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Lübbenau/Spreewald / Lubnjow/Błota hatte am 31.12.2025 15.729 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 45 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Lübbenau/Spreewald / Lubnjow/Błota
Lübbenau liegt dort, wo sich die Spree in ein Geflecht aus Kanälen aufzulösen beginnt, und wird deshalb das Tor zum Spreewald genannt. Der Beiname beschreibt die Lage genau: Hier endet der Landweg, hier beginnt das Wasser. Wer im Sommer am Großen Spreewaldhafen steht, sieht Kähne, die sich in Reihen ihren Platz suchen, und Ausflügler, die mit Gurkengläsern in den Händen zurückkehren. Lübbenau gehört zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben und Wenden, und der niedersorbische Name der Stadt lautet Lubnjow/Błota. Im Januar 1998 wurde sie amtlich in Lübbenau/Spreewald umbenannt.
Die Stadt hat zwei Gesichter bekommen. Das eine ist die kleine Altstadt mit Schloss, Kirche und Spreewaldmuseum. Das andere ist die Neustadt aus Plattenbauten, die wegen eines Braunkohlekraftwerks in wenigen Jahrzehnten aus dem Boden wuchs und nach dem Ende der Kohle wieder schrumpfte. Wer die Zahlen dieser Stadt verstehen will, muss beide kennen.
2003 vergrößerte sich das Stadtgebiet durch die Eingemeindung von zehn Nachbargemeinden. Heute misst es 139,4 Quadratkilometer und liegt etwa 52 Meter über dem Meeresspiegel. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 15.729 Einwohner.
Der Ort erscheint in den Quellen zuerst als Burg: 1301 wird ein castrum genannt, 1315 dann eine Burg mit Flecken. Die Lage in einem Talsandsporn zwischen den Wasserarmen machte die Siedlung sicher, schnitt sie aber auch von der Umgebung ab. Zwei Landstraßen führten nach Luckau und nach Calau, waren aber oft überschwemmt.

Ab 1364 gehörte die Stadt zu den Ländern der Böhmischen Krone, und seit 1815 war sie preußisch. Als Städtlein bezeichnet wurde Lübbenau erst 1476, das Stadtrecht bekam es 1496. Seit 1621 ist die Geschichte der Stadt eng mit den Grafen zu Lynar verbunden. Der Dreißigjährige Krieg traf den Ort hart, und 1675 zerstörte ein Großbrand beinahe die gesamte Stadt. Die heutige Kirche St. Nikolai entstand zwischen 1738 und 1740 anstelle ihres Vorgängers.
Auf die Grafen geht das Schloss zurück, das der Baumeister Siegel zwischen 1817 und 1820 errichtete. Den Park im englischen Stil legten Landschaftsarchitekten nach Entwürfen von Peter Joseph Lenné an; dazu gehören eine Orangerie und ein Schlossteich. Zu den Bauten der Standesherrschaft zählt auch das Torhaus, in dem heute das Spreewaldmuseum sitzt.

Ein Zeugnis der Wasserwelt ist die Lübbenauer Schlossmühle, und das Ensemble aus Marktplatz und Ehm-Welk-Straße steht ebenso unter Denkmalschutz wie der Wasserturm am Bahnhof. Am Rand der Stadt liegt Lehde, ein Dorf, das lange nur über das Wasser erreichbar war.
Was heute selbstverständlich wirkt, ist jung. Der Lehrer Paul Fahlisch begann im Jahr 1882, organisierte Kahnfahrten anzubieten, und warb dafür in Berlin, Dresden und Leipzig. Damit begann die touristische Erschließung des Spreewaldes. Zwölf Jahre später, 1894, eröffnete auf der Insel Wotschofska ein Gasthaus, das zunächst nur über das Wasser zu erreichen war.

Die Landwirtschaft der Umgebung hatte den Weg schon vorbereitet. Gurken, Zwiebeln und Meerrettich aus dem Spreewald gingen bis nach Dresden, Berlin und Leipzig. Wie abgeschnitten die Dörfer waren, zeigt ein Datum: Erst 1929 wurde die erste Landverbindung zwischen Lübbenau und Lehde für den Verkehr freigegeben. Seit 1998 darf die Stadt den Zusatz Staatlich anerkannter Erholungsort führen.
Die zweite Geschichte Lübbenaus ist eine industrielle. Das Braunkohlekraftwerk war von 1959 bis 1996 in Betrieb, und mit ihm kamen die Tagebaue Seese-West und Seese-Ost. Zwischen 1946 und 1976 wuchs die Einwohnerzahl von 5.626 auf etwa 22.000, vor allem durch Arbeitskräfte, die aus anderen Bezirken der DDR zuzogen.
Für sie entstand die Neustadt. Zwischen 1946 und 1975 baute man dort etwa 6.000 ferngeheizte Wohnungen in Plattenbauweise samt Schulen, Kindergärten, Poliklinik und Kaufhaus. Im Mai 1958 entstanden die ersten Plattenbauten, und man entwarf dafür einen eigenen Typ, den später auch andere Städte übernahmen.
Der Preis war hoch. Schon im Jahr 1966 stellte ein Team der Technischen Universität Dresden in der Neustadt erhöhte Luftverunreinigung durch Flugasche und Schwefeldioxid fest. Die Erweiterung ging trotzdem weiter, weil die Industrie sonst zusammengebrochen wäre und Wohnraum für die Menschen aus den abgebaggerten Dörfern gebraucht wurde.
Nach der Wiedervereinigung verlor die Braunkohle ihre Bedeutung, und viele Bewohner verließen die Stadt. Zwischen 2002 und 2014 wurden etwa 1300 Wohnungen in der Neustadt zurückgebaut. Im Süden des Stadtgebiets sind aus den gefluteten Restlöchern der früheren Tagebaue Seen geworden: der Lichtenauer, der Schönfelder und der Bischdorfer See, wobei der erste überwiegend zu Calau und der letzte überwiegend zu Vetschau gehört.
Die jüngste Gegenwart bringt neue Bauarbeiten. Im Juli 2023 begannen die Arbeiten an einem Großprojekt: Die Landesstraße 49 wird verlegt, und die Bahnübergänge in der Stadt werden ersetzt; fertig sein soll es bis 2027. Im Oktober 2025 stimmten die Stadtverordneten außerdem einer engeren Zusammenarbeit mit den Nachbarstädten Calau und Vetschau zu, mit dem mittelfristigen Ziel gemeinsamer Verwaltungen bei bleibender Eigenständigkeit.
Der Name selbst stammt aus dieser Sprache; er geht vermutlich auf einen Personennamen zurück, der so viel wie der Friedliebende bedeutet. Bis 1867 fanden in der Stadtkirche noch sorbischsprachige Gottesdienste statt; sie endeten mit dem Tod des Pfarrers Christian Friedrich Stempel.
Der Sprachforscher Arnošt Muka zählte in den 1880er Jahren die Sorben der Lausitz und fand in der Stadt selbst nur noch knapp vier Prozent sorbischsprachige Einwohner, in Boblitz, Lehde und Leipe aber zwischen 70 und 80 Prozent. Der Sprachwechsel hing unter anderem mit der Germanisierungspolitik des preußischen Staates im Bildungswesen zusammen.
Die Tradition lebt dennoch weiter. Der Heimat- und Trachtenverein Rubiško entstand 1998; er pflegt sorbische Bräuche und richtet jedes Jahr das Zampern aus. Auch die Namen von Gewässern, Fluren und Pflanzen in der Umgebung erinnern bis heute an die alte Sprache.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: BIO, IKE
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