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Rüdesheim am Rhein hatte am 31.12.2025 9.874 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 54 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Rüdesheim am Rhein
Rüdesheim am Rhein ist eine Weinstadt und liegt im hessischen Rheingau-Taunus-Kreis; am Fuß des Niederwaldes gelegen, Bingen am Rhein genau gegenüber, markiert sie das südliche Tor zum Mittelrheintal und zählt zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Die amtliche Ortshöhe beträgt 86 m, die Stadtfläche 51,41 Quadratkilometer. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 9.874 Einwohner.

Besiedelt war die Gegend um das heutige Rüdesheim bereits früh — erst durch Kelten, ab der Zeitenwende durch Ubier und danach Mattiaker; im ersten nachchristlichen Jahrhundert stießen die Römer bis an den Taunus vor. Sie legten in Bingen ein Kastell an, und drüben auf der anderen Rheinseite, dort wo heute Rüdesheim liegt, sicherte ein Brückenkopf den Weg zum Limes; auf die Römer folgten Alemannen, mit der Völkerwanderung dann Franken, und Gläserfunde der Archäologie aus jener Zeit deuten darauf hin, dass hier schon damals Wein wuchs. Wie groß und wo genau die ursprüngliche Siedlung lag — ein fränkisches Haufendorf —, zeigt der Verlauf der Straßen Klunkhardshof und Kleine Grabenstraße, die dieses Gebiet umschließen.
Die Veroneser Schenkung von 983 festigte die Position der Mainzer Erzbischöfe im unteren Rheingau, mithin auch in Rüdesheim: Ihr Besitz, die dort lebenden Menschen und der ihnen dienstbare Adel unterstanden fortan nicht mehr den Rheingrafen, sondern einer eigenen Gerichtsbarkeit. Immer mehr Adelige mit Grundbesitz in Rüdesheim begaben sich in der Folge unter die Lehenshoheit der Erzbischöfe; der Einfluss der Rheingrafen schwand, bis sie selbst lehensabhängig waren und der Erzbischof die Territorialherrschaft uneingeschränkt in Händen hielt.
Vom 15. bis ins 16. Jahrhundert blieben dem Rheingau Kriegszüge weitgehend erspart, wozu der Schutz des Rheingauer Gebücks beitrug, und Rüdesheim kam zu einigem Wohlstand; man erweiterte die Ringmauer von der Löhrstraße bis zur Steingasse und verstärkte sie mit mehreren Türmen, von denen allein der Adlerturm am Rheinufer, einst Pulverturm, die Zeit überdauert hat. Der wachsende Verkehr gab dem Ort besonderes Gewicht: Am steilen Rheinufer hörte die Landstraße auf, und wer weiter flussabwärts wollte, musste aufs Schiff, denn eine Rheinuferstraße nach Assmannshausen und Lorch existierte noch nicht; entsprechend gut lebten zahlreiche Rüdesheimer Schiffer vom Fracht- und Fährverkehr, als Lotsen und als Floßsteuerleute, und weil viele Reisende hier auf ein passendes Schiff warteten, entstanden im Ort zahlreiche Gasthöfe.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss endete 1803 die Herrschaft von Kurmainz über den Rheingau, und Rüdesheim fiel an das Herzogtum Nassau; am 4. April 1816 wurde der Ort Amtssitz des herzoglich nassauischen Amtes Rüdesheim, und am 1. Januar 1818 kamen die Stadtrechte hinzu. Preußen annektierte das Herzogtum Nassau 1867, und als man das Gebiet in Kreise gliederte, wurde Rüdesheim Sitz des neu geschaffenen Rheingaukreises und damit Kreisstadt. Heimlich vorbereitet, gliederten die Rüdesheimer Nationalsozialisten 1939 die bis dahin eigenständige Gemeinde Eibingen ein — gegen den Willen der dortigen Bevölkerung.
Erzbischof Bardo förderte den Weinbau im Rheingau und eigens in Rüdesheim erstmals planmäßig; auf Bitten der Bevölkerung gab er bergiges Gelände bei Rüdesheim und Eibingen zum Roden und Bebauen frei, damit dort Weinberge entstünden. Der große Schub kam ab 1074 unter Erzbischof Siegfried dem Ersten, der Wald in großem Umfang roden ließ — allerdings unter einer strikten Auflage: Im Rottland durften ausschließlich Weinberge angelegt werden. Was in den folgenden 150 Jahren gerodet wurde, legte im gesamten Rheingau und damit auch in Rüdesheim den Grund für den späteren Wohlstand; 1226 untersagte man weitere Rodungen im Rheingau, und von da an lebte Rüdesheim vor allem vom Wein und von der Schifffahrt, besonders der Flößerei.
Von Rüdesheim und Eibingen steigen sonnenbeschienene Südhänge zum Niederwald und zum Ebental an; im Osten fallen sie zunächst mäßig, zum Binger Loch im Westen hin immer schroffer aus, und bis auf etwa 250 Meter Höhe sind sie mit Reben bestockt. Auf den alten Weinbergterrassen zwischen Assmannshausen und der Burgruine Ehrenfels hat man den Weinbau fast ganz aufgegeben: Die Parzellen ließen sich nur zu Fuß über schmale Wege und Treppen erreichen, eine maschinelle Bewirtschaftung war damit ausgeschlossen, und in diesen Steillagen hat die Verbuschung begonnen.

Rüdesheimer Rieslinge und der Spätburgunder aus Assmannshausen werden in Straußwirtschaften, Weinstuben und anderen Formen der Weingastronomie ausgeschenkt — darauf baut die Vermittlung jener Lebensart auf, die zum Weingenuss gehört; dazu kommen Weinproben und Direktverkauf bei zahlreichen Winzern. Traditionell wird beim Rüdesheimer Weinfest die Weinkönigin samt ihren Prinzessinnen gekrönt, die anschließend bei vielen Veranstaltungen in der Stadt und außerhalb für Rüdesheim und seinen Wein stehen. In der Brömserburg erzählt das Rheingauer Weinmuseum die tausendjährige Weinbaugeschichte Deutschlands mit Schwerpunkt Rheingau; von der einst prägenden Weinbrennerei Asbach ist wenig geblieben, weil wesentliche Betriebsteile verlagert wurden — in der Stadt hält sich noch das Asbach Besucher Center.
Im Jahre 1877 legte Kaiser Wilhelm der Erste den Grundstein für das Niederwalddenkmal, das 1883 fertig wurde; das Nationaldenkmal lockte Besucher in Scharen, die anfangs auf Eseln, ab 1885 mit der dampfgetriebenen Niederwaldbahn und ab 1954 in einer Kabinenseilbahn zu dem hoch über der Stadt gelegenen Bau hinaufkamen — und allmählich verdrängte der Tourismus die Schifffahrt als Haupteinnahmequelle. Entworfen und im Monumentalstil ausgeführt haben es Johannes Schilling und Karl Weißbach; erinnert wird damit an die Deutsche Reichsgründung nach dem Deutsch-Französischen Krieg, die Kolossalstatue zeigt Germania, die Krone siegreich erhoben, das Schwert friedvoll gesenkt, und mit 38 Metern Gesamthöhe zählt das Monument zu den Sehenswürdigkeiten Hessens und zu den Nationaldenkmälern Deutschlands.
Eingeweiht wurde das Denkmal am 28. September 1883, und die Feier ging beinahe in einem Attentat unter. Auf derselben Feier versuchte eine Gruppe Anarchisten um August Reinsdorf und Emil Küchler, Kaiser Wilhelm den Ersten zu töten; der Anschlag scheiterte. Am Vortag hatten Küchler und Franz Reinhold Rupsch das Dynamit samt Zünder in einem Entwässerungsgraben versteckt; im entscheidenden Moment ließ sich die Zündschnur nicht anzünden, weil sie über Nacht feucht geworden war. Reinsdorf, der den Anschlag geplant hatte, lag zu dieser Zeit mit einer Beinverletzung im Krankenhaus. Nachdem Küchler und Rupsch im Dezember 1883 verhaftet worden waren, kam es vor dem Reichsgericht in Leipzig zum Prozess, in dem auch ein Anschlag auf die Rüdesheimer Festhalle am Abend der Einweihung verhandelt wurde.
Schon im ausgehenden 18. Jahrhundert führten die ersten touristischen Reisen Europas durch das romantische Rheintal; mit der Einweihung des Denkmals begann in Rüdesheim ein Tourismus-Boom, der bis heute anhält. Rund 380.000 Übernachtungen zählt die Stadt, knapp ein Drittel aller Übernachtungen im Rheingau-Taunus-Kreis; Gastronomie und Hotels ballen sich in der Altstadt rund um die Drosselgasse sowie in Assmannshausen, und wie beliebt der kleine Ort international ist, zeigt ein Anteil ausländischer Besucher von knapp 50 Prozent.
Seit 1954 führt eine Seilbahn zum Denkmal hinauf. Die Gondeln der Seilbahn legen bis zum Niederwalddenkmal 1.400 Meter zurück und überwinden dabei 209 Höhenmeter. Die heutige Anlage ersetzte 2004 die alte Bahn, sieht ihr äußerlich aber sehr ähnlich. Von Assmannshausen aus führt seit 1953 ein Doppel-Sessellift 900 Meter weit hinauf zum Jagdschloss Niederwald. Oben auf dem Niederwald liegt außerdem der Osteinsche Landschaftspark aus dem 18. Jahrhundert.

Nach dem Rupertsberg in Bingen rief Hildegard von Bingen im Stadtteil Eibingen ein zweites Kloster ins Leben; in der Eibinger Pfarrkirche sind ihre Gebeine aufgebahrt, und ihren Rang als Theologin des Mittelalters bestätigte 2012 Papst Benedikt der Sechzehnte, indem er sie zur Kirchenlehrerin erhob. Die Pfarrkirche St. Hildegard ist aus den Überresten des von ihr 1165 gegründeten Benediktinerinnen-Klosters hervorgegangen, und oberhalb des Stadtteils Eibingen liegt die Benediktinerinnenabtei St. Hildegard.
Die Benediktinerin Regintrudis Sauter stand als 36. Äbtissin von Rupertsberg und Eibingen 47 Jahre lang an der Spitze der 1904 neu gegründeten Abtei St. Hildegard und führte sie durch beide Weltkriege; 1952 ernannte Rüdesheim sie zur Ehrenbürgerin. Am 17. September führt der Hildegardistag als Wallfahrt zur Pfarrkirche Eibingen; 2014 hat die Stadt zudem den Hildegard-Weg ausgeschildert, einen knapp sieben Kilometer langen Rundweg um den Ort, an dessen wichtigen Punkten Erläuterungstafeln informieren.





Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: WH
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Zum schwarzen Tag der Stadt wurde der 25. November 1944, der Katharinentag: Ein schwerer Bombenangriff legte die Viertel rund um die katholische und die evangelische Pfarrkirche in Trümmer und kostete über 200 Menschen das Leben; noch Jahrzehnte später gilt der Katharinentag dem Gedenken an diesen Tag und an die Toten. Da die alten Häuser der Altstadt unversehrt blieben und rasch wiederaufgebaut wurde, fand Rüdesheim bald zu seiner Anziehungskraft für Gäste zurück; für die vielen Vertriebenen und Flüchtlinge entstanden neue Wohngebiete — 1953 die Siedlung Windeck, 1970 die Siedlung Trift, 1977 Rüdesheim-Ost. Am 1. Januar 1977 kamen die Gemeinden Assmannshausen und Presberg hinzu; zugleich gab Rüdesheim den Rang der Kreisstadt an Bad Schwalbach ab, weil Rheingaukreis und Untertaunuskreis zum Rheingau-Taunus-Kreis zusammengelegt wurden. Seit 2002 gehört Rüdesheim mit dem Oberen Mittelrheintal zum UNESCO-Welterbe.






