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Oberwesel hatte am 31.12.2025 2.878 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 50 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Oberwesel
Wer in Oberwesel auf die Stadtmauer steigt, geht über weite Strecken oben entlang und zählt dabei Türme. Sechzehn Wehrtürme stehen noch, von ursprünglich zweiundzwanzig; der auffälligste ist der Ochsenturm im Norden, ein Rundturm mit Zinnenkranz und aufgesetztem Achteck, den man auch Butterfassturm nennt. Zwischen ihnen liegen die Gassen einer Stadt, die im Mittelalter reichsunmittelbar war und deren Bürger sich dieses Recht erkauft haben.

Der Ort liegt linksrheinisch bei Rheinkilometer 550, zwischen Sankt Goar und Bacharach, auf 75 Meter Höhe; sein Gebiet umfasst 18,08 Quadratkilometer. Zum 31. Dezember 2025 zählte er 2.878 Einwohner. Seit 2002 gehört Oberwesel zum Welterbe Oberes Mittelrheintal — und als die Anerkennungsurkunden für dieses Gebiet am 20. September 2003 übergeben wurden, geschah das bei einem Festakt in dieser Stadt.
Am Anfang steht ein Hofgut. 966 gab Kaiser Otto das Kronland Wesel an das Mauritiuskloster in Magdeburg, das zwei Jahre später zum Domkapitel des dortigen Erzbistums aufstieg. Die Schenkungsurkunde zählt auf, was dazugehörte: Hörige, Gebäude, Weinberge, Wiesen, Wälder, Fischerei- und Vogelfangrechte, Mühlen, bebautes Land und Brachland.
Über der Siedlung saßen die Herren von Schönburg, deren Burg 1149 erstmals im Besitz des Pfalzgrafen Hermann von Stahleck erwähnt wird. 1166 erwarb Friedrich Barbarossa Hofgut und Burg. Die Bürgerschaft kaufte dem Vogt 1237 sein verbliebenes Vogteirecht für 300 Mark Silber ab — und erreichte damit die Erhebung zur freien Reichsstadt durch König Konrad IV., die König Richard von Cornwall 1253 noch einmal bestätigte.
Mit der Reichsunmittelbarkeit kamen Rechte, die Geld brachten: Gerichtsbarkeit, Münzrecht, Zollrecht sowie Berg- und Marktrecht. 1255 wurde die Stadt in den Rheinischen Städtebund aufgenommen, 1257 schloss sie einen Beistandspakt mit Boppard, dem sich später Koblenz anschloss. In einer Urkunde desselben Jahres befreite Richard von Cornwall die Stadt auf ewig von fremder Dienstbarkeit.
Militärisch ging die Eigenständigkeit im Spätmittelalter verloren. Im Weseler Krieg von 1390 und 1391, bei dem im Rheinland zum ersten Mal Feuerwaffen zum Einsatz kamen, musste die Stadt dem Trierer Erzbischof Werner von Falkenstein nachgeben. Schwer traf die Stadt der Pfälzische Erbfolgekrieg. Beim Abzug der französischen Truppen 1688 brannten ganze Straßenzüge nieder, darunter das Heilig-Geist-Hospital, Höfe geistlicher Niederlassungen und die beiden Rathäuser.
Zur mittelalterlichen Stadt gehörte auch eine jüdische Gemeinde, und ihre Geschichte endete in Gewalt. 1241 belegt eine Steuerliste eine jüdische Gemeinde im Ort. 1287 löste der ungeklärte Tod des sechzehnjährigen Tagelöhners Werner, der bei einer jüdischen Familie in Oberwesel arbeitete, antisemitische Ritualmordgerüchte aus, also die erfundene Beschuldigung, Juden hätten ihn getötet; christliche Bewohner erschlugen daraufhin viele ihrer jüdischen Nachbarn, und die Pogromwelle hielt zwei Jahre an und griff weit über die Region hinaus. Die Legende um den Toten hielt sich jahrhundertelang: Die Kapelle des Heilig-Geist-Hospitals erhielt erst später ein Wernerpatrozinium, 1656 taucht der Name Wernerkapelle erstmals in einer Urkunde auf, und ein Kurfürst ordnete auf Antrag des Magistrats einen jährlichen Wernertag an.
Der Mauerbau begann zwischen 1220 und 1250 und zog sich in drei Bauphasen bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts. Zuerst entstand ein niedriger Ring um die Kernstadt, dann wurde er erhöht und mit Schalentürmen bestückt; später kamen die Vorstädte hinzu. Ein hölzerner Maueranker aus dem Steingassenturm ließ sich dendrochronologisch auf das Jahr 1243 datieren — ein Befund, der ältere Annahmen zur Datierung korrigierte.

Bezahlt wurde das mit Wein, Fischfang, Handel und Handwerk. Wie wohlhabend die Stadt war, zeigt ihre kirchliche Ausstattung: zwei Stifte, Liebfrauen und Sankt Martin, dazu zwei Klöster und ein Beginenhof in der Kirchgasse. Die Minoriten bauten ab 1280 eine gotische Kirche, und um 1270 gründeten sie eine Heilig-Geist-Bruderschaft, aus der das erste Hospital der Stadt hervorging.
Die beiden Pfarrkirchen bestimmen bis heute die Silhouette. Die Liebfrauenkirche im Süden entstand im 14. Jahrhundert; Sankt Martin auf der höchsten Stelle des Ortes ist ein gotischer Bau von 1350 auf romanischem Vorgänger, wurde wegen der schlechten Finanzlage des Stifts aber nie fertiggestellt. Ihr Turm wurde im Weseler Krieg in die Stadtmauer einbezogen und ist damit ein Beispiel sakraler Wehrarchitektur. Über allem steht die Schönburg, deren Torturm heute ein Turmmuseum mit Aussichtsplattform beherbergt.
Einen Einschnitt in dieses mittelalterliche Stadtbild brachte im 19. Jahrhundert die Eisenbahn. Für die linksrheinische Bahnstrecke mussten 1857 bis 1859 auf Oberweseler Gemarkung zwei Tunnel gebohrt werden, der Kammerecktunnel mit 289 Metern und der Bettunnel mit 236 Metern; ihre Portale wurden den Burgen der Gegend nachempfunden. Gleichzeitig schüttete ein örtliches Tiefbauunternehmen einen fünf Meter hohen Damm von Sankt Goar bis Bacharach auf.

Die Geologie diktiert hier den Weinbau. Nördlich der Stadt knickt der Rhein nach Osten ab und bildet einen Prallhang; dessen nach Süd-Südosten gerichtete Steillage mit Lösslehm über Schiefer gibt am Oelsberg gute Bedingungen. Die Hänge direkt bei der Stadt dagegen sind nach Nordosten gerichtet und übersteil, sodass dort kaum etwas wächst — der Weinbau weicht in die südlich ausgerichteten Seitentäler aus.
Oberwesel zählt im Anbaugebiet Mittelrhein zu den großen Weinbaugemeinden. Zur Großlage Schloss Schönburg gehören 72 Hektar, verteilt auf Einzellagen wie den Oelsberg und die Sieben Jungfrauen. Die Weinberge sind steil terrassiert und zu etwa 80 Prozent mit Riesling bestockt, der Rest verteilt sich auf andere weiße und einige rote Sorten.
Der Bestand wird gepflegt, weil er sonst verschwindet. Im Oelsberg wurde eine sanfte Flurbereinigung durchgeführt und die neu bestockten Weinberge bekamen eine Bewässerungsanlage — beides sichert die Erträge in trockenen Sommern und spart den Winzern Arbeit. Von den rund sechzehn Weingütern am Ort sind einige seit über zweihundert Jahren in Familienbesitz, manche betreiben einen Gutsausschank in der Stadt.
Auch der Tourismus lebt von diesen Hängen. Auf der Schönburg liegt eine Jugendherberge mit 269 Betten, die im Jahr 2017 über 57.000 Übernachtungen verzeichnete; im September findet auf dem Marktplatz und in der Rathausstraße ein Weinmarkt statt, und die Weinhexennacht gehört zum Festkalender.
Wie das auf Reisende wirkte, hat Victor Hugo 1840 notiert. Er sah eine alte Stadt zwischen zwei Bergen, deren Mauern von Kanonen- und Kugellöchern übersät seien, lobte den Rotwein und nannte Oberwesel „ein alter Soldat, der zum Weinbauer geworden“. Das Bild hält bis heute: Die Wehrbauten stehen, aber gearbeitet wird in den Reben.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: WH
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Der Damm zerschnitt die rheinseitige Stadtmauer zwischen Ochsen- und Katzenturm, und das südliche Endstück zum Zehnerturm wurde abgerissen; der Torbogen versank bis zum Scheitel im Erdreich. Maler der Rheinromantik wie Christian Eduard Boettcher ignorierten die Trasse schlicht und zeigten das Panorama ohne sie. Wer heute auf der Mauer steht, hört den Güterverkehr und sieht, was die Stadt für ihre Anbindung bezahlt hat.







