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Dessau-Roßlau hatte am 31.12.2025 75.035 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 42 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Dessau-Roßlau
Dessau-Roßlau liegt in einer ausgedehnten Auenlandschaft beiderseits der mittleren Elbe und an der Mulde, die im Stadtgebiet in die Elbe mündet. Das ist ein Vorteil und ein Risiko zugleich: Führt die Elbe zu viel Wasser, staut sich das Muldewasser zurück, und die Stadt steht unter Wasser. Die höchste natürliche Erhebung ist der 111 Meter hohe Spitzberg beim Ortsteil Streetz.
Die Stadt in ihrer heutigen Form ist jung: Sie entstand am 1. Juli 2007 aus der Fusion der kreisfreien Stadt Dessau mit der Stadt Roßlau, was eine Einwohnerzahl von 91.243 ergab. Zum 31. Dezember 2025 zählte Dessau-Roßlau 75.035 Einwohner auf 244,75 Quadratkilometern.
Dessau entstand als Handelsplatz westlich der Mulde, an der Kreuzung einer ost-westlichen Handelsstraße mit nord-südlich verlaufenden Straßen, auf der letzten hochwassersicheren Erhebung vor der Elbquerung; eine Brücke über die Mulde und eine Mühle sind seit 1180 urkundlich erwähnt. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1213 als Dissowe. Von 1471 an residierte hier ständig eine Linie der anhaltischen Fürsten, zuerst Fürst Ernst; der Ort war damit Hauptstadt des Fürstentums und späteren Herzogtums Anhalt-Dessau. 1488 kaufte der Rat dem Fürsten die Gerichtsbarkeit für das damalige Stadtgebiet ab; weitere Rechte bekam die Stadt allerdings nicht. Rege Bautätigkeit — der Neubau der Marienkirche ab 1506, der Neubau des Schlosses ab 1530 —, das Stapelrecht für Waren auf der Elbe, ein Elbübergang mit Fähre und seit 1580 mit Brücke sowie die Hofhaltung brachten wirtschaftlichen Aufschwung. Der Reformation stand das Fürstenhaus zunächst ablehnend gegenüber; ein Fürstentag führte 1526 sogar zum Dessauer Bund katholischer Fürsten. 1534 aber wurde in der Marienkirche zum ersten Mal das Abendmahl im protestantischen Ritus gereicht, und 1540 konvertierte die Stadtgemeinde endgültig.

Der Dreißigjährige Krieg stoppte das. Die Roßlauer Elbbrücke war nicht durch eine Festung geschützt, und deshalb wurde Dessau wiederholt Durchmarschgebiet aller Kriegsparteien: 1626 trafen dort kaiserliche Truppen unter Wallenstein auf protestantische unter Mansfeld, und die Kaiserlichen siegten. Nach der Einnahme Magdeburgs 1631 ließen sie die Brücke zerstören. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts erholte sich die Stadt: Fürst Johann Georg der Zweite hatte durch seine Heirat mit Henriette Catharina von Nassau-Oranien eine Verbindung in die Niederlande geschaffen, es kamen Siedler, und nach dem Ansiedlungsedikt von 1672 siedelten sich auch die ersten Juden in der Sandvorstadt an. 1685 wurde Moses Benjamin Wulff als Hofjude berufen; rund ein Sechstel der Bevölkerung des Fürstentums war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts jüdischen Glaubens. Aus Dessau stammt auch der 1729 geborene Philosoph Moses Mendelssohn.
1758 übernahm Fürst Franz die Regentschaft — mitten im Siebenjährigen Krieg hatte er zuvor die preußische Armee verlassen und Anhalt-Dessau zum neutralen Gebiet erklärt. Was danach folgte, war ein Reformwerk: Parkanlagen wie der Lustgarten, das Luisium von 1774, das Georgium von 1780 und der Kühnauer Park; Deichertüchtigung nach dem Hochwasser von 1771; Straßenbeleuchtung ab 1779. Eine Bildungsreform ermöglichte allen Kindern Schulbildung, und das 1774 eröffnete Philanthropinum von Johann Bernhard Basedow wurde ein vielbeachtetes Experiment neuer Lehrformen. 1806 erschien in Dessau mit der Sulamith die erste deutschsprachige jüdische Zeitschrift. Vor den Toren der Stadt entstand mit dem Historischen Friedhof der erste kommunale Friedhof in Deutschland.
Das Gartenreich Dessau-Wörlitz ist ein Beispiel für die Landschaftsgestaltung zur Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert; neben der ästhetischen Gestaltung einer Landschaft unter pädagogischen Gesichtspunkten ging es dabei vor allem um die Umsetzung philosophischer und politischer Ziele. Zur Kulturlandschaft gehören Bauten, nach englischen Vorbildern gestaltete Parks und Gärten, umgestaltete Agrarflächen sowie Flüsse und ein See, die von Tempeln im antiken Stil gesäumt werden. Das Gebiet erstreckt sich zwischen Dessau und der Lutherstadt Wittenberg auf etwa 150 Quadratkilometer und wurde im Jahr 2000 Welterbe. Im Stadtgebiet selbst liegen davon Schloss und Park Mosigkau als Rokoko-Ensemble, Schloss Großkühnau mit dem Kühnauer Park, Schloss Georgium mit dem Georgengarten und der Wallwitzburg sowie Schloss und Park Luisium. Weitere Teile — Schloss Oranienbaum, der Sieglitzer Berg, der Wörlitzer Park — liegen in unmittelbarer Nachbarschaft. Vom kriegszerstörten Residenzschloss steht mit dem Johannbau nur noch der Westflügel aus dem 16. Jahrhundert; seit 2005 ist darin das Museum für Stadtgeschichte untergebracht.
Rund zweihundert Jahre nach Fürst Franz kam die zweite Schicht. Dessau ist die Stadt, mit der das Bauhaus am stärksten verbunden wird: Nach dem Wegzug aus Weimar erlebte die Hochschule hier zwischen 1925 und 1932 ihre Blütezeit. Gleich um die Ecke vom Hauptgebäude steht das ebenfalls zum Welterbe zählende Ensemble der sieben Meisterhäuser, dessen Bewohnerliste sich wie ein Who is who der Moderne liest — Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky, Paul Klee.

Die Liste der Bauten ist lang und reicht vom Kornhaus, das heute ein Restaurant mit originalgetreu restauriertem Interieur beherbergt, über das Historische Arbeitsamt bis zu den Laubenganghäusern, dem Stahlhaus und der Bauhaussiedlung Törten. Das Kornhaus baute Carl Fieger 1930 als Ausflugsrestaurant. Unter dem Dach des 2019 eröffneten Bauhaus Museums Dessau werden gut 1.000 Exponate gezeigt.
Dass das Bauhausgebäude überhaupt noch steht, ist keine Selbstverständlichkeit: Am 21. Januar 1932 beantragte die NSDAP-Fraktion im Dessauer Stadtrat den Abbruch des Gebäudes; der Antrag wurde mit 25 zu 15 Stimmen abgelehnt. Nachdem zwei Magistratsmitglieder ersetzt worden waren, hatten die Nationalsozialisten im Sommer die Mehrheit, und am 22. August 1932 beschloss der Gemeinderat die Auflösung zum 1. Oktober. Erst 1975 wurde die Finanzierung einer Restaurierung möglich, und am 4. Dezember 1976 wurde das wiederhergestellte Bauhausgebäude eröffnet.
Die Industrialisierung begann hier mit einer Gasgesellschaft. Mit einem Stammkapital von 500.000 Thaler entstand 1855 hier die Deutsche Continental Gasgesellschaft; sie errichtete ihr Betriebsgelände in der Nähe des Bahnhofs, und damit wuchs die Stadt zum ersten Mal über die 150 Jahre alte Akzisemauer hinaus. Es folgten das Maschinenbauunternehmen BAMAG, der Anlagenbauer Polysius, eine Zuckerraffinerie und große Brauereien. In der Wallstraße baute die Contigas 1886 ein Elektrizitätswerk — nach dem Berliner das zweite im Land.
Die Bevölkerungszahl folgte dem Tempo: Dessau hatte sechshundert Jahre gebraucht, um auf 10.000 Einwohner zu kommen, und verfünffachte sich dann innerhalb von fünfzig Jahren auf 50.000 zur Jahrhundertwende. 1894 fuhr die erste Straßenbahn, zunächst als Gasbahn, seit 1900 elektrisch.
Der Name, der von hier aus bekannt wurde, ist ein anderer. Hugo Junkers gründete 1892 sein erstes Unternehmen zur Herstellung von Gaskalorimetern; daraus wuchs ein Konzern, der Badeöfen, Durchlauferhitzer und Flugzeuge baute. In Dessau wirkte außerdem der Automobilpionier Friedrich Lutzmann. Die Junkers-Werke machten die Stadt im Krieg zum Ziel: Ihre Produktionsanlagen und die der BAMAG erlitten bereits 1944 schwere Schäden, woraufhin die Fertigung weiträumig ausgelagert wurde.

Die Stadt liegt im Biosphärenreservat Mittelelbe, das die UNESCO unter Schutz gestellt hat. Im Süden grenzt sie an die waldreiche Mosigkauer Heide, im Norden an die bewaldeten Gebiete des südlichen Flämings. Der Wallwitzberg am südlichen Elbufer, 76 Meter hoch, wurde im 18. Jahrhundert aufgeschüttet; die höchste künstliche Erhebung ist mit etwa 110 Metern die ehemalige Mülldeponie Scherbelberg im Südwesten.
Klimatisch liegt Dessau-Roßlau im mitteldeutschen Trockengebiet und ist recht niederschlagsarm: Die Regenwolken aus Westen regnen im Harz ab, bevor sie hier ankommen, und aus Südwesten und Südosten stehen Thüringer Wald und Erzgebirge im Weg. Große Niederschlagsgebiete erreichen die Stadt vor allem aus Nordwesten.
Das Wasser kommt dafür aus den Flüssen. Beim Hochwasser 2002 wurde der Stadtteil Waldersee vollständig überflutet — bis zu zwei Meter hoch, trotz 4000 organisierter und 4000 freiwilliger Helfer, und es entstanden Millionenschäden. Ein schweres Hochwasser hatte es hier schon 1771 gegeben; damals veranlasste es Fürst Franz dazu, die Deiche ertüchtigen zu lassen.
Nach dem Zusammenbruch der DDR schlossen in Dessau viele Industriebetriebe; manche waren unrentabel, anderen entzog der Zusammenbruch des RGW die Märkte, wie dem Waggonbau Dessau. Die Arbeitslosigkeit stieg auf mehr als 20 Prozent, vor allem jüngere Menschen zogen weg, und die Stadt verlor seit 1990 etwa 25 Prozent ihrer Bevölkerung.
Gegengehalten wurde mit Institutionen. 1994 wurde die Stiftung Bauhaus Dessau gegründet. Ab 1996 richtete man auf dem Gelände des ehemaligen Gasviertels das Umweltbundesamt ein — eine Bundesbehörde sollte nach Ostdeutschland verlegt werden, auch als Symbol der Integration; 2005 war der Neubau bezugsfertig. Restauriert wurden nach 1990 außerdem der erhaltene Schlossflügel und die Marienkirche, deren äußere Gestalt das Stadtbild wieder prägt.
Mehr als achtzig Jahre nach der Zerstörung der Synagoge im Novemberpogrom hat die Stadt wieder ein jüdisches Gotteshaus: Seit Mitte der neunziger Jahre besteht wieder eine jüdische Gemeinde, gegründet von Immigranten aus Osteuropa, und 2022 wurde eine neue Synagoge errichtet.





Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: WH, DZT_BAU
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Im 19. Jahrhundert wurde aus der Residenz eine Industriestadt: 1840 kam der Bahnanschluss nach Köthen, 1863 schlossen sich die Herzogtümer Anhalt-Bernburg, Anhalt-Dessau und Anhalt-Köthen zum Herzogtum Anhalt mit Dessau als Hauptstadt zusammen, 1901 entstand das neue Rathaus. Die Novemberrevolution stürzte 1918 das askanische Herzogshaus, und Dessau wurde Hauptstadt des Freistaats Anhalt.
Im Novemberpogrom 1938 wurde die 1908 eingeweihte Synagoge zerstört und auch das Moses-Mendelssohn-Denkmal; fast alle jüdischen Männer wurden festgenommen. Zyklon B aus der Dessauer Zuckerraffinerie diente von 1942 bis 1945 in den Gaskammern der Konzentrationslager Neuengamme, Stutthof, Ravensbrück, Sachsenhausen, Mauthausen und Majdanek dem Töten. Im September 1944 waren allein 13.989 Ostarbeiter amtlich in Dessau registriert; sie waren in Baracken untergebracht, die die ganze Stadt durchzogen und für die Bevölkerung gut sichtbar waren. Von 1940 bis April 1945 trafen 20 alliierte Bombenangriffe die Stadt; beim Nachtangriff vom 7. März 1945 warfen 520 Lancaster-Bomber 1.700 Tonnen Brand- und Sprengbomben ab, 700 Menschen starben, und zum Kriegsende war die Innenstadt zu 88 Prozent zerstört.

Von der älteren Stadt ist weniger übrig, als man denkt. Nach dem Krieg wurden die meisten Ruinen abgerissen und die Altstadt neu bebaut — zunächst neobarock, später in Plattenbauweise; nur wenige historische Bauten wie das Rathaus wurden wiederhergestellt. Erhalten sind unter anderem das 1595 errichtete Pfeifferhaus am Marktplatz, das Palais Waldersee von 1792 bis 1795, das Palais Dietrich von 1747 bis 1752 und der Neue Wasserturm am Lutherplatz von 1896. Das Rathaus selbst entstand zwischen 1899 und 1901 im Stil der Neurenaissance mit einem 73 Meter hohen Turm.






