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Herrnhut hatte am 31.12.2025 5.654 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 38 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Herrnhut
Herrnhut liegt in der östlichen Oberlausitz, zentral zwischen Löbau im Nordwesten und Zittau im Süden, auf dem Herrnhuter Hügelrücken. Das Stadtgebiet umfasst 74,13 Quadratkilometer und liegt in 344 Metern Höhe. Weil die Stadt durch die Eingemeindungen mehrerer Nachbargemeinden gewachsen ist, besteht sie heute aus der Kernstadt und zwölf Ortsteilen. Im Straßenverkehr liegt der Ort seit 2013 an einer neuen Trasse der B 178 zwischen Löbau und Zittau, doch die nächste Autobahnanschlussstelle ist dreißig Kilometer entfernt. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 5.654 Einwohner.
Der Ort ist kein gewöhnliches Oberlausitzer Städtchen, sondern der Gründungsort der Herrnhuter Brüdergemeine. Von hier aus wurde eine Glaubensgemeinschaft in aller Welt bekannt, und aus derselben Tradition kommen Missionsarbeit, eine Handelsfirma und ein Weihnachtsstern.
Die Vorgeschichte reicht weit zurück. 1457 entstand in Böhmen mit der Unitas Fratrum eine der frühen evangelischen Kirchen; ihre Mitglieder beriefen sich auf den Reformator Jan Hus, den man 1415 in Konstanz als Ketzer verbrannte. Für ihre Gemeinschaft sollten allein die Aussagen der Bibel gelten. Infolge der Gegenreformation kamen sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Glaubensflüchtlinge in die Oberlausitz.

Die Gründung verdankt sich der Großzügigkeit des Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf. 1722 gewährte er Böhmischen Brüdern aus Mähren Aufnahme auf seinem Gut Berthelsdorf. Ein Gedenkstein im Eulbusch erinnert bis heute an den Baubeginn der Siedlung am 17. Juni 1722. Die Flüchtlinge stellten ihre Gemeinschaft unter die Obhut des Herrn Jesus und nannten die Kolonie Herrnhut.
Die Ausstrahlung dieser Arbeits- und Lebensgemeinschaft erreichte rasch Menschen aus anderen Kirchen, auch dank der besonderen Gaben des Grafen, der seine pietistisch geprägte Theologie weiterentwickelte. Als er 1760 starb, hinterließ er den Brüdern das Schloss und das Gut.
Heute ist Herrnhut der Hauptsitz der Herrnhuter Brüdergemeine, die als Moravian Church in 30 Ländern vertreten ist und noch heute Missionsarbeit betreibt. Im Vogtshof sitzt die Evangelische Brüder-Unität, und in seinem Sitzungssaal werden jährlich die Losungen der Brüdergemeine gezogen. Daneben gibt es in der Stadt die 1956 geweihte katholische Kirche St. Bonifatius und seit 1999 das Christliche Zentrum, eine evangelische Freikirche. 2016 erhielt Herrnhut von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa den Titel Reformationsstadt Europas.

Herrnhut wurde nicht als Stadt gegründet. Wegen des Zuzugs wurde es noch im 18. Jahrhundert eine Verwaltungsgemeinde, 1895 wurde sie selbständig und am 7. Dezember 1929 erhielt sie das Stadtrecht. Die Urkunde des Sächsischen Innenministeriums begründet es mit dem städtischen Charakter des Ortes und mit seinem Weltruf. Nach dem sächsischen Landesrezess von 1777 hatte Herrnhut 76 Häuser.
Die Moderne kam schrittweise. 1848 erhielt der Ort mit der Bahnstrecke Zittau–Löbau einen Bahnanschluss, und am 1. Dezember 1893 wurde die Schmalspurbahn nach Bernstadt eröffnet. Einen Telefonanschluss bekam Herrnhut 1907, und 1920 begann die Elektrifizierung. Die Schmalspurbahn wurde nach 1945 als Reparationsleistung für die Sowjetunion abgebaut. Im Prager Frühling 1968 wurden am Bahnhof 200 sowjetische Panzer entladen. Der Personenverkehr auf der Strecke Zittau–Herrnhut–Löbau wurde 1998 eingestellt, der Güterverkehr 2002.
Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erhielt die NSDAP in Herrnhut etwa 43 Prozent der Stimmen. Ein Tag in der Stadtgeschichte ist besonders bitter. Am 9. Mai 1945, einen Tag nach dem Kriegsende in Europa, brannten sowjetische Soldaten etwa ein Drittel der historischen Gebäude nieder, darunter den alten Kirchensaal, das Schwesternhaus und das erst 1906 bis 1907 erbaute Brüderhaus. Der Kirchensaal wurde nach einem Wiederaufbau seit 1951 am 9. August 1953 eingeweiht.
Die Stadt ist heute größer als früher, weil sie Nachbarn aufgenommen hat. 1994 kam Ruppersdorf mit seinen Ortsteilen hinzu, am 1. Januar 2010 folgte die überschuldete Gemeinde Strahwalde, am 1. Januar 2011 Großhennersdorf und zum 1. Januar 2013 Berthelsdorf. Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl über 1000, und in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg erreichte sie die Marke von 2000. Seit den 1950er Jahren war die Bevölkerung zurückgegangen, und dieser Rückgang konnte erst durch die Eingemeindungen ausgeglichen werden. Die heutige Zahl von 5.654 umfasst deshalb auch die eingemeindeten Ortsteile und lässt sich mit den älteren Zahlen der Kernstadt nicht unmittelbar vergleichen.

Aus der Brüdergemeine erwuchs auch Gewerbe. 1747 übernahm der Kaufmann Abraham Dürninger aus Straßburg den Gemeinladen der Brüdergemeine; das war der Grundstein der Firma Dürninger, die als erstes deutsches Unternehmen bereits 1827 Havanna-Zigarren einführte. Die Firma besteht als Textilunternehmen, Tischlerei und Lebensmittelmarkt fort.
Weltweit bekannt ist der Herrnhuter Stern, der in einer manufakturartigen Schauproduktion hergestellt wird. Daneben gibt es die Comenius-Buchhandlung, die zugleich Musikalien führt, Kulturveranstaltungen organisiert und einen Verlag betreibt, eine Druckerei mit Verlag und die Herrnhuter Diakonie, eine Stiftung der Brüder-Unität. Die Evangelischen Zinzendorfschulen mit Gymnasium und Oberschule führen die Klassenstufen 5 bis 12, und das Völkerkundemuseum erinnert an die Missionsarbeit.
Der Kern der Siedlung ist der Zinzendorfplatz mit seiner Bebauung. Das Herrschaftshaus wurde von 1725 bis 1727 durch Zinzendorf errichtet und 1748 und 1781 umgebaut, der Vogtshof von 1730 wurde 1746 schlossartig erweitert. Der barocke Kirchensaal der Brüdergemeine von 1756 wurde 1945 zerstört und von 1951 bis 1953 wieder aufgebaut.

Zu den weiteren Bauten zählen das Witwenhaus, barocke Bürgerhäuser wie das Holländerhaus und der Dürninger-Garten. In der Sammlung der Denkmale steht auch der Denkstein zum Anbau von Herrnhut 1722.
Auf dieses Gefüge aus Platz, Gemeindebauten und Gottesacker bezieht sich auch die jüngste Auszeichnung: Am 26. Juli 2024 ernannte die UNESCO die Siedlungen der Herrnhuter Brüdergemeine zum Weltkulturerbe. Geschützt sind damit die Siedlungen der Brüdergemeine als Ganzes, nicht ein einzelnes Bauwerk.
Das Unitätsarchiv mit Bibliothek und Lesesaal bewahrt die Überlieferung der Brüdergemeine, und im Gildenhaus verkauft die Herrnhuter Künstlergilde ihre Arbeiten.
Über den Ortskern hinaus reicht das Angebot: Zwischen Herrnhut und Großhennersdorf verläuft ein Skulpturenpfad, im Ortsteil Ruppersdorf steht ein Wasserschloss, und im Eulbusch liegt ein Waldbad.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: WH, FW
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