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Flensburg hatte am 31.12.2025 95.568 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 52 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Flensburg
Flensburg sitzt am hintersten Ende einer schmalen Ostseebucht, und die dänische Grenze verläuft wenige Kilometer weiter nördlich. Aus dieser Lage folgt fast alles, was die Stadt ausmacht: der Hafen, der bis ins 19. Jahrhundert einer der wichtigsten des dänischen Gesamtstaates war, die Kaufmannshöfe hinter den Fassaden der Großen Straße, die Zweisprachigkeit im Alltag und eine Minderheitenpolitik, die als Vorbild gilt.
Im übrigen Deutschland ist der Name der Stadt vor allem mit einer Behörde verbunden, die Verkehrsverstöße registriert. Wer hierherkommt, findet etwas anderes: eine Hafenstadt, deren Geschichte an Hering, Zucker und Rum hängt, und eine Grenzregion, in der zwei Nationalitäten seit 1920 gelernt haben, nebeneinander zu leben.
Der Stadtname taucht 1248 zum ersten Mal in den Quellen auf; gedeutet ist er bis heute nicht. Zuvor waren am Fördeufer mehrere Kirchspiele entstanden: Sankt Marien im Jahr 1170, um 1200 Sankt Nikolai und zuletzt Sankt Gertrud im Jahr 1290. Die Johanniskirche im Osten und die Katharinenkirche gehören zu den Bauten, die von den frühen Kirchspielen übrig sind. Aus diesen Siedlungskernen wuchs ein Ort zusammen, dem der dänische König Erik Glipping 1284 das Stadtrecht gab. Flensburg gehörte damit zum Herzogtum Schleswig, einem dänischen Lehen — und eben nicht zum Reich, weshalb die Stadt der Hanse auch nie beitrat.
Wie eng die Stadt mit der dänischen Krone verbunden war, zeigt eine Episode vom 28. Oktober 1412: An diesem Tag starb Königin Margarethe I. an Bord eines Schiffes im Flensburger Hafen an der Pest. Ein Jahr zuvor hatte sie im Vertrag von Kolding große Teile Schleswigs für Dänemark gesichert, und im selben Jahr 1411 entstand die Duburg auf dem Marienberg. Reformiert wurde in Flensburg früh: Ab 1526 fasste die lutherische Lehre hier Fuß, und am 8. April 1529 fand im Katharinenkloster die Flensburger Disputation statt, ein Religionsgespräch, dessen Folgen weit über die Stadt hinausreichten.

Zur Grenzstadt im heutigen Sinn wurde Flensburg erst 1920. Nach einem Beschluss des Völkerbundes stimmten die Menschen in Schleswig darüber ab, wohin sie gehören wollten. Der südliche Abstimmungsbereich einschließlich Flensburgs entschied sich deutlich für Deutschland, das Umland im Norden für Dänemark. Damit lag die Stadt plötzlich am Rand, und ein erheblicher Teil ihrer Einwohner gehörte zur unterlegenen Seite.
Genau daraus ist die Besonderheit dieser Stadt entstanden. Nach der Abstimmung von 1920 und den Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 wurde Flensburg zum Mittelpunkt der dänischen Minderheit in Südschleswig — mit eigenen Schulen, Vereinen und Zeitungen. Die Duborg-Skolen, das dänische Gymnasium der Stadt, steht heute unter Denkmalschutz, ebenso das Deutsche Haus, das die Reichsregierung der Stadt für ihr Abstimmungsverhalten schenkte. Wer beide Gebäude nacheinander besucht, hat den Konflikt und seine Befriedung an einem Vormittag gesehen. Ein drittes Denkmal gehört dazu: der Idstedt-Löwe, ein dänisches Siegeszeichen, das nach den Kriegen um Schleswig mehrfach zwischen Kopenhagen und Berlin hin- und hergeschoben wurde.
Die wirtschaftliche Grundlage der frühen Stadt schwamm in der Förde. Hering aus dem eigenen Gewässer ging bis weit nach Europa hinein, und darauf baute der Handel der Flensburger Kaufleute auf. Nach dem Niedergang der Hanse reichten ihre Verbindungen bis ins Mittelmeer, nach Grönland und in die Karibik; neben Fisch waren Zucker und Tran aus dem Walfang die wichtigsten Waren. Der Dreißigjährige Krieg beendete diese erste Blüte.
Die zweite Blüte kam im 18. Jahrhundert und hatte einen bitteren Kern. Rohrzucker aus Dänisch-Westindien wurde nach Flensburg gebracht und hier raffiniert — ein Geschäft, das im Rahmen des Dreieckshandels lief und damit auf Sklavenarbeit in den Anbaugebieten beruhte. Der Reichtum, der daraus entstand, steht der Stadt bis heute in ihren Häusern an. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg bezog man den Rum ab 1864 nicht mehr aus der dänischen, sondern aus der britischen Karibik, vor allem aus Jamaika.
Gebrannt wurde der Rum in Flensburg allerdings nie — er wurde eingeführt, verschnitten und weiterverkauft. Von einst mehr als zwanzig Rumhäusern hat nur das Haus A. H. Johannsen in der Marienstraße überlebt. Wie der Handel räumlich funktionierte, lässt sich an den Kaufmannshöfen ablesen, die sich von der Großen Straße bis zur Speicherlinie am Hafen durchziehen: vorn das Wohn- und Geschäftshaus, dahinter Seitenflügel, Querspeicher und Lagerräume. Dutzende dieser Höfe stehen unter Denkmalschutz; der Hübsch-Speicher und die frühere Brauerei Hansen gehören zu den Bauten, an denen sich dasselbe Prinzip zeigt.
Zwischen 1460 und 1864 war Flensburg nach Kopenhagen der Hafen mit dem zweitgrößten Umschlag im dänischen Gesamtstaat. Was davon geblieben ist, liegt heute überwiegend im Historischen Hafen und in der Werft der FSG. Die Wirtschaftsgeschichte hat die Stadt außerdem in einem Namen hinterlassen, den man im ganzen Land kennt: dem Flensburger Bier.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Vertriebene in solcher Zahl, dass die Einwohnerzahl für einige Jahre über 100.000 stieg und Flensburg als Großstadt galt. Danach setzte der Bund auf Strukturförderung: Militärische Einrichtungen und Bundesbehörden sollten ausgleichen, was die Randlage kostete. Seit 1990 wurden über 8000 Soldaten abgezogen; die Stadt geriet in eine wirtschaftliche Krise mit hoher Arbeitslosigkeit, deren Folgen bis heute in den Kennzahlen sichtbar sind. Heute liegt die Einwohnerzahl knapp unter der Großstadtgrenze: Ende 2025 zählte die Stadt 95.568 Einwohner.

Was an ihre Stelle getreten ist, hat wieder mit der Grenze zu tun. Der deutsch-dänische Grenzhandel ist ein eigener Wirtschaftszweig geworden, dänische Unternehmen wie Danfoss haben sich aus steuerlichen Gründen südlich der Grenze angesiedelt, und der Einzelhandel lebt zu einem erheblichen Teil von Kundschaft, die zum Einkaufen über die Grenze fährt. Dazu kommen der Hafen mit seiner Werft und zwei Hochschulen: die Hochschule Flensburg und die 1994 gegründete Europa-Universität mit zusammen rund 9000 Studierenden.
Damit ruht die Stadt heute auf dem, was ihr die Lage an Förde und Grenze gibt: dem Hafen mit Werft und Historischem Hafen, den Hochschulen und einem Grenztourismus, der Kundschaft aus dem Norden in die Innenstadt bringt. Wie sich diese Grenzstadt wirtschaftlich entwickelt, zeigen die Kennzahlen auf der Datenseite.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT_SEA, DZT_BORDER
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Hörbar ist diese Grenzlage bis heute: Ein nicht geringer Teil der Bevölkerung spricht neben Deutsch und Dänisch auch Plattdeutsch und das eigentümliche Petuh.






