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Sellin hatte am 31.12.2025 2.465 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 43 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Sellin
Das Ostseebad Sellin liegt im Südosten Rügens östlich der Granitz, eines ausgedehnten Küstenhochwaldes, an der Verbindung zur Halbinsel Mönchgut. Der Ort liegt zugleich an der Ostsee und am Selliner See; dieser ist auf der Westseite Mönchguts durch die Bucht des Having mit dem Greifswalder Bodden verbunden.
Sellin bildet mit Baabe ein gemeinsames Grundzentrum, und das Amt Mönchgut-Granitz mit Sitz in Baabe verwaltet die Gemeinde. Die Geschichte des Ortes ist die eines Dorfes, das ab 1880 rasch zum mondänen Badeort wurde, dessen Seebrücke Eis und Feuer mehrfach zerstörten und das in den letzten Jahrzehnten zur Kulisse für Romane und Filme wurde. Die Gemeinde ist 14,4 Quadratkilometer groß. Ende 2025 zählte Sellin 2.465 Einwohner.
Der Ort wurde 1295 als Zelinische beke erstmals urkundlich erwähnt, und sein Name bedeutet Grünbach. Über die Jahrhunderte gehörte das Dorf der Familie von Putbus. Bis 1326 gehörte es zum Fürstentum Rügen, danach zum Herzogtum Pommern; 1648 kam es mit dem Westfälischen Frieden zu Schwedisch-Pommern, 1815 an die preußische Provinz Pommern, und 1818 wurde es Teil des Kreises Rügen.
Ab 1880 wurde aus dem Dorf rasch ein mondäner Badeort. Auf Wunsch des Fürsten zu Putbus wählte man 1898 den Kaufmann Hermann Holtz zum Gemeindevorsteher; später leitete er auch die Kur- und Badedirektion. Auf seine Initiative entstanden das Warmbad, das Gebäude der heutigen Kurverwaltung, ein Kurpark mit Springbrunnen und ein Tennisplatz. 1912 erfolgte der Bau der evangelischen Gnadenkirche, und im selben Jahr wurde die katholische Kirche Maria Meeresstern geweiht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort, wie andere Ostseebäder, Teil der DDR. Von 1952 bis 1955 gehörte Sellin zum Kreis Putbus, danach bis 1990 zum Kreis Rügen im Bezirk Rostock. Die Aktion Rose von 1953 zielte auf die Enteignung privater Hotel- und Pensionsbesitzer und veränderte für fast 40 Jahre grundlegend die Eigentumsstruktur. 1960 brannte die Gnadenkirche zum Teil ab.
Oberhalb des Seebads baute man 1978 ein Erholungsheim des ZK der SED, das heutige Cliff-Hotel; es hat Schwimmbad, Kegelbahn, Kinosaal und einen Fahrstuhl zum Strand. Nach der Wende erneuerte man die Bausubstanz des Ortes in weiten Teilen, und im Südosten entstand in den 1990er Jahren ein Wohngebiet, in dem fast ausschließlich Ferienappartements gebaut wurden.
In der Wilhelmstraße stehen Häuser aus der Ursprungszeit der Bäderarchitektur, und sie führt bis zur Steilküste, die 30 Meter hoch ist. Dort gelangt man über eine steile Treppe, die Himmelsleiter, oder im Aufzug zur Seebrücke und zur Promenade am Südstrand.
Das Warmbad stammt von 1906 und beherbergt heute die Kurverwaltung, und das Haus Lindequist wurde im selben Jahr errichtet. Die Gnadenkirche und die Kirche Maria Meeresstern stehen unter Denkmalschutz, und zu den Bauwerken zählt auch die Schrotmühle Altensien. Im alten Feuerwehrhaus zeigt die Galerie Hartwich Kunst, und das Bernsteinmuseum mit seiner Werkstatt wurde 1999 eröffnet. Am Südstrand steht seit 2014 die Bronzeskulptur Kaysa, und am Selliner See zeigt das Museum Seefahrerhaus die Geschichte der Seefahrer.
Erste Pläne aus dem Jahr 1901 sahen einen nur 60 Meter langen Anleger vor, der wegen des hohen Besucherandrangs nicht genügte. Deshalb entstand 1906 eine 508 Meter lange Seebrücke mit Restaurant. Packeis beschädigte sie 1918, 1920 zerstörte ein Brand den Brückenkopf, und 1924 richtete Eisgang wiederholt Schäden an. 1925 entstand eine neue Seebrücke mit Plattform und Konzerthalle, ungefähr 500 Meter lang.
Schwerer Eisgang zerstörte im Winter 1941/1942 auch diese Brücke weitgehend, nur das Brückenhaus blieb erhalten. In den 1950er bis 1970er Jahren war es ein beliebtes Tanzlokal, doch die Bausubstanz wurde vernachlässigt, und 1978 wurde der marode Brückenkopf samt Aufbauten abgerissen.
Der Wiederaufbau begann nach einem Besuch des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Jahr 1991, der ihn aktiv unterstützte. Am 27. August 1992 begann in mehreren Abschnitten der Wiederaufbau nach den Plänen der Göhrener Architekten Müller & Herrmann, die sich an den Bauten von 1906 und 1925 orientierten. Am 20. Dezember 1997 schnitt der Ehrenbürger Hans Knospe symbolisch das Band zur bautechnischen Übergabe durch, und das neue Brückenhaus samt Gastronomie wurde am 2. April 1998 offiziell eröffnet.
Die Brücke ist heute 394 Meter lang und hat seit 2008 eine Tauchgondel. Von der Seebrücke aus werden Besichtigungsfahrten zu den Kreidefelsen und zu den benachbarten Seebädern angeboten.
Philipp Galen schrieb mit Der Strandvogt von Jasmund (1860) einen Roman, der hier spielt, ebenso Luise Glaß mit Gustel Wildfang (1900), Walther Kabel mit Der Klub der Toten (1923) und Else Ury mit Professors Zwillinge in der Waldschule (1925).
Auch als Drehort erfreut sich der Ort großer Beliebtheit. Große Fische, kleine Fische (2015), Die Männer der Emden (2011) und Vergiss dein Ende (2011) wurden hier gedreht, und auch ein Musikvideo der norwegischen Band A-ha zur Single Foot of the Mountain (2009) entstand teilweise in Sellin. Das Kino im Cliff-Hotel wurde 1978 eröffnet, war von 1990 bis 2010 stillgelegt und zeigt seitdem wieder regelmäßig Programmkino.
Der Fotograf Hans Knospe, 1899 geboren und 1999 gestorben, hielt besonders das Strandleben und die Badefreuden fest und wurde Ehrenbürger Sellins.
An der Bundesstraße 196, die Bergen mit Göhren verbindet, liegt Sellin, und mit der dampfbetriebenen Schmalspurbahn Rasender Roland, die von Putbus nach Göhren fährt, ist der Ort auch auf Schienen erreichbar. Zwischen Binz und Göhren besteht im Sommer Stundentakt, und der Ort hat die Stationen Sellin West und Sellin Ost. Eine straßengebundene Bäderbahn verbindet den weitläufigen Ort mit dem Strand, und alle öffentlichen Straßenverkehrsmittel sind mit der Kurkarte kostenlos benutzbar.

Von der Seebrücke aus wandert man wahlweise am Ostseestrand oder auf dem Hochuferweg nach Baabe und weiter bis Göhren. Nach Norden führt ein Hochuferweg nach Binz; auf halber Strecke kann man an der Ufersicht Waldhalle zum Schwarzen See in der Granitz abbiegen, einem Totalreservat. Inseleinwärts erreicht man von der Gnadenkirche über Witbös und Blieschow das Jagdschloss Granitz.




Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: SPA
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