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Wetzlar hatte am 31.12.2025 54.865 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 62 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Wetzlar
Wetzlar liegt an der Lahn, kurz oberhalb der Stelle, an der die Dill einmündet. Das Stadtgebiet umfasst 75,65 Quadratkilometer und steigt vom Fluss auf die Höhen beiderseits des Tals; die Kernstadt liegt auf 156 m. Am 31. Dezember 2025 zählte Wetzlar 54.865 Einwohner. Hier treffen drei Mittelgebirge aufeinander: südlich der Lahn der Taunus, nördlich der Lahn und westlich der Dill der Westerwald, nördlich der Lahn und östlich der Dill das Gladenbacher Bergland.
Drei Dinge haben diese Stadt über ihre Größe hinaus bekannt gemacht, und sie haben wenig miteinander zu tun. Von 1689 bis 1806 tagte hier das höchste Gericht des Heiligen Römischen Reiches. Ein Praktikant an diesem Gericht schrieb später einen Briefroman, der in ganz Europa gelesen wurde. Und aus einem optischen Institut wuchs eine Industrie, deren Namen heute noch auf Kameras und Ferngläsern stehen.
Der Untergrund passt dazu: Wetzlar sitzt am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges, und die Gesteine, die hier vor Urzeiten in einem Meer mit Inselketten, Vulkanen und Atollen abgelagert wurden, stecken als Baumaterial in den Häusern der Altstadt.
Der Anfang liegt auf einem Hügel über dem Fluss. Dort, wo später der Domhügel mit dem Marienstift entstand, lag eine Marktsiedlung, die Händler und Handwerker anzog. Ein Konradiner namens Gebhard, seit 904 Herzog von Lothringen und zuvor Graf in der Wetterau, ließ dort 897 eine Salvatorkirche weihen, die ältere Bauten ablöste; 914 stiftete er ein Marienkloster, in dem er später selbst bestattet wurde. Anfang des 10. Jahrhunderts gründeten seine Söhne Hermann und Udo das Marienstift, ein Kollegiatstift. Als frühe urkundliche Ersterwähnung gilt eine Schenkung Ingolds an das Kloster Lorsch aus dem Jahr 832, festgehalten im Lorscher Codex.
Reichsstadt wurde Wetzlar durch die Staufer. Kaiser Friedrich Barbarossa richtete im Wetzlarer Gebiet eine Reichsvogtei ein und stellte die Bürger 1180 den Frankfurter Bürgern gleich; damit war die Stadt reichsunmittelbar und blieb es bis 1803. Zum Schutz der Stadt und der Wetterau als Reichsland baute er hoch über dem Ort die Reichsburg Kalsmunt weiter aus, auf der die kaiserlichen Münzen für Wetzlar geprägt wurden. 1286 machte König Rudolf von Habsburg den Grafen Adolf von Nassau zum Burghauptmann auf Kalsmunt; Adolf behielt das Amt, bis er selbst zum König gewählt wurde, und gab es 1292 an Gottfried von Merenberg weiter.
Der Wohlstand kam vom Eisen, von Wolle und Leder. Bis etwa 1350 wuchs die Stadt auf rund 6000 Einwohner und war damit nach Frankfurt die zweitgrößte der Region. Ausgrabungen hinter dem Dom haben Keramik, Glas, Trachtbestandteile, Handwerksgeräte, Speiseabfälle und Münzen zutage gefördert, dazu Flachdarren und zwei Kalkbrennöfen des 13. Jahrhunderts, die Mörtel für eine rege Bautätigkeit lieferten. Der Deutsche Orden ließ sich 1285 in Wetzlar nieder und blieb bis 1809. Die erste urkundliche Erwähnung von Juden in Wetzlar stammt aus einer Königsurkunde vom 9. Juli 1277; vom alten jüdischen Friedhof zeugt bis heute ein eigenes Kulturdenkmal. Nach Wetzlar kam 1285 ein Hochstapler namens Dietrich Holzschuh, genannt Tile Kolup, der sich für den längst verstorbenen Friedrich den Zweiten ausgab; die Stadtoberhäupter nahmen ihn fest, lieferten ihn aus, und er wurde in Wetzlar als Zauberer, Ketzer und Gotteslästerer verbrannt.
Dann ging es abwärts. Eine jahrzehntelange Fehde mit den Grafen von Solms bedrohte die Handelsstraßen, weshalb im Norden zwischen 1373 und 1379 die Burg Hermannstein entstand. 1387 fiel die verschuldete Stadt unter Zwangsverwaltung, wurde aber in den Rheinisch-Schwäbischen Städtebund aufgenommen; bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges sank die Einwohnerzahl auf 1500. Die Erbvogtei ging 1378 und 1393 an Hermann den Zweiten von Hessen, genannt der Gelehrte — von da an war der Schutz Wetzlars ein landgräflich hessisches Lehen des Reichs, und bei jedem Regierungsantritt musste die Bürgerschaft dem Landgrafen huldigen.
Als Praktikant am Reichskammergericht eingeschrieben war Johann Wolfgang Goethe von Mai bis September 1772. Es waren fünf Monate in einer Kleinstadt, die durch das Gericht voller auswärtiger Juristen war.

Aus dieser Zeit stammt eine glücklose Romanze mit Charlotte Buff, die Goethe den Stoff für seinen Erstlingsroman gab: Die Leiden des jungen Werther. Der Roman machte Wetzlar weltweit bekannt — eine Bekanntheit, die sich die Stadt nicht ausgesucht hat und seither pflegt. An die Geschichte erinnert das Lottehaus am Deutschordenshof in der Lotte-Straße.
Eisen ist in Wetzlar keine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Schon aus der keltischen Latènezeit sind Eisenerzgewinnung und -verhüttung in und um die Stadt nachgewiesen; die Tradition reicht damit rund zweieinhalb Jahrtausende zurück. Auch Kupfer, Silber und Gold gab es, wenn auch viel später, in Grubenfeldern der Umgebung. An den mittelalterlichen Handel mit den hiesigen Eisenerzeugnissen erinnert bis heute der Eisenmarkt.
Die moderne Industrialisierung setzte dennoch erst ein, als die Lahn um 1850 durch Schleusen schiffbar gemacht wurde. Dazu entstand 1849 ein Schleusenkanal, der die Wehre bei der Hausertorbrücke und unterhalb der Alten Lahnbrücke umging und quer durch das heutige Stadtzentrum verlief. Entscheidend waren dann die Bahnen: Anfang der 1860er Jahre gingen zwei Linien in Betrieb, die sich hier kreuzten: die Lahntalbahn nach Limburg und Koblenz und die Köln-Gießener Eisenbahn; später kam die Berlin-Wetzlarer Eisenbahn hinzu, im Volksmund Kanonenbahn. 1878 bekam die Stadt damit Anschluss an ferne Rohstoff- und Absatzmärkte.

Wie dicht der Bergbau war, zeigt eine Zahl: 1869 waren allein im Stadtgebiet mit seinem Bergamt und Bergrevier 100 Erzbergwerke in Betrieb. 1872 nahmen die Gebrüder Buderus den ersten Wetzlarer Hochofen in Betrieb, und über hundert Jahre lang verarbeitete die Sophienhütte den im Lahn-Dill-Gebiet gefundenen Roteisenstein. Ab 1887 wurden die Erzbergwerke nach und nach stillgelegt; billigere ausländische Erze aus dem Tagebau beschleunigten den Prozess, und 1926 kam der Wetzlarer Bergbau ganz zum Erliegen. Als 1981 der letzte Hochofen von Buderus ausgeblasen wurde, endete die Roheisenerzeugung in der Stadt.
Das zweite Standbein ist jenes, dessen Namen heute auf Kameras und Ferngläsern stehen, und es wuchs aus einer Werkstatt. Das Optische Institut Carl Kellners war die Keimzelle einer optischen und feinmechanischen Industrie mit Unternehmen wie Leitz, Hensoldt, Minox, Pfeiffer, Loh, Christian Kremp, Seibert, Wilhelm Will, Hollmann und Leidolf. Ernst Leitz der Zweite, der von 1871 bis 1956 lebte, verwirklichte mit der Leica die erste international erfolgreiche Großserien-Kleinbildkamera der Welt. Aus der Blütezeit Wetzlars als Leitz- und später Leica-Stadt stammen die Villen von Leitz, Kellner und Barnack in den Vierteln rund um die Altstadt. Heute zeigt die Leica-Welt ein Museum über die Kameramarke, ihre Technik und Geschichte.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW, DZT_GOETHE
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Ein Glücksfall war 1689 die Verlegung des Reichskammergerichts, des höchsten Gerichts des Heiligen Römischen Reiches, nach Wetzlar. Das Gericht nutzte als Sitz und Kanzlei ein Gebäude, das in der Mitte des 14. Jahrhunderts als Rathaus errichtet worden war; später zog es ins gegenüberliegende Herzogliche Haus und schließlich ins Von Ingelheim’sche Palais. In seiner Zeit setzte sich für die Stifts- und Pfarrkirche der Name Dom durch, weil der Kurerzbischof von Trier ihr Stiftspropst war. Mit der Auflösung des Reichs 1806 endete seine Existenz. Heute erinnert ein Museum des Reichskammergerichts an diese Zeit, dem eine Forschungsstelle des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte zugeordnet ist. Die Reichsunmittelbarkeit war schon 1803 dahin: Der Reichsdeputationshauptschluss schlug Wetzlar als Grafschaft dem Staat des Reichserzkanzlers Karl Theodor von Dalberg zu und 1810 dessen Großherzogtum Frankfurt; 1815 fiel das Gebiet nach dem Wiener Kongress an Preußen, und ab 1822 saß hier der Landrat des neu geschaffenen Kreises.

Derselbe Fabrikant rettete Menschen. Als 1933 in Wetzlar 132 Juden lebten und ihre Zahl bis 1939 auf 46 sank, vermittelte Leitz mehreren Dutzend von ihnen Stellen in internationalen Dependancen und befreundeten Unternehmen und entzog sie so dem Zugriff der Nationalsozialisten; er gilt seither als der Wetzlarer Schindler. Etwa die Hälfte der Wetzlarer Juden wurde gleichwohl über eine Frankfurter Gestapo-Dienststelle in Vernichtungslager deportiert. In der Rüstungsindustrie mussten Zwangsarbeiter arbeiten, teils in unterirdischen Produktionshallen wie dem Hausertorstollen; Schätzungen zufolge hielten sich gegen Kriegsende etwa 10.000 Ausländer als Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene im Stadtgebiet auf.
Die Luftangriffe trafen vor allem Bahnhofsviertel und Niedergirmes; die historische Altstadt überstand den Krieg, vom Dom abgesehen, weitgehend unversehrt.






