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Oranienbaum-Wörlitz hatte am 31.12.2025 7.863 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 36 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Oranienbaum-WörlitzWer hier durch den Park geht, geht durch ein Argument. Der Fürst, der ihn anlegen ließ, wollte nicht nur eine schöne Landschaft, sondern eine, die etwas beibringt — und er ließ sie offen: Um den Garten stand kein Zaun, hineingehen durfte jeder, und selbst das Schloss war zu besichtigen.
Als Stadt gibt es Oranienbaum-Wörlitz erst seit dem 1. Januar 2011, als sich Oranienbaum, Wörlitz und einige Nachbargemeinden zusammenschlossen. Die Verwaltungsgeschichte des Ortes ist jung und wechselhaft: Wörlitz kam 2007 vom Landkreis Anhalt-Zerbst in den Landkreis Wittenberg, nachdem bei einer Bürgerbefragung am 14. Mai 2006 etwa 59 Prozent für eine Eingemeindung nach Dessau gestimmt hatten — entschieden hat am Ende der Stadtrat, weil die Befragung nicht bindend war. Sie liegt überwiegend im Biosphärenreservat Mittelelbe südlich der Elbe, und ihre beiden Namensgeber stehen für zwei ganz verschiedene Jahrhunderte. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 7.863 Einwohner.
Wörlitz wurde am 13. November 1004 erstmals urkundlich erwähnt und schon 1440 als Stadt bezeichnet. Bekannt ist der Ort aber für etwas, das erst dreieinhalb Jahrhunderte später entstand. Ab 1769 ließ Fürst Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, damals 29 Jahre alt, am Wörlitzer See einen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild anlegen; entworfen hat ihn der Hofgärtner Johann Friedrich Eyserbeck, an den Bauten war der Architekt Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff beteiligt. Der Park erstreckt sich über 112,5 Hektar und hat jährlich über eine Million Besucher.
Die Angaben zum Baubeginn schwanken zwischen 1765 und 1769; erweitert wurde der Park bis 1813, gebaut also über mehr als vier Jahrzehnte.
Der Park hatte von Anfang an einen Bildungsauftrag, der sich über Architektur, Gartenkunst und Ackerbau erstreckte. Die Regeln des Fürsten dazu sind überliefert: Die Anlage solle dem Bildungsauftrag gegenüber den Untertanen entsprechen, der Mensch stehe im Mittelpunkt, und über die Anmutung hinaus solle ein praktischer Nutzen bestehen. Ausgenommen von der Öffentlichkeit waren nur das Graue Haus und die Roseninsel, die seiner Frau Luise als Rückzugsorte dienten.
Wie ernst die Toleranz gemeint war, steht am östlichen Rand des Schlossgartens. Dort wurde als Zielpunkt zahlreicher Sichtbeziehungen die Synagoge errichtet, 1789 bis 1790 nach Entwürfen Erdmannsdorffs, mit dem Tempel des Hercules Victor im antiken Rom als Vorbild und einem Ritualbad darunter. Ihre Innenausstattung wurde 1938 bei den Novemberpogromen verwüstet; das Bauwerk selbst blieb erhalten, weil der damalige Gartendirektor Hans Hallervorden sich entschieden dagegenstellte — was ihn seine Anstellung kostete. Heute zeigt die Synagoge eine Ausstellung zur Geschichte der Juden in Anhalt.
Und dann steht mitten im See ein Vulkan. Der Stein wurde von 1788 bis 1794 nach Plänen des Fürsten als Erinnerung an seinen Aufenthalt am Golf von Neapel gebaut: eine mit Findlingen verkleidete künstliche Insel mit Felsengängen, Grotten, einem Amphitheater und der Villa Hamilton, gekrönt von einem künstlichen Vulkan nach dem Vorbild des Vesuv. Bei Gartenfesten konnte er mittels Ton-, Licht- und Wassereffekten Lava speien; Ende August 2005 und 2006 wurde der Ausbruch erstmals wieder vorgeführt.
Der zweite Namensteil ist hundert Jahre älter als der Park und kommt aus den Niederlanden. Ab 1681 und bis etwa 1685 entstand Schloss Oranienbaum als Sommersitz für Fürstin Henriette Catharina. Sie kam als Prinzessin aus dem Haus Oranien-Nassau und war mit Fürst Johann Georg II. von Anhalt-Dessau verheiratet. Gebaut hat es der niederländische Baumeister Cornelis Ryckwaert, der zugleich die Stadt Oranienbaum auf geometrischem Grundriss anlegte. Zum Palais mit seinen Kavalierpavillons gehörte ein 28 Hektar großer Barockgarten im niederländischen Stil.
Die Fürstin regierte nicht nur, sie wirtschaftete. Sie ließ 1669 eine Glashütte und 1693 ein Brauhaus errichten, und seit 1693 wurde in Oranienbaum Tabak angebaut. Nach dem Tod des Fürsten im selben Jahr 1693 wurde Oranienbaum ihr Witwensitz und zwischen 1698 und etwa 1702 zum heutigen dreiflügeligen Schloss umgebaut; die gestaffelten Seitenflügel wirken holländisch. Nach ihrem Tod im Jahr 1708 wurde 1712 die barocke Stadtkirche fertiggestellt.
Danach wurde es still um das Haus. Die Fürsten von Anhalt-Dessau nutzten es nur noch gelegentlich bei Jagden, bis Fürst Leopold Friedrich Franz wieder Interesse zeigte und Schloss und Park nach 1780 umgestalten ließ. Genau diese Verbindung ist es, die das Welterbe ausmacht: Die UNESCO nennt als bedeutendes Merkmal die epochenübergreifende Vernetzung des Wörlitzer Parks mit den älteren Anlagen in Oranienbaum und Dessau-Mosigkau, und als leitendes Prinzip des Fürsten, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Ausgezeichnet wurde deshalb nicht Oranienbaum allein: Der Welterbetitel kam im Jahr 2000 für die ganze Kulturlandschaft zwischen Dessau und Wittenberg von etwa 150 Quadratkilometern.
Mit Schloss Wörlitz beginnt in Deutschland der Klassizismus; zugleich zählt es zu den wenigen Bauten hierzulande, die Palladio folgen. Für den Bau wurde der Vorgängerbau abgerissen, ein barockes Jagdschloss; Baumeister war Erdmannsdorff, vollendet wurde der Bau 1773. Vorbilder waren antike und englische Bauwerke sowie die Architektur Andrea Palladios. Im Zentrum der Hauptfassade steht ein Portikus mit vier korinthischen Säulen, im Inneren gruppieren sich zehn Räume und zwei Säle um einen Lichthof.
Bemerkenswert ist die Technik. Beim Bau kamen gusseiserne Öfen hinein, dazu Wandklappbetten, ein Eisschrank, Essensaufzüge, versenkbare Türen und eine Pumpe, die Wasser bis ins Obergeschoss hob — alles bis heute vorhanden. Von 1770 bis 1772 entstand rund 50 Meter südwestlich die Küche; ein unterirdischer Gang verbindet sie seither mit dem Haupthaus.
Das zweite Haus im Park argumentiert mit einem anderen Stil. Das Gotische Haus wurde von 1773 bis 1813 nach Plänen Erdmannsdorffs und des Baudirektors Georg Christoph Hesekiel im neogotischen Stil erbaut, nach dem Vorbild des englischen Herrensitzes Strawberry Hill. Seine Besonderheit sind zwei verschiedene Fassaden: Die Front zum Wolfskanal ist die einer venezianischen Kirche, die Gartenseite folgt der Tudorgotik, und beide sind Blickpunkte von Sichtachsen. Nach Darstellung der UNESCO wurde hier zum ersten Mal der gotische Stil zum Ausdruck einer politischen Botschaft verwendet, nämlich des Erhalts der Souveränität der kleineren Reichsgebiete.
In Oranienbaum kam der dritte Stil dazu. Aus dem barocken Inselgarten wurde von 1793 bis 1797 eine englisch-chinesische Anlage, gestaltet nach Ideen des Landschaftsgärtners William Chambers aus England. Dazu gehören eine Pagode über fünf Geschosse, ein chinesisches Teehaus, das sich vom Wasser aus anfahren ließ, und mehrere Bogenbrücken. Im südlichen Teil des Gartens entstand 1811 die 175 m lange Orangerie, die seither ohne Unterbrechung eine Sammlung von Zitruspflanzen und anderer seltener Gehölze beherbergt. So liegen in den beiden Namensgebern der Stadt Barock, Klassizismus, Neogotik und chinesische Mode dicht beieinander.
Das Gebiet um Wörlitz ist flach und von zahlreichen Altwassern der Elbe sowie Gräben und Bächen durchzogen; als Erhebungen gibt es nur wenige Meter hohe Reste von Sanddünen aus der letzten Eiszeit, die Wilden Berge. Der Wörlitzer See, an dem der Park liegt, ist ein Altarm der Elbe unmittelbar nördlich des Ortskerns.
Der Fluss hat die Gestaltung bestimmt. Im Norden trennt der Wall, ein Hochwasserschutzdeich, den Park von der breiten Elbaue und dient zugleich als Umfassungsweg, von dem aus sich viele der klassischen Sichtachsen erschließen — zum Schloss, zum Stein und bis nach Coswig. Das Pantheon, um 1795 nach Plänen Erdmannsdorffs nach dem Vorbild des römischen Pantheon errichtet, steht auf der Flussseite dieses Walls; zum Untergeschoss führt ein Grottengang, der den Wall unterquert.
Auch der heutige Verkehr richtet sich nach dem Wasser. Nach Coswig kommt man mit einer Gierseilfähre über den Fluss; steht die Elbe hoch, fährt sie nicht, und die Straße dorthin liegt dann oft selbst unter Wasser. Der Bahnhof Wörlitz an der Strecke von Dessau wird nur in der Sommersaison bedient. Die Schirmherrschaft über den Park hat seit 1996 der heutige britische König; die Anlage selbst betreut die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz.
Stand des Portraittextes: 2026-09-17.
Belege der kuratierten Auswahl: WH
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