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Eschwege hatte am 31.12.2025 18.687 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 45 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Eschwege
Über den Dächern von Eschwege steht eine Figur mit Hellebarde und dreht sich im Wind. Der Dietemann auf dem Turm des Landgrafenschlosses ist Wetterfahne und Wappenfigur zugleich, und am Johannisfest im Sommer zieht er in der Gestalt eines Schulkinds an der Spitze des Umzugs durch die Stadt. Wer wissen will, wie eine nordhessische Kleinstadt ihr Selbstbild zusammenhält, findet hier eine Antwort: über eine Figur, die niemand von außen kennt.
Die Stadt liegt in der Niederung der Werra am Fuß der Leuchtberge, auf 211 Meter Höhe, und ihr Gebiet misst 63,26 Quadratkilometer. Zum 31. Dezember 2025 zählte sie 18.687 Einwohner. Als Kreisstadt des Werra-Meißner-Kreises versorgt sie ein weites, dünn besiedeltes Umland — und lag jahrzehntelang so nah an der innerdeutschen Grenze, dass die halbe Nachbarschaft für sie unerreichbar war.
Zum ersten Mal schriftlich fassbar wird der Ort 974, unter dem Namen Eskiniuuach, in einer Urkunde Kaiser Ottos II. Der Kaiser vermachte darin Königshof und Siedlung seiner Frau Theophanu. Deren Tochter Sophia gründete um das Jahr 1000 auf dem Cyriakusberg ein Frauenstift, das bis zur Einführung der Reformation in Hessen im Jahre 1527 bestand; vom Stift steht heute nur noch der Karlsturm.
Marktrechte kamen um 1188 hinzu, Stadtrechte vor dem Jahr 1249. Aus jener Zeit stammen auch die Anfänge der Tuch- und Ledererzeugung, von der die Stadt bis in die Neuzeit lebte. 1264 fiel Eschwege infolge des Thüringisch-Hessischen Erbfolgekriegs an Hessen, und am 12. Mai 1292 machte Landgraf Heinrich I. daraus ein politisches Geschäft: Er trug König Adolf von Nassau die Stadt als Reichslehen an und bekam sie samt der Reichsburg Boyneburg sofort erblich zurück, was ihm die Reichsfürstenwürde einbrachte.
Die Herrschaft wechselte danach noch zweimal. 1385 zog Landgraf Balthasar von Thüringen ein und baute im Jahr darauf eine Burg; 1433 kam die Stadt zurück an Hessen, und die Landgrafen bauten die Burg zum Schloss aus. Von 1632 bis 1655 war Eschwege sogar Residenz: Landgraf Friedrich von Hessen-Eschwege regierte hier eine Nebenlinie des Hauses Hessen-Kassel, wohnte allerdings wohl erst nach 1646 wirklich in der Stadt. Der Dreißigjährige Krieg traf den Ort hart. Am Gründonnerstag des Jahres 1637 plünderten kaiserliche Kroaten unter General Johann von Götzen die Stadt und legten große Teile in Schutt und Asche. Zwei Jahrzehnte später führte die Angst vor Hexerei zu einem Justizmord. Am 30. Oktober 1657 starben Martha Kerste und ihre Tochter Catharina Rudeloff auf dem Richtplatz. Genau 350 Jahre danach, am 30. Oktober 2007, sprachen Bürgermeister und Kirchenkreis den beiden Frauen förmlich die Ehre zurück.
Das vergangene Jahrhundert hinterließ Spuren, die im Stadtbild kaum sichtbar sind. Die jüdische Gemeinde zählte 1933 noch 421 Mitglieder; viele zogen unter Entrechtung und Repressalien fort oder wanderten aus. Die Einrichtung der Synagoge wurde in der Nacht auf den 9. November 1938 verwüstet, einen Tag vor den reichsweiten Pogromen, und 1941 und 1942 wurden die letzten etwa 100 jüdischen Einwohner in die Vernichtungslager deportiert. Das Gebäude der Synagoge dient heute anderen Zwecken und steht in der Denkmalliste.
Nach dem Krieg kamen jüdische Überlebende in die Stadt. Im Januar 1946 richtete die US-Militärverwaltung ein Lager für jüdische Displaced Persons ein; zeitweise lebten dort bis zu 3300 Menschen, bis es im April 1949 aufgelöst wurde. Fast alle Bewohner wanderten nach der Gründung Israels dorthin aus.
Eschwege hat einen mittelalterlichen Kern mit geschlossener Fachwerkbebauung; der Marktplatz wird ringsum von Fachwerkhäusern gefasst. Ungewöhnlich ist die Rathausgruppe zwischen Ober- und Untermarkt: Das Alte Rathaus von 1660 ist ein dreigeschossiger Fachwerkbau mit Flachschnitzereien, das Neue Rathaus daneben ein spätklassizistischer Steinbau von 1842/43. Beide stehen nebeneinander, und die Stadt hat keines der beiden aufgegeben.
Das Landgrafenschloss ist seit 1821 Sitz der Kreisverwaltung. 1386 als Burg begonnen und im 16. und 17. Jahrhundert zum Schloss erweitert, trägt es den Dietemann-Turm, und im Hof steht der Frau-Holle-Brunnen von 1930, dessen Reliefs Szenen des Märchens zeigen — der Hohe Meißner, an dem Frau Holle wohnen soll, liegt westlich vor der Stadt.
Die kirchlichen Bauten markieren die alte Zweiteilung in Alt- und Neustadt: die Marktkirche St. Dionys auf der einen, die Neustädter Kirche auf der anderen Seite, dazu die katholische Pfarrkirche St. Elisabeth und die Kreuzkirche. Vom Stift auf dem Schulberg blieb der Karlsturm, den man auch Schwarzen Turm nennt. Der Nikolaiturm, ehemaliger Kirchturm von 1455, ragt mit 47,62 m über alles andere und ist heute als Aussichtsturm zugänglich.
Von der Befestigung steht der Dünzebacher Torturm, dazu ein Hochzeitshaus im Renaissancestil von 1578 mit Zugang zum Schwarzen Turm. In der Umgebung liegen die Burg Fürstenstein bei Albungen, die Burgruine Schnepfenburg und auf dem Großen Leuchtberg ein Bismarckturm von 1903. Zur Landschaft vor der Stadt gehört schließlich die Blaue Kuppe im Süden des Stadtgebiets, ein Basaltdurchbruch, der als Naturdenkmal geschützt ist.

Eschwege hat seine Wirtschaft mehrfach neu erfunden, und jedes Mal blieb ein Gebäude stehen. Aus der alten Tuch- und Ledererzeugung stammen die Verwaltungsgebäude einer Tuchfabrik und einer Leim- und Lederfabrik, die heute in der Denkmalliste geführt werden.
Den Namen der Stadt trug ein Stück Seife durch Deutschland. Der Firma Dircks & Thorey gelang um 1846 ein Verfahren für eine Halbkernseife, die trotz hohem Wasseranteil hart wurde und sich besonders zum Waschen von Textilien eignete. Weil sie billig war, ahmten andere Hersteller sie nach, und spätestens in den 1870er Jahren war Eschweger Seife eine im ganzen Land verbreitete Sorte — auch dort, wo sie längst nicht mehr aus Eschwege kam.

Der zweite Aufstieg kam aus der Pharmazie. Die chemisch-pharmazeutische Fabrik Woelm wurde 1907 gegründet und 1935 nach Eschwege verlegt; sie stellte eigene Präparate und Hausspezialitäten für Tausende Apotheken her. Nach mehreren Verkäufen an internationale Konzerne endete die Produktion hier 1996. Geblieben ist aus dieser Zeit das Verwaltungsgebäude der früheren Orion-Werke.
Heute tragen andere Branchen. Im Maschinenbau arbeiten Werkzeugmaschinen-, Hydraulik- und Spulmaschinenhersteller, dazu ein Werk für Haus- und Systemtechnik; die Klosterbrauerei braut seit dem frühen 19. Jahrhundert in der Stadt, und die meisten Arbeitsplätze der Region hält das Klinikum Werra-Meißner, das zugleich die medizinische Versorgung deckt.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Eine Schlussnotiz gilt dem Verkehr. Die Bahn ist nach einer Unterbrechung zurück: Der Stadtbahnhof erhielt 2013 den European Rail Award als Small Station of the Year und 2014 den Deutschen Verkehrsplanungspreis. Am Werratalsee, einem Baggersee vor den Toren, liegt eine Regattastrecke des Deutschen Ruderverbandes, die 2008 auf 2000 Meter verlängert wurde. Und wenn im Sommer der Dietemann wieder vorweg geht, laufen ihm die Schulklassen hinterher, als wäre die Figur auf dem Schlossturm heruntergestiegen.






