1884 einen Düsseldorfer Kunststudenten ein, den sie dort kennengelernt hatte.
Die Gründungsszene ist überliefert: An einem späten Augusttag 1889 standen die Düsseldorfer Kunststudenten Fritz Mackensen und Otto Modersohn auf der Bergedorfer Brücke, sahen einen grauen Tag mit einem Licht wie auf Bildern Millets und beschlossen zu bleiben. Aus diesem Entschluss wurde die Künstlerkolonie Worpswede, zu der bald Heinrich Vogeler und Paula Modersohn-Becker gehörten.

Ihr Mittelpunkt war der Barkenhoff, ein Bauernhof, den Vogeler 1895 kaufte und binnen weniger Jahre zu einem Jugendstilbau umformte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er 1919 zur Kommune und Arbeitsschule, von 1923 bis zur Schließung 1932 betrieb die Rote Hilfe dort ein Kinderheim. 1932 ging das Anwesen an den Gartenarchitekten Max Karl Schwarz, der hier bis 1936 eine Gartenbau- und Siedlungsschule für biologisch-dynamische Arbeit führte. Nach Jahrzehnten des Verfalls kam der Hof 1981 in öffentliche Hand und wurde ab 2003 grundlegend saniert; heute ist er Museum.
Ein zweites Anwesen erzählt die andere Hälfte dieser Ehe. Martha Vogeler verließ den Barkenhoff und setzte 1920 eine Moorkate aus Lüningsee in den Schluh um, mit finanzieller Hilfe ihres Mannes. Aus drei reetgedeckten Häusern wurde ein Wohnhaus, eine Handweberei und ein Gästehaus; die Möbel, Gemälde und Radierungen aus dem Barkenhoff bilden dort den Kern einer Vogeler-Sammlung.
Mit dem Nationalsozialismus wurden die Gegensätze in der Kolonie politisch, und sie lassen sich an Zahlen ablesen. Bei der Reichstagswahl im März 1933 stimmten hier 66 Prozent für NSDAP und Kampffront Schwarz-Weiß-Rot, reichsweit waren es 52 Prozent. Auf Sozialdemokraten und Kommunisten entfielen 16 Prozent, im gesamten Reich dagegen 31 Prozent. Verstärkt wurde das durch den Heimat- und Naturkult der Worpsweder Künstlerschaft, allen voran Mackensen, Carl Uphoff und Martha Vogeler, die der völkischen Idee anhingen — während Heinrich Vogeler und sein Schwiegersohn Gustav Regler zur Emigration gezwungen waren.
Was von der Kolonie über alle Brüche hinweg bleibt, zeigt der Kirchhof, den Findorff angelegt hatte: Dort liegen rund achtzig Maler, Schriftsteller, Musiker und Kunsthandwerker begraben, unter ihnen Mackensen und Paula Modersohn-Becker. Ihr Grabmal schuf Bernhard Hoetger zwischen 1916 und 1919: eine lebensgroße, zurückgesunkene Frauengestalt mit einem Kind auf dem Schoß, das einen Apfel hält. Die Malerin war 1907 wenige Tage nach der Geburt ihrer Tochter gestorben.
Ungewöhnlich an Worpswede ist, dass die Künstler nicht nur malten, sondern bauten. Heinrich Vogeler entwarf Wohnhäuser an der Bergstraße und der Bahnhofstraße und 1910 den Bahnhof selbst, der heute auch ein Restaurant ist. Alfred Schulze baute 1910 ein Wohn- und Geschäftshaus für die Künstlerinnen Sophie und Clara Wencke.

Die zweite Handschrift gehört Bernhard Hoetger, und sie ist unverkennbar. Von ihm stammen die Töpferei Hinterm Berg von 1921, das Haus Hoetger von 1922, das Logierhaus von 1926 und das Philine-Vogeler-Haus von 1928. Sein Kaffee Worpswede, seit 1925 Café und Restaurant, gehört zu einem Backstein-Ensemble mit der Großen Kunstschau; im Volksmund heißt es Café Verrückt, weil Hoetger ein Haus ohne rechte Winkel zu bauen begann und die Worpsweder darüber ihr Urteil fällten.
Am Weyerberg steht sein weithin sichtbares Werk: der Niedersachsenstein, ein 18 Meter hohes Monument aus Ziegeln, das den Eindruck eines Adlers erweckt und 1922 nach seinem Entwurf für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet wurde. Nicht weit davon liegt der Bonze des Humors, eine lachende Figur aus einer Serie von fünfzehn Majolika-Keramiken, mit denen Hoetger 1914 Licht- und Schattenseiten des Menschen darstellen wollte. Eine dritte Bauidee kam von außen: Die Käseglocke, ein kuppelförmiger Bau von 1926, geht auf einen Entwurf zurück, den Bruno Taut 1921 veröffentlicht hatte und den der Schriftsteller Edwin Koenemann hier umsetzte.
Älter als all das ist die Zionskirche auf dem Weyerberg, mitten im Siebenjährigen Krieg von 1757 bis 1759 nach Plänen des hannoverschen Hofbaumeisters Johann Paul Heumann erbaut und von Findorff geleitet. Der Kirchturm kam erst 1798 hinzu. In den Zwickeln der Emporensäulen sitzen Blumenornamente, die zwei Kunstschülerinnen als Strafarbeit malen mussten: Clara Rilke-Westhoff und Paula Modersohn-Becker hatten 1900 verbotenerweise die Glocken geläutet, was als Feueralarm missverstanden worden war. Die Orgel von 1762 ist nicht erhalten, wurde aber 2011 mit 22 Registern nach dem alten Konzept rekonstruiert.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.

Zwischen diesen Bauten steht das ältere Dorf weiter: Fachwerkhäuser von 1785 und um 1790, die Bötjersche Scheune von 1841, heute Veranstaltungssaal, die Villa Monsees von 1875, heute Galerie, die Alte Schule von 1895.






