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Wittenberg hatte am 31.12.2025 44.937 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 44 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Wittenberg
Wittenberg an der Elbe war Residenz der sächsischen Kurfürsten und Sitz einer Universität, an der Martin Luther lehrte; von hier ging die Reformation aus. Das Stadtzentrum und der überwiegende Teil des Stadtgebiets liegen am Nordufer der Elbe. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 44.937 Einwohner auf 240,41 Quadratkilometern.

In einer Urkunde vom 12. April 965, vermutlich einer Fälschung des Jahres 1000, heißt die Gegend, in der Wittenberg heute liegt, slawischer Gau Nizizi; verlässlich auf das heutige Stadtgebiet beziehen lassen sich erst Erwähnungen der Jahre 973 und 1004, und der Name Wittenberg taucht womöglich schon 1174 auf, als von einem Grafen Thiedrich von Wittburc die Rede ist.

Eng verbunden ist die Entwicklung der Stadt mit der Politik der Askanier: Bernhard von Sachsen erhielt 1180 die sächsische Herzogswürde, sein Sohn Albrecht erbte darauf das Gebiet um Wittenberg, und einer Urkunde vom 11. September 1227 zufolge stiftete dessen Gemahlin Helena von Sachsen ein Franziskanerkloster — ein Zeichen dafür, dass die Gemarkung bei den Askaniern einen besonderen Rang hatte. Albrecht der Zweite wollte sich die Treue seiner Untertanen sichern und gab Wittenberg deshalb am 27. Juni 1293 das Stadtrecht; damit war die Grundlage für die Entwicklung eines Bürgertums gelegt.
Durch den weiteren Erwerb von Gerechtsamen wuchs das Gewicht der Wittenberger Bürger, und es bildete sich eine Selbstverwaltung heraus, die 1317 zum ersten Mal als Rat belegt ist; 1332 kam die niedere Gerichtsbarkeit hinzu, 1354 das Marktrecht, 1380 die Fährordnung, und da mit dem Stadtrecht auch die Erlaubnis zum Mauerbau verbunden war, konnten die Hussiten die Stadt 1429 zwar belagern, aber nicht nehmen. Vor allem Rudolf der Erste brachte Sachsen-Wittenberg durch geschickte Territorialpolitik 1356 vom Herzogtum zum bestätigten Kurfürstentum; mit dem Tod Albrechts des Dritten fiel die sächsische Kurwürde 1422 jedoch an die Wettiner, und damit war auch der Rang einer kurfürstlichen Residenz dahin.
Mit dem Regierungsantritt des ernestinischen Kurfürsten Friedrich des Weisen setzte 1486 die Blütezeit der Stadt ein: die reichen Einkünfte aus dem erzgebirgischen Silberbergbau gaben ihm die Mittel, Wittenberg baulich so umzugestalten, dass es seinem Anspruch nach mit der Meißener Albrechtsburg mithalten konnte. Die hölzerne Elbbrücke von 1487 sicherte der Kurfürst ab 1490 durch ein neues, dreiflügeliges Renaissanceschloss ab und beherrschte damit den Südzugang der Stadt; sie hatte einen Vorgängerbau ersetzt, den 1428 schwerer Eisgang zerstört hatte. Weil ein Umbau der alten Askanierburg zu aufwändig gewesen wäre, ließ Friedrich sie 1489 niederlegen; wie sie aussah, weiß man deshalb heute nicht mehr.
Die Schlosskirche diente sowohl als Aufbewahrungsort von Friedrichs Reliquiensammlung — dem sogenannten Wittenberger Heiltum — und darüber hinaus als Grablege der Kurfürsten aus ernestinischer Linie; jeden zweiten Sonntag nach Ostern stellte der Kurfürst die Reliquien den Pilgern öffentlich zur Schau, und nach spätmittelalterlichem Verständnis wurden Gläubigen Sündenstrafen erlassen, wenn sie die Stücke betrachteten und dabei spendeten. Die Wittenberger Heiltumsbücher von 1509, per Buchdruck im ganzen Reich verbreitet, hielten auf 119 Holzstichen von Lucas Cranach 5005 Reliquien der Schlosskirche fest; die Pilger konnten sich damit insgesamt 501.300 Tage Sündenvergebung sichern.
Selbst nach dem Thesenanschlag Martin Luthers erweiterte Friedrich die Sammlung weiter — er wollte vermeiden, dass seine sächsischen Untertanen ihr Geld an Wallfahrtsorten jenseits der Landesgrenze ließen. Durch seine Spenden wurden jährlich 8994 Messen in der Schlosskirche gelesen, 81 Kleriker fanden dort Beschäftigung, und das Gotteshaus ließ er mit venezianischen Scheiben und 20 Altären ausstatten; 1525 wurde er selbst dort beigesetzt, 1532 auch Kurfürst Johann.
Als Beginn der Reformationsbewegung gilt gemeinhin der Anschlag von Luthers 95 Thesen am Eingangsportal der Schlosskirche im Jahr 1517 — ob dieser Thesenanschlag aber wirklich stattfand, ist strittig. Erwähnt hat den Anschlag zuerst Philipp Melanchthon, und zwar 1546, als Luther schon tot war; Melanchthon selbst war kein Augenzeuge. Für die Überlieferung spricht, dass Einladungen zu akademischen Disputationen damals an Kirchentüren ausgehängt wurden.
Als Geburtsort der Reformation gewann Wittenberg weiter an Gewicht, nachdem Luther sich vor dem Elstertor von der römisch-katholischen Kirche losgesagt hatte, indem er das päpstliche Kirchenrecht und die Bannandrohungsbulle Exsurge Domine Leos des Zehnten verbrannte; hinzu kamen die Ereignisse der Wittenberger Bewegung. Auch wenn Wittenberg nach dem Tod Friedrichs des Weisen die sächsische Hauptstadtrolle an Torgau abtreten musste, blieb es das Zentrum der Reformationsbewegung — zu sehen an der Wittenberger Konkordie und an der Entstehung der ersten Lutherbibel. Die Franziskaner hatten sich, vor allem auf Betreiben des Jüterboger Konventes, gegen die Reformation gestellt; ihr Wittenberger Kloster mussten sie 1535 aufgeben, nachdem dort seit 1530 nur noch ein Bruder gelebt hatte. Die Stadtkirche St. Marien, die Schlosskirche, das Lutherhaus und das Melanchthonhaus zählen seit 1996 zum UNESCO-Welterbe: zusammen mit Luthers Geburts- und Sterbehaus in Eisleben kamen sie nach den Kriterien vier und sechs auf die Welterbeliste.

Da das ernestinische Kurfürstentum Sachsen seit der Leipziger Teilung von 1485 ohne eigene Landesuniversität dastand, rief Friedrich der Weise 1502 in Wittenberg eine ins Leben; die Stiftungsurkunde vom 6. Juli 1502, mit der König und späterer Kaiser Maximilian die Gründung bestätigte, war ein Novum, denn bis dahin hatte die Erlaubnis dazu entweder allein der Papst oder Kaiser und Papst gemeinsam erteilt. Die päpstliche Anerkennung erfolgte erst am 20. Juni 1507, doch weil der Kurfürst die Hochschule unter seinen Schutz nahm, konnte die Kirche nicht unmittelbar auf sie zugreifen; diese ungewöhnliche Freiheit erlaubte es der Einrichtung, sich im Geist des Humanismus von den mittelalterlichen Bildungstraditionen zu lösen.
Weitere Bauten unterstützten diese Tendenz: 1503 das Fridericianum als erstes Universitätsgebäude und 1504 das Schwarze Kloster der Augustinereremiten, die sich mit den ebenfalls in Wittenberg ansässigen Franziskanern drei Professuren teilten. Martin Luther wurde im Jahr 1508 durch einen Gründungsprofessor der Universität, Johann von Staupitz, in die sächsische Residenzstadt geholt, um sein Theologiestudium fortzusetzen; fast vierzig Jahre lang wohnte er im hiesigen Augustiner-Eremitenkloster, von 1508 bis 1546 mit einer kurzen Unterbrechung, und in dessen Turmstube hatte er erstmals einen eigenen, sogar heizbaren Raum, in dem er allein und unbeobachtet arbeiten konnte.
Da die Stadt anders als Straßburg, Augsburg oder Nürnberg über kein finanzkräftiges Bürgertum verfügte, spielte der Buchdruck hier anfangs überhaupt keine Rolle; erst zwei Professoren der Universität brachten ihn mit ihren Hausdruckereien in Gang — 1508 zog der Drucker Johann Rhau-Gronenberg zu, dessen Werkstatt im Augustinerkloster untergebracht war und Vorlesungstexte für Studenten vervielfältigte. In den Jahren 1513, 1515, 1516 und 1517 ließ der Theologieprofessor und spätere Reformator Martin Luther dort Texte setzen; den Einblattdruck der 95 Thesen fertigte allerdings nicht Wittenberg an, sondern Melchior Lotter der Ältere in Leipzig.
Zu Zeiten Luthers lebten in Wittenberg nur etwa 2000 Menschen; außer einigen Steinbauten wie Kirchen und Bürgerhäusern gab es vor allem Lehmhütten, deren Dächer vielfach noch Stroh trugen, und innerhalb des Festungsringes entstanden zwischen 1500 und 1550 gerade 54 neue Häuser. Nachdem das Kloster aufgelöst war und Luther 1525 geheiratet hatte, überließ der Kurfürst dem Reformator und seiner Familie das Gebäude.
Im Jahr 1505 trat der Maler Lucas Cranach der Ältere in den Dienst des Kurfürsten; 1512 kaufte er am Markt 3 und 4 ein Haus, die Keimzelle der späteren Cranach-Höfe. Für Philipp Melanchthon, den Reuchlin 1518 für den neu eingerichteten Lehrstuhl der griechischen Sprache empfohlen hatte, entstand in der Collegienstraße das heutige Melanchthonhaus, fertig im Oktober 1536.





Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: WH
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Der Bau des neuen Renaissanceschlosses erwies sich als logistische Herausforderung: Sandstein kam mühsam aus Pirna, Kalkstein aus Magdeburg, weiteres Steinmaterial von der ebenfalls im Abbruch befindlichen alten Burg in Torgau; das Bauholz stammte aus der Dübener Heide und aus Tetschen, wohin die Arbeiter gegen die Strömung treideln mussten, und immer wieder gefährdeten Niedrigwasser oder Eisgang den Fortgang. Bis 1509 standen Schloss und Schlosskirche im Wesentlichen fertig. Infolge der Reformationsbewegung entstanden Auseinandersetzungen, die im Schmalkaldischen Krieg gipfelten; die Wittenberger Kapitulation war die Folge, und Wittenberg ging als Zentrum des Kurkreises an die albertinische Linie der Wettiner über.
Luther war von der Existenz des Teufels überzeugt, und seine Predigten trugen dazu bei, dass 1540 in Wittenberg die Hexenverfolgung einsetzte: der kurfürstliche Landvogt nahm Prista Frühbottin fest, weil man ihr vorwarf, sie habe zusammen mit ihrem Sohn und zwei Knechten Weidevieh vergiftet — tatsächlich hatte eine Dürre die Tiere umgebracht. Prozess und Folter endeten am 29. Juni 1540 auf dem Marktplatz: dort band man die Angeklagten an Eichenpfähle und verbrannte sie bei lebendigem Leibe; Lucas Cranach der Jüngere, Künstler und Augenzeuge, hielt den Scheiterhaufen in einem Holzschnitt fest. Zwischen 1540 und 1674 traf die Hexenverfolgung in Wittenberg mindestens 21 Menschen; belegt sind acht Hinrichtungen, und am 30. Oktober 2013 beschloss der Stadtrat die sozialethische Rehabilitation der Opfer.







