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Lemgo hatte am 31.12.2025 39.959 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 50 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Lemgo
Lemgo ist keine gewachsene Stadt, sondern eine geplante. Um 1190 legten die Herren zu Lippe sie am Kreuzungspunkt zweier Handelswege auf trockenem Boden an, nachdem sich die ältere Burg Brake in der sumpfigen Aue der Bega als ungeeignet erwiesen hatte. Das Ergebnis ist ein Straßensystem, das man bis heute an einem Nachmittag komplett ablaufen kann.
Ende 2025 zählte die Stadt 39.959 Einwohner. Ihr Stadtbild ist ungewöhnlich geschlossen, weil sie nach der Hansezeit arm wurde und deshalb wenig abriss — und weil sie im Zweiten Weltkrieg glimpflich davonkam. Was hier steht, steht seit vierhundert Jahren.
Besiedelt war der Platz früher. Ein Knochenfund vom ehemaligen Friedhof der ursprünglichen St.-Johann-Kirche am Stumpfen Turm ließ sich 2008 auf die Zeit der Sachsenkriege um das Jahr 780 datieren. Die planmäßige Stadt entstand um 1190 durch Bernhard II.; 1215 wurde die Pfarrkirche St. Nicolai geweiht.

Danach ging es rasch aufwärts. 1231 erhob die Diözese Paderborn die Stadt zum Sitz des Archidiakons, um 1235 prägte sie eigene Münzen, 1245 erwarb sie das Stadtrecht, und ein Wandschneiderprivileg räumte dem Tuchgewerbe Vorrechte ein. Bereits um 1265 musste die Neustadt angelegt werden, 1365 wurden Alt- und Neustadt vereinigt und gemeinsam mit Wall und Graben gesichert. Um 1300 hatte der Ort möglicherweise schon 3500 Einwohner.
Der Anschluss an den Fernhandel dauerte. Die Aufnahme in den Hansebund beantragte Lemgo 1295, aufgenommen wurde es erst 1324; danach handelte es im Kölner Quartier zusammen mit Herford und Bielefeld mit Tuchen, Garnen und Leinen, und seine Kaufleute reisten über Lübeck bis Visby, Stockholm und Turku. Den Ehrentitel Alte Hansestadt verlieh die Stadt sich erst viel später: 1916 durch Fürst Leopold IV. zu Lippe — was seinerzeit ein Politikum war.
In Glaubensfragen ging Lemgo eigene Wege. Schon bevor die Grafschaft Lippe 1538 evangelisch wurde, hatte sich in der Stadt in den 1520er Jahren eine reformatorische Bewegung gebildet, die 1533 die Reformation durchsetzte. Als der Landesherr 1605 zum reformierten Bekenntnis übertrat, weigerte sich die Stadt; der Röhrentruper Rezess erlaubte ihr 1617 nach jahrelangem Streit, lutherisch zu bleiben.
Dann kam die dunkelste Phase. Nach dem Dreißigjährigen Krieg und wiederholten Pestwellen verloren bis zum Jahr 1681 allein in Lemgo 272 Frauen und Männer als angebliche Hexen ihr Leben, darunter der Pfarrer Andreas Koch. Eine führende Rolle spielte dabei Bürgermeister Hermann Cothmann. Die letzte Angeklagte, Maria Rampendahl, widerstand 1681 der Folter und überlebte, musste die Stadt aber verlassen; 1992 beschloss der Rat ein Denkmal für sie, und 2012 bestätigte er, dass die Opfer der Prozesse damit rehabilitiert sind.
Der Wohlstand der Hansezeit steht noch in den Straßen. Am Marktplatz und an der Mittelstraße reihen sich reich verzierte Steingiebel- und Fachwerkbauten; dazu gehören Adressen wie Mittelstraße 56 und Kramerstraße 10, die heute unter Denkmalschutz stehen.

Das Rathaus ist dabei kein einzelner Bau, sondern eine Reihe. Weil die Verwaltung wuchs, kaufte die Stadt Nachbarhäuser dazu, statt neu zu bauen; entstanden ist eine Front aus Bauteilen verschiedener Jahrhunderte im Stil der Weserrenaissance, mit dem Apothekenerker als auffälligstem Stück und der Ratslaube samt Kornherrenstube auf der Nordseite.

Das bekannte Bürgerhaus der Stadt stammt aus dem Jahr 1571 und trägt eine Fassade der Weserrenaissance. Es heißt Hexenbürgermeisterhaus, weil im 17. Jahrhundert der Bürgermeister Cothmann darin wohnte, der den Hexenwahn nutzte, um politische Gegner loszuwerden; heute ist es ein Museum. Die Kirchen daneben sind älter: St. Marien aus dem 12. und 13. Jahrhundert, St. Nicolai, St. Johann und St. Pauli.
Vor der Stadt liegt der repräsentative Gegenpol. Schloss Brake, dessen Baugeschichte vom 12. bis ins 19. Jahrhundert reicht, wurde Ende des 16. Jahrhunderts von Graf Simon VI. zu einem Wasserschloss der Weserrenaissance ausgebaut; heute sitzt hier der Landesverband Lippe, und ein Museum zeigt Kunst und Leben dieser Epoche.
Ganz aus der Reihe fällt ein Haus von 1891. Das Junkerhaus ist über und über mit Schnitzereien versehen — innen wie außen, vom Boden bis zur Decke — und stammt vom Künstler Karl Junker, der es sich selbst baute. Wer aus den Renaissancegassen dorthin geht, wechselt nicht das Jahrhundert, sondern die Gattung.
Engelbert Kaempfer wurde 1651 in Lemgo geboren. Ab 1682 reiste er nach Persien, Indien und Java und schließlich nach Japan, dessen Kultur, Tier- und Pflanzenwelt er als erster Europäer beschrieb. Seine Reiseberichte wurden im 18. Jahrhundert ein Verkaufserfolg; ein Gymnasium der Stadt trägt heute seinen Namen.
Gedruckt wurde vor Ort. 1664 gründeten die Brüder Albert und Heinrich Meyer eine Buchdruckerei, aus der die Meyersche Hofbuchhandlung hervorging, und der Erfolg in Druck und Verlag brachte der Stadt den Beinamen Westfälisches Leipzig. Aus Lemgo stammt passend dazu auch der Verleger Wilhelm Engelmann. Ein weiterer Lemgoer schrieb politisch: Christian Konrad Wilhelm von Dohm trat für die bürgerliche Gleichstellung der Juden ein.
Wirtschaftlich blieb Lemgo nach der Hansezeit lange zurück. Detmold entwickelte sich zur Residenzstadt und überflügelte den Ort an Bedeutung und Einwohnerzahl; Lemgo lebte von Meerschaumpfeifen, Kutschenbau, Seidenverarbeitung und später von Möbeln. Der Anschluss ans Eisenbahnnetz kam erst 1896, und danach dehnte sich die Stadt über die Wälle hinaus aus.
Unter dem Nationalsozialismus erlebte Dohms Heimatstadt das Gegenteil dessen, wofür er eingetreten war. In der Reichspogromnacht 1938 wurde die 1883 errichtete Synagoge angezündet. Von den 1933 hier lebenden 65 jüdischen Einwohnern wurden am 28. Juli 1942 die letzten 22 nach Bielefeld gebracht und von dort nach Theresienstadt deportiert. Zwei jüdische Friedhöfe und das Frenkelhaus halten diese Geschichte fest.
Heute stehen andere Namen für die Stadt. Lemgo ist Sitz der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe und mit dem Innovation Campus eines von drei regionalen Leistungszentren des ostwestfälischen Technologienetzwerks; überregional bekannt ist außerdem die Handballmannschaft des TBV Lemgo. So verbindet die alte Hansestadt, die ihre Giebel behielt, weil sie arm wurde, heute Fachwerk mit einer jungen Hochschule.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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