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Hagen, Stadt der FernUniversität hatte am 31.12.2025 189.983 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 39 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Hagen, Stadt der FernUniversität
Hagen gilt als das Tor zum Sauerland, und das ist keine Werbeformel, sondern eine Ortsbeschreibung. Vier Flüsse treffen hier zusammen — Ruhr, Lenne, Volme und Ennepe —, und zwischen ihren Tälern steigt das Land steil an: vom tiefsten Punkt an der Ruhr bis zur höchsten Stelle im Osten liegen 352 Meter Unterschied. 42 Prozent des Stadtgebiets sind Wald.
Das erklärt, warum diese Stadt anders aussieht als ihre Nachbarn im Revier. In den engen Tälern von Volme und Ennepe reiht sich Industrie an Wohnbebauung wie in Bochum oder Essen; ein paar Kilometer weiter südlich beginnt eine Mittelgebirgslandschaft mit Wäldern und Seen. Hagen hat beides zugleich und zählte Ende 2025 189.983 Einwohner.
Im Mittelalter war Hagen unbedeutend. Dorf und Kirchspiel standen hinter den märkischen Stadtgründungen ringsum zurück, vor allem hinter Iserlohn und der benachbarten Grafschaft Limburg; von einer Stadt sprach man hier lange gar nicht, sondern von der Freiheit Hagen. Was den Ort nach vorn brachte, war Wasser, das Hämmer antreibt. 1661 entstand in Eilpe die Lange Riege, eine Siedlung von Klingenschmieden mit mehreren wasserkraftbetriebenen Hammerwerken entlang des Selbecker Baches. Aus dieser Handwerkstradition wuchs alles Weitere: Eisen- und Stahlverarbeitung, später Kaltwalzen und Drahtzieherei. Dass Hagen nie eine Zechenstadt wurde, hat den Charakter der Wirtschaft geprägt — viele mittlere Betriebe statt weniger großer. Dieses Handwerk zeigt heute das LWL-Freilichtmuseum im Mäckingerbachtal in wiederaufgebauten Werkstätten.
Die Stadtwerdung selbst ist ein Kuriosum der Verwaltungsgeschichte. 1724 zerstörte ein Großbrand einen erheblichen Teil der Gebäude, und der Wiederaufbau gelang mit preußischer Hilfe rasch. Zum 3. September 1746 verfügte man auf Eingabe des hier wohnenden Kriegs- und Steuerrates Michael Christian Göring eine Änderung im Steuerrecht, die Historiker heute als Stadtrechtsverleihung deuten; ein genaues Datum für den Stadtstatus hat die Forschung bis heute nicht gefunden.
Der Anschluss an das Netz der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft machte Hagen 1848 zu einem Knotenpunkt, und um 1865 hatte die Stadt das bis dahin führende Iserlohn überholt. 1887 schied sie aus dem Kreis aus und wurde kreisfrei. Die Eisenbahn zog Schwerindustrie nach: Peter Klöckner errichtete in der damals noch selbständigen Nachbarstadt Haspe die Hasper Hütte, ein Hochofen- und Stahlwerk. Von der frühen Verbindung von Bergbau und Schiene zeugt heute noch die Trasse der Schlebusch-Harkorter Kohlenbahn.
Danach wuchs die Stadt vor allem durch Eingemeindungen. 1928 überschritt die Einwohnerzahl die Grenze von 100.000; durch weitere Eingemeindungen stieg sie bis 1939 auf rund 150.000. Zum 1. Januar 1975 kam mit Hohenlimburg das Gebiet der früheren Grafschaft Limburg hinzu — eine Eingemeindung, die ausdrücklich auch wirtschaftliche Gründe hatte, denn die dortige Kaltwalzindustrie war stabil und schuf Arbeitsplätze.
Die jüdische Gemeinde Hagens, 1819 gegründet, traf die NS-Zeit mit voller Härte. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge an der Potthofstraße zerstört, die seit 1859 bestand; Hagener Juden wurden schikaniert und in Konzentrationslagern ermordet. Ihre Toten bestattet die heutige Gemeinde auf dem Jüdischen Friedhof in Eilpe.
In dieser Industriestadt passierte kurz nach der Jahrhundertwende etwas, das man hier nicht erwartet hätte. Der Bankier und Mäzen Karl Ernst Osthaus, in Hagen geboren, holte nach der Jahrhundertwende Architekten in die Stadt, deren Namen später überall stehen sollten: Henry van de Velde, Peter Behrens, Walter Gropius. Was daraus entstand, gilt als Bindeglied zwischen Jugendstil und Moderne und trägt bis heute den Namen Hagener Impuls.

Sein Mittelpunkt war das Folkwang-Museum und eine Gartenstadt, die nur in Ansätzen gebaut wurde. Osthaus ließ sich von van de Velde den Hohenhof errichten, ein Landhaus, das heute als Museum des Hagener Impulses zugänglich ist. Dazu kamen Arbeitersiedlungen in derselben gestalterischen Haltung — die Walddorfstraße, später die Cuno-Siedlung — und das Eduard-Müller-Krematorium, ein Bau von Peter Behrens.
Dass davon so viel übrig ist, verdankt sich einem traurigen Zufall. Die Hagener Innenstadt wurde im Zweiten Weltkrieg durch mehrere Luftangriffe fast vollständig zerstört; den gründerzeitlichen Charakter geben nur noch die angrenzenden Stadtteile wieder. Die Bauten des Hagener Impulses lagen abseits des Zentrums und blieben deshalb weitgehend stehen.
Heute liegt die Sammlung, die Osthaus begann, im Osthaus Museum; daneben eröffnete im August 2009 das Emil Schumacher Museum für den in Hagen geborenen Maler des Informel.

Die folgenreichste Ansiedlung der Nachkriegszeit war keine Fabrik. In Hagen sitzt die staatliche FernUniversität, an der im Sommersemester 2021 rund 78.725 Studierende eingeschrieben waren, verteilt auf Kultur- und Sozialwissenschaften, Mathematik und Informatik, Rechtswissenschaft, Psychologie und Wirtschaftswissenschaft. Seit 2012 steht der Zusatz Stadt der FernUniversität offiziell auf dem Ortsschild. Eine Hochschule mit Zehntausenden Eingeschriebenen, die kaum jemand in der Stadt sieht — das ist eine ungewöhnliche Art von Standortfaktor.

Neben der Hochschule hat Hagen eine eigene Bühnengeschichte. Anfang der 1980er Jahre galt die Stadt als Liverpool der Neuen Deutschen Welle: Nena, Extrabreit und die Schwestern Annette und Inga Humpe haben hier ihre Wurzeln. Das Theater Hagen mit eigenem Opernensemble kommt dazu.

Die Nachkriegsstadt richtete sich nach dem Auto. Der Straßenbahnbetrieb wurde 1976 eingestellt, und der Autoverkehr bekam Hochstraßen wie die 1740 Meter lange Volmetalbrücke in Eilpe. Auch der Handel verlagerte sich: Er konzentriert sich seit 2003 und 2014 auf zwei Einkaufsgalerien am Friedrich-Ebert-Platz.
Wie verwundbar die Täler dieser Stadt sind, zeigte der Juli 2021, als eine Flutkatastrophe nach Starkregen vor allem das Volmetal und Hohenlimburg traf.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: RIK
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Die Stadt ist Sitz eines Amts-, Land- und Arbeitsgerichts und damit weiterhin ein Verwaltungsort für die Region südlich der Ruhr. Zwei regional tätige Kreditinstitute haben hier ihren Sitz, die Sparkasse an Volme und Ruhr sowie die Märkische Bank.
Wer diese Stadt einordnen will, sollte sie nicht mit dem Revier verrechnen, dem sie am Rand angehört. Hagen hat weder Zeche noch Konzern verloren, sondern lebt von vielen kleinen Betrieben, von Wald und von einer Hochschule, die überall ist und nirgends. Genau deshalb sagen die Kennzahlen hier etwas anderes als ein paar Kilometer weiter nördlich.






