Kommst du über den Empfehlungslink einer Partnerin oder eines Partners zu uns, möchten wir dessen Kurzkennung 60 Tage lang im Cookie „ll_ref" speichern, damit eine spätere Registrierung richtig zugeordnet werden kann. Für die Nutzung von LageLuchs ist das nicht erforderlich — du kannst ohne Nachteil ablehnen und deine Entscheidung jederzeit über „Cookie-Einstellungen" im Seitenfuß ändern.
Idstein hatte am 31.12.2025 25.724 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 56 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Idstein
Die Idsteiner Altstadt sitzt auf einem Höhenrücken zwischen zwei Bächen, dem Wolfsbach im Osten und dem Wörsbach im Westen, die hinter der Stadt zusammenlaufen. Nach Norden schließt ein Felsen den Rücken ab, und auf diesem Felsen stehen Burg und Schloss. Ende 2025 zählte die Stadt 25.724 Einwohner.
Wer durch die Gassen geht, sieht bemalte und verzierte Fachwerkbauten, an denen sich der rheinische Einfluss auf die hessisch-fränkische Bauweise ablesen lässt. Der Grund für diese Dichte ist unspektakulär: Idstein blieb im Zweiten Weltkrieg von Angriffen weitgehend verschont.
Die Stadt hat drei Leben gehabt. Sie war jahrhundertelang nassauische Residenz, sie lebte danach vom Gerben und Ledermachen, und sie ist heute Hochschulstandort. Dazwischen liegt eine Geschichte, die der Turm über der Burg im Namen trägt.
Urkundlich taucht der Ort 1102 als Etichenstein auf; die Stadtrechte erhielt er 1287 von Rudolf von Habsburg. Ringwallanlage und Burgstall im Umland werden ins Frühmittelalter datiert, und ein Wohnhaus von 1410 steht bis heute.
Bis 1721 war der Ort, mit einigen Unterbrechungen, Sitz der Grafen von Nassau-Idstein und weiterer nassauischer Linien. Ihr Besitz zerfiel immer wieder unter Erben und wuchs beim Aussterben einer Linie wieder zusammen: zwischen 1480 und 1509 bestand eine ältere Linie dieses Namens, die anschließend mit Nassau-Wiesbaden und Nassau-Weilburg verschmolz, von 1629 bis 1721 eine jüngere. 1721 fiel Idstein an Nassau-Ottweiler, 1728 an Nassau-Usingen. Damit verlor es den Rang einer Residenzstadt, wurde aber Sitz des nassauischen Archivs und eines Oberamts. Ab Herbst 1806 gehörte die Stadt zum Herzogtum Nassau, das 1866 von Preußen annektiert wurde.
Der Turm über der Burg heißt Hexenturm, und der Name kommt nicht von ungefähr. Unter dem protestantischen Grafen Johannes von Nassau und Idstein, der von 1603 bis 1677 lebte, war die Stadt Schauplatz von Hexenprozessen; unter den 39 Getöteten waren die Sonnenberger Pfarrersfrau Elisabeth Hoffmann und Cäcilie Zeitlose Wicht, die Frau des Pfarrers Johannes Wicht aus Heftrich. Gefangen gehalten wurden die Beschuldigten allerdings nicht im Bergfried, sondern in einem kleineren, heute verschwundenen Turm. Eine Gedenktafel an der Felswand zu Füßen des Bergfrieds erinnert an die Ermordeten; das Stadtparlament rehabilitierte sie 2014 einstimmig.
Die Verbrechen der NS-Zeit sind in Idstein vor allem mit einer Einrichtung verbunden, die bis heute besteht. Der Kalmenhof wurde 1888 als Anstalt gegründet, in der Menschen mit geistiger Behinderung und Epilepsie gepflegt und, soweit möglich, zur Erwerbsfähigkeit erzogen werden sollten.
Die Heilerziehungsanstalt Kalmenhof war in das nationalsozialistische Euthanasie-Programm einbezogen und diente bei der Aktion T4 als Zwischenanstalt für die Tötungsanstalt Hadamar. Auf der Grundlage von Meldebögen brachten fünf Transporte 232 langjährige Bewohnerinnen und Bewohner des Kalmenhofs nach Hadamar, wo sie kurz nach der Ankunft vergast wurden. Als die Vergasungen in Hadamar nach öffentlichen Protesten vor allem aus den Kirchen endeten, wurde im Zuge der Aktion Brandt am Kalmenhof selbst gemordet, unter anderem durch Medikamentenvergiftungen. Wie viele Menschen dort starben, weiß niemand genau; geschätzt werden etwa 1000. Verantwortung trug hier die Ärztin Mathilde Muthig.
Die Beteiligung einzelner Mitarbeiter untersuchte 1947 der sogenannte Kalmenhofprozess. Aus den 1950er und 1960er Jahren wurden später außerdem Misshandlungen von Jugendlichen bekannt, die dem Heim anvertraut waren. Mit der eigenen NS-Vergangenheit setzte sich die Einrichtung erst Anfang der 1980er Jahre auseinander.
Auch die jüdischen Einwohner wurden verfolgt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Idsteiner Synagoge verwüstet. Namentlich erfasst das Gedenkbuch des Bundesarchivs 20 Idsteiner Jüdinnen und Juden, die verschleppt und zum größeren Teil ermordet wurden; sieben erste Stolpersteine für sie kamen am 14. November 2014 ins Pflaster.
Das Residenzschloss wurde von 1614 bis 1634 im Renaissance-Stil von Jost und Henrich Heer für Graf Ludwig und dessen Sohn Johann errichtet, unter Einbeziehung älterer Bausubstanz. Es steht auf einem Felsmassiv zwischen den beiden Stadtbächen; vermutlich war der Schlossfelsen schon im 11. Jahrhundert bebaut. Vom alten Burgbereich trennt ihn ein Felsdurchbruch, über den eine Brücke führt; unten hindurch läuft heute eine innerstädtische Straße. Die Innenausstattung entstand unter dem letzten Idsteiner Fürsten Georg August Samuel von Nassau-Idstein und der Leitung von Maximilian von Welsch; die teils verlorenen Stuckdecken fertigte Carlo Maria Pozzi. Seit 1946 ist im Schloss ein Gymnasium untergebracht.
Der Burgbereich vom Torbogengebäude bis zum Hexenturm entstand zwischen 1497 und 1588 und büßte beim Schlossumbau später einen Teil seiner Verteidigungsfunktion ein. Der Hexenturm selbst ist ein Bergfried von 42 Metern Höhe, mit über 3 Meter dicken Mauern bei knapp 12 Metern Durchmesser. Dendrochronologische Bohrungen haben ergeben, dass er um das Jahr 1170 begonnen wurde und nicht, wie lange angenommen, erst um 1350; seine Butterfassform bekam er abschnittweise um 1500. Als Zeitkapsel gilt er der Bauforschung, weil in den vergangenen hundert Jahren kaum etwas an ihm angerührt wurde — 1963 kamen ein neuer Außenputz und ein paar Zementausbesserungen dazu, mehr nicht.

Die Unionskirche wirkt außen schlicht und innen nicht. Als Stiftskirche geht ihr Bau auf das 13. Jahrhundert zurück; um die Mitte des folgenden Jahrhunderts wurde sie gotisch neu errichtet. Ungewöhnlich für eine evangelische Kirche — Idstein war seit 1553 lutherisch — wurde die Decke des Hauptschiffs im 17. Jahrhundert vollständig mit großformatigen Ölgemälden aus der Rubensschule verkleidet. Ihren heutigen Namen bekam der bis dahin schlicht Stadtkirche genannte Bau 1917; er erinnert an die 1817 in Idstein geschlossene Union zwischen Reformierten und Lutheranern in Nassau. Dafür verlieh die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa der Stadt am 18. November 2015 den Titel Reformationsstadt Europas.
Rund anderthalb Jahrhunderte lang, vom ausgehenden 18. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, war Leder das Gewerbe dieser Stadt. Der Löherplatz unterhalb der Unionskirche war seit dem Mittelalter der Ort der Gerbereien; wegen des Gestanks und des Wasserbedarfs lag er außerhalb der Altstadt an einem der Stadtbäche. Übrig geblieben ist dort das Gerberhaus, der ehemalige Trockenspeicher am Wörsbach, das nach seiner Renovierung heute Ausstellungen und Kleinkunst aufnimmt.

Im Zweiten Weltkrieg mussten in den Lederfabriken viele Zwangsarbeiterinnen arbeiten. Nach dem Krieg kam das Ende des Gewerbes in zwei Schritten. 1956 überschwemmte ein verheerendes Hochwasser die Fabrik, und 1959 wurde der Betrieb mitten in der Innenstadt aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Das Gelände am Rand der Altstadt blieb lange unbebaut und diente bis in die 1980er Jahre als Parkplatz; heute stehen dort Geschäfts- und Apartmenthäuser um den Löherplatz, der zugleich die Rolle eines Marktplatzes übernommen hat. Im Ortsteil Ehrenbach ist eine Lederfabrik geblieben. Im 19. Jahrhundert wurden in Idstein außerdem beim Spritzenfabrikanten E. Roth Feuerspritzen hergestellt, die vor allem im nassauischen Gebiet zum Einsatz kamen.
Das zweite Standbein war immer die Ausbildung. Die Stadt gründete 1869 eine Baugewerkschule, die der preußische Staat später übernahm; ihr Schulgebäude entstand von 1892 bis 1893 nach einem Entwurf ihres damaligen Direktors Emil Hoffmann, der Erweiterungsbau 1910 nach Plänen des Dozenten August Nabenhauer. 1971 ging sie in der Fachhochschule Wiesbaden auf, und 1993 gab diese den Idsteiner Standort zugunsten der Landeshauptstadt auf.
In dieses Gebäude zog 1995 die private Hochschule Fresenius ein. Seit dem 18. Oktober 2016 trägt Idstein deshalb die amtliche Zusatzbezeichnung Hochschulstadt. Als Arbeitgeber ragt heute der Landeswohlfahrtsverband Hessen mit dem Kalmenhof heraus — mit derselben Einrichtung, in der während der NS-Zeit gemordet wurde; daneben prägen rund 200 kleinere und mittlere Handwerks- und Einzelhandelsunternehmen die Stadt, von denen 80 Prozent weniger als zehn Beschäftigte haben.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Am König-Adolf-Platz stehen die bekannten Häuser dicht beieinander. Über dem Durchgang, der die Altstadt von der Burg trennt, sitzt eigenwillig das Rathaus von 1698, das nach einem Felssturz im Jahr 1928 zwischen 1932 und 1934 wieder aufgebaut wurde; erwähnenswert ist sein Glockenspiel. Gleich daneben ließ sich 1727 ein Major der Landmiliz namens Nicolay jenes Haus bauen, das man heute das Schiefe Haus nennt. Am Ausgang des Platzes zur Unionskirche hin entstand 1615 das reich verzierte Killingerhaus, seit 1987 Museum und Fremdenverkehrsamt. Der Höerhof, im Volksmund Toepferhaus, wurde von 1620 bis 1626 durch den Schlossbaumeister Henrich Heer errichtet, diente als Jagdschloss und Forstamt und beherbergte von 1911 bis 1955 den Maler Ernst Toepfer.

Östlich des alten Kerns schließt eine barocke Stadterweiterung an, die um 1700 vom neuen Marktplatz ausging. Ihre Straßen laufen rechtwinklig zueinander, ihre Fachwerkhäuser sind konstruktiver und weit weniger geschmückt als die im alten Kern. Größere Eingriffe unterblieben, stattdessen wurde restauriert — so ist ein geschlossenes Ensemble erhalten geblieben. Ein Fachwerkbau des 18. Jahrhunderts ging 1979 auseinander und stand 1985 unter dem Namen Haus aus Idstein im Hessenpark wieder.






