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Goslar hatte am 31.12.2025 47.454 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 46 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Goslar
Goslar liegt am Nordwestrand des Harzes, zwischen dem Rammelsberg und dem auslaufenden Salzgitter-Höhenzug; die Oker und ihre Zuflüsse Gose, Abzucht und Radau queren das Stadtgebiet. Ende 2025 zählte die Stadt 47.454 Einwohner auf 163,88 Quadratkilometern.
Groß gemacht haben die Stadt zwei Dinge: das Erz aus dem Rammelsberg und die Kaiserpfalz. Heute stehen Bergwerk und Altstadt gemeinsam auf der Welterbeliste.
Erz wurde im Harz schon zur Römerzeit gewonnen, und rings um die Lagerstätten wuchsen Siedlungen, die das Geförderte einschmolzen und veredelten; wie weit das zurückreicht, zeigen die Grabungen am Herrensitz Düna, die Abbau und Verhüttung von Rammelsberger Erz bis ins 3. Jahrhundert nach Christus zurückverfolgen. Schriftlich fassbar wird der Ort erst ab dem 10. Jahrhundert; er ging wohl aus mehreren Siedlungen im Auetal des Harzflüsschens Gose hervor, dessen Flurname um das Jahr 1000 auf die Siedlung überging. Als erste Urkunde gilt eine Nennung unter Otto dem Zweiten aus dem Jahr 979. Dass die Bergbautechnik rasch besser wurde, lässt sich am Geld ablesen: die Otto-Adelheid-Pfennige entstanden aus hiesigem Silber, und gegen Ende des 10. Jahrhunderts schied man hier aus dem Erz nicht mehr nur Kupfer, sondern auch Blei und Silber aus.
Mit der ersten Reichssynode unter Heinrich dem Zweiten rückte der Ort 1009 in den Rang einer zentralen Pfalz des Heiligen Römischen Reiches; von 1009 an tagte die Stammesversammlung des sächsischen Adels nicht mehr in der Pfalz Werla, sondern hier. Auf seinem Königsumritt soll Konrad der Zweite 1024 in Goslar Weihnachten begangen und ein Jahr darauf, 1025, an heutiger Stelle den Grundstein der Kaiserpfalz gelegt haben. Für Heinrich den Dritten wurde die Pfalz zum bevorzugten Aufenthalt und damit zum Mittelpunkt des Reiches: auf 17 Regierungsjahre kamen 18 Hoftage, viele davon über Monate. Geweiht wurde die Stiftskirche St. Simon und St. Judas 1051 durch Erzbischof Hermann von Köln, während die Pfalz zugleich um den Saalbau der Aula Regis wuchs; hier kam am 11. November 1050 Heinrich der Vierte zur Welt.
Die Pfalzzeit endete in Streit. Ein Rangstreit zwischen Abt Wideradus von Fulda und Bischof Hezilo von Hildesheim schlug 1063 in der Stiftskirche in ein Blutbad um, dem der hilflose Heinrich der Vierte zusah; überliefert ist der Vorfall als Blutpfingsten. Weil die Reichspolitik des Königs den sächsischen Adel erbitterte und seine ausgedehnten Aufenthalte das Umland teuer zu stehen kamen, kippte die Fürstenversammlung von 1073 in den Aufstand der Sachsen. Als civitas erscheint der Ort erstmals 1075; im 12. Jahrhundert reichte die Bebauung bereits etwa so weit wie die heutige Altstadt, und aus sieben zum Kirchenkreuz geordneten Kirchen, der Befestigung und dem Doppel aus Stiftskirche und Pfalz formte sich eine Residenzstadt, der die Chronisten den Beinamen Nordisches Rom gaben. Die Besuche Wilhelms von Holland 1252 und 1253 beschlossen Goslars Zeit als Königspfalz.
Je seltener die Kaiser in den Norden kamen, desto mehr Spielraum gewann die Bürgerschaft: die Goslarer Stadtrechte wuchsen aus den Privilegien der Fernhandelskaufleute von 1025 heraus, und der 1219 erstmals genannte Rat arbeitete beharrlich daran, sie bestätigen zu lassen und auszuweiten. Ab 1290 lagen die wichtigsten Vogteirechte beim Rat, womit die Stadt als freie Reichsstadt galt. Der Hanse gehörte sie von 1267 bis 1566 an, betrachtete den Bund aber weniger als Handelsvehikel denn als politischen Rückhalt gegenüber den Nachbarn. Ludwig der Vierte verlieh 1340 das Heerschildrecht und damit das passive Lehensrecht; um 1340 fasste die Stadt ihr eigenes Recht in fünf Büchern zusammen. Den Status als Reichsstadt hielt Goslar noch fünf Jahrhunderte; seinen Berg dagegen verlor es schon 1552 an die Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel.
Oft sind es nur einzelne Bauwerke, die die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt; in Goslar wurde stattdessen der komplette historische Kern aufgenommen. Seit 1992 stehen der Altstadtbereich mit mehr als 1.500 Fachwerkhäusern und das südlich davor liegende, längst stillgelegte Erzbergwerk gemeinsam unter der Bezeichnung Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft auf der Welterbeliste. Den Häuserzeilen geben das Rathaus samt Huldigungssaal und die stehengebliebenen Mauerstücke zusätzliches Gewicht.

Den Kern des Ensembles bildet die romanische Kaiserpfalz mit dem Goslarer Kaiserstuhl; knapp 250 Jahre lang wurde dort, vor allem im romanischen Kaiserhaus, Reichspolitik gemacht. Am Marktplatz steht das gotische Rathaus mit dem Huldigungssaal, daneben das Kaiserringhaus; an dessen Fassade führt ein Glockenspiel Figuren vor, die den Bergleuten des Rammelsbergs bei der Arbeit zusehen lassen. Zur Stadtbefestigung gehören das Breite Tor und der Zwinger; dieser Turm von 1517 trägt 6,5 Meter starke Mauern und beherbergt heute Museum, Restaurant und Ferienwohnungen.

Der Wohnbau der reichen Zeit steht noch. Das Kaiserworth, 1494 als Gildehaus errichtet, dient heute als Hotel; das Brusttuch entstand 1521 als Patrizierhaus, und im Siemenshaus von 1693 nahm die Industriellenfamilie Siemens ihren Ausgang. An Kirchen sind die Marktkirche St. Cosmas und Damian, die stilrein romanische Neuwerkkirche, die barocke Stephanikirche, die Klosterkirche St. Peter und Paul am Frankenberg sowie die Klauskapelle erhalten.
Die Lagerstätte hat die Stadt über Jahrhunderte mit drei verschiedenen Metallen versorgt: zuerst Kupfer, vom ausgehenden 10. Jahrhundert an zusätzlich Blei und Silber. Urkunden belegen ab 1323 den Schieferabbau und ab 1468 die Herstellung von Vitriol. Das Erz hat der Stadt sogar einen Mineralnamen eingetragen: Wilhelm von Haidinger taufte 1845 ein am nahen Erzbergwerk Rammelsberg gefundenes Mineral nach der Stadt — Goslarit. Heute ist der Berg dem Geopark Harz-Braunschweiger Land-Ostfalen zugeordnet.
Die Wasserführung war dabei immer die Kehrseite des Erzes. Fertig war der Raths-Tiefsten-Stollen, der das Rammelsbergwerk entwässerte, um 1150. Ab 1235 rutschte der Bergbau am Rammelsberg in eine Krise, weil das Wasser nicht mehr aus den Gruben zu bekommen war; übrig blieb Nachleseabbau, der Kupferhandel lief weiter, warf aber immer weniger ab. Um die Gruben wieder trockenzulegen, suchte der Rat ab 1360 nach einer Lösung und unternahm 1407, 1418 und 1432 gemeinsam mit auswärtigen Geldgebern und wechselnden Bergmeistern Anläufe, das Wasser zu heben. Claus von Gotha gelang von 1453 bis 1456 mit der Heinzenkunst ein Teilerfolg; bis 1471 hatte sich der Betrieb so weit erholt, dass der Rat neue Abgaben von den Gewerken verlangte und am Ende sämtliche Anteile der Eigner aufkaufte, und ab 1478 erleichterte das Seigerverfahren die Verhüttung. Bis 1511 war der Rat alleiniger Besitzer sämtlicher Gruben am Rammelsberg.
Dann kam der Herzog. Weil der Bergbau wieder trug und die Hildesheimer Stiftsfehde Gewinne abgeworfen hatte, konnte Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel 1527 die Pfandsumme für Berggericht und Bergzehnt ablösen und griff damit erneut nach dem Rammelsberg und großen Teilen der Forsten. Was als Widerstand der Stadt begann, zog sich bis 1552 als Kleinkrieg hin; Schutz suchte Goslar 1536 im Schmalkaldischen Bund, doch der Sieg Kaiser Karls des Fünften bei Mühlberg nahm ihn 1547 wieder weg. Die Belagerung von 1552 endete schon nach den ersten Schüssen am Verhandlungstisch: der Riechenberger Vertrag kostete die Stadt Bergzehnt, Berggericht, Vorkaufsrecht und weite Teile ihrer Wälder.
Danach wurde die Stadt Schritt für Schritt aus ihrem eigenen Berg verdrängt. Heinrich der Jüngere und ab 1568 sein Sohn Julius ordneten das Unterharzer Berg- und Hüttenwesen zusammen mit Oberverwalter Christoph Sander nach kaufmännischen Maßstäben neu, und in diesem Umbau verlor der Rat Stück für Stück seine Stellung als Gewerke. Selbst die Vitriolsiedung, lange ein sicheres Geschäft, schränkte der Herzog 1556 ein.
Das Ende der Reichsstadt kam von außen. Preußen übernahm Goslar 1802 als Ersatz für eingebüßte Gebiete links des Rheins, und der Reichsdeputationshauptschluss beendete 1803 förmlich ihre Reichsunmittelbarkeit. Auf dem Wiener Kongress wurde Goslar zwischen Hannover und Preußen hin und her geschoben, ehe es schließlich beim Königreich Hannover landete. Einen neuen Aufschwung brachte ein Schuhmacher: Friedrich Lampe richtete ab 1842 ein weithin gerühmtes Kräuter-Heilbad ein, in dem auch die hannoversche Königsfamilie kurte, und bis zu seinem Tod am 1. April 1866 kamen jährlich rund 4000 Heilbedürftige. Seit dem Krieg von 1866 gehörte die Stadt wieder zu Preußen und wurde zum gefragten Ruhesitz pensionierter Großstädter; Berliner, Hannoveraner und Braunschweiger setzten vor allem in der Gründerzeit Villen an Steinberg und Georgenberg. Die 1000-Jahr-Feier 1922 wurde noch als großes Volksfest begangen.

Bald nach Hitlers Machtübernahme richtete die Propaganda ihren Blick auf die Stadt. Walther Darré setzte durch, dass Goslar 1934 Sitz des Reichsnährstandes und 1936 Reichsbauernstadt wurde; mehr als eine Kulisse für die Reichsbauerntage, die im Heinrich-Kult aufging, wurde daraus nicht, während die Region industrialisiert und der Bergbau unter anderem über das Rammelsbergprojekt technisch aufgerüstet wurde.
Hinter der Kulisse wurden die jüdischen Einwohner verfolgt. Im Novemberpogrom 1938 verwüsteten SA-Angehörige Läden und Wohnungen der jüdischen Einwohner und plünderten sie; die Synagoge in der Bäckerstraße wurde zerstört, blieb aber wegen der dicht anschließenden Fachwerkhäuser vom Feuer verschont. Im Februar 1945 verschleppte man die letzten in der Stadt verbliebenen Juden in das Ghetto Theresienstadt. Von 1940 bis 1942 bestand nordwestlich des Fliegerhorstes ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald mit bis zu 140 Häftlingen; wenige hundert Meter weiter nördlich lag zwischen 1939 und 1945 das SS-Barackenlager Hahndorf, das kurz vor Kriegsende ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme aufnahm. Rund 5000 Menschen aus dem europäischen Ausland, überwiegend Zwangsarbeiter, schafften im Zweiten Weltkrieg in der Stadt und ihrem Umland.





Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: WH, DZT_UNESCO, FW, GEO
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.

Ein Bauwerk fehlt, und sein Verlust hat einen Dichter verärgert. Der Dom ging 1819 auf Abbruch weg und war von 1820 bis 1822 bis auf die Vorhalle verschwunden; Heinrich Heine, der die Stadt 1824 auf seiner Harzreise sah, notierte verdrossen, die Zeit sei bedeutungsschwer — tausendjährige Dome fielen, Kaiserstühle landeten in Rumpelkammern. Unter dem von den Hohenzollern geförderten Historismus wurde die Kaiserpfalz ab 1868 wiederhergestellt und mit Wandbildern von Hermann Wislicenus zum Nationaldenkmal ausgebaut.
1988 endete die Förderung im Rammelsberg. Dass die Anlage fast unverändert erhalten blieb und zum Museum werden konnte, verdankt sie dem Einsatz einzelner Bürger und der Denkmalpflege; der damals zuständige Bezirkskonservator Reinhard Roseneck verfasste zudem den Antrag, Bergwerk und Altstadt gemeinsam als Weltkulturerbe einzutragen, dem das Komitee 1992 folgte. Seit 2010 gehören auch die Anlagen des Oberharzer Wasserregals dazu.
Zerstört wurde Goslar im Krieg kaum: kurz bevor US-Einheiten im April 1945 einrückten, ließ die Stadtverwaltung an den Hauptzufahrten Rote-Kreuz-Fahnen und Schilder mit der Aufschrift Lazarettstadt aufhängen, und am 10. April 1945 näherte sich der Stadt das 329. Regiment der 9. US-Armee.
Nach dem Krieg lagen Neubeginn und alte Treue dicht beieinander. Zwischen dem 20. und dem 22. Oktober 1950 tagte in Goslar der erste Bundesparteitag der CDU; unter dem Motto Einigkeit und Recht und Freiheit entstand dort die CDU Deutschlands, und am 21. Oktober erhielt Konrad Adenauer 302 von 335 Stimmen für den Parteivorsitz. Drei Jahre später zeigte sich, wie lebendig die Verbindung zur NS-Zeit in der Stadt noch war: Zur Trauerfeier für den früheren NS-Reichsbauernführer Walther Darré auf dem Friedhof Hildesheimer Straße kamen 1953 neben alten NS-Größen mehrere hundert Goslarer, unter ihnen Oberbürgermeister Alexander Grundner-Culemann und Oberstadtdirektor Helmut Schneider — die Begräbniskosten übernahm die Stadt. Seinen Status als kreisfreie Stadt verlor Goslar 1972 mit der Eingliederung in den Landkreis Goslar.






