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Binz hatte am 31.12.2025 5.293 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 46 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Binz
Binz liegt an der Ostküste Rügens zwischen der Prorer Wiek und dem Schmachter See, und der Ort hat zwei Gesichter, die kaum zusammenpassen. Auf der einen Seite steht die Bäderarchitektur des Seebades, auf der anderen ein gewaltiger Gebäudekomplex, der fünf Kilometer nördlich in den Dünen liegt und nie fertig wurde.
Zwischen beiden liegt die Geschichte des Ortes: Fischer und Badegäste machten Binz bis zum Ersten Weltkrieg zu einem Seebad, nördlich davon entstand das KdF-Seebad Prora, und der in Binz geborene Ingenieur Ulrich Müther hinterließ hier seine Schalenbauten.
Binz ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Rügen und bildet für seine Umgebung ein Grundzentrum. Ende 2025 zählte Binz 5.293 Einwohner.
Erstmals erwähnt wurde der Ort 1318 als Byntze, in einer Steuererhebung der Grafschaft Streu. Bis 1326 gehörte er zum Fürstentum Rügen und danach zum Herzogtum Pommern, mit dem Westfälischen Frieden von 1648 kam er zu Schwedisch-Pommern, und 1815 fiel er als Teil von Neuvorpommern an die preußische Provinz Pommern. Schon um 1830 deutete sich die spätere Bedeutung als Ostseebad an, denn Gäste des Fürsten zu Putbus badeten an der Mündung der Ahlbeck. Um das Jahr 1875 kam das Baden im Meer in Mode, und die ersten Gäste empfahlen den kleinen Ort weiter. Seit 1892 ist Binz eine selbstständige Landgemeinde, und 1895 kamen die Kleinbahnstrecke Putbus-Binz und die Strandpromenade hinzu.
Im Jahr 1902 wurde eine 600 Meter lange Seebrücke erbaut. Zwei Rückschläge folgten: ein Sturm zerstörte sie in der Neujahrsnacht 1905, und 1906 brannte das Kurhaus ab, das 1908 neu gebaut wurde.
1912 stürzte ein Teil der Seebrücke ein, wobei 16 Menschen ums Leben kamen, darunter zwei Kinder; daraufhin wurde 1913 in Leipzig die DLRG gegründet.
Die Brücke blieb auch danach verwundbar. 1942 zerstörte Eisgang die Brücke erneut, und 1994 wurde die neue, 370 Meter lange Seebrücke eingeweiht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg brachte man Vertriebene in Hotels und Villen unter. Auch Binz erreichte 1953 die Aktion Rose: Hotel-, Pensions- und Hausbesitzer wurden willkürlich kriminalisiert, verhaftet und enteignet. Von 1970 bis 1985 entstand ein Wohngebiet in Plattenbauweise mit 736 Wohnungen. Nach der Wende wurden viele alte Villen an die früheren Eigentümer zurückgegeben, und es setzte eine Welle von Sanierungen, Rekonstruktionen und Neubauten ein.
Ende des 19. Jahrhunderts baute man in Binz wie in anderen Ostseebädern keine großen Hotels, sondern Logierhäuser im Villenstil der Bäderarchitektur. 1880 ließ Wilhelm Klünder das Strandhotel in Strandnähe errichten. Die Häuser erhielten vom Zeitgeist geprägte Namen, nationalistische wie Germania oder den Vornamen der Frau des Erbauers.

Die Denkmalliste führt viele dieser Häuser einzeln auf, darunter die Pensionen Villa Vesta und Haus Carita und das Hotel Haus Möwe. Das Kurhaus Binz stammt von 1908, und in der Nähe steht das Hotel Vier Jahreszeiten. Die neugotische evangelische Dorfkirche wurde 1913 eingeweiht, die katholische Kirche trägt den Namen Stella Maris.
Am Rand des Ortes steht im Wald der Granitz das Jagdschloss Granitz von 1846, dazu das Granitzhaus von 1901. Im Südosten der Gemeinde erreicht die Granitz Höhen knapp über 100 Metern. Das Naturerbe-Zentrum Rügen dort bietet mit dem Aussichtsturm Adlerhorst einen Rundblick auf 82 Metern Höhe. Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Binz, Jagdschloss Granitz und Prora.

Fünf Kilometer nördlich von Binz beginnt Prora, ein Ortsteil, der aus dem zwischen 1936 und 1939 gebauten, aber unvollendet gebliebenen KdF-Seebad Rügen hervorging. Dort sollten 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen. Den Auftrag erhielt nach einer Ausschreibung im Februar 1936 der Architekt Clemens Klotz. Der Name Prora ist übrigens kein Kürzel, sondern der Name der umgebenden Landschaft, nach der auch die Prorer Wiek benannt ist.
Geplant waren acht sechsgeschossige, völlig gleichartige Häuserblocks von je 550 Metern Länge und zusammen 10.000 Gästezimmern, alle mit Meerblick. Die Zimmer maßen nur 2,25 mal 4,75 Meter. Für den Gesamtentwurf gab es 1937 auf der Weltfachausstellung in Paris einen Grand Prix. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 verhinderte die Fertigstellung, und bis dahin waren nur die Bettenhäuser und die südliche Festplatzrandbebauung im Rohbau fertig. Im Mai 1939 wurde immerhin die Bahnstrecke Lietzow–Binz eröffnet.
Von 1945 bis 1949 zerstörten versuchte Sprengungen drei Blöcke bis auf wenige Segmente, und es blieben fünf Blöcke, die sich über etwa 2,5 Kilometer erstreckten. Um 1950 baute man sie zur Kaserne aus, zuerst für die Kasernierte Volkspolizei, ab 1956 für die Nationale Volksarmee, und das Gelände wurde Sperrgebiet. Nach 1990 wickelte die Bundeswehr den Standort ab, und ein Großteil der Kasernen verfiel.
Seit 2004 werden die Blöcke einzeln verkauft und zu Wohn- und Hotelanlagen umgestaltet, und seit 2008 wird die Geschichte des Ortes gemeinsam mit der des geplanten KdF-Bades aufgearbeitet. Die Denkmalliste führt die Blöcke einzeln auf, dazu Freiflächen und das Seebad Prora. Am 17. August 2018 erhielt Prora das Prädikat staatlich anerkannter Erholungsort; der Ortsteil hat etwa 800 Einwohner.
Der Bauingenieur Ulrich Müther wurde 1934 in Binz geboren. Insgesamt entwarf und baute er etwa 74 Schalenbauwerke aus doppelt gekrümmtem Beton. Sein erstes Projekt war der Mehrzwecksaal eines Ferienheims in Binz, an dessen Stelle heute das Hotel Vier Jahreszeiten steht. In Binz errichtete er 1981 die Rettungsstation am Strand, einen Schalenbau, der heute vom Standesamt genutzt wird.

Der Strand von Binz misst etwa fünf Kilometer in der Länge und ist bis zu 50 Meter breit. Die Binzer Wirtschaft ist vornehmlich auf den Tourismus ausgerichtet, und zu den Veranstaltungen zählen der Bäderlauf, das Blue-Wave-Festival, das Sandskulpturen-Festival und die Woche der Bäderarchitektur. Der Bahnhof im Zentrum ist Endstation von ICE- und InterCity-Zügen, und im Westen hält die Rügensche Kleinbahn, der Rasende Roland, die von Putbus nach Göhren fährt. Mit der Kurkarte ist die Binzer Bäderbahn kostenlos.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: SPA
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