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Calw hatte am 31.12.2025 24.750 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 59 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Calw
Calw liegt im Tal der Nagold, etwa 18 Kilometer südlich von Pforzheim, auf 347 Metern Höhe und auf 59,88 Quadratkilometern. Der Name hat nichts Schmückendes: Er geht auf das althochdeutsche chalawa zurück, die kahle Stelle. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 24.750 Einwohner.
Drei Themen prägen die Stadt. Das erste ist wirtschaftlich: Wolle und Holz machten Calw über Jahrhunderte wohlhabend. Das zweite liegt im Stadtteil Hirsau, wo die Ruine eines Benediktinerklosters steht, das im Hochmittelalter weit über die Region hinaus wirkte. Das dritte ist ein Mensch: Hermann Hesse wurde hier geboren, und seit 2022 führt Calw seinen Namen auch amtlich im Titel. Wie eng das zusammenhängt, zeigt die Nikolausbrücke, ein Lieblingsplatz von Hesses Kindheit, auf der heute Figuren eines Tuchhändlers und eines Flößers stehen.

Der Ort entstand im 11. Jahrhundert als Siedlung um eine Burg der Hirsauer Klostervögte, aus denen die Grafen von Calw hervorgingen. Urkundlich fassbar wird er vermutlich 1037 als Calewa — die Echtheit dieser Urkunde ist umstritten —, sicher aber 1075 als Chalawa. Nachdem die Grafen ausgestorben waren, kam die Herrschaft über zwei Erbtöchter an fremde Häuser; deren Hälften gingen 1308 und 1345 an Württemberg.
Mit Württemberg kam die Verwaltung: 1345 wurde Calw Teil der Grafschaft und bald Sitz eines Amtes, vor 1459 entstand eine Lateinschule, im 16. Jahrhundert diente die Stadt den württembergischen Herzögen als Sommerresidenz. Wirtschaftlich trug sie der Tuch- und Lederhandel, später vor allem die Wolle. Wie groß dieser Wohlstand war, zeigt ein Vergleich: Um 1620 lebten hier etwa 3.500 Menschen, halb so viele wie in Stuttgart. Neben dem Reichtum stand jedoch verbreitete Armut. Johann Valentin Andreae, seit 1620 Superintendent in Calw, überzeugte die reichen Handelsherren, dagegen etwas zu unternehmen. Aus einem Kreis von 13 Männern und 7.100 Gulden Grundvermögen entstand die Calwer Färberstiftung, die bis 1923 Bestand hatte.
Die Kriege trafen die Stadt hart. 1634 wurde Calw nach der Schlacht bei Nördlingen von kaiserlichen Truppen besetzt und zerstört, 1692 im Pfälzischen Erbfolgekrieg von den Franzosen erneut besetzt. Danach stieg die Calwer Zeughandlungskompagnie auf, ein im Verlagssystem organisiertes Unternehmen für Wollprodukte; im 18. Jahrhundert sorgte der Holzhandel mit der Flößerei für eine weitere Blütezeit. 1872 brachte die Schwarzwaldbahn den Eisenbahnanschluss. Auch die Wissenschaft hat hier eine Spur hinterlassen. Im 18. Jahrhundert betrieben Joseph Gottlieb Kölreuter sowie Joseph Gärtner und dessen Sohn Karl Friedrich in Calw botanische Forschungen; der Botaniker Joseph Gärtner wurde in der Stadt geboren.
In den letzten Kriegsmonaten wurde Calw zum Ort nationalsozialistischer Zwangsarbeit. Im Januar 1945 richteten die Nationalsozialisten in Calw ein Nebenlager des KZ Natzweiler-Struthof ein, in dem rund 200 jüdische Frauen aus Polen und Ungarn Zwangsarbeit leisten mussten; am 15. April wurde die Stadt von französischen Kräften befreit.
Im Stadtteil Hirsau stehen zwei Klosteranlagen. Die ältere ist die Aureliuskirche aus dem Jahr 1070, heute Kirche der katholischen Gemeinde und vom Bildhauer Otto Herbert Hajek künstlerisch ausgestaltet.
Die zweite ist das Benediktinerkloster St. Peter und Paul, das in der von Cluny ausgehenden Reformbewegung des 11. und 12. Jahrhunderts weit über die Region hinaus wirkte. 1692 zerstörten französische Truppen die Anlage im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Was blieb, ist ein Baukundebuch in Ruinenform: die romanische Säulenbasilika, der gotische Kreuzgang, die spätgotische Marienkapelle und die Reste eines Renaissanceschlosses.
Die Marienkapelle überstand den Klosterbrand von 1692 unversehrt und wurde wenig später evangelische Gemeindekirche; im Obergeschoss hatte sich die Klosterbibliothek befunden. Zwischen 1888 und 1892 überarbeitete der württembergische Oberbaurat Karl von Sauter sie neugotisch — Westwerk, Netzgewölbe und Farbgebung stammen aus dieser Zeit.
Innerhalb der vier erhaltenen Außenwände des Renaissanceschlosses wuchs bis 1989 die Ulme zu Hirsau, der Ludwig Uhland 1829 ein Gedicht widmete. Seit 1959 wird im Kreuzgang Theater gespielt: Zur 900-Jahr-Feier von Hirsau stand dort zum ersten Mal eine Bühne.
Hermann Hesse wurde 1877 in Calw geboren und erhielt 1946 den Literaturnobelpreis. Sein Geburtshaus am Marktplatz 6 wurde 1692 von Johann Conrad Moseter erbaut und blieb bis heute ein Handelshaus.

Für seine Erzählungen erfand Hesse einen eigenen Namen für die Stadt: Gerbersau. Aus über drei Dutzend dieser Erzählungen und Betrachtungen speist sich der jährliche Gerbersauer Lesesommer, bei dem die Texte oft an ihren tatsächlichen Schauplätzen vorgetragen werden. Einer davon ist die Nikolausbrücke mit ihrer Kapelle, 1400 im gotischen Stil erbaut und ein Lieblingsplatz seiner Kindheit.

Die Stadt hat daraus eine Institution gemacht. Seit 1990 beherbergt das Stadtpalais Haus Schüz, erbaut 1813 und 1814, das Hermann-Hesse-Museum und die städtische Galerie; alle zwei Jahre wird der Calwer Hermann-Hesse-Preis an Literaturzeitschriften und Übersetzer vergeben. Im Januar 2022 verlieh der Innenminister des Landes der Stadt die Zusatzbezeichnung Hermann-Hesse-Stadt offiziell.
Dass die Altstadt diese Rolle spielen kann, verdankt sie dem Zufall: Sie blieb im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört. Das Haus Schäberle am Marktplatz überstand sogar die Stadtbrände von 1634 und 1692; das Rathaus an derselben Seite geht auf einen ersten Bau von 1454 zurück. Zwei Figuren an der Nikolausbrücke, 1926 eingesetzt, zeigen einen Tuchhändler und einen Flößer — die beiden Gewerbe, von denen Calw einst lebte.

Heute sind die größeren Arbeitgeber anderer Art: der Maschinenbauer Homag mit seiner Plattenaufteiltechnik, der Naturkosmetikhersteller Börlind und der Turmuhrenbauer Perrot. Seit 1996 ist in der Graf-Zeppelin-Kaserne bei Calw-Heumaden das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr stationiert. Und eine stillgelegte Bahnstrecke fährt seit dem 1. Februar 2026 wieder — als Hermann-Hesse-Bahn.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW, DZT_LIT
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Nicht jede Veränderung war ein Gewinn: In den 1970er Jahren verschwand ein Teil der historischen Innenstadt zugunsten eines Einkaufszentrums, und Bauten mit Waschbetonfassaden prägen seither den zur Nagold gewandten Teil.





