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Solingen hatte am 31.12.2025 164.621 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 39 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Solingen
Warum werden Messer ausgerechnet hier gemacht? Die Antwort steht nicht in der Wirtschaftsgeschichte, sondern in der Geologie. Solingen liegt auf mehreren Höhenrücken, zwischen die sich sechs tief eingeschnittene Bachtäler graben; zusammengerechnet kommen diese Täler auf rund 200 Kilometer Länge. Fließendes Wasser treibt Schleifsteine an, und wer schleifen will, siedelt am Bach.
Aus dieser Anordnung ist alles Weitere gefolgt: die verstreute Bebauung in Hofschaften statt in einer Altstadt, ein Handwerk, das sich früh in Bruderschaften organisierte, und am Ende ein Stadtname, der zur Marke wurde und seit 1938 unter Gesetzesschutz steht. Solingen ist nicht eine Stadt mit einer Industrie. Es ist eine Landschaft, aus der eine Industrie wurde. Ende 2025 zählte die Stadt 164.621 Einwohner.
Der Ortsname ist seit 1067 überliefert. Die Burg, die der Gegend ihren Namen gab, kam etwas später: Um 1133 zog das aus Altenberg stammende Grafengeschlecht derer von Berg in den heutigen Stadtteil Burg und errichtete über der Wupper eine Anlage, das heutige Schloss Burg. Von dort aus herrschten die Grafen über das nach ihnen benannte Bergische Land. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg nahezu vollständig zerstört; was heute dort steht, ist Wiederaufbau, bis hin zur Pankratiuskapelle.

Gesiedelt wurde nicht in einem Kern, sondern in Hofschaften — Gruppen von wenigen Häusern, die sich oft um einen Schleifkotten, eine Mühle oder ein Hammerwerk bildeten. Weil das Bergische Land so viele Bäche hat, gab es viele solcher Keimzellen. Das erklärt, warum die Stadtteile bis heute eigene kleine Zentren haben und warum man sie über Serpentinenstraßen erreicht: Sie sind nie zusammengewachsen, sie wurden zusammengelegt.
Am 23. Februar 1374 bekam Solingen einen Freiheitsbrief. Eine spätere Erhebung zur Stadt ist nicht überliefert, weshalb dieses Schreiben als Verleihung des Stadtrechts gilt. Die Bevölkerung musste fortan im Herbst eine Steuer entrichten und durfte dafür einen Bürgermeister wählen; Recht sprachen geschworene Schöffen, ein Wochenmarkt und ein Jahrmarkt im Oktober wurden erlaubt.
Die Stadtteile haben sehr verschiedene Biografien. Gräfrath entstand ab den 1190er Jahren rund um sein Kloster, aus dem das Augustinerchorfrauenstift St. Maria hervorging. Ohligs dagegen blühte erst ab den 1870er Jahren auf, als es Anschluss an die Eisenbahn bekam. Zwei verheerende Brände, 1492 und 1535, und die Pest von 1614 trafen die alte Stadt; die Eisenbahn traf sie nicht, sie ging an ihr vorbei.
Die heutige Großstadt entstand an einem Tag. Am 1. August 1929 wurden Ohligs mit 29.768, Wald mit 27.443, Höhscheid mit 15.854, Gräfrath mit 10.582 und Solingen selbst mit 56.353 Einwohnern zusammengeschlossen. Ihren Höchststand erreichte die Bevölkerung 1972 mit 177.899 Einwohnern.
Seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts, etwa ab 1210, lässt sich das Klingenhandwerk hier nachweisen. Die ersten Schleifer ließen sich an den Bächen nieder — nicht aus Heimatliebe, sondern weil ein Wasserrad damals der verfügbare Antrieb war. Wo ein Bach genug Gefälle hatte, entstand ein Kotten; wo mehrere Kotten standen, entstand eine Hofschaft.
Bemerkenswert ist, wie früh sich das organisierte. Schon Anfang des 14. Jahrhunderts schlossen sich die Schleifer in Zünften zusammen, die man hier Bruderschaften nannte. Damit war die Klingenherstellung bereits im Mittelalter kein loses Nebengewerbe, sondern ein geregeltes Gefüge mit eigenen Regeln — und der wichtigste Faktor der Solinger Wirtschaft.
Diese Arbeitsweise lässt sich noch anfassen. Der Balkhauser Kotten an der Wupper steht als Denkmal und zeigt eine wasserbetriebene Schleiferei; in Merscheid arbeitete die Gesenkschmiede Hendrichs, heute ein Standort des LVR-Industriemuseums. Im ehemaligen Kloster in Gräfrath sitzt das Deutsche Klingenmuseum mit Blankwaffen aus Solinger Produktion und einer großen Bestecksammlung. Vier Museumsorte in vier Stadtteilen — auch das ist eine Folge der verstreuten Siedlungsweise.

Aus dem Handwerk wurde im 19. Jahrhundert Industrie. 1815 fiel das Bergische Land an Preußen, Solingen wurde Kreisstadt und 1896 kreisfreie Stadt. Der Arbeitskräftebedarf der metallverarbeitenden Betriebe sorgte für Zuzug: 1910 hatte allein die damalige Mittelstadt Solingen mehr als 50.000 Einwohner. Der Erste Weltkrieg traf die exportorientierte Schneidwarenindustrie hart, weil die Absatzmärkte im Ausland wegbrachen — ein Muster, das sich in dieser Branche wiederholen sollte.
Der wichtigste Vorgang der Solinger Wirtschaftsgeschichte ist deshalb kein Firmenname, sondern ein Gesetz. 1938 wurde das Gesetz zum Schutz des Namens Solingen verabschiedet; seither ist die Herkunftsangabe Solingen für Schneidwaren rechtlich geschützt. Wer heute ein Messer so kennzeichnet, macht eine Aussage über den Fertigungsort, und diese Aussage ist einklagbar. Rund 90 Prozent der deutschen Schneidwaren- und Besteckhersteller sitzen in dieser Stadt.
Den Namenszusatz zog die Stadt später nach: Seit dem 19. März 2012 heißt sie amtlich Klingenstadt. Das ist mehr als Werbung, denn es beschreibt eine Abhängigkeit. Eine Stadt, deren Beschäftigung so eng an einer exportabhängigen Warengruppe hängt, reagiert auf Konjunktur und Handelspolitik anders als eine mit gemischter Struktur. Ganz allein steht die Klinge allerdings nicht mehr: Hinzugekommen sind vor allem Automobilzulieferer und die Galvanotechnik, der rund 150 Solinger Unternehmen zuzuordnen sind.
Stadtbild und Verkehr folgen dagegen eher der Landschaft als der Marke. Der Alte Hauptbahnhof in Solingen-Mitte steht unter Denkmalschutz, seit der Ohligser Bahnhof am 10. Dezember 2006 zum Hauptbahnhof bestimmt wurde. Die Wupper bildet auf rund 26 Kilometern eine natürliche Stadtgrenze; sie war einmal der Antrieb, heute ist sie vor allem Landschaft. Und der Wasserturm in Gräfrath dient längst nicht mehr dem Wasser, sondern als Lichtturm.

Auch der Nahverkehr hat eine eigene Form: Nach dem Krieg beschloss der Stadtrat, die Straßenbahn stillzulegen und stattdessen ein stadtweites Oberleitungsbussystem aufzubauen. Den Ausschlag gaben niedrige Betriebskosten und die lange Lebensdauer der Fahrzeuge; der erste O-Bus fuhr am 19. Juni 1952 vom Graf-Wilhelm-Platz zum Bahnhof Ohligs. Es fährt bis heute und bedient auch die Randlagen.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT_IND
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