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Darmstadt hatte am 31.12.2025 168.253 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 52 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Darmstadt
Darmstadt ist eine Großstadt ohne Fluss: Entwässert wird das Stadtgebiet über mehrere kleine Bäche, die nach Westen dem knapp 20 Kilometer entfernten Rhein zufließen, und der Darmbach, der durch die Innenstadt läuft, ist größtenteils verrohrt. Was die Stadt stattdessen hat, sind Hügel — und auf einem davon, der Mathildenhöhe, steht seit 2021 ein Welterbe. Ende 2025 zählte die Stadt 168.253 Einwohner.
Gegründet wurde der Ort vermutlich im 8. oder 9. Jahrhundert von den Franken; in die Geschichtsschreibung trat er erst Ende des 11. Jahrhunderts, als Graf Sigebodo Zinsabgaben über Darmundestat verfügte. Als Teil der Grafschaft Bessungen fiel das Dorf 1002 an das Bistum Worms und 1009 an das Bistum Bamberg, bevor es am 21. Juni 1013 ein Lehen des Bistums Würzburg wurde — und das bis 1803 blieb. Mitte des 13. Jahrhunderts errichteten die Grafen von Katzenelnbogen hier eine Wasserburg; weil sich die Ritter südlich davon ansiedelten und die bäuerliche Bevölkerung östlich lebte, entstanden zwei durch den Darmbach getrennte Siedlungskerne.
Am 23. Juli 1330 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer dem Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen die Stadtrechte für Darmstadt. Das Privileg galt ausdrücklich dem Grafen persönlich; die Bürger konnten daraus nichts ableiten. Mit dem Marktrecht aber wuchs die Bedeutung der Siedlung rasch. Danach entstand nach und nach die Stadtmauer, zunächst nur der innere Ring; bis zur Vollendung mit innerem und äußerem Ring vergingen rund hundert Jahre, und weil die Fläche dadurch begrenzt war, wuchsen die beiden Siedlungskerne zusammen. Im 14. und 15. Jahrhundert bauten die Grafen die Burg zu einem repräsentativen Schloss um, und Darmstadt wurde ihre Nebenresidenz.

1479 starb das Geschlecht der Grafen von Katzenelnbogen aus, und Darmstadt fiel an Heinrich von Hessen — womit es von einer Nebenresidenz zu einem Vorposten fernab des Machtzentrums Kassel absank. 1518 griff Franz von Sickingen die Stadt an; die junge Stadtmauer war technisch veraltet, das Schloss wurde zerstört. Weil man beim Wiederaufbau auf eine Modernisierung der Verteidigungsanlagen verzichtete, konnten kaiserliche Truppen Darmstadt 1547 im Schmalkaldischen Krieg erneut erstürmen. Die Wende kam 1567: Als Landgraf Philipp der Großmütige starb, wurde Hessen unter seinen vier Söhnen aufgeteilt, und Landgraf Georg gründete die Seitenlinie Hessen-Darmstadt. Ab 1590 entstand die alte Vorstadt in der Magdalenenstraße, 1591 besiegelte ein neues Landrecht die Souveränität Hessen-Darmstadts. Die Kehrseite: Ab 1582 erfasste die Hexenhysterie die Stadt, etwa 40 Frauen und ein Junge wurden als Hexen verurteilt und hingerichtet, und allein 1585 starben an der Pest mehr als 10 Prozent der Stadtbevölkerung. Georg richtete 1592 ein städtisches Armenhaus ein und ließ ab 1594 im Schloss Waisenkinder unterrichten.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg, in dem die Stadt mehrfach besetzt und verwüstet wurde, folgte ein langsamer Wiederaufstieg; 1806 wurde aus der Landgrafschaft das Großherzogtum Hessen. 1888 wurde Bessungen eingemeindet, 1937 machten Eberstadt und Arheilgen Darmstadt zur Großstadt; zugleich kamen der Griesheimer Truppenübungsplatz mit dem Flugplatzgelände und die Siedlung Tann dazu, insgesamt 7,8 Quadratkilometer Griesheimer Gemarkung.
Dann folgte die Zeit des Nationalsozialismus. In der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 gingen die Synagogen an der Bleichstraße, an der Friedrichstraße und in Eberstadt in Flammen auf; 1933 hatte die Stadt 1.427 jüdische Einwohner, das Gedenkbuch des Bundesarchivs verzeichnet namentlich 651 Deportierte. Am 8. Juni 1940 fiel der erste von 36 Bombenangriffen; in der Brandnacht vom 11. auf den 12. September 1944 verwandelte ein Großangriff der Royal Air Force mit anschließendem Feuersturm die Stadt in eine Trümmerwüste, 11.500 Menschen starben und rund 66.000 wurden obdachlos. Etwa 99 Prozent der Alt- und Innenstadt waren zerstört. Am 25. März 1945 besetzte die vierte US-Panzerdivision die Stadt, 1946 wurde nicht Darmstadt, sondern Wiesbaden Landeshauptstadt des neuen Landes Hessen. Viel später setzte die Stadt ein Zeichen der Erinnerung. 1988 wurde die neue Synagoge eingeweiht, die Darmstadt der jüdischen Gemeinde als Geste der Versöhnung gestiftet hatte.
1899 gründete Großherzog Ernst Ludwig auf der Mathildenhöhe eine Künstlerkolonie, und aus ihr wurde ein Ensemble der frühen Moderne, das Zeugnis der künstlerischen und sozialen Reformen dieser Zeit ablegt. Vierzehn Jahre lang, von 1901 bis 1914, war die Mathildenhöhe eines der wichtigen Zentren moderner Kunst und Architektur; vier internationale Ausstellungen genügten, um die bis dahin gültigen Gesetze von Architektur und Design in ein neues Zeitalter zu führen — die letzte wurde vom Beginn des Ersten Weltkriegs abgebrochen.

Was dort entstand, hat weitergewirkt: Üppige Jugendstil-Ornamentik neben reduzierten Fassaden, neues Wohnen und bis zur letzten Teetasse durchgestaltete Häuser legten den Grundstein für das, was das Bauhaus später perfektionierte. Der von Joseph Maria Olbrich entworfene Hochzeitsturm zeigt schon 1908 über Eck gestaltete Fenster. Herz des Geländes war das Ernst-Ludwig-Haus, das zentrale Atelierhaus, in dem heute Werke der einstigen 23 Mitglieder der Kolonie dauerhaft gezeigt werden. Dazu gehören außerdem die Russische Kapelle, das Ausstellungsgebäude und die erhaltenen Künstlerhäuser von Olbrich, Behrens, Glückert, Habich, Keller und Deiters. 2021 wurde das Ensemble in die Welterbeliste aufgenommen.
Die Innenstadt dagegen ist ein Wiederaufbau. Die großen historischen Bauten — Schloss, Rathaus, Stadtkirche und Landesmuseum — wurden wiederhergestellt, die Altstadt bekam aber eine neue Straßenführung, und die kleinteilige Parzellierung gab man größtenteils auf. Die nordöstliche Altstadt wurde mit Erweiterungsbauten der Technischen Hochschule überbaut, die Neubauten entstanden in schmucklosen Zweckformen. Zur Innenstadt gehören außerdem der Weiße Turm, die Ludwigskirche als katholische Hauptkirche der Stadt, die Pauluskirche, das alte Pädagog und der Alte Friedhof. Das Ludwigsmonument auf dem Luisenplatz, im Volksmund Langer Ludwig, hatte Großherzog Ludwig der Zweite zum Gedenken an seinen Vater errichten lassen; es steht bis heute.

Seit dem 13. August 1997 trägt Darmstadt die amtliche Zusatzbezeichnung Wissenschaftsstadt — profiliert hat es sich damit schon seit der Nachkriegszeit. Rund 50.000 Studierende zählen die hiesigen Hochschulen zusammen: die Technische Universität, 1877 gegründet, daneben die Hochschule Darmstadt, die Evangelische Hochschule sowie die Wilhelm Büchner Hochschule.

Dazu kommen über dreißig Forschungseinrichtungen, und einige davon haben Aufgaben, die man einer Stadt dieser Größe nicht ansieht: das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, das Europäische Raumflugkontrollzentrum ESOC, die für die Nutzung meteorologischer Satelliten zuständige europäische Organisation EUMETSAT und drei Institute der Fraunhofer-Gesellschaft. Aus der Schwerionenforschung stammt auch ein Name, den die Stadt im Periodensystem trägt: Das chemische Element Darmstadtium ist nach ihr benannt, und seit 2007 heißt auch das Kongresszentrum so.
Die naturwissenschaftliche Linie ist älter als die Institute. In Darmstadt geboren wurden der Chemiker Justus von Liebig, der Chemiker August Kekulé und der Geophysiker Beno Gutenberg.
Großherzog Ludewig der Erste hielt zunächst am Absolutismus fest, führte aber 1820 eine landesständische Verfassung mit einem Zweikammersystem ein. Demokratisch war das nicht: Das Wahlrecht hatte nur, wer männlich war, das 25. Lebensjahr erreicht hatte und mindestens 20 Gulden an direkten Steuern entrichtete — in Darmstadt etwa 15 Prozent der Bürger. Abgeordneter werden konnte nur, wer wenigstens 100 Gulden direkte Steuern zahlte; das traf auf nicht mehr als 20 Personen zu.
Im Juni 1834 kam der Hessische Landbote in Druck, geschrieben von Georg Büchner und redigiert von Friedrich Ludwig Weidig. Er kritisierte die großherzogliche Regierung und den Adel scharf und rief mit der Parole Friede den Hütten, Krieg den Palästen zur Revolution auf. An die Flugschrift erinnert in der Stadt bis heute die Büchner-Mauer.
Die Reaktion folgte prompt und hielt lange. Nach der Märzrevolution von 1848 wurden zwar die standesherrlichen Sonderrechte aufgehoben, doch am 9. Oktober 1850 führte Großherzog Ludwig der Dritte ein Dreiklassenwahlrecht nach preußischem Vorbild ein und schränkte die liberalen Bewegungen damit stärker ein als zuvor. Erst 1874 bekam Darmstadt eine neue Städteordnung, mit der die Stadtverordnetenversammlung von allen mehr als zwei Jahre ansässigen Einwohnern bei gleichem Stimmrecht gewählt wurde.
Diese Entwicklung brach mit der Machtübernahme ab. Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 stimmten 50 Prozent der Darmstädter für die NSDAP, und die Protestbewegung der Wochen davor endete damit.
Die Industriegeschichte der Stadt beginnt mit einer Chemiefabrik. 1848 errichtete die Chemische Fabrik Merck ihre ersten Fabrikanlagen auf dem heutigen Mercksplatz; aus ihr ist die Merck KGaA geworden, ein DAX-Konzern mit Sitz in Darmstadt. Die Industrialisierung sorgte damals für einen Aufschwung, der die Verelendung in den Armenvierteln vorübergehend stoppte.
Heute trägt die Stadt weniger die Produktion als die Informationstechnik. Zahlreiche Unternehmen und Einrichtungen des Kommunikations- und Informationstechniksektors betreiben hier angewandte Forschung und Entwicklung; dazu gehören ein großer Standort der Deutschen Telekom und die Software AG.
Innerhalb des Rhein-Main-Gebiets zählt Darmstadt zu den zehn hessischen Oberzentren; Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg ist sie ebenfalls. Der Wandel ist beschrieben und datiert: Aus der einstigen Residenz- und Industriestadt wurde nach und nach ein Standort der Dienstleistungen, für den die Wissenschaft als Aushängeschild steht.





Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: WH
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Nicht alles wurde ersetzt. Die Ruine des alten Landestheaters gab man als Theater auf und ersetzte sie 1972 durch einen Neubau am Wilhelminenplatz. Auf dem Grundstück des zerstörten Alten Palais am Luisenplatz entstand 1977 nach kontroversen Debatten das Einkaufszentrum Luisencenter; bei der Einweihung flogen Tomaten und Eier. Erst der Wiederaufbau des alten Pädagogs bis 1984 — durchgesetzt unter dem Druck einer Bürgerinitiative — markierte eine Wende, zu einem Zeitpunkt, als das meiste bereits einem modernen Stadtbild geopfert war. Etwa jedes dritte Gebäude in Darmstadt stammt heute noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.






