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LageLuchs · Datenlogik

Geschäfte im Umkreis — und wogegen verglichen wird

Auf Regionenseiten mit Mikrolage-Daten stehen bis zu sieben Zeilen: wie viele Geschäfte und Betriebe im Schnitt innerhalb von 500 Metern um eine bewohnte Zelle liegen. Fehlt für eine Kategorie eine geprüfte Zellenzahl, fehlt die Zeile — statt eine ungemessene Zahl zu zeigen. Manche Zeilen tragen zusätzlich eine Einordnung gegen vergleichbare Orte, die meisten nicht. Diese Seite erklärt, was gezählt wird, wer „vergleichbar" ist — und warum die Einordnung so selten erscheint.

01Was gezählt wird

Gezählt werden ausschließlich sichtbare Ladenlokale: Betriebe, an denen man vorbeigeht und die Tür aufmacht. Die Einheit ist dabei nicht die Kategorie, sondern das Paar aus Kategorie und Merkmal in OpenStreetMap — sonst zählten Dinge mit, die dort zufällig in derselben Schublade liegen.

Zeilegezählte MerkmaleObjekte bundesweit
Gastronomierestaurant, cafe, biergarten143.238
Ausgehenbar, pub, nightclub27.192
Nahversorgungsupermarket, convenience44.784
Apothekenpharmacy17.194
Bäckereibakery36.105
Friseurhairdresser40.248
Eisdieleice_cream5.863

Theater und Kinos zählen nicht mit, obwohl sie in OpenStreetMap in derselben Kategorie stehen wie Restaurant und Café. Es sind 4.572 Objekte (gemessen am 13.08.2026); würden sie mitzählen, wäre die Gastronomiezahl um 3,3 % höher — ohne dass irgendetwas fehlschlüge. Deshalb steht in der Tabelle oben das Merkmal und nicht die Kategorie.

Gastronomie und Ausgehen bleiben getrennt und werden nie summiert. Für jemanden, der dort wohnt, sind das verschiedene Dinge — und es gibt in der Datenbank keine Spalte, in der ihre Summe stünde.

02Was nicht gezählt wird

„Nur sichtbare Ladenlokale" ist eine Auswahl, und eine Auswahl ohne ihre Ausschlussliste wäre eine Behauptung. Diese 6 Kategorien wurden geprüft und abgelehnt:

  • theatre, cinema (in der Lua-Kategorie gastro_kultur)

    Ein Theater und ein Kino sind kein Ladenlokal. Sie stehen in OpenStreetMap in derselben Kategorie wie Restaurant und Café und würden die Gastronomiezahl um 3,3 % erhöhen — sie gehören weder in „Gastronomie" noch in „Ausgehen".

  • aerzte (amenity=doctors, amenity=clinic)

    Eine Arztpraxis ist kein Ladenlokal mit Publikumsverkehr: der Zugang läuft über Termine, nicht über eine Ladentür. Als Eingang in den LuchsScore bleibt die Kategorie unberührt — ausgeschlossen ist nur diese Anzeigezeile.

  • schulen (amenity=school)

    Eine Schule ist eine Einrichtung, kein Geschäft. Sie gehört in die Infrastrukturaussage des Scores und nicht in eine Zeile über sichtbare Ladenlokale im Umkreis.

  • kitas (amenity=kindergarten)

    Eine Kita ist eine Einrichtung, kein Geschäft — dieselbe Begründung wie bei den Schulen. Sie wird ausdrücklich getrennt aufgeführt, damit der Ausschluss nicht als Sammelposten durchgeht.

  • oepnv (public_transport=stop_position)

    Eine Haltestelle ist kein Ladenlokal. Sie steht als eigene Größe im Mikrolage-Score und hat in einer Zeile über sichtbare Geschäfte nichts zu suchen.

  • sport (leisure=sports_centre, leisure=pitch)

    Kein Ladenlokal — und zusätzlich ein grobes Merkmal mit schwankender Erfassungsdisziplin. Es ist aus demselben Grund schon aus der Abdeckungsmessung ausgeschlossen.

Ein Eintrag ist im Lauf der Arbeit umgezogen, und das steht hier, weil eine stillschweigend geschrumpfte Ausschlussliste von einer vergessenen nicht zu unterscheiden wäre: biergarten (amenity=biergarten, 5.909 Objekte) war zunächst ausgeschlossen und zählt seit dem 13.8.2026 zur Gastronomie. Für jemanden, der dort wohnt, ist ein Biergarten näher an einem Restaurant mit Außenplätzen als an einem Nachtclub — er gehört zur täglichen Versorgung. Die Alternativen sind beziffert: bei „Ausgehen" wäre jene Zeile um 22 % größer geworden, in Bayern deutlich mehr; bei weiterem Ausschluss fehlten die Betriebe in beiden Zeilen. Die Gastronomiedichten wurden daraufhin neu gerechnet.

03Der Umkreis: 500 Meter

500 Meter sind eine Produktentscheidung, kein Messergebnis. Es sind ungefähr sechs Minuten zu Fuß — die Entfernung, in der man ein Geschäft noch als „bei mir um die Ecke" empfindet. Wir haben nicht gemessen, dass 500 Meter besser trennen als 300 oder 800; wir haben uns entschieden.

Die Kreisfläche ist dabei überall dieselbe: 780.361 Quadratmeter, also 0,78 km². Damit ist die gezählte Zahl bereits eine Dichte — sie muss nicht mehr auf eine Fläche bezogen werden.

Warum nicht „je 100.000 Einwohner"? Weil im Umkreis von 500 Metern im Mittel nur 713 Menschen wohnen. Eine Hochrechnung auf 100.000 wäre eine Multiplikation mit rund 140 — und sie multiplizierte das Zählrauschen gleich mit: aus einer einzigen Eisdiele würden „140 je 100.000". Auf Gemeindeebene bleibt diese Form richtig; auf Zellebene trägt sie nicht.

04Wer ist ein „vergleichbarer Ort"?

Zwei Orte sind vergleichbar, wenn im Umkreis von 500 Metern ähnlich viele Menschen wohnen. Gemessen wird die Summe der Einwohner aller Zensus-Gitterzellen im Umkreis, geteilt durch die Kreisfläche.

KlasseEinwohner je km²Herkunft der Schwelle
dicht besiedeltab 1.500Dichteschwelle „mindestens 1.500 Einwohner je km²" aus der DEGURBA-Methodik von Eurostat, am Primärdokument geprüft am 13.08.2026. Übernommen ist die Dichtezahl, nicht das Clusterverfahren.
mittlere Dichte300 bis unter 1.500Dichteschwelle „mindestens 300 Einwohner je km²" aus derselben Methodik, ebenfalls am Primärdokument geprüft. Der gemessene Median von 713 Einwohnern im Umkreis liegt hier.
dünn besiedelt0 bis unter 300Restklasse: die ländlichen Rasterzellen tragen in der DEGURBA-Methodik keine eigene Schwelle, sie sind der Rest. Nach unten bei 0 geschlossen.

Übernommen sind die zwei Dichteschwellen der DEGURBA-Methodik von Eurostat — nicht ihr Clusterverfahren. DEGURBA arbeitet auf Quadratkilometer-Zellen und verlangt zusätzlich räumlichen Zusammenhang und eine Mindestbevölkerung je Cluster (50.000 beziehungsweise 5.000 Einwohner). Beides tun wir nicht. Wer schriebe, wir klassifizierten „nach DEGURBA", stellte eine Behauptung auf, die der Code nicht einlöst. Geprüft am Primärdokument am 13.8.2026.

Warum nicht die vorhandene Vergleichsgruppe des LuchsScore? Weil sie genau die falschen Regionen abdeckt. Gemessen am 13.08.2026 über die Regionen mit Mikrolage-Zellen: von den 87 Gemeinden stehen 87 in der Tabelle region_peer_group, von den 14 kreisfreien Städten 0. Sie ist exakt invertiert — und die 14 sind gerade die Regionen mit einem Mikrolage-Score.

Eine Zelle ohne Einwohnerangabe bekommt keine Klasse und damit keine Einordnung. Sie in die dünnste Klasse zu legen wäre bequem und falsch: das ist die Gruppe mit den niedrigsten Vergleichswerten, und Schweigen darf nicht in ein günstiges Urteil umschlagen.

05Die Mindestzahl: 5 Betriebe

Eine Einordnung gegen vergleichbare Orte erscheint erst ab 5 Betrieben. Darunter steht nur die gezählte Zahl — ohne Platzhalter, ohne Gedankenstrich, ohne Entschuldigung.

Diese Grenze ist nicht großzügig, sie ist die untere Kante des Vertretbaren. Der relative Standardfehler einer Zählung ist 1/√n — bei n = 5 sind das 44,7 %. Auch oberhalb der Grenze bleibt Rauschen. Und sie ist nicht die Zensus-Grenze von 3: jene ist eine Geheimhaltungsgrenze, keine Belastbarkeitsgrenze.

Was die Mindestzahl kostet
0,14 – 9,89 %
so viele der bewohnten Zellen bundesweit erreichen je Zeile überhaupt 5 Betriebe im Umkreis
Im eigenen Bestand
483 von 20.601
Regionszeilen tragen eine Einordnung — in 2.943 Regionen
ZeileAnteil der Zellen ab 5 BetriebenRegionen mit Einordnung (von 2.943)
Gastronomie9,89 %442
Ausgehen2,04 %10
Nahversorgung2,54 %2
Apotheken0,51 %0
Bäckerei1,49 %0
Friseur3,83 %29
Eisdiele0,14 %0

Der Vergleichssatz ist damit ein Stadtinstrument — die gezählte Zahl erscheint überall. Das ist keine Schwäche der Messung, sondern eine Eigenschaft des Landes: außerhalb dichter Innenstädte liegen im Umkreis von 500 Metern schlicht selten fünf Betriebe derselben Art. Aktuell tragen nur Gastronomie, Ausgehen, Nahversorgung, Friseur überhaupt irgendwo eine Einordnung.

06Wie aus vielen Zellen eine Zahl wird

Eine Region besteht aus tausenden 100-Meter-Zellen. Die gezeigte Zahl ist der einwohnergewichteten Mittelwert über die Zellen, die etwas sagen dürfen — also das, was der durchschnittliche Einwohner dieser Region im Umkreis von 500 Metern vorfindet.

Warum nicht der Median? Weil er hier strukturell blind ist. Gemessen: mit einer Medianregel hätten von 2.943 Regionen nur 14 je eine Einordnung gezeigt — darunter Frankfurt am Main als einzige der vierzehn kreisfreien Großstädte im Bestand, jede andere bliebe auch mit dieser Regel ohne Einordnung. Bei ganzzahligen Zählungen mit sehr vielen Nullen liegt der Median fast überall bei 0.

Und der Rang ist ein gemittelter Rang, nicht der Rang eines Mittelwerts. Jede Zelle wird gegen ihre eigene Dichteklasse eingeordnet; die Region zeigt den Durchschnitt dieser Ränge. Der andere Weg wäre ein Ebenenfehler und sähe systematisch günstiger aus, ohne dass etwas fehlschlüge — für Berlin und die Gastronomie beziffert: 96,00 % gegen 70,40 %, also 25,60 Prozentpunkte Unterschied. Gespeichert ist die niedrigere, ehrlichere Zahl.

Der Rang zählt dabei die echt kleineren Werte. „Mehr als in 78 % vergleichbarer Orte" heißt also: 78 % der vergleichbaren Zellen haben weniger Betriebe. Die andere Lesart würde die schlecht versorgten Orte systematisch schmeicheln.

07Wann gar nicht verglichen wird

Neben der Mindestzahl gibt es ein zweites Tor, und es fragt etwas anderes: Wissen wir über die Erfassung dieser Region überhaupt genug? Ist der Erfassungsstand nicht geprüft, erscheinen die gezählten Zahlen — aber keine Einordnung. „Hier ist nichts" und „hier ist nichts erfasst" sind verschiedene Aussagen, und die zweite darf nicht wie die erste aussehen.

Zwei Bedingungen, die geprüft und wieder verworfen wurden — sie stehen hier, weil eine stillschweigend fallengelassene Regel schlimmer ist als eine begründet verworfene:

  • Ein aus Phase 290 übergebenes Kriterium („Quermedian mindestens A") ist nicht ausführbar: die gemessene Schwelle A ist 0,0000, die Bedingung wäre immer wahr. Sie sähe wie eine Absicherung aus und filterte nichts.
  • Ein Tor an der Flächenkartierung („wie viel Prozent der Fläche in OpenStreetMap eine Nutzung tragen") war bis zum 13.08.2026 in Kraft und sperrte, beim vorregistrierten Quantil 0,10, zehn von damals 101 Regionen — darunter Berlin mit dem höchsten Gastronomiewert von allen. ⚠ Die 101 sind hier bewusst eine feste Zahl aus jener Messung, nicht die heutige Regionenzahl: das Tor wirkte, bevor die Versorgungsdichten bundesweit sichtbar wurden. Das Tor wurde entfernt, nicht verschoben: eine Zählung von Punkten hängt nicht an der Kartierung von Flächen, und die Vergleichsgruppe stammt ohnehin aus dem Zensus. Für die Flächenanteile der Umgebung gilt dieselbe Schwelle unverändert weiter — dort ist die Flächenkartierung die Sache selbst und kein Stellvertreter.

08Der Faktor gegen die Vergleichsgruppe

Neben dem Rang liegt für jede Zeile auch der Gruppenmedian vor — der typische Wert vergleichbarer Orte. Aus beiden ließe sich ein Faktor bilden („dreimal so viele wie üblich"). In der Zeile auf der Regionenseite steht er nicht, und das hat einen gemessenen Grund: der Gruppenmedian ist im Regelfall 0. Von den 21 Referenzverteilungen tragen 17 den Median 0. „14 gegen 0" ist kein Faktor, sondern eine Division durch null — deshalb zeigt die Zeile den Rang und nicht den Faktor.

Die Zahlen liegen trotzdem beide vor, und der Faktor ist daraus jederzeit ableitbar, ohne dass etwas neu gerechnet werden müsste.

09Zwei Datenstände, vier Jahre auseinander

Die Betriebe stammen aus einem OpenStreetMap-Abzug vom 11.08.2026. Die Einwohner im Umkreis — und damit die Vergleichsgruppe — stammen aus dem Zensus mit Stichtag 15.05.2022.

Vier Jahre Abstand, und das hat eine sichtbare Folge: ein Neubaugebiet, das seit 2022 entstanden ist, hat in OpenStreetMap längst seinen Supermarkt, im Zensusgitter aber keine bewohnte Zelle. Dort erscheint dann gar nichts — nicht weil niemand dort wohnt, sondern weil die amtliche Zählung älter ist als das Viertel.

10Warum hier keine Gegend bewertet wird

Diese Zahlen bekommen kein zusammenfassendes Etikett. Es gibt keine Farbskala, keinen Balken und kein Wort, das aus „18,8 Betriebe im Umkreis" ein Urteil über eine Gegend macht. Eine Zählung ist eine Zählung.

Der Grund ist nicht Vorsicht, sondern ein bekannter Präzedenzfall: die US-Immobilienportale Trulia und Realtor.com haben 2021 und 2022 ihre Kriminalitätsdaten vollständig aus den Anzeigen entfernt, nachdem sich gezeigt hatte, dass solche Karten bestehende Muster verstärken statt sie abzubilden. Das Gegenmodell ist die Berliner Wohnlagenkarte: zweckgebunden, in einer nachlesbaren Vorschrift festgelegt, ohne Vokabular aus dem Marketing.

Deshalb steht hier die Zahl, ihr Umkreis und — wo sie belastbar ist — ihr Rang. Die Bewertung bleibt beim Leser.

11Quelle und Lizenz

Die Betriebe stammen nach Angaben von OpenStreetMap aus dem Datenbestand vom 11.08.2026. © OpenStreetMap contributors — die Daten stehen unter der Open Database License (ODbL 1.0). Die Einwohnerzahlen im Umkreis stammen aus dem Zensus 2022 (Statistische Ämter des Bundes und der Länder), 100-Meter-Gitter.

Was diese Zahlen nicht sind: eine amtliche Gewerbestatistik. Sie zeigen, was in OpenStreetMap eingetragen ist. Wie vollständig das ist, misst LageLuchs getrennt — und wo es nicht belastbar ist, erscheint die Einordnung erst gar nicht (Abschnitt 07).

Der Vergleichsrang ist ein Rang, kein Erfüllungsgrad — dasselbe Prinzip wie bei der Perzentil-Normalisierung, nur auf der Ebene einzelner 100-Meter-Zellen statt ganzer Regionen. Warum eine fehlende Zahl keine Null ist, erklärt Fehlende Daten.

Vergleichswert der geänderten Definition: die Aufnahme des Biergartens hob den Anteil der Zellen mit mindestens 5 Gastronomiebetrieben von 9,50 % auf 9,89 %.