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Baden-Baden hatte am 31.12.2025 56.952 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 52 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Baden-Baden
Wer durch die Lichtentaler Allee geht, sieht Bäume, die hier eigentlich nicht wachsen müssten: exotische Arten, die vom milden Klima der Oberrheinebene leben, darunter einige sehr dicke Mammutbäume. Der Park ist ein Sinnbild für den ganzen Ort. Baden-Baden hat sich im 19. Jahrhundert eine Ausstattung zugelegt, die zu seiner Größe nicht passt — und lebt bis heute davon.
Der Grund liegt im Boden. Aus dem Rand des Schwarzwalds kommt Thermalwasser von bis zu 68 Grad, und schon die Römer haben es genutzt. Aus diesem Wasser wurde zuerst ein Militärkurbad, dann eine Residenz, dann ein Spielort für halb Europa und zuletzt eine Welterbestätte. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 56.952 Einwohner auf 140,19 Quadratkilometern.
Die Römer besetzten die rechtsrheinischen Gebiete unter Kaiser Vespasian und legten um die Mitte der siebziger Jahre ein Militärlager südlich der heutigen Altstadt an. Daraus wurde ein Badeort mit mehreren Bädern, der schlicht Aquae hieß. Die Kaisertherme lag im Bereich der heutigen Stiftskirche; laut einer Steininschrift ließ Kaiser Caracalla sie im Jahr 213 luxuriös ausbauen. Die Soldatenbäder lagen dort, wo heute das Friedrichsbad steht, und ihre Ruinen sind öffentlich zugänglich. Um 260 eroberten die Alamannen die Gegend.

Die erste urkundliche Erwähnung ist umstritten und ein gutes Beispiel dafür, wie unsicher frühe Daten sind: Eine oft als Fälschung bezeichnete Urkunde nennt das Jahr 712, eine andere Deutung 675, eine weitere Urkunde von 856 bezieht sich auf dieselbe Schenkung. Sicheren Boden betritt man erst mit einer Schenkungsurkunde Ottos des Dritten aus dem Jahr 987; darin heißt der Ort Badon. 1046 ist erstmals das Marktrecht bezeugt.
Um 1100 entstand die Burg Hohenbaden. Graf Hermann II. aus dem Geschlecht der Zähringer nannte sich 1112 erstmals Markgraf von Baden — der Ort gab damit einem ganzen Land seinen Namen. 1245 wurde das Kloster Lichtenthal gegründet, bis 1372 Grablege der Markgrafen. Um 1250 erlangte Baden das Stadtrecht, ausdrücklich als Stadt genannt wird es 1288. Ab 1306 durften die Thermalquellen mit Erlaubnis des Markgrafen für Bäder genutzt werden, und 1479 verlegte Markgraf Christoph I. die Residenz von der Burg ins Neue Schloss.

Die Neuzeit begann gut und endete schlecht. 1507 wurde die erste Kurtaxe erhoben, und ein Kurdirektor kümmerte sich um den Betrieb. Nach der Teilung der Markgrafschaft 1535 blieb der Ort Hauptstadt der Markgrafschaft Baden-Baden. Zwischen 1570 und 1631 erfasste die Hexenverfolgung die Stadt: 134 Menschen gerieten in einen Prozess, mindestens 102 kamen zu Tode. Am 24. August 1689 brannten französische Truppen Baden-Baden im Pfälzischen Erbfolgekrieg nieder; der Bäderbetrieb kam zum Erliegen, und 1705 verlegte Ludwig Wilhelm die Residenz nach Rastatt.
Baden-Baden ist eines von mehr als 350 Heilbädern und Kurorten in Deutschland — und eines der wenigen, deren Kurgeschichte sich lückenlos von der Antike bis heute verfolgen lässt. Dreizehn Thermalquellen gehören zu den zentralen Einzelobjekten des Welterbes, dazu die Gebäude, die mit ihnen zusammenhängen. Das Wasser erreicht bis zu 68 Grad, und die Schüttung hat über zwei Jahrtausende Bäder, Trinkkuren und Hotels getragen.
Im Bäderviertel liegen die beiden Pole dieser Geschichte nebeneinander. Das Friedrichsbad stammt aus dem 19. Jahrhundert und war bei seiner Eröffnung ein technisch modernes Haus; unter und neben ihm liegen die römischen Badruinen. Wenige Schritte entfernt steht die Caracalla Therme als moderne Badeanlage. Das ehemalige Dampfbad am Marktplatz, oberhalb des Friedrichsbads, stammt von Heinrich Hübsch, der auch die Trinkhalle gebaut hat.
Aus dieser Kurgeschichte ist die heutige Anerkennung erwachsen. Am 24. Juli 2021 setzte das Welterbekomitee der UNESCO die Stadt gemeinsam mit Bad Ems und Bad Kissingen auf die Welterbeliste — als eine von elf bedeutenden Kurstädten Europas. Beworben hatte sich die Stadt bereits 2010, seit 2014 stand sie auf der Tentativliste. Die Molkenkur zählt heute als Beispiel kurstädtischer Infrastruktur zum Welterbe. Der Schutzbereich umfasst 230 Hektar mit vielen Einzelobjekten und ist von einer 2377 Hektar großen Pufferzone umgeben — das Welterbe ist hier also nicht ein Haus, sondern ein halber Stadtkörper.
Baden-Baden hat im Zweiten Weltkrieg keine großen Schäden erlitten: Insgesamt wurde die Stadt zu 3,1 Prozent zerstört, 125 Menschen kamen dabei ums Leben. Deshalb steht die Kurarchitektur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts noch fast vollständig. Mittelpunkt ist das Kurhaus mit dem Casino, gebaut zwischen 1821 und 1824 von Friedrich Weinbrenner, von dem auch die klassizistische Villa Hamilton stammt.

Weinbrenners Nachfolger Heinrich Hübsch hat dem Ort zwei weitere Gesichter gegeben: die Trinkhalle, eine Säulenhalle direkt beim Kurhaus, und das ehemalige Dampfbad. Dazu kommen die Wasserkunstanlage Paradies, das Kloster Lichtenthal, das Schloss Hohenbaden über der Stadt und das Neue Schloss auf dem Schlossberg, dessen Kern eine Burg vom Ende des 14. Jahrhunderts ist.

Die Kirchen erzählen, wer hier zur Kur war. Neben Stiftskirche, Evangelischer Stadtkirche, Spitalkirche und St. Bernhard stehen die Russische Kirche und die Stourdza-Kapelle — beide für Gäste aus dem östlichen Europa gebaut.
Wohnen und Aussicht sind hier eigene Bauaufgaben. Die Villenviertel Beutig-Quettig und Annaberg gehören zum Welterbegebiet, und im Ooswinkel steht eine Gartenstadtsiedlung, für die Paul Schmitthenner die Pläne zeichnete. Mit der Merkurbergbahn kommt man auf den 669 Meter hohen Hausberg Merkur mit seinem Aussichts- und Sendeturm.
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hat Baden-Baden eine Rolle gegeben, die mit dem Bad nichts zu tun hat. Aus dem Sitz der französischen Zonenregierung wurde der Südwestfunk, dessen Nachfolger Südwestrundfunk hier bis heute einen wichtigen Teil seines Programms produziert. Seit 1992 wird in der Stadt der Deutsche Medienpreis verliehen. Als die französischen Streitkräfte bis 1999 vollständig abgezogen waren, wurden im Westen der Stadt große Flächen frei; dort entsteht seither das Stadtviertel Cité.
Auch der Sport hat hier Verwaltungsgeschichte geschrieben. 1963 fand in Baden-Baden eine Session des Internationalen Olympischen Komitees statt, 1981 der elfte Olympische Kongress, auf dem Calgary und Seoul als Austragungsorte der Spiele von 1988 nominiert wurden. 1996 verlieh das Komitee der Stadt den Titel Olympische Stadt; den zugehörigen Olympic Cup übergab der Präsident Juan Antonio Samaranch 1997 persönlich. Im selben Jahr 1981 richtete die Stadt die zweite Landesgartenschau Baden-Württembergs aus, aus der die Parkgestaltung östlich und nördlich des Neuen Schlosses hervorging.
Baden-Baden hört nicht am Kurviertel auf. Die Gemarkung reicht bis auf die Badener Höhe, 1002,2 Meter über dem Meeresspiegel, und ist weitgehend bewaldet und bergig. Über die Badener Höhe führt der Westweg des Schwarzwaldvereins, und im Nationalpark Schwarzwald liegen mit dem Wildnispfad und dem Luchspfad zwei Themenwege. Der Ort selbst unterhält mehr als 20 Rundwanderwege.
Der Panoramaweg, knapp 45 Kilometer lang, führt auf fünf Etappen um die Stadt; er wurde 1997 neu gestaltet und 2004 vom Deutschen Tourismusverband ausgezeichnet. Wie der 9,4 Kilometer lange Ebersteinburg-Rundweg ist er als Premium-Wanderweg zertifiziert. Diese Wege sind kein Beiwerk: Sie gehören zum Kurbetrieb, seit die Terrainkur zum ärztlichen Programm gehörte.
Geologisch auffällig ist der Battert. Die dortigen Felsen sind bis zu 60 Meter hoch und liegen in einem Naturschutzgebiet; für Kletterer im Nordschwarzwald sind sie die wichtigste Adresse. Auf demselben Berg finden sich Überreste eines vermutlich keltischen Ringwalls — die Besiedlung dieser Hänge ist also deutlich älter als das römische Bad im Tal.
Im Westen, zum Rhein hin, liegt das Rebland mit den 1972 und später eingemeindeten Weinorten Neuweier, Steinbach und Varnhalt. Dort steht das Schloss Neuweier, dort liegt auch die Burgruine Yburg über den Weinbergen. Der Ortenauer Weinpfad kommt aus Gernsbach, quert die Stadt, erreicht das Rebland und zieht dann weiter in die badischen Weinbaugebiete am Schwarzwaldrand; im Juni feiert Steinbach seine Mittelalterlichen Winzertage.
Im 19. Jahrhundert wurde aus dem Bad ein Treffpunkt. Luxushotels entstanden, das erste war das Hotel Badischer Hof, und die Spielbank nahm zwischen 1810 und 1811 ihren Betrieb auf. Viele herrschaftliche Gäste machten den Ort zur Sommerhauptstadt Europas — die Winterhauptstadt war Paris. 1872 wurde die Spielbank geschlossen, von 1933 bis 1943 war sie wieder geöffnet, und seit 1950 läuft der Betrieb erneut.
Aus derselben Zeit stammt der zweite Publikumsmagnet: Seit 1858 finden internationale Pferderennen auf dem Rennplatz Iffezheim statt. Veranstaltet wurden sie anfangs von Edouard Bénazet, der zugleich Pächter der Spielbank war und die Rennen aus deren Einnahmen finanzierte. 1872 übernahm der in demselben Jahr gegründete Internationale Club Baden-Baden die Organisation. Auch der Sport der englischen Kurgäste blieb: Der Tennisclub an der Lichtentaler Allee wurde 1881 als Baden-Baden Lawn Tennis Club gegründet, der Golf Club 1901.
Musik war von Anfang an Teil des Geschäfts. Der 1858 errichtete Musikpavillon diente bis 1912 für Kurkonzerte; Hector Berlioz stand über viele Jahre an der Spitze der damaligen Sommerfestspiele, und eröffnet wurde das Theater mit seiner Oper Béatrice und Bénédict. Johannes Brahms verbrachte hier Sommer — sein Wohnhaus in der Maximilianstraße ist heute das Brahmshaus. Das Festspielhaus, entstanden durch den Umbau des alten Stadtbahnhofs, setzt diese Linie fort, ebenso die Pfingstfestspiele, die seit 1997 stattfinden.
Das Roulette hat auch Literatur hervorgebracht. Leonid Zypkin porträtierte in seinem Roman Ein Sommer in Baden-Baden von 1982 die Spielsucht Fjodor Dostojewskis am Roulettetisch während dessen Deutschlandreise mit seiner zweiten Frau Anna im Jahr 1867 und griff dabei auf Motive aus Dostojewskis 1866 verfasstem Roman Der Spieler zurück. Der in Baden-Baden geborene Schriftsteller Reinhold Schneider hat den Ort seinerseits beschrieben, in den Aufzeichnungen eines Müßiggängers in seinem Band Der Balkon von 1957. Eine Kurstadt liefert ihren Gästen offenbar nicht nur Wasser, sondern auch Stoff.





Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: WH, SPA
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Wiederentdeckt wurde der Ort am Ende des 18. Jahrhunderts, rund um den Rastatter Kongress, und der badische Staat baute ihn zum Kurort aus. Den Bahnanschluss bekam 1844 zunächst nur der Vorort Oos, den die Badische Hauptbahn erreichte; ein Jahr später führte eine Stichbahn auch in den Kurort selbst. 1939 wurde Baden-Baden zum Stadtkreis erklärt. Nach dem Zweiten Weltkrieg residierte hier die französische Zonenregierung, und der Südwestfunk entstand.






