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Soest hatte am 31.12.2025 47.752 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 51 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Soest
Die Kirchen von Soest sind grün. Nicht bemoost, sondern aus grünem Stein: Der Grünsandstein, der bei Anröchte wenige Kilometer östlich gebrochen wird, gibt den Bauten eine Farbe, die man sonst nirgends in dieser Dichte sieht. Von zehn großen Kirchen und 28 Kapellen der Altstadt ist ein erheblicher Teil erhalten, sechs davon sind Hallenkirchen.
Die Stadt, die Ende 2025 47.752 Einwohner zählte, liegt auf halbem Weg zwischen Dortmund und Paderborn, mitten in der Soester Börde — einer der fruchtbarsten Landschaften Westfalens. Zwei Dinge haben sie groß gemacht: der Hellweg, der hier durchführt, und Salz aus den Solequellen der Nachbarschaft. Und ein drittes hat sie bewahrt, wie sie ist: Der wirtschaftliche Anschluss ging ihr verloren, und damit blieb ihr Baubestand liegen.
Am Kohlbrink, wo heute ein Kaufhaus steht, haben Archäologen Spuren gefunden, die belegen, dass hier spätestens um 600 Menschen lebten und Salz gewannen. Neben dem Salz spielte die Eisenverarbeitung eine Rolle beim Aufstieg der Stadt; die Handelsverbindungen ihrer Kaufleute reichten bis Nowgorod im heutigen Russland.
Soests Beitrag zur europäischen Rechtsgeschichte ist größer als seine Einwohnerzahl vermuten lässt. Früh schon wurde das Soester Stadtrecht schriftlich festgehalten; überliefert ist es als alte und neue Kuhhaut sowie als alte Schrae, und seine Vorbilder stammen vermutlich aus der Lombardei, vermittelt über Köln. Städte der Umgebung wie Korbach übernahmen es. Entscheidend war aber die Fernwirkung: Über das unter anderem von Soester Kaufleuten mitgegründete Lübeck ging es in abgewandelter Form als lübisches Recht in den gesamten Ostseeraum.
In der Hanse war Soest Prinzipalstadt des westfälischen Quartiers, neben Dortmund, Münster und Osnabrück. Der letzte örtliche Hansetag für die ihm zugeordneten Städte fand 1604 statt; auf einem allgemeinen Hansetag in Lübeck war Soest zuletzt 1608 vertreten.
Die Selbständigkeit gegenüber dem Kölner Erzbischof kostete die Stadt am Ende ihre Kraft. Bereits 1225 hatten die Einwohner die erzbischöfliche Pfalz gewaltsam entfestigt; im 15. Jahrhundert unterstellte sich Soest dem Schutz Johanns I. von Kleve, der ihm weitgehende Unabhängigkeit zusagte. Der Sieg über die Belagerer des Erzbischofs in der Soester Fehde von 1444 bis 1449 war ein Pyrrhussieg: Die Stadt lag nun von fremdem Gebiet umgeben, verlor Handel und Einfluss und sank zur Ackerbürgerstadt herab. 1756 zählte sie nur noch rund 3600 Einwohner.
Noch einmal kurz sah es anders aus. 1843 hatte Soest mit 8750 Einwohnern mehr als Dortmund mit 7650, und 1846 war es immer noch größer als Essen und Duisburg. Dann kam die Industrialisierung des Ruhrgebiets, und Soest wurde überflügelt.
Bewahrt hat der Rückstand nicht alles. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden wichtige Baudenkmäler niedergelegt: drei Kirchen, Teile des mittelalterlichen Rathauses und neun von zehn Stadttoren. Trotz dieser Verluste blieb ein bedeutender Bestand erhalten. Erhalten blieb das innere Osthofentor, in dem heute ein städtisches Museum sitzt.
Die Stadtmauer, um 1180 errichtet, hatte einmal 3,8 Kilometer Umfang, 26 Türme und zehn Tore; 2,5 Kilometer davon stehen noch, der Nordabschnitt wurde 1890 den Bahngleisen geopfert. Die bepflanzten Wälle und die vorgelagerte Gräfte lassen sich vollständig umrunden, bis hin zum Kattenturm.

Innerhalb dieses Rings stehen heute über 600 Gebäude unter Denkmalschutz. Die Gassen sind oft von Grünsandsteinmauern eingefasst, manche Häuser nur wenige Meter breit; bei älteren Fachwerkbauten liegt die Zimmerhöhe deutlich unter zwei Metern, weshalb man bei Sanierungen inzwischen ganze Häuser anhebt. Eine Fachwerkstadt war Soest dabei nicht immer: Erst mit dem wirtschaftlichen Niedergang ab dem 15. Jahrhundert wurde der teurere Steinbau durch Fachwerk ersetzt.
Die Kirchen sind das eigentliche Erbe. Der St.-Patrokli-Dom, die Wiesenkirche aus dem 14. Jahrhundert mit ihren Glasfenstern des 16. Jahrhunderts, St. Petri, St. Maria zur Höhe, das Hohe Hospital und die Nikolaikapelle stehen dicht beieinander. Conrad von Soest und seine Schüler haben in St. Petri und in der Wiesenkirche Tafelbilder hinterlassen, die zu den Hauptwerken der westfälischen Malerei gehören. 1531 führte die Stadt, vermittelt über Philipp Melanchthon, die Reformation ein; seither sind alle diese Kirchen evangelisch, bis auf den Patroklidom. Aus der Wiesenkirche fehlt eine Figur: 1661 ließ der Kölner Erzbischof als Strafe für einen Soester Jagdfrevel auf kurkölnischem Gebiet die Madonnenstatue aus der Wiesenkirche nach Werl bringen; die dortige Wallfahrt zieht bis heute Hunderttausende an.

Einmal im Jahr verschwindet die mittelalterliche Ruhe unter Fahrgeschäften. Die Allerheiligenkirmes beginnt am ersten Mittwoch nach Allerheiligen, dauert fünf Tage und zieht sich durch große Teile des mittelalterlichen Stadtkerns; im November 2012 fand sie zum 675. Mal statt.

Ihre Symbolfigur hat einen literarischen Ursprung. Jedes Jahr wird ein Jägerken von Soest ernannt — der Jäger von Soest ist eine Hauptfigur des 1669 erschienenen Simplicissimus von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, eines Romans, der im Dreißigjährigen Krieg spielt. Eine Stadt, die ihr Maskottchen aus einem Schelmenroman des Barock bezieht, hat ein eigenes Verhältnis zu ihrer Geschichte.
Ein zweiter Brauch gehört dem Sommer. Das Bürgerschützenfest, ausgerichtet von einem Verein mit Ursprung im Spätmittelalter, ist immer am ersten Samstag nach Johanni; zum Auftakt werden zwei bekannte Soester Bürger und ein Schützenbruder in den Großen Teich gewippt.
Kulinarisch stehen Pumpernickel und Möppkenbrot für die Börde, auch wenn mehrere westfälische Städte die Erfindung des schwarzen Brotes für sich beanspruchen; eine Soester Bäckerei verweist auf eine Betriebstradition seit 1570. Das Bullenauge, ein Mokkalikör, ist deutlich jünger und gehört zur Kirmes.
Neben Kirmes und Kirchen hat die Stadt heute eine Hochschule. Auf einem früheren Kasernengelände der belgischen Streitkräfte liegt ein Campus der Fachhochschule Südwestfalen mit Agrarwirtschaft, Elektrotechnik und Maschinenbau; im Sommersemester 2023 waren dort 3320 Haupthörer eingeschrieben.







Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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