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Wilhelmshaven hatte am 31.12.2025 75.324 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 38 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Wilhelmshaven
Wilhelmshaven ist keine gewachsene Stadt, sondern eine bestellte. Preußen hatte beim Wiener Kongress Ostfriesland und damit seinen Zugang zur Nordsee verloren; am Jadebusen lag tiefes Wasser dicht unter der Küste, und genau dort kaufte es dem Großherzogtum Oldenburg 1853 ein Stück Marschland ab. Was danach kam, kam nach Plan: Schleusen, Hafenbecken, Werftanlagen und ein rechtwinkliges Straßenraster stammten vom Zeichenbrett des Wasserbauingenieurs Gotthilf Hagen, dessen Entwurf den Grundriss des Stadtkerns bis heute bestimmt.
Die Stadt liegt im Mittel 2 Meter über dem Meeresspiegel, eingefasst von Jadebusen und Innenjade, durchzogen von der Maade und am östlichen Ende des Ems-Jade-Kanals. Ende 2025 zählte die Stadt 75.324 Einwohner. Drei Kräfte haben diesen Ort geformt: die Marine, von deren Werft das Erwerbsleben lange fast vollständig abhing, der Bombenkrieg, der die Stadt zerstörte, und das Rohöl, das neue Großbetriebe brachte und mit ihnen eine neue Abhängigkeit. Wer über die Kaiser-Wilhelm-Brücke geht, überquert genau die Nahtstelle, an der sie alle drei zusammenlaufen.
Der Jade-Vertrag wurde am 20. Juli 1853 geschlossen. Preußen erwarb darin vom Großherzogtum Oldenburg ein Gebiet von 313 Hektar am Jadebusen, ausdrücklich zur Anlage eines Marinestützpunktes. Am 23. November 1854 übergab Oldenburg das gekaufte Land an Prinz Adalbert von Preußen, den Admiral der preußischen Marine; amtlich hieß es nun Königliches Preußisches Jadegebiet.

Der Vertrag enthielt eine Klausel, die das spätere Stadtbild erklärt: Ansiedeln durfte sich nur, wer unmittelbar mit dem Hafenbau oder der Versorgung der Schiffe zu tun hatte. Wer diese Genehmigung nicht bekam, baute jenseits der Grenze. So entstand nördlich der Hafenanlagen der oldenburgische Ort Neu-Heppens ohne jede Ordnung, während südlich davon auf preußischem Boden das sorgfältig vermessene Roonstraßenviertel wuchs. Ein geplantes und ein wildes Wilhelmshaven lagen von Anfang an nebeneinander.
Den Namen bekam der Ort am Tag seiner Einweihung, dem 17. Juni 1869, und zwar in einer Urkunde, die bei der Grundsteinlegung der Elisabethkirche — der heutigen Christus- und Garnisonkirche — eingemauert wurde. Ihr Verfasser, der Hafenbaudirektor Heinrich Wilhelm Goeker, schrieb den Namen niederdeutsch mit einem v, wie es auch Bremerhaven und Cuxhaven tun. In Berlin hielt man das für einen Schreibfehler und machte ein f daraus. Goeker bemerkte die Änderung am Gründungstag, wandte sich an General Albrecht von Roon, und der König ließ das v wieder einsetzen.
Nach der Reichsgründung 1871 bestimmte die Verfassung Wilhelmshaven an der Nordsee und Kiel an der Ostsee zu Reichskriegshäfen. 1873 folgten die Stadtrechte, 1888 die Fertigstellung des Ems-Jade-Kanals. Der eigentliche Sprung kam mit den Großkampfschiffen: Weil die neuen Rümpfe nicht mehr durch die alten Schleusen passten, wurde von 1900 bis 1909 die Werft vergrößert, das Wattgebiet südlich der Stadt eingedeicht und eine dritte Einfahrt gebaut. Am 15. Oktober 1909 schleusten dort die Schiffe Nassau und Westfalen als erste hindurch. Aus derselben Bauphase stammt die Kaiser-Wilhelm-Brücke, die heute unter Denkmalschutz steht.
Die Novemberrevolution begann nicht in Wilhelmshaven, aber sie begann auf den Schiffen davor. Nachdem die Admiralität am 24. Oktober 1918 den Befehl zu einer letzten Entscheidungsschlacht vorbereitet hatte, meuterten am 29. und 30. Oktober einzelne Besatzungen der auf Schillig-Reede liegenden Flotte. Wenige Tage später erhoben sich die Matrosen in Kiel. In der Doppelstadt Wilhelmshaven-Rüstringen zogen am 6. November 1918 über 20.000 Menschen auf die Straße, Werftarbeiter neben Marineangehörigen und Zivilisten; aus der Demonstration ging ein Arbeiter- und Soldatenrat hervor, dessen ausführendes Organ der 21er-Rat unter Bernhard Kuhnt war. Am 10. November 1918 erklärte dieser Rat vor rund 100.000 Demonstranten die Nordseestation samt den umliegenden Inseln und dem Oldenburger Land zur sozialistischen Republik und setzte den Großherzog ab. Friedrich August dankte am 11. November 1918 tatsächlich ab.
Die Republik hielt keine drei Monate. Am 27. Januar 1919 besetzten Anhänger der KPD Bahnhof, Post, Fernsprechamt, Reichsbankstelle und beide Rathäuser und raubten über 7 Millionen Mark. Reguläre Truppen stellten die Ordnung noch am selben Tag wieder her; die Putschisten verschanzten sich in einer Kaserne und gaben erst unter Artilleriebeschuss auf. Acht Tote und 46 Verwundete blieben zurück, Kuhnt verlor sein Amt.
Die Zwischenkriegsjahre trafen eine Stadt, deren Erwerbsleben fast vollständig an der Werft hing. Der Versailler Vertrag verbot der Werft zunächst den Neubau, eine Hochseefischereiflotte scheiterte 1922, und der kurze Abwrackboom endete mit der Rentenmark. Was blieb, war der Versuch, mit dem Slogan von der grünen Stadt am Meer ein Seebad für den Mittelstand aufzubauen: Am 16. Juni 1928 wurde die Strandanlage am Südstrand eingeweiht, deren verklinkerte Häuser und die Strandhalle noch heute als Ensemble zu erkennen sind. Aus derselben Zeit stammen der Kurpark und der Ehrenfriedhof.
Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz wurden das preußische Wilhelmshaven und das oldenburgische Rüstringen zum 1. April 1937 zu einer Stadt vereinigt. 1940 erreichte die Bevölkerung mit 133.041 ihren höchsten Stand. Danach kam der Krieg zurück: mehr als 100 Luftangriffe, davon 16 Großangriffe, am Ende 60 % der Wohnfläche in Trümmern. Dass die Zahl der Luftkriegstoten mit 435 vergleichsweise niedrig blieb, lag an rund 300 Bunkern im Stadtgebiet, von denen etliche noch stehen.

Was die Bomben übrig gelassen hatten, sprengten die Sieger. Im Rahmen der Operation Bailiff wurden bis zum Frühjahr 1950 sämtliche Werft- und Kaianlagen, Docks und Schleusen einschließlich der neuen vierten Einfahrt zerstört; nur die kleinste Einfahrt blieb stehen. Die Folge war messbar: Im Arbeitsamtsbezirk der Stadt waren im Juni 1952 genau 24,3 % der Erwerbsfähigen ohne Arbeit, im Bundesdurchschnitt nur 7,6 %.
Die erste Etappe danach war der Wiederaufbau, und er lief über zwei Wege. Der eine war die Marine: 1956 wurde Wilhelmshaven wieder Marinehafen, ab 1957 entstand auf dem Trümmergelände der alten Werft das Marinearsenal, und am 4. Oktober 1964 nahm die wiederaufgebaute vierte Einfahrt den Betrieb auf. Der andere Weg war das Rohöl. Im November 1956 wurde die Nord-West-Oelleitung gegründet, um Raffinerien im Emsland und im Rhein-Ruhr-Gebiet zu versorgen; am 29. November 1958 löschten die ersten Tanker ihre Ladung an der Jade.
Die zweite Etappe brachte Wachstum und Verluste zugleich. Die Ölwirtschaft brachte in den 1970er Jahren weitere Großbetriebe auf die neu gewonnenen Grodenflächen — ein Kraftwerk, eine Chloralkali-Elektrolyse, eine Raffinerie, ein Chemiewerk. Sie brachte auch die Abhängigkeit davon. Nach der Ölkrise von 1979 wurde die Raffinerie am 1. April 1985 stillgelegt und erst 1991 unter neuem Eigentümer wieder angefahren. Den härteren Schlag setzte ein anderer Betrieb: Als AEG und Daimler-Benz im Oktober 1991 den Rückzug aus der Bürokommunikation beschlossen, standen rund 3600 Arbeitsplätze der Olympia-Werke zur Disposition. Der Standort schloss Ende 1992. Aus dem Arbeitskampf ging ein Technologiezentrum hervor, das Ende 2015 mit 60 Unternehmen und über 3000 Beschäftigten annähernd wieder dort stand, wo die Werke gewesen waren.

Die dritte Etappe ist der Containerhafen. Das jüngste Großprojekt liegt im Norden der Stadt: Der JadeWeserPort ging am 21. September 2012 in Betrieb, nach 16 Jahren Vorbereitung und viereinhalb Jahren auf der Baustelle; Niedersachsen, Bremen und der Betreiber Eurogate haben rund eine Milliarde Euro hineingesteckt. Ob er die Stadt auf Dauer trägt, wird sich an seinem Umschlag zeigen.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT_SEA
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.

Die Zählung der Einfahrten erzählt diese Geschichte in Zahlen: Man nummerierte sie später von West nach Ost durch, weshalb die zuerst gebaute Einfahrt heute die zweite heißt. Wer in Wilhelmshaven nach Spuren sucht, findet sie an solchen Stellen — am Molenfeuer der dritten Einfahrt, am Gezeitenanzeiger im Hafen, an der ehemaligen Lotsenwachstation und am Fort Rüstersiel.
Neben dem Luftkrieg stand die Verfolgung. Das KZ Neuengamme unterhielt ab September 1944 ein Außenlager am Alten Banter Weg; in vier Baracken waren 1.125 Männer eingepfercht, mindestens 234 überlebten es nicht. Ein Teil des Geländes ist heute Gedenkstätte, ebenso der Synagogenplatz.
Von den Marinesoldaten, die einst in Tsingtau stationiert waren, hat Wilhelmshaven seinen Spitznamen geerbt: Schlicktau, aus dem Schlick des Wattenmeers und dem Wortende jener chinesischen Hafenstadt. Mit deren Nachfolgerin Qingdao verbindet die Stadt heute eine Partnerschaft.






