Zum Inhalt springen

LageLuchs · Datenlogik

Was um eine Adresse herum liegt — und was wir darüber nicht wissen

Auf Regionenseiten mit Umfelddaten stehen zwei Zeilen: wie sich die Fläche im Umkreis von 500 Metern um eine bewohnte Zelle zusammensetzt, und wie sich die Straßen dort auf drei Klassen verteilen. Diese Seite erklärt, was gezählt wird, was der Anteil „unbekannt" bedeutet — und warum bei jeder zehnten Zelle gar nichts steht.

01Was gemessen wird

Grundlage ist das 100-Meter-Gitter des Zensus: jede bewohnte Zelle bekommt einen Kreis von 500 Metern Radius, und in diesem Kreis wird ausgemessen, welchen Flächenanteil jede Nutzungsart einnimmt. Die Regionenseite zeigt davon den Durchschnitt über die Zellen der Region.

Gemessen wird im Umkreis, nicht in der Zelle — und das ist keine Bequemlichkeit. Ein reines Gewerbegebiet hat keine Einwohner und damit keine Zelle. Zählte man nur innerhalb der Zelle, wäre der Wohnblock daneben „100 % Wohnen", obwohl direkt gegenüber eine Industriefläche liegt. Wer wissen will, was um ihn herum ist, meint den Umkreis, nicht das Quadrat, auf dem sein Haus steht.

Die Flächen stammen aus OpenStreetMap, aus den Merkmalen landuse und natural. Überlappende Polygone werden vorher vereinigt, sonst zählte dieselbe Fläche doppelt: gemessen liegt die Überdeckung im Median bei 1,4 %, im Einzelfall bei bis zu 94 %. Eine Beschriftung, die auf 146 % summiert, wäre nicht zu verteidigen.

02Der Umkreis: 500 Meter

500 Meter sind eine Produktentscheidung, kein Messergebnis. Es sind ungefähr sechs Minuten zu Fuß — die Antwort auf die Frage „was ist mein potenzielles Umfeld". Wir haben nicht gemessen, dass 500 Meter besser trennen als 300 oder 1.000; wir haben uns entschieden, und der Radius gilt überall gleich, sonst bricht jeder Vergleich.

Die ursprüngliche Regel war unbrauchbar, und das steht hier statt einer vorgetäuschten Messung. Sie sagte: „rechne 300, 500 und 1.000 Meter, vergleiche die Streuung zwischen den Zellen — bricht sie beim größeren Radius ein, ist 500 m bestätigt". Jedes Streuungsmaß fällt bei größerem Glättungsradius monoton. Gemessen: 0,2390 → 0,1999 → 0,1509. Das ist Mathematik, kein Ergebnis — die Regel konnte nie etwas entscheiden.

Was die Wahl kostet
12.336
Zellen kämen bei 1.000 m zusätzlich durch das Anzeigetor — 54,33 % der 22.704 Zellen, die bei 500 m schweigen
Und warum das dagegen spricht
0,8814 → 0,8716
die mittlere Flächendeckung SINKT beim größeren Umkreis, während der schlechte Rand steigt — er glättet, er verbessert nicht

Der größere Umkreis wäre das Gegenteil einer Verbesserung. Er hebt die Flächendeckung des schlechtesten Zwanzigstels von 0,126 auf 0,515 — er lässt schlecht kartierte Zellen gut aussehen, statt den Mangel zu zeigen. Über die Hälfte der heute schweigenden Zellen käme so durch, ohne dass über sie mehr bekannt wäre. Der saubere Weg ist der andere: bei 500 Metern bleiben und dort schweigen, wo es nicht trägt.

03Die 7 Gruppen — und ihre Rangfolge

Aus mehreren hundert Rohwerten in OpenStreetMap werden 7 Gruppen. Überlappen zwei Polygone, gewinnt die Gruppe, die weiter oben in dieser Tabelle steht — und Überlappung ist nicht der Ausnahme-, sondern der Normalfall.

RangGruppeRohwerte in OpenStreetMapWarum an dieser Stelle
1Wasserbasin, reservoir, salt_pond, natural=water, natural=wetland, natural=springSteht ganz oben, weil Wasser physisch ausschließt: ein See innerhalb eines Waldpolygons ist Wasser, nicht Wald.
2Gewerbeindustrial, commercial, retail, quarry, landfill, portDer eigentliche Grund für die Rangfolge. Ein Gewerbegebiet darf nicht von dem Wohnpolygon geschluckt werden, das es umschließt — es ist die seltenere und die tragende Aussage.
3Wohnenresidential, garages, garageTrägt den Charakter der Fläche, die es umschließt, und steht deshalb über den Grünkategorien.
4Grüngrass, recreation_ground, allotments, village_green, cemetery, flowerbed, greenfield, natural=grassland, natural=scrub, natural=heath, natural=beach, natural=sand, natural=bare_rock, natural=shingleBewusst UNTER „Wohnen". Gemessen in Hannover: eine Rasenfläche ist in 6.701 von 7.241 Zellen eingetragen. Gewänne Grün, sähen Städte mit fleißig kartierten Rasenstücken grüner aus als Städte ohne — das wäre Kartierungspraxis, gelesen als Landschaft.
5Landwirtschaftfarmland, farmyard, meadow, orchard, vineyard, plant_nursery, greenhouse_horticulture, animal_keeping, aquacultureEnthält ausdrücklich die Wiese: OpenStreetMap definiert sie als Heu- oder Weidefläche, und mit 41.321 km² ist sie die drittgrößte Klasse bundesweit. Als „Grün" gezählt färbte sie jede ländliche Zelle grün und höhlte die Aussage aus.
6Waldforest, natural=woodWald und Forst, ohne Zwischenstufen.
7SonstigesDer Auffangposten. Er fängt jeden Rest — ein stilles Wegwerfen erschiene als „unbekannt" und wäre eine Lüge: es behauptete eine KARTIERUNGSlücke, wo eine GRUPPIERUNGslücke ist.

Warum eine feste Rangfolge und nicht „das kleinere Polygon gewinnt"? Weil „das kleinere gewinnt" datenabhängig ist: dieselbe Gruppe gewönne in einer Zelle und verlöre in der nächsten, je nachdem, wie jemand die Flächen geschnitten hat. Eine Rangfolge ist eine Entscheidung, überall dieselbe, in sieben Zeilen nachlesbar und per Test prüfbar.

04Was ausdrücklich nicht mitzählt

Vier Werte aus natural zählen gar nicht — sie sind Ortsbeschreibungen, keine Flächennutzung. Ein einziges Gebirgspolygon überschwemmte jede Anteilsrechnung in seiner Umgebung; eine Zelle im Allgäu behauptete „100 % Gebirge".

Ausgeschlossener WertFlächePolygone
natural=mountain_range20.598 km²15
natural=bay11.547 km²103
natural=peninsula5.314 km²38
natural=strait584 km²3
zusammen38.043 km²159

Und die unangenehme Folge steht hier, statt versteckt zu werden: dieser Ausschluss ERHÖHT den Anteil „unbekannt". Was wir nicht als Nutzung zählen, fehlt hinterher — es wird nicht anderweitig aufgefüllt. Das ist der Preis dafür, dass eine Bucht nicht als Bodennutzung durchgeht.

Wie hoch ist dieser Preis? Gemessen: 0,0000 Prozentpunkte — in allen 101 Regionen. Die vier Werte decken 38.043 km² und damit 10,64 % der Fläche Deutschlands ab, aber von 227.195 Zellen sehen 8 überhaupt eine davon im Umkreis, und bei 7 ändert sich etwas. Buchten, Halbinseln und Gebirge liegen dort, wo niemand wohnt — und Zellen gibt es nur, wo Menschen wohnen. Der größte Einzelfall sind drei Zellen an der Elbmündung, wo eine Bucht bis an Hamburger Wohngebiete heranreicht: dort kostet der Ausschluss bis zu 3,81 Prozentpunkte.

Die 10,64 % dürfen deshalb nicht als „so viel Unbekanntes entsteht dadurch" gelesen werden. Im heutigen Bestand entsteht durch den Ausschluss praktisch nichts. Er ist trotzdem richtig — und er greift, sobald die Auswertung über die heutigen Städte hinaus auf ländliche Gemeinden ausgedehnt wird, wo Alpen und Küste tatsächlich neben bewohnten Zellen liegen.

05Der Anteil „unbekannt"

„unbekannt" heißt nicht „keine Nutzung". Es heißt: für diesen Teil des Umkreises steht in OpenStreetMap keine Angabe, die wir einer Gruppe zuordnen. Nicht kartierte Fläche zählt nie als leere Fläche.

Drei Ursachen stecken darin, und sie sind aus den Daten heraus nicht unterscheidbar:

  • Niemand hat die Fläche eingetragen. Der Normalfall, und er hängt an der örtlichen Kartierungsdisziplin, nicht an der Gegend.
  • Sie trägt eine Angabe, die keine Bodennutzung ist — etwa eine der vier Ortsbeschreibungen aus Abschnitt 04.
  • Sie liegt außerhalb des Bearbeitungsgebiets, zum Beispiel jenseits einer Landesgrenze am Rand des Umkreises.

Es wird nicht auf 100 % des Bekannten hochgerechnet. „62 % Wohnen des kartierten Teils" ist eine andere Aussage als „62 % des Umkreises" — und ein Leser liest die zweite. Die Anteile bleiben deshalb Anteile am ganzen Kreis, und „unbekannt" steht in der Zeile: immer, auch bei 2 %, und immer zuletzt, weil es keine Nutzungsart ist, sondern die Grenze der Aussage.

Kartiert je Zelle
0,8814
Median der Flächendeckung im Umkreis von 500 m — der Rest ist „unbekannt"
Kartiert je Region
0,9530
Median über ganze Gemeindeflächen — auf Zellebene ist der unbekannte Rest rund DOPPELT so groß

Der Unterschied ist kein Widerspruch, sondern eine Eigenschaft der Bezugsfläche: über eine ganze Gemeinde gemittelt gleichen große kartierte Wald- und Ackerflächen die Lücken aus. Im Umkreis von 500 Metern um eine einzelne Wohnzelle tun sie das nicht. Wer nur die Regionszahl kennt, unterschätzt die Lücke also systematisch — deshalb steht hier die Zellzahl.

06Wann gar nichts gezeigt wird

Die Regel, in einem Satz: es erscheinen keine Anteile, solange „unbekannt" der größte Posten der Aufteilung ist. Keine Prozentzahl entscheidet — ein Verhältnis.

Warum gewechselt und nicht gesenkt wurde. Bis zum 16.08.2026 war die Grenze ein anderes, ebenfalls vorregistriertes Maß: das 10,00-Prozent-Quantil der gemessenen Deckungsverteilung, festgelegt am 12.08.2026, bevor die Verteilung gemessen war — daraus der Grenzwert 0,7232. Diese Regel war nicht kaputt. Zwei einzelne Zellen lagen unter ihr knapp auf der falschen Seite, und eine Schwelle zu senken, nachdem man genau diese zwei Zahlen gesehen hat, wäre „eine Regel, die man lockert, nachdem man die Zahl gesehen hat" — und die ist keine Regel. Gewechselt wurde deshalb das Kriterium, nicht der Wert: eine Aufteilung handelt von der Gegend, solange die Lücke nicht ihr größter Bestandteil ist.

Die Messung, in beide Richtungen — gemessen auf dem eigenen Bestand am 01.09.2026, 2.246.160 Zellen, Umkreis 500 m:

alt (Deckung < 0,7232)neu (unbekannt ≥ größte Gruppe)
stumme Zellen190.411 (8,48 %)108.221 (4,82 %)
sprechen wieder85.008
verstummen neu2.818

Die 2.818 sind der Beleg, dass die gewechselte Regel strenger ist, nicht nur lockerer. Sie betreffen Zellen, die unter der alten Regel als „genug kartiert" durchgingen, aber keine einzelne Nutzungsgruppe deutlich überwiegt — stark zersplitterte Flächen ohne Übergewicht. Die gewechselte Regel schneidet also in beide Richtungen: sie lässt 85.008 Zellen wieder sprechen und bringt 2.818 zusätzlich zum Schweigen. Ein Bericht, der nur die 85.008 nennt, hätte die eigentliche Aussage verfehlt.

Was aus der alten Schwelle wurde. 10,00-Prozent-Quantil und der daraus gemessene Grenzwert 0,7232 bleiben im Code stehen — als Laufprotokoll, das festhält, wie der Lauf vom 12.08.2026 zustande kam. Sie entscheiden seit dem 16.08.2026 nichts mehr darüber, ob eine Aufteilung erscheint.

Warum nicht die Zensus-Grenze von 3? Weil sie hier gar nichts täte. Die 3 ist eine Geheimhaltungsgrenze — der amtliche Boden, unter den ein Wert aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht wird, und damit der kleinstmögliche Wert der Verteilung. Eine Belastbarkeitsgrenze, die auf das Minimum gesetzt wird, schlösse nichts aus und sähe trotzdem wie eine Absicherung aus.

Und wie aus tausenden Zellen eine Regionszahl wird: als Mittelwert über die Zellen, die sprechen dürfen — nicht als Median. Der Mittelwert von Zusammensetzungen ist wieder eine Zusammensetzung und summiert auf 100 %. Gruppenweise Mediane stammen aus verschiedenen Zellen und summieren auf 0,93 oder 1,07 — die Beschriftung wäre schlicht falsch, und der Fehler sähe wie ein Rundungsrest aus. Wie viele Zellen dahinter stehen, sagt die Anzeige selbst („gerechnet über N von M Zellen"); über alle Regionen sind das 204.491 von 227.195 Zellen, also 90,01 %.

Der Vorbehalt auf Regionsebene. Gemessen an allen 101 Regionszeilen: keine einzige wechselt ihr Urteil durch die gewechselte Regel (0 von 101). Die gezeigten Regionsprozente selbst bleiben dabei numerisch auf dem Stand des alten Einschlusses — sie sind ein einmalig offline gemittelter Wert über die Zellen, die die alte Regel durchließ, und ein weiterer Lauf, der sie unter der gewechselten Regel neu mitteln würde, ist in dieser Phase bewusst nicht gebaut.

07Die Straßenklassen

Neben den Flächen steht eine zweite Zeile: wie sich die Straßen im selben Umkreis auf drei Klassen verteilen. Es sind Anteile an der Straßenlänge, nicht an der Fläche. Straßen sind Linien; Länge ist ihr natürliches Maß. Ohne diesen Zusatz läse man einen Flächenanteil — und dann wären 65 % des Umkreises Straße.

KlasseRohwerte in OpenStreetMap (highway)
übergeordnete Straßenmotorway, trunk, primary, secondary, motorway_link, trunk_link, primary_link, secondary_link
Sammelstraßentertiary, tertiary_link, unclassified
Wohnstraßenresidential, living_street, pedestrian

14 weitere Werte zählen nicht mit — Wirtschaftswege, Fuß- und Radwege, Treppen, Zufahrten und Baustellen: service, track, footway, cycleway, path, steps, bridleway, construction, proposed, busway, raceway, escape, corridor, via_ferrata. Gemessen: von 16.229.017 Wegen in Deutschland fallen nur 4.127.850 in die drei Klassen — 74,57 % sind keine Straßen. Zählten sie mit, wäre die Zeile eine Aussage über die Dichte von Wanderwegen.

Tunnel zählen nicht, Brücken schon. Ein Tunnel unter der Zelle ist keine Straße im Umfeld — man sieht ihn nicht und erreicht ihn nicht. Eine Brücke ist da, sichtbar und befahren.

Auch hier gibt es eine Mindestgrenze, und auch sie wurde vorher festgelegt: das 10,00-Prozent-Quantil der Gesamtlängen, gemessen 2.318 Meter. Darunter entsteht keine Anteilsaussage. Der Grund ist eine benannte Falle: 50 Meter Autobahn und sonst nichts ergäben „100 % übergeordnete Straßen".

Aus der Straßenklasse folgt kein Tempolimit — und sie ist keine akustische Messung. Das OpenStreetMap-Wiki sagt ausdrücklich, dass eine Wohnstraße nicht Tempo 30 impliziert; die zulässige Geschwindigkeit wird getrennt erfasst und steht hier nicht zur Verfügung. Die beste dokumentierte Entsprechung zwischen Straßenklasse und gemessenen Schallpegeln erreicht ein Bestimmtheitsmaß von R² ≈ 0,68 und ist blind für Tempolimit, Fahrbahnbelag und Abschirmung durch Bebauung. Deshalb steht in dieser Zeile eine Zusammensetzung des Straßennetzes und kein Urteil über die Wohnsituation.

08Zwei Datenstände, vier Jahre auseinander

Die Flächen und Straßen stammen aus einem OpenStreetMap-Abzug mit dem Replikationsstand 2026-08-11. Das bewohnte Gitter, das überhaupt bestimmt, wo gerechnet wird, stammt aus dem Zensus mit Stichtag 15.05.2022.

Vier Jahre Abstand, und das hat eine sichtbare Folge: ein Neubaugebiet, das seit 2022 entstanden ist, trägt in OpenStreetMap längst landuse=residential, im Zensusgitter aber keine bewohnte Zelle. Dort erscheint gar nichts — nicht weil niemand dort wohnt, sondern weil die amtliche Zählung älter ist als das Viertel. Umgekehrt kann eine Zelle von 2022 heute an eine Fläche grenzen, die inzwischen anders genutzt wird.

09Quelle und Lizenz

Flächen und Straßen stammen nach Angaben von OpenStreetMap aus dem Datenbestand mit dem Replikationsstand 2026-08-11. © OpenStreetMap contributors — die Daten stehen unter der Open Database License (ODbL 1.0). Das bewohnte 100-Meter-Gitter stammt aus dem Zensus 2022 (Statistische Ämter des Bundes und der Länder).

Was diese Anteile nicht sind: ein amtliches Flächennutzungskataster. Sie zeigen, was in OpenStreetMap eingetragen ist — und wie viel davon fehlt, steht in derselben Zeile.

Warum eine fehlende Zahl keine Null ist, erklärt Fehlende Daten. Wie viele Geschäfte im selben Umkreis von 500 Metern liegen, erklärt Geschäfte im Umkreis — dort gilt derselbe Radius, aber ein anderes Anzeigetor, weil eine Zählung von Punkten nicht an der Kartierung von Flächen hängt.