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Erfurt hatte am 31.12.2025 217.159 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 44 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Erfurt
Erfurt liegt am Südrand des Thüringer Beckens, dort, wo sich das Tal der Gera weit öffnet; dieser Fluss mündet später in die Unstrut, und nach Süden hin schließen die bewaldeten Höhen des Steigerwalds das Stadtgebiet ab. Weil die Stadt im Übergang vom Becken zum Vorland des Thüringer Waldes liegt, schwankt ihre Höhe zwischen 158 m im Norden und 430 m im Südosten. Eine Besonderheit ist die Wasserscheide im Stadtgebiet: was in den westlichen Ortsteilen abfließt, findet über die Nesse den Weg zur Weser, was in der Mitte und im Osten anfällt, gelangt über Gera und Gramme zur Elbe. Zum 31. Dezember 2025 zählte Erfurt 217.159 Einwohner auf 269,91 Quadratkilometern.
Die früheste bekannte urkundliche Erwähnung Erfurts steht in einem Brief des Bonifatius an Papst Zacharias aus dem Jahr 742. Darin bittet der Missionserzbischof um die Bestätigung der von ihm geweihten Bischöfe und eingerichteten Bistumssitze, darunter einen an dem Ort, welcher Erphesfurt heißt und der schon vor Zeiten eine befestigte Siedlung heidnischer Bauern gewesen sei. Die Gera, an der die Stadt entstand, hieß ursprünglich Erfes. Bereits 755, ein Jahr nachdem Bonifatius bei Dokkum von den Friesen erschlagen worden war, wurde das Bistum Erfurt mit dem von Mainz vereinigt.
805 erklärte Karl der Große Erfurt zu einem der Grenzhandelsplätze des Frankenreiches. Im 10. Jahrhundert kam die Stadt unter die weltliche Herrschaft der Mainzer Erzbischöfe, und dabei blieb es bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803. Als Etappenort der Brabanter Straße, die von Leipzig über Köln bis Antwerpen führte, wuchs Erfurt im 14. und 15. Jahrhundert auf etwa 18.000 bis 20.000 Einwohner. Seit dem 13. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem der Waidmärkte des Reiches; 1331 erhielt sie von Kaiser Ludwig dem Vierten das Messeprivileg. Am Kreuzungspunkt dieser Handelswege lebte über rund zweieinhalb Jahrhunderte eine jüdische Gemeinde in Koexistenz mit der christlichen Mehrheit. Ein Pestpogrom setzte ihr 1349 ein jähes Ende; ab 1354 entstand eine zweite Gemeinde.
Die frühe Neuzeit brachte Seuchen und Fremdherrschaft. 1597 wüteten Pest und Rote Ruhr gleichzeitig; 7700 Menschen starben, darunter viele Professoren und Doktoren und die meisten Studenten. Am 21. April 1618 schlossen der Mainzer Erzbischof Johann Schweikhard von Cronberg und die Stadt einen Vertrag, der die Religionsfreiheit bestätigte, zugleich aber festlegte, dass Erfurt Eigentum des Erzstifts sei und auf jede Reichsstandschaft verzichte. Von 1632 bis 1635 und von 1637 bis 1650 hielten die Schweden die Stadt besetzt, und der Westfälische Friede brachte ihr nicht die erhoffte Reichsfreiheit.
1664 eroberten französische und Reichsexekutionstruppen des Mainzer Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn die Stadt und stellten die kurmainzische Herrschaft wieder her. Erfurt wurde Hauptstadt des Erfurter Staats und von einem Mainzer Statthalter regiert; auf dem Petersberg ließ Schönborn eine Zitadelle errichten, um weiteren Aufständen vorzubeugen. 1682 und 1683 folgten schwere Pestjahre.

Hexenverfolgungen sind für Erfurt von 1526 bis 1705 belegt: Zwanzig Menschen gerieten in Prozesse, mindestens acht fanden den Tod, und 1705 wurde die 42-jährige Gänsehirtin Anna Martha Hausburg gefoltert, enthauptet und verbrannt.
1802 wurde Erfurt preußisch und blieb es bis 1945; dazwischen lag allerdings eine Lücke, denn von 1806 bis 1814 unterstand die Stadt als Fürstentum Erfurt unmittelbar Frankreich. 1873 verlor die Stadt ihren Status als Festungsstadt, worauf die Befestigungen abgetragen und die Flächen davor zur Bebauung freigegeben wurden. 1906 überschritt Erfurt mit 100.000 Einwohnern die Großstadtgrenze. Am 7. Juli 1948 erklärte der Thüringer Landtag die Stadt zur Landeshauptstadt; 1952 wurde das Land aufgelöst und Erfurt Bezirkssitz, und erst 1991 stimmten 49 von 88 Landtagsabgeordneten wieder für Erfurt als Landeshauptstadt.
Der Kern Erfurts zerfällt in zwei Teile, und die Trennlinie zogen einst die Mauern: innen liegt, was der erste Befestigungsring des 10. Jahrhunderts umschloss, außen das, was der zweite im 14. Jahrhundert hinzunahm. Beide Ringe lassen sich heute noch nachvollziehen — den inneren zeichnet der Juri-Gagarin-Ring nach, den äußeren der Stadtring. Die innere Altstadt zeigt weiterhin ein mittelalterliches Bild; dafür sorgen mehr als 20 gotische Pfarrkirchen und die Fachwerk-, Bürger- und Handelshäuser um sie herum, die überwiegend im 16., 17. und 18. Jahrhundert entstanden. Die Liste der Kulturdenkmale in Erfurt umfasst mehr als 1600 Objekte.

Für die Stadt steht vor allem eine Brücke, auf der man wohnt: Die Krämerbrücke entstand neben einer Furt durch die Gera als Teil der Via Regia; als Holzbrücke wurde sie 1117 nach der Zerstörung durch einen Brand erstmals erwähnt, 1156 unter dem Namen pons rerum venalium. Nach wiederholten Bränden erwarb der Rat 1293 alle Brückenrechte von den Klöstern und ließ einen steinernen Neubau errichten, der 1325 fertig war. Die 79 m lange Gewölbebrücke besteht aus sechs sichtbaren Tonnengewölben. Nach einem Stadtbrand von 1472 wurde sie mit 62 Fachwerkgebäuden wiederaufgebaut und 1486 fertiggestellt; spätestens seit 1510 ist der Name Krämerbrücke üblich.

Die übrigen Epochen lassen sich in der Stadt ablesen wie in einem Katalog. Romanisch ist die Peterskirche; aus der Gotik stammen der Erfurter Dom sowie Kloster- und Pfarrkirchen wie die Predigerkirche und die Kaufmannskirche. Die Renaissance zeigt sich in repräsentativen Bürgerhäusern — am Fischmarkt etwa im Haus zum Roten Ochsen, in der Johannesstraße im Haus zum Stockfisch. Die Kurmainzische Statthalterei, heute Sitz der Staatskanzlei, entstand in zwei Phasen und hat deshalb einen Renaissance- und einen Barockteil; barock sind außerdem die Waage und die Zitadelle Petersberg.
Im Jahr 1988 suchte Rosita Peterseim vom Denkmalamt in einer Gaststätte nach den Überresten einer Synagoge, die in alten Quellen verzeichnet war. Sie wurde fündig: Kletterte man durch das Fenster der Herrentoilette in einen kleinen Gang, sah man von außen die Türgewände der Synagoge und unter dem Dach ein Stück einer Fensterrose. Bei der späteren Freilegung stellte sich heraus, dass die mittelalterliche Synagoge fast vollständig erhalten geblieben war. Teile ihrer Westfassade stammen aus dem späten 11. Jahrhundert, der Rest wurde um 1270 errichtet.
Der zweite Fund kam zehn Jahre später aus einem Keller. 1998 fanden Bauarbeiter unweit der Synagoge einen Schatz, der dort rund 650 Jahre gelegen hatte: 30 Kilogramm Gold und Silber, darunter 14 Silberbarren, mehr als 600 Schmuckstücke gotischer Goldschmiedekunst, silberne Becher und Schalen sowie 3.141 Silbermünzen. Das ausgestellte Kernstück ist ein aufwendig gearbeiteter jüdischer Hochzeitsring mit der hebräischen Inschrift Masal Tov. Auf dem Grundstück lebte der Bankier Kalman von Wiehe mit seiner Familie; vermutlich versteckten die Wiehes den Schatz 1349 kurz vor dem Erfurter Pogrom und konnten ihn nie wieder hervorholen.
Der dritte Fund war ein Unfall. 2007 hatte der Einsturz einer Ufermauer der Gera den Anlass gegeben, die flussnahen Grünflächen neu zu gestalten; bei der archäologischen Baubegleitung fielen in den Ecken eines Kellers Kragsteine auf, die dort keinen Sinn ergaben. Darunter lag die Mikwe, das rituelle Bad der Gemeinde: Ihre früheste Mauer stammt vom Anfang des 12. Jahrhunderts, die übrigen wurden bei einer Erweiterung Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet; im Inneren maß das kleine Steinhaus etwa drei mal neun Meter.
Dazu kommt ein Wohnhaus. Das Steinerne Haus fügt sich im Altstadtkern direkt an die Tourismuszentrale; vier Bauphasen zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert haben an seiner Fassade Spuren hinterlassen. Dass hier eine jüdische Familie gewohnt hat, ist nicht an der Architektur zu erkennen, sondern nur den mittelalterlichen Steuerlisten zu entnehmen — jüdische und christliche Familien lebten also nicht nur Tür an Tür, sondern teilten eine gemeinsame Wohnkultur. Mit der Entscheidung des Welterbekomitees vom September 2023 wurden Alte Synagoge, Mikwe und Steinernes Haus in die Welterbeliste aufgenommen.
1994 wurde auch das seit 1973 bestehende Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen zum Bistum Erfurt erhoben. 2016 verlieh der Stadt die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa den Ehrentitel Reformationsstadt Europas.
Im März 1970 war Erfurt Schauplatz des Erfurter Gipfeltreffens: Bundeskanzler Willy Brandt traf hier Willi Stoph, den Vorsitzenden des DDR-Ministerrates. Brandt zeigte sich dabei am Fenster des Hotels Erfurter Hof, das dem Hauptbahnhof gegenüberliegt, und die Menschen auf dem Platz riefen begeistert nach ihm — Willy, Willy und Willy Brandt ans Fenster.
Im August 1975 kam es bei Ausschreitungen zu pogromartigen Vorfällen; sie galten algerischen Vertragsarbeitern, die zwischen dem 10. und dem 13. August mehrmals quer durch die Innenstadt gehetzt und dabei unter anderem mit Eisenstangen und Holzlatten geschlagen wurden.
Am 26. April 2002 geriet Erfurt durch den Amoklauf im Gutenberg-Gymnasium in die Nachrichten der ganzen Welt; getötet wurden elf Lehrer und eine Referendarin, dazu eine Sekretärin, zwei Schüler und ein Polizeibeamter.
Eine Woche nach der Tat kamen über 100.000 Menschen zur Gedenkfeier auf den Domplatz. Seither gedenkt man der Toten an jedem Jahrestag vor der Schule, und seit 2017 läutet dazu eine eigens gegossene Glocke; zum zehnten Jahrestag läutete außerplanmäßig die Gloriosa des Doms, die sonst nur acht Mal im Jahr erklingt. Über die Stadt hinaus wirkte die Tat in der Gesetzgebung: Noch im Sommer 2002 wurde das Waffenrecht verschärft, unter anderem mit einem Mindestalter von 21 Jahren für Sportschützen, die großkalibrige Waffen erwerben wollen.
Bekannt ist Erfurt heute vor allem für seinen Gartenbau mit dem egapark, dem Deutschen Gartenbaumuseum und der Bundesgartenschau 2021 sowie als Medienstandort mit dem Sitz des Kindersenders KiKA.
Bereits im 13. Jahrhundert war Erfurt zu einem Bildungszentrum geworden, dessen Ruf weit über Thüringen hinausreichte; in dessen zweiter Hälfte zählte keine andere deutsche Stadt so viele Studenten. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wuchs das Erfurter Studium generale zu jener Anstalt heran, die im Römisch-Deutschen Reich den Ton angab.
1392 öffnete dann die Stadt — und nicht der Erzbischof — eine Universität, die dritte auf deutschem Boden. Wegen eines Gründungsprivilegs von 1379 kann sie sich allerdings auf einen früheren Anfangstermin berufen als die beiden älteren Gründungen. Einer ihrer bekannten Absolventen war Martin Luther; er studierte hier von 1501 bis 1505 und erwarb den Magistergrad der philosophischen Fakultät. 1816 wurde die Universität geschlossen und erst 1994 neu gegründet.





Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: WH, DZT
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Zweimal wurde dieses Bild beschädigt. Im Zweiten Weltkrieg erlebte Erfurt 27 britische und amerikanische Luftangriffe; die abgeworfene Bombenlast betrug 1100 Tonnen, rund 1600 Zivilisten kamen um, 530 Gebäude gingen völlig verloren, 23.000 Menschen verloren ihre Wohnung, und die am 26. November 1944 von einer Luftmine getroffene Barfüßerkirche blieb als Ruine stehen und dient seither als Mahnmal. Ende der 1960er Jahre begann dann der großflächige Abriss des Krämpferviertels am östlichen Altstadtrand; die bis zu 120 Meter langen Plattenbauten beeinträchtigten das durch Kirchtürme geprägte Stadtbild dauerhaft. Den Abriss des Andreasviertels verhinderten Bürgerproteste und die Wende 1989.






