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Bochum hatte am 31.12.2025 358.880 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 54 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Bochum
Vor dem Bochumer Rathaus hängt eine Glocke, die niemand läuten wird. Sie wiegt 15.000 Kilogramm, wurde für die Weltausstellung des Jahres 1867 gegossen und besteht nicht aus Bronze, sondern aus Stahl. Sie ist das Werbestück eines Unternehmens, das gelernt hatte, Stahl in Formen zu gießen — etwas, das vorher als kaum machbar galt. Wer wissen will, wovon diese Stadt gelebt hat, muss nicht ins Museum; er muss nur auf den Rathausvorplatz sehen.

Bochum liegt 100 Meter über dem Meeresspiegel auf einem flachhügeligen Landrücken zwischen Ruhr und Emscher, in der geografischen Mitte des Ruhrgebiets; Ende 2025 zählte die Stadt 358.880 Einwohner. Der Name kommt von der Buche: Bokheim, Wohnort unter Buchen. Sechshundert Jahre lang war das eine kleine Landstadt am Hellweg. Dann fand man, was unter den Buchen lag.
Die Anfänge sind unspektakulär. Um 890 erscheint der Ort in den Urbaren, 1041 nennt ihn eine Urkunde der Kölner Erzbischöfe Cofbuokheim, und 1321 bestätigte Graf Engelbert II. von der Mark die Befugnisse des Schultheißen — was oft als Stadtrechtsverleihung gilt. Bochum war eine Hansestadt, aber als Beistadt ohne Mitspracherecht. Steinkohle taucht in den Rechnungsbüchern erstmals 1537 auf; abgebaut wurde sie im kleinen Maßstab, und bis ins 19. Jahrhundert blieb die Stadt eine Ackerbürgersiedlung mit ein paar überörtlichen Behörden.
Der Bruch kam in den 1840er Jahren, und er kam zweimal gleichzeitig. 1843 erwarb Jacob Mayer ein Gelände an der Essener Chaussee für eine Gussstahlfabrik; aus ihr wurde 1854 der Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation, der unter dem technischen Leiter Louis Baare zu einem der führenden Unternehmen des Reviers heranwuchs. 1844 nahm hinter der Stadtgrenze der erste Schacht der Zeche Präsident die regelmäßige Förderung auf — eine Tiefbauzeche, die die Mergeldecke durchstieß und damit den Weg für alle folgenden freimachte.
Was dann geschah, steht in einer Zahlenreihe: Zwischen 1843 und 1873 wuchs die Einwohnerzahl von 4282 auf 25174. Die Arbeitskräfte kamen von auswärts, und sie wurden in Werkswohnungen neben den Betrieben untergebracht — im Griesenbruch etwa, abgetrennt vom übrigen Stadtgebiet durch die Gussstahlbahn. Eine Stadtplanung gab es dabei kaum; die Industrie setzte die Standorte, und der Rest ordnete sich an. 1905 überschritt Bochum die Grenze von 100.000 Einwohnern.
Bevor der Krieg die Stadt traf, traf die Verfolgung ihre Bürger. Die jüdische Gemeinde verlor rund 500 namentlich bekannte Mitglieder im Holocaust; die Lehrerin Else Hirsch organisierte ab Dezember 1938 zehn Kindertransporte in die Niederlande und nach Großbritannien. Während des Zweiten Weltkriegs waren in Bochum und Wattenscheid mehr als 30.000 Menschen als Zwangsarbeiter eingesetzt; an das Lager an der Zeche Lothringen erinnert ein eigenes Denkmal.
Der Preis stand im Krieg. Zwischen Mai 1940 und März 1945 fielen bei zwölf Großangriffen und mehr als 135 mittelschweren Bombardierungen über 500.000 Bomben auf die Stadt; über 20 Prozent der Gebäude wurden vollständig zerstört, in der Innenstadt mehr als 60 Prozent. Der Bochumer Verein war als drittgrößter Betrieb der Vereinigten Stahlwerke ein erklärtes Ziel. Bis heute besteht etwa ein Drittel des Baubestands aus Häusern von vor dem Krieg — der Rest ist Wiederaufbau.
1973 schloss die letzte Bochumer Zeche, die Zeche Hannover in Hordel. Damit endete hier ein Gewerbe, das die Stadt in dreißig Jahren gemacht und in hundertdreißig Jahren wieder verlassen hatte. Geblieben sind die Bauten, und sie sind nicht in ein Museumsviertel gerückt, sondern stehen zwischen Wohnhäusern: die Zeche Holland, die Kolonie Friedlicher Nachbar, der Alte Bahnhof in Langendreer.
Die Halle, in der man die Größenordnung am besten begreift, gehörte dem Bochumer Verein. Die Jahrhunderthalle wurde 1902 als Ausstellungsbau für eine Düsseldorfer Gewerbeschau errichtet und danach als Gebläsemaschinenhalle für die Hochöfen weiterverwendet; heute erstreckt sich das Bauwerk über 8900 Quadratmeter und ist eine der Spielstätten der Ruhrtriennale. Um sie herum ist mit dem Westpark eine Grünanlage auf Industriegelände entstanden.

Das Gedächtnis des Reviers sitzt ebenfalls hier. Das Deutsche Bergbau-Museum wurde 1930 von der Westfälischen Berggewerkschaftskasse und der Stadt gegründet; unter dem Haus liegt ein Anschauungsbergwerk in 17 bis 22 Metern Tiefe, und über ihm steht seit 1974 ein Fördergerüst, das von der Dortmunder Zeche Germania hierher versetzt wurde. In Dahlhausen kommt das Eisenbahnmuseum dazu.

Der Umbau begann früher als anderswo, weil zwei Dinge in dasselbe Jahr fielen. 1962 wurde im südlichen Stadtteil Querenburg die Ruhr-Universität gegründet, an der heute über 40.000 Studierende eingeschrieben sind. Im selben Jahr eröffnete die Adam Opel AG auf dem ehemaligen Zechengelände Dannenbaum drei Werke in Laer und Langendreer.
Beides hielt nicht gleich lange. Seit der Finanzkrise von 2008 verlor Bochum das Nokia-Werk und dann die Fahrzeugproduktion von Opel, die Ende 2014 eingestellt wurde; allein dort verloren rund 3000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. Das Land förderte den Umbau mit etwa 65 Millionen Euro in den Jahren 2014 und 2015, das mit Bergbaualtlasten belastete Gelände von 70 Hektar wurde saniert.
Zehn Jahre später sieht die Rechnung anders aus. Auf dem früheren Opel-Areal waren bis 2024 mehr als 6300 Arbeitsplätze entstanden — verteilt auf viele mittelgroße Unternehmen statt auf einen einzelnen Konzern. Ein DHL-Paketzentrum kam hinzu, Volkswagen siedelte seine IT-Tochter an, die 2024 rund 1200 Beschäftigte hatte, und die Universität mit ihrem Schwerpunkt IT-Sicherheit spielte dabei eine Rolle. Die städtischen Gewerbesteuereinnahmen haben sich zwischen 2014 und 2024 verdoppelt.
Mit Sheffield, einer anderen Stahlstadt, die denselben Umbruch durchgemacht hat, verbindet Bochum eine Partnerschaft. Die eigentliche Frage des Strukturwandels ist, ob die Stadt diesmal weniger an einzelnen Großbetrieben hängt als früher an Zechen, Bochumer Verein und Opel — die Glocke vor dem Rathaus erinnert daran, womit es anfing.

Neben Universität und neuen Betrieben ist die Kultur das dritte heutige Standbein, und sie zehrt von einer älteren Entscheidung. Das Schauspielhaus wurde 1915 in einem 1908 errichteten Varietébau eröffnet, im Krieg fast völlig zerstört und bis 1954 auf den alten Fundamenten neu gebaut. 1988 ließ Friedrich Kurz für Starlight Express ein eigenes Theater errichten, das bis heute bespielt wird. Dazwischen liegt das Bermuda3eck mit rund 60 gastronomischen Betrieben, und einmal im Jahr füllt das Festival Bochum Total die Innenstadt.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT_IND, RIK
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