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Gelsenkirchen hatte am 31.12.2025 266.199 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 36 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu GelsenkirchenDiese Stadt ist jünger, als ihre Größe vermuten lässt. Um 1150 taucht der Name Geilistirinkirkin erstmals in den Urbaren des Klosters Werden auf, aber bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts lebten hier nur einige Dutzend Menschen je Siedlung in der Emschermulde. Was daraus eine Großstadt machte, lag unter dem Boden und wurde erst 1840 gefunden.
Gelsenkirchen ist überwiegend flach und zählte Ende 2025 266.199 Einwohner. Es gibt keine Altstadt im üblichen Sinn, keinen Dom, keine gewachsene Kaufmannsschicht. Es gibt stattdessen Zechen, Kolonien, einen Kanal, eine Arena und eine Reihe von Anläufen, aus alldem etwas Neues zu machen.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das Gebiet dünn besiedelt und fast ausschließlich agrarisch. Historisch lag es sogar in zwei Ländern: nördlich der Emscher das kurkölnische Vest Recklinghausen mit Buer, südlich davon die Grafschaft Mark mit dem Dorf Gelsenkirchen — eine Teilung, die sich in zwei preußischen Regierungsbezirken bis 1928 fortsetzte.
Dann kam die Kohle. Die Flöze unter dem heutigen Stadtgebiet wurden 1840 entdeckt, 1843 entstand die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft mit einem Bahnhof im Ort, und ab da ging es schnell. Friedrich Grillo gründete 1872 in Schalke eine Aktiengesellschaft für Chemische Industrie und den Schalker Gruben- und Hüttenverein; 1875 erhielt Gelsenkirchen das Stadtrecht, am 1. April 1897 wurde es kreisfrei.
Der Zuzug kam von weit her. Im Zuge der Industrialisierung wanderten viele polnischsprachige Arbeiter aus der Provinz Posen zu, die 1905 gut 13,9 Prozent der Stadtbevölkerung stellten. Für diese Menschen wurden ganze Viertel gebaut — die Siedlungen Flöz Dickebank, Klapheckenhof und Spinnstuhl stehen heute unter Denkmalschutz und zeigen, wie eng Arbeit und Wohnen hier verzahnt waren.
Die Stadtgrenzen folgten der Industrie, nicht umgekehrt. Zum 1. April 1928 wurden Gelsenkirchen, Buer und das Amt Horst zur kreisfreien Stadt Gelsenkirchen-Buer zusammengeschlossen; 1930 strich der Rat den zweiten Namensteil. Wegen der Fackeln, mit denen die Kokereien überschüssiges Gas verbrannten, hieß die Stadt damals Stadt der 1000 Feuer.
Der Preis stand im Krieg. Als Zentrum der Rüstungswirtschaft mit zwei Hydrierwerken wurde Gelsenkirchen Ziel alliierter Bomber, die drei Viertel des Stadtgebiets zerstörten; insgesamt forderte der Krieg hier 3092 zivile Opfer. Was übrig blieb, ist bis heute ablesbar: Nur etwa ein Drittel des Gebäudebestands stammt aus der Zeit davor.
Die Namen stehen noch, die Betriebe nicht mehr: Consolidation, Nordstern, Hugo, Graf Bismarck, Holland, Bergmannsglück, Westerholt. Ihre Fördergerüste, Maschinenhallen und Kauen sind Denkmale, und sie stehen nicht am Rand, sondern mitten in Wohngebieten — weil die Wohngebiete für sie gebaut wurden. Wer hier eine Straße entlanggeht, geht am Grundriss eines Schichtplans entlang.
Das Ende kam in zwei Schritten. Am 29. September 1999 produzierte die Kokerei Hassel zum letzten Mal Koks, und mit der Schließung der Zeche Ewald Hugo wurden am 28. April 2000 dreitausend Bergleute entlassen. Das Kleine Museum in der Eschweiler Straße erzählt die Geschichte dieser Zeche; im Lüftermaschinengebäude von Consolidation spielt seit 2001 ein Theater.
Die Umnutzung war ein Programm, kein Zufall. 1989 begannen die Planungen für den Wissenschaftspark Rheinelbe auf dem Gelände eines 1984 stillgelegten Gussstahlwerks; 1995 wurde er im Rahmen der IBA Emscher Park errichtet, mit einer dreihundert Meter langen Glashalle und einer großen Photovoltaikanlage auf dem Dach. 1997 fand auf dem Gelände der Zeche Nordstern die Bundesgartenschau statt und machte daraus einen Landschaftspark samt Amphitheater am Rhein-Herne-Kanal. Heute ist der Nordsternpark mit Klettergarten, Erlebnisbauernhof und dem Herkules von Gelsenkirchen ein beliebtes Ausflugsziel.
Ein Gegenbild dazu bilden die wenigen älteren Bauten, die zwischen den Industrieflächen stehen geblieben sind: Schloss Horst und Schloss Grimberg, das Wasserschloss Haus Lüttinghof, die Bleckkirche, die Evangelische Altstadtkirche und das Rathaus Buer. Auch sie gehören zur Stadt — nur erklären sie nicht, warum sie so groß geworden ist.
Wenn eine Stadt keine Altstadt hat, übernimmt etwas anderes die Rolle des gemeinsamen Bezugspunkts. In Gelsenkirchen ist das ein Fußballverein: Der FC Schalke 04 wurde am 4. Mai 1904 gegründet, spielte bis 1973 in der Glückauf-Kampfbahn, dann im Parkstadion und seit 2001 in der Arena im Stadtteil Erle. Aus dem Verein und seinem Umfeld kommen Spielernamen, die weit über die Stadt hinaus bekannt sind, von Fritz Szepan über Olaf Thon bis zu Manuel Neuer, Mesut Özil und İlkay Gündoğan.
Einen zweiten Bezugspunkt schuf die Aufbauzeit. Das Musiktheater im Revier entstand von 1956 bis 1959; in seinem Foyer hängen große blaue Schwammreliefs von Yves Klein, und im Kleinen Haus steht eine frühe kinetische Arbeit von Jean Tinguely. Gebaut haben es Werner Ruhnau, Harald Deilmann, Ortwin Rave und Max von Hausen; es bietet 1005 Besuchern Platz und spielt auf zwei Bühnen vor allem Oper, Operette, Musical und Ballett.
Wirtschaftlich musste die Stadt nach der Kohle einen neuen Halt suchen. Seit den 1960er Jahren verlor die Montanindustrie an Gewicht, und Ende der 1990er Jahre positionierte sich Gelsenkirchen als Standort für Solartechnik; 1999 nahm ein Hersteller die Produktion von Photovoltaikanlagen auf. Als Solarstadt machte sich Gelsenkirchen einen Namen; unter anderem kamen die Solarzellen für den neuen Berliner Hauptbahnhof von hier. Die zweite Stütze wurde ein deutlich gewachsener Dienstleistungssektor, auch wenn die Stadt diesen Weg nur mit Zögern und unter erheblichen strukturellen Problemen einschlug. 1992 war die Fachhochschule Gelsenkirchen gegründet worden, die seit 2012 Westfälische Hochschule heißt.
Wie weit diese Suche bisher trägt, zeigen zwei jüngere Befunde. Im Oktober 2021 lag die Arbeitslosenquote bei 14,1 Prozent gegenüber einem Bundesdurchschnitt von 5,2 Prozent. Der Wohnungsbestand ist überdurchschnittlich alt; eine Erhebung von 2024 ermittelte 9190 leerstehende Wohneinheiten und eine Leerstandsquote von 6,37 Prozent, weshalb Stadt und Land seit 2022 einen langfristigen Stadtumbau verfolgen.
Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT_IND, RIK
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