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Melsungen hatte am 31.12.2025 13.992 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 53 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Melsungen
Wer in Melsungen auf die alte Steinbrücke tritt, sollte einen Blick auf die Brüstung werfen. In den Sandstein sind flache, halbrunde Rillen geschliffen, handbreit und glatt gelaufen. Der Erzählung nach zogen Holzhauer auf dem Heimweg aus den Wäldern hier die Schneiden ihrer Barten nach, und daher heißt der Übergang Bartenwetzerbrücke. Den Spitznamen tragen die Bewohner der Stadt bis heute: Bartenwetzer heißen sie im Umland.

Die Kleinstadt liegt im Nordosten des Schwalm-Eder-Kreises, dort wo der Kehrenbach in die Fulda mündet, auf 172 Meter Höhe, und ihr Gebiet misst 63,09 Quadratkilometer. Zum 31. Dezember 2025 zählte Melsungen 13.992 Einwohner. Was den Ort ausmacht, liegt dicht beieinander: ein geschlossener Fachwerkkern, ein landgräfliches Schloss und ein Industriewerk, das am Stadtrand mehr Fläche einnimmt als die Altstadt.
Genannt wird der Ort erstmals im Jahr 802, damals unter dem Namen Milisunge. Seine Bedeutung bezog er aus der Lage an einem Fuldaübergang, an dem sich drei Fernwege trafen: der Sälzerweg von West nach Ost, die Nürnberger Straße von Nord nach Süd und die Route, die den Namen Durch die langen Hessen trug. Um diesen Übergang wurde gekämpft. 1189 kaufte Erzbischof Konrad I. von Mainz den thüringischen Landgrafen Burg und Ort ab; mit diesem Kauf kamen Stadtrecht und Wappen, das die Stadt bis heute führt. Nur wenige Jahre später gingen Stadt und Burg in einer Fehde zwischen Mainz und Thüringen in Flammen auf, wurden wegen ihrer Lage aber sogleich wieder errichtet, nun im Eigentum der Landgrafen.
1554 vernichtete ein Feuer große Teile des Stadtkerns, denn fast alle Häuser standen in Fachwerk. Aus dem Wiederaufbau stammt das Rathaus, das die Stadt bis heute nutzt. 1596 kam eine massive Steinbrücke über die Fulda hinzu.
Von 1552 bis 1557 ließen Landgraf Philipp der Großmütige und sein Sohn Wilhelm IV. dicht vor der Stadtmauer ein Jagdschloss errichten; die baufällige alte Burg wich dabei einem Marstall, der 1577 vollendet wurde. Später diente der Bau als Garnison, von 1825 bis 1867 als Sitz der Hessischen Forstakademie und danach der Verwaltung. Schloss Melsungen steht heute unter Denkmalschutz, ebenso die St.-Georg-Kapelle des alten Hospitals.
Ein Kapitel des 20. Jahrhunderts spielt in der Walkemühle bei Adelshausen, einer ehemaligen Mühle im Tal. Leonard Nelson gründete dort 1922 ein Landerziehungsheim und starb 1927 an diesem Ort; Minna Specht leitete die Einrichtung von 1922 bis 1933, bis die Nationalsozialisten sie schlossen. Für einige Jahre war eine Mühle im hessischen Bergland damit ein Ort politischer Erziehung, von dem aus Menschen später ins Exil gingen.
Von 1821 bis 1974 war Melsungen Verwaltungssitz eines eigenen Landkreises. Seit dessen Zusammenlegung zum Schwalm-Eder-Kreis sitzt die Kreisverwaltung in Homberg, und die Stadt lebt von dem, was sie selbst aufgebaut hat.
Der Wiederaufbau nach dem Brand von 1554 hat dem Ortskern sein Gesicht gegeben. Weil alles in kurzer Zeit und mit denselben Mitteln neu entstand, steht am Marktplatz und in den Gassen dahinter eine geschlossene Fachwerkfront, die kaum von späteren Stilbrüchen zerschnitten wird. Das Rathaus im Fachwerkstil ist der Mittelpunkt dieses Ensembles.

Älter als der Brand ist die gotische Stadtkirche, die von 1415 bis 1425 errichtet wurde und mit ihrem Turm über die Dächer reicht. Von der Stadtbefestigung blieb der Eulenturm stehen. Ein Gasthaus mit dem Namen Zur Traube führt seine Geschichte auf das Jahr 1756 zurück, die Zweipfenningsbrücke stammt von 1890.
Zum Baubestand gehören auch Häuser außerhalb der Kernstadt. Im Stadtteil Kehrenbach steht ein weiteres Jagdschloss der Landgrafen, an der Gemarkungsgrenze die Reste der Burg Bertherode.
Zwei Bauwerke aus dem Eisenbahnzeitalter greifen in dieses Bild ein. Über das Fuldatal spannt sich das Melsunger Viadukt der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn, und im östlichen Stadtgebiet läuft die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg über Talbrücken und durch Tunnel. Die Stadt lebt also nicht in einem Freilichtmuseum: die Verkehrsachsen, die ihr im Mittelalter Bedeutung gaben, verlaufen bis heute durch ihre Gemarkung, nur mit anderer Technik.
Was die Altstadt erzählt, sammelt in Fußnähe der Bartenwetzerbrücke das Heimatmuseum. Der Bartenwetzer selbst hat seinen Platz im Rathausturm, als Figur über dem Markt. Und weil man den Spitznamen hier mit Selbstironie trägt, heißt der Preis des Melsunger Kabarett-Wettbewerbs Scharfe Barte — eine Stadt, die sich nach dem Wetzen von Beilen benennt, kann auch mit Spott umgehen. Zum Stadtleben gehören auch große Feste. 1987 richtete Melsungen den Hessentag aus, das Landesfest mit Hunderttausenden Besuchern.

Den Ort prägt heute ein Unternehmen, das aus einer Apotheke hervorging. Julius Wilhelm Braun erwarb am 23. Juni 1839 für 14.000 Taler die Rosen-Apotheke in der Brückenstraße; sein Sohn Bernhard begann ab 1864 mit der Produktion von Pflastern und Migränestiften, und 1867 kam der Betrieb unter dem Namen B. Braun ins Handelsregister. Die B. Braun Melsungen AG stellt Pharmazeutika und Medizinbedarf her und beschäftigt von allen Arbeitgebern der Stadt die meisten Menschen. Zu ihren Produkten gehören Kanülen, medizinische Geräte und Produkte für die Infusionstherapie, dazu Geräte für die Dialyse. Bernhard Braun, 1906 in Melsungen geboren, entwickelte die erste Venenverweilkanüle aus Kunststoff, die als Braunüle bekannt wurde; sein Verwandter Otto Braun, geboren 1904, führte den Vorstand des Unternehmens und wurde Ehrenbürger der Stadt.
Das Werk in den Pfieffewiesen südlich der Kernstadt ist eine eigene Adresse in der Baugeschichte des Ortes und trägt den Namen Stirling-Bau. Neben der Medizintechnik sitzt hier die Handelsgesellschaft Hessenring der EDEKA, die Märkte in Nord- und Mittelhessen sowie in Teilen Thüringens und Südniedersachsens beliefert. Damit hängen an einer Kleinstadt zwei Logistikketten, die weit über den Schwalm-Eder-Kreis hinausreichen.
Angebunden ist die Stadt über die Bahnstrecke Bebra–Kassel; seit Juni 2006 fährt die RegioTram-Linie RT5 ohne Umsteigen bis in die Kasseler Innenstadt.



Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
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