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Hattingen hatte am 31.12.2025 52.969 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 49 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Hattingen
Mitten im alten Kern steht ein Haus, das aussieht wie ein Bügeleisen. Es verdankt die Form dem spitzen Winkel zweier Gassen, stammt aus dem 17. Jahrhundert und beherbergt heute ein Museum. Zwischen 1771 und 1856 wohnten hier Tuchmacher und webten im Erdgeschoss.

Solche Häuser gibt es hier fast 150. Die Stadt liegt auf einer Flussterrasse der Ruhr, zählte Ende 2025 52.969 Einwohner und grenzt unmittelbar an Bochum, Essen und Wuppertal. Wenige Kilometer weiter südlich beginnt mit der Elfringhauser Schweiz ein Naherholungsgebiet; wenige Kilometer nördlich liegt das Revier. Hattingen gehört zu beidem, und genau das macht seine Lage aus.
Der Ort erscheint 990 als Reichshof Hatneggen in den Urkunden. Die Lage half: zwischen den Metallwaren aus dem Süden und den Textilien aus dem Norden ließ sich gut handeln. Als Stadtwerdung gilt heute der Befestigungsvertrag, den die Bürger 1396 mit dem Grafen Dietrich von der Mark schlossen; 1554 wurde Hattingen als hansisch anerkannt, allerdings nur als zugewandter Ort — Handelsprivilegien ja, Mitsprache nein.
Das mittelalterliche Gerüst der Stadt ist erhalten geblieben, und das ist keine Selbstverständlichkeit. In den 1960er Jahren stand eine Flächensanierung zur Debatte, also der Abriss ganzer Quartiere zugunsten von Neubauten. Stattdessen setzte sich die behutsame Sanierung einzelner Gebäude durch, Haus für Haus statt Block für Block. Dass heute fast 150 mittelalterliche Fachwerkhäuser stehen, ist das Ergebnis dieser Entscheidung. Zu diesen Häusern gehört auch das Bügeleisenhaus vom Anfang, heute ein Museum.
Das Haus erinnert auch an die Verfolgung im Nationalsozialismus: Vor der Tür liegt ein Stolperstein für Selma Abraham, die letzte jüdische Eigentümerin, die 1941 mit ihrem Mann Alfred in das Ghetto Riga deportiert wurde.

Um sie herum liegen die Bauten, an denen sich die Stadtgeschichte ablesen lässt. Die St.-Georgs-Kirche mit ihrem schiefen Turmhelm, das Alte Rathaus, der Glockenturm und das Heilig-Geist-Spital stehen im Kern; an der alten Stadtmauer bewachen die Eisenmänner des Bildhauers Zbigniew Frączkiewicz den Zugang, dazu der unauffällige Horkenstein.
Im Ruhrtal verteilen sich drei Befestigungen aus verschiedenen Jahrhunderten: die Burg Blankenstein über dem Fluss, die Ruine der Isenburg und die Wasserburg Haus Kemnade. Dort steht die Sammlung von Hans und Hede Grumbt mit rund 1800 Musikinstrumenten und Spieluhren. Direkt daneben steht ein Bauernhausmuseum, das zeigt, wie hier vor der Industrie gewirtschaftet wurde. In Blankenstein kommt der Gethmannsche Garten dazu, eine der frühen Landschaftsgartenanlagen der Region.
Der Kohleabbau begann hier früh und in kleinem Maßstab; der Stephansburger Erbstollen erinnert daran. Schon 1787 ging der Rauendahler Schiebeweg in Betrieb, eine Schienenstrecke von Rauendahl hinunter zur Ruhr, über die Kohle zum Fluss transportiert wurde. Der Grund war einfach: Der Fluss war der Transportweg, und der Weg zum Ufer führte steil bergab.
Der eigentliche Einschnitt kam 1854. Gegründet wurde das Werk, weil man im Boden Eisenerz gefunden hatte. Das Vorkommen erwies sich als unergiebig — vom Schacht Müsen III ist nur der Straßenname Müsendrei geblieben —, doch die Hütte blieb und wuchs zu einem der großen Eisen- und Stahlerzeuger der Region heran.
Mehr als hundert Jahre lang war sie der Hauptarbeitgeber, zeitweise mit 10.000 Beschäftigten. Was das für eine Stadt dieser Größe bedeutet, lässt sich in Welper besichtigen: Das Unternehmen baute ganze Arbeitersiedlungen, Hüttenau und Müsendrei unter anderen, und schuf damit den Stadtteil praktisch selbst.
Zur Geschichte des Werks gehört auch die NS-Zwangsarbeit. Im Zweiten Weltkrieg mussten in Hattingen Zivilarbeiter, Ostarbeiter, Kriegsgefangene und Arbeitserziehungshäftlinge in Unternehmen, Handwerksbetrieben und auf Bauernhöfen arbeiten, mehrere Tausend von ihnen in der Henrichshütte. Mehr als 10.000 Zwangsarbeiter lebten in mindestens 80 Lagern, und 1945 war jeder vierte Hattinger ein Zwangsarbeiter. Nachgewiesen sind 356 Todesfälle; auf dem Russischen Friedhof Ludwigstal sind 151 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter begraben. 2003 zeigten Stadtmuseum und Industriemuseum Henrichshütte gemeinsam eine Ausstellung über die Zwangsarbeit in der Stadt.
1987 ging der letzte Hochofen aus, eine Folge des Niedergangs der Kohle- und Schwerindustrie im ganzen Revier. Viele Gebäude sind seither abgerissen, das Gelände ist zu einem Gewerbe- und Landschaftspark umgebaut worden, und auf 50.000 Quadratmetern führen heute drei Rundwege durch einen der acht Standorte des LWL-Industriemuseums. Jährlich seit 2010 rollt dort zur Veranstaltung Schöne Sterne eine Oldtimerparade vor dem Hochofen auf.
Die heutige Stadt entstand am 1. Januar 1970, als das Gesetz zur Neugliederung des Ennepe-Ruhr-Kreises Blankenstein mit Holthausen und Welper sowie eine Reihe von Landgemeinden eingliederte — Bredenscheid-Stüter, Niederelfringhausen, Oberelfringhausen, Oberstüter und Winz. Aus einer Kleinstadt am Fluss wurde damit ein Gebilde, das von der Werkssiedlung bis zum Bauernhof alles enthält.
Das Ruhrtal ist der gemeinsame Nenner, und es lockt vor allem Radfahrer und Spaziergänger an seine Ufer. Zwischen Hattingen, Bochum und Witten liegt der Kemnader See mit seinen Wassersportmöglichkeiten; der RuhrtalRadweg führt flussaufwärts ins Sauerland und flussabwärts über den Baldeneysee Richtung Rhein. An einigen Stellen ist noch der alte Leinpfad erhalten, auf dem früher Schiffe getreidelt wurden, und die historische RuhrtalBahn hält mit Dampfbetrieb an drei Punkten im Stadtgebiet.
Auch abseits des Flusses ist das Stadtgebiet Ausflugsland; wegen seiner vielen Grünflächen dient Hattingen vielen Bewohnern des Ruhrgebiets als Naherholungsgebiet. Südlich beginnt die Elfringhauser Schweiz, auf den Höhen steht der Bismarckturm direkt am Ruhrhöhenweg, und im Wodantal betreibt ein Familienbetrieb sogar einen Skischlepplift von 220 Metern Länge. Wer ohne Auto kommt, nimmt die S-Bahn-Linie 3, die ab Hattingen Mitte über Bochum-Dahlhausen, Essen und Mülheim nach Oberhausen fährt.
So liegen in Hattingen drei Zeitschichten wenige Kilometer auseinander: der Fachwerkkern, den die Stadt in den 1960er Jahren nicht abreißen ließ, das Hüttengelände, auf dem 1987 der letzte Hochofen ausging und das heute Museum ist, und das Ruhrtal, das einst Transportweg für die Kohle war und heute vor allem Raum für Radfahrer, Wanderer und Wassersportler bietet.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: RIK, FW
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