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Freudenstadt hatte am 31.12.2025 24.537 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 60 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Freudenstadt
Die meisten Städte sind gewachsen. Diese hier wurde gezeichnet. Ein Herzog wollte an der Westflanke seines Landes, nahe einem Pass, eine Stadt haben, und sein Baumeister entwarf sie als Quadrat mit einem Loch in der Mitte — das Loch war für ein Schloss vorgesehen, das nie gebaut wurde. Übrig blieb ein Platz, der für die Zahl seiner Bewohner absurd groß ist und bis heute das Erste ist, was einem auffällt.
Der zweite Satz zu dieser Stadt ist unbequemer: Sie wurde wenige Wochen vor Kriegsende in Brand geschossen, und danach entschied man sich bewusst gegen die moderne Fachmeinung und für einen Wiederaufbau nach altem Grundriss. Freudenstadt ist damit ein seltener Fall — eine Planstadt der Renaissance, überliefert in der Formensprache der 1950er Jahre. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 24.537 Einwohner.
Herzog Friedrich I. von Württemberg beauftragte seinen Baumeister Heinrich Schickhardt um das Jahr 1598, das Gebiet zu untersuchen. Als Gründungsdatum gilt der 22. März 1599, der Tag, an dem die ersten Häuser und Straßen in Anwesenheit des Herzogs abgesteckt wurden. Der quadratische Grundriss geht wahrscheinlich auf Zeichnungen Albrecht Dürers in dessen Festungslehre zurück.

Schickhardt legte mehrere Entwürfe vor. Im ersten, dem Baublockplan, saß die Festung mit dem Schloss in einer Ecke und der Markt war klein. Gebaut wurde am Ende nach dem Dreizeilenplan, bei dem das Schloss mittig und um 45 Grad gedreht auf dem Platz vorgesehen war und die Häuserzeilen an ein Mühlebrett erinnern. Der Vorteil dieser Anlage lag in ihrer Dehnbarkeit: Die Stadt ließ sich erweitern, bis eine gewünschte Einwohnerzahl erreicht war.
Genau diese Erweiterung kam nie zum Abschluss. Schickhardt zeichnete noch einen Fünfzeilenplan für rund 2.500 Einwohner, doch 1608 starb der Herzog, die Parzellen der vierzeiligen Stadt waren noch nicht bebaut, und die Bürger baten seinen Nachfolger Johann Friedrich erfolgreich, auf die fünfte Zeile zu verzichten. Mit dem Tod des Bauherrn fielen auch die Schlosspläne weg — und aus der Baulücke im Zentrum wurde der Platz, den die Stadt bis heute trägt.
Die Ecken des Quadrats besetzen Winkelbauten. Am 1. Mai 1601 wurde der Grundstein für die Stadtkirche gelegt, die als Winkelkirche an den Platz gesetzt wurde; ab 1602 entstand in der Nordwestecke das Kaufhaus, in den 1660er Jahren in der Nordostecke das Rathaus. Am 6. Mai 1601 taucht die Siedlung erstmals urkundlich als Freudenstadt auf; wie es zu dem Namen kam, ist nicht geklärt. Eine Stadtmauer bekam der Ort lange nicht, nur einen Bretterzaun, den der Merianstich von 1643 gut erkennen lässt.
Die Stadt wurde nicht der Aussicht wegen gebaut, sondern des Erzes wegen. Im Tal unterhalb entstanden viele kleine Bergwerke, darunter um 1560 der nach Herzog Christoph benannte St.-Christoph-Erbstollen, dessen Name auf den Talabschnitt und die Siedlung überging. Die steilen Hänge begünstigten waagrechte Stollen; senkrechte Schächte blieben in Zahl und Bedeutung deutlich zurück.
Die Zahlen aus der Blütezeit sind überliefert. 1598 brachten die Gruben 87 Tonnen Erz zutage, aus dem sich je Tonne bis zu 1.800 Gramm Silber gewinnen ließen, dazu 140 Kilogramm Kupfer. Fünf Jahre später, 1603, kamen 94 Kilogramm Silber zusammen. Aus diesem Metall entstanden die sogenannten Christophstaler. Beheizt wurde die Schmelze mit Holzkohle aus den umliegenden Wäldern — Bergbau und Waldwirtschaft waren hier dieselbe Sache.
Um die Gruben herum wuchs ein ganzes Gewerbe. Am 23. Januar 1572 ordnete Herzog Ludwig den Bau eines Hüttenwerks an; 1595 plante Schickhardt eine Eisenschmiede, aus der der spätere obere Großhammer hervorging. 1606 bis 1610 kam eine Messingfaktorei hinzu, 1616 der obere und 1621 der untere Drahtzug, dazu Kupferhammer, Pfannenhammer und eine zweite Schmelze. Zwischen 1622 und 1628 arbeitete im Christophstal sogar eine württembergische Münzprägeanstalt.
Das Ende kam langsam. 1784 wurde der Bergbau mit der Schließung des Stollens Dorothea gänzlich eingestellt. Was blieb, war eine Stadt des Handwerks, die 1879 mit der Gäubahn Anschluss an das württembergische Eisenbahnnetz bekam. 1833 war das Stadtgebiet bereits um rund 2300 Hektar Wald des ehemaligen Waldgedings vergrößert worden — der Wald ersetzte das Erz als Grundlage.
Die Stadt liegt 728 Meter hoch und misst 87,54 Quadratkilometer. Aus dieser Höhenlage machte der Stadtschultheiß Hartranft 1876 ein Programm: Die reine Luft, kündigte er an, solle den Ort zum Kurort machen. Es gelang; gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs der Kurbetrieb von Jahr zu Jahr. 1899, zum 300-jährigen Stadtjubiläum, wurde der Friedrichsturm als Aussichtsturm auf dem Kienberg eröffnet.
Um 1930 gab es in der kleinen Stadt rund 20 Hotels, davon fünf der höchsten Kategorie, darunter das Hotel Rappen, das Hotel Waldlust und das Kurhaus Palmenwald. Die Gästeliste jener Jahre reicht von König Georg V. über die schwedische Königin bis zu John D. Rockefeller, Mark Twain und dem Sultan von Selangor.
Die Zahlen dazu wurden früh erhoben. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde hier regelmäßig Regenmenge und Sonnenscheindauer gemessen; eine Anzeige von 1925 warb mit 64,2 jährlichen Sonnentagen nach Feststellung des Preußischen Meteorologischen Instituts. Die zwischen 1961 und 1990 gemessene Jahresniederschlagsmenge liegt mit 1681,4 Millimetern hoch, die tägliche Sonnenscheindauer zwischen 1990 und 2007 mit 4,6 Stunden ebenfalls — eine Kombination, die sich aus der Gebirgsrandlage und der weitgehenden Nebelfreiheit erklärt.
Der Kurcharakter ist geblieben, auch wenn die Gäste andere sind. Freudenstadt ist heute anerkannter heilklimatischer Kurort und Kneippkurort.
Die junge Stadt hatte kaum Zeit zu wachsen. Als sie fast 3.000 Einwohner gezählt haben soll, brach 1610 die Pest aus; sie soll 800 Menschen getötet haben, weitere 900 wanderten daraufhin ab. 1632 brach im Gasthaus Zum Güldenen Barben am unteren Marktplatz ein Feuer aus, das sich wegen der Anordnung der Fachwerkhäuser in Zeilen rasend schnell ausbreitete.

Der Dreißigjährige Krieg besorgte den Rest. Nach der verlorenen Schlacht bei Nördlingen setzten kaiserlich-habsburgische Truppen erneut Gebäude in Brand, 1635 kehrte die Pest zurück, und noch 1652 ist in den Aufzeichnungen von nur etwa 300 Bürgern die Rede. Herzog Eberhard III. lockte die Menschen mit sechs Jahren Steuerfreiheit, verbilligten Bauplätzen und verschenktem Bauholz zurück und ließ ab 1667 eine Festungsanlage mit acht Bastionen und vier Stadttoren errichten, an der bis 1674 gebaut wurde.
Auch diese Festung endete als Materiallager. 1674 starb Eberhard III., der Bau wurde sofort eingestellt, und die Bevölkerung holte sich über Jahrzehnte Steine aus den Mauern; aus Gräben und Wällen wurden Gärten und Weiden. Ab 1870 wurden die Stadttore zum Abriss verkauft. Heute stehen hinter der Friedenskirche noch etwa fünf Meter des östlichen Bollwerks, und ein Wappenstein des 1865 abgerissenen Loßburger Tors sitzt in der Wand des Kurhauses.

Am 16. April 1945 griffen Truppen der französischen 1. Armee die Stadt unerwartet an. Weil die Hauptwasserleitung und die wichtigsten Feuerwehrwagen zerstört waren, konnten sich die Brände nahezu ungehindert ausbreiten; in der Nacht auf den 17. April wurden etwa 600 Gebäude und damit 95 Prozent der Innenstadt zerstört, 1400 Familien verloren ihre Wohnung.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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Zum Kriegsende gehört auch die Gewalt gegen Frauen. Beim Einmarsch und in den drei Tagen danach kam es zu zahlreichen Übergriffen; die Ärztin Renate Lutz gab an, allein bei ihr seien über 600 vergewaltigte Frauen in Behandlung gewesen.

Über den Wiederaufbau wurde lange gestritten. Manche Entwürfe wollten den als übergroß empfundenen Platz verkleinern, andere modern bauen; am Ende setzte sich die traditionelle Minderheit um Ludwig Schweizer und dessen Lehrer Paul Schmitthenner durch, beide Vertreter der Stuttgarter Schule. Schweizer wurde Stadtbaumeister, und binnen fünf Jahren entstand die Stadt abermals als Planstadt — bis heute geschützt durch eine strenge Gestaltungssatzung für die Innenstadt. Wer diesen Platz überquert, geht über eine Entscheidung, die zweimal gegen den Zeitgeist getroffen wurde.






