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Donaueschingen hatte am 31.12.2025 21.734 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 58 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Donaueschingen
Es gibt Städte, die um ein Gotteshaus herum gewachsen sind, und solche, die um einen Handelsplatz entstanden. Donaueschingen ist um ein Wasserloch herum berühmt geworden. Im Park hinter dem Schloss liegt ein rund gefasstes Becken, aus dem eine Karstquelle stößt, und über dem Becken steht eine Figurengruppe: eine Mutter, die ihrer Tochter den Weg weist. Die Tochter heißt Donau. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 21.734 Einwohner.

Dass das hydrologisch nicht stimmt, wissen hier alle, und es ist Teil der Geschichte. Seit Jahrzehnten ringen Donaueschingen und das nahe Furtwangen um den offiziellen Rang ihrer jeweiligen Quelle; Ministerien haben sich eingeschaltet, Landkarten wurden geändert, und am Ende dürfen sich beide Städte Donauquellstadt nennen. Daneben hat der Ort eine zweite, ganz andere Berühmtheit — als Adresse der Neuen Musik.
Die Stadt liegt 677 Meter hoch auf dem Hochplateau der Baar, zwischen dem Ostrand des Südschwarzwalds und der Schwäbischen Alb im Osten, und misst 104,67 Quadratkilometer. Nach allgemeiner Auffassung entsteht die Donau etwa 1,5 Kilometer östlich des Zentrums, dort wo Brigach und Breg zusammenfließen. Ein Merkspruch fasst das zusammen: Brigach und Breg bringen die Donau zuweg.

Die gefasste Quelle im Schlosspark ist etwas anderes. Der Donaubach tritt an einer Schlossecke aus einer kunstvoll gefassten Karst-Aufstoßquelle, die 60 bis 120 Liter je Sekunde schüttet; danach läuft er 100 Meter unterirdisch bis zur Brigach, die sich 1,4 Kilometer weiter mit der Breg vereinigt. Sie ist eine von 22 Quellen im Umfeld des Zusammenflusses, die zusammen zwischen 400 und 1000 Litern je Sekunde schütten.
Alt ist diese Zuschreibung allemal. Spätestens seit dem 15. Jahrhundert galt die Donaubachquelle als Donauquelle — Hartmann Schedel führt sie in seiner Weltchronik von 1493 —, und in der frühesten kartographischen Darstellung, der Karte Sebastian Münsters von 1538, ist sie mit ihrem damals rechteckigen, rund acht mal sechs Meter messenden Becken verzeichnet. Ihre heutige Gestalt bekam sie 1875 nach Plänen von Adolf Weinbrenner als kreisrundes Becken mit Ornamenten von Franz Xaver Reich; 1895 schuf Adolf Heer die Figurengruppe darüber. Als Denkmal des Monats Juni 2016 zeichnete die Denkmalstiftung Baden-Württemberg die Anlage aus.
Hydrologisch liegt der Hauptstrang jedoch anderswo. Die Breg entspringt sechs Kilometer nordwestlich von Furtwangen am Ostfuß des Rossecks bei der Martinskapelle; sie ist wasserreicher und länger als die Brigach, weshalb nach geographischen und hydrologischen Kriterien dort der Hauptstrang des oberen Donausystems beginnt. Genau das bestätigte 1982 auch der zuständige Landesminister schriftlich: Die Breg könne als Hauptquellfluß der Donau bezeichnet werden.
Der Streit war und ist ein Politikum. Nach einer Intervention der Stadt ließ das Innenministerium in Stuttgart 1981 wissen, die Bregquelle werde in den amtlichen Reisekarten nicht mehr als Donauquelle eingetragen und das Landesvermessungsamt sei entsprechend angewiesen. Seit dem 1. Januar 2022 dürfen nun beide, Furtwangen und Donaueschingen, die Zusatzbezeichnung Donauquellstadt führen.
Der Ort erscheint 889 als Esginga erstmals urkundlich. Von 1101 bis ins 13. Jahrhundert gehörte er einem örtlichen Adelsgeschlecht, das vermutlich dem Kloster Reichenau diente; eine Burg, von der sich keine Spur mehr findet, wird 1250 genannt. Spätestens gegen Ende des 13. Jahrhunderts herrschten die Herren von Blumberg, bis Mitte des 15. Jahrhunderts, danach bis 1465 Ritter Sigmund vom Stein. Die entscheidende Belehnung fällt ins Jahr 1283. Damals übertrug Rudolf von Habsburg dem Grafen Heinrich von Fürstenberg die Grafschaft Baar und Donaueschingen — verbunden mit dem Recht, Bier zu brauen, worauf die Fürstlich Fürstenbergische Brauerei ihren Ursprung zurückführt. 1488 ging der Ort durch Kauf an die Grafen von Fürstenberg über, ab 1500 lag er im Schwäbischen Reichskreis.
Aus dem Besitz wurde eine Residenz. 1653 machte Ferdinand Friedrich von Fürstenberg den Ort zu seiner Residenz, und seit 1716 sitzt hier das Haupthaus der Fürsten von Fürstenberg. 1801 wurde er Sitz eines Obervogteiamtes, 1806 kam er mit dem Fürstentum an das Großherzogtum Baden, und am 27. Januar 1810 erhielt Donaueschingen das Stadtrecht.
Das bauliche Gesicht der Residenzzeit ist geblieben. Das Schloss entstand 1723 als langgestreckter Zweckbau und wurde 1893 im Stil des Neobarock umgestaltet und mit einer Kuppel versehen; als Regierungsgebäude kamen 1732 bis 1735 Hofbibliothek und Archiv hinzu, 1869 der Karlsbau, in dem heute die Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen untergebracht sind. St. Johann Baptist, die katholische Pfarrkirche, entstand zwischen 1724 und 1747 im böhmischen Barock; ihre zwei Türme gelten als Wahrzeichen der Stadt.
Dann kamen zwei Brüche. 1908 vernichtete ein Brand einen großen Teil der Stadt. Im April 1945 geriet die Gegend um Donaueschingen in die letzten Kämpfe des Südschwarzwalds; durch Luftangriffe wurde die Stadt, die 1939 noch 8901 Einwohner zählte, zu 13 Prozent zerstört. Bei der Kreisreform 1973 verlor sie ihre Rolle als Kreisstadt und kam zum neu gebildeten Schwarzwald-Baar-Kreis; seit dem 1. Juli 1993 ist sie Große Kreisstadt.
Wirtschaftlich ruht die Stadt auf mehreren Beinen. Ansässig sind die Fürstlich Fürstenbergische Brauerei, der Zahnrad- und Getriebehersteller IMS Gear und eine Regionalgesellschaft von Aldi Süd; beim Stadtteil Aasen steht eine 4,1 Megawatt starke Agrovoltaik-Versuchsanlage mit senkrecht stehenden bifazialen Solarzellen. Vier Eisenbahnstrecken treffen hier zusammen, darunter die Schwarzwaldbahn und der Beginn der Höllentalbahn.

Seit den 1920er Jahren ist dieser Ort eine Adresse der europäischen Musikgeschichte. Unter der Schirmherrschaft des Fürsten von Fürstenberg fanden hier 1921 zum ersten Mal Festtage Neuer Tonkunst statt, angekündigt als Donaueschinger Kammermusik-Aufführungen zur Förderung zeitgenössischer Tonkunst; zahlreiche Vertreter der europäischen Avantgarde stellten dort ihre Werke vor.
Neben der Avantgarde steht ein dichter Kalender aus Brauchtum und Sport. Die schwäbisch-alemannische Fastnacht betreibt hier die Narrenzunft Frohsinn mit den Figuren Hansel und Gretle; dazu kommen das Reitturnier, die Drachentage, die Windhundetage und seit 2007 der Fürstenberg Polo Cup auf dem Privatgelände des Hauses Fürstenberg. Der Musikantenbrunnen auf dem Rathausplatz, 1989 zum 1100-jährigen Stadtjubiläum von Bonifatius Stirnberg geschaffen, hält diese Mischung im Bild fest.
Die Wirkung reichte weit über die Baar hinaus. Thomas Mann verewigte Donaueschingen in seinem Roman Doktor Faustus von 1947 als Zentrum Neuer Musik. Bis heute finden die Donaueschinger Musiktage jedes Jahr am dritten Wochenende im Oktober statt. Die Säle, in denen das geschieht, tragen die Namen des Fachs: Der Mozart-Saal und der Bartók-Saal wurden 2010 mit dem neuen Strawinsky-Saal, einer Foyerlandschaft und einem Seminarbereich zu den Donauhallen zusammengefügt, die insgesamt über 3000 Quadratmeter umfassen. Dass eine Stadt dieser Größe zu einer Adresse der Musikgeschichte wurde, verdankt sie einem Fürstenhaus, das 1921 beschloss, neue Musik zu bezahlen.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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